BLKÖ:Rózsavölgyi, Marcus

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Rózsa, Joseph
Band: 27 (1874), ab Seite: 191. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Márk Rózsavölgyi in der Wikipedia
GND-Eintrag: 123805023, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Rózsavölgyi, Marcus|27|191|}}

Rózsavölgyi, Marcus (Tonkünstler, geb. zu Balassa-Gyarmath im Jahre 1787, gest. 23. Jänner 1848). Seine israelitischen Eltern welche zu Balassa-Gyarmath wohnten, hießen Rosenthal und erst im Jahre 1824 magyarisirte Marcus seinen ursprünglichen Namen in Rózsavölgyi. Die Armuth der Eltern gestattete es nichts das musikalische Talent ihres Sohnes, der oft fälschlich für einen Zigeuner gehalten wird, ausbilden zu lassen. So ging er denn, erst 11 Jahre alt, in die weite Welt und gab, um sich dürftig fortzubringen, Unterricht im Schönschreiben, während er sich selbst in der Musik fortbildete und vom Erlöse seiner Unterrichtsstunden den Lehrer im [192] Violinspiel bezahlte. Während dieser Zeit vom 11. bis zum 19. Jahre, brachte er abwechselnd in Wien, Preßburg und Prag zu. Im J. 1806 ließ er in seiner Heimat als Handelsagent in Pesth sich nieder, aber dabei blieb er seiner Muse, der Tonkunst, immer treu und componirte mehrere Nationaltänze, von denen 6 Magyars in Wien gedruckt erschienen, und zu welchen später noch einige andere, darunter der berühmte Hatvagás, sich gesellten. Dieser letztere galt lange Zeit für ein Werk Bihari’s [Bd. I, S. 394], mit dem Rózsavölgyi um diese Zeit zusammentraf. Seither verkehrte R. viel mit ihm und anderen Musik treibenden Zigeunern, woraus auch die Annahme sich gebildet haben mag, daß Rózsavölgyi selbst von Zigeunern abstamme. Auf Zureden einiger Freunde trat R. im Saale bei Hocker in Pesth öffentlich in einem Concerte auf, worin er auch seine eigenen Compositionen vortrug und großen Beifall erntete. Bald darauf übernahm er die Leitung des Orchesters bei der ungarischen Schauspieler-Gesellschaft, welche damals im deutschen Theater Vorstellungen gab. Alsdann unternahm er eine Kunstreise, zunächst im Vaterlande und erntete in einem Concerte zu Baja solchen Erfolg, daß er den Antrag, gegen eine festgesetzte Summe daselbst zu bleiben, annahm. In den Jahren 1814–1819 besuchte er die Städte Fünfkirchen, wo er an dem Musikfreunde Baron Prandau einen liebenswürdigen Mäcen fand, dann Weißenburg, Veszprim, wo er sich mit dem tüchtigen Musicus und Capellmeister Ruziczka befreundete, und Füred. R. schrieb in dieser Periode zahlreiche ungarische Tanzcompositionen, die überall mit großem Beifall aufgenommen wurden. Da traf ihn im letztgenannten Jahre ein schwerer Schlag, eine Feuersbrunst, welche in Baja 400 Häuser in Asche legte, vernichtete auch seine ganze Habe und neben seinen nicht unbedeutenden Werthsachen verlor er überdieß alle seine Bücher und Musikalien. Der Baron Prandau unterstützte ihn nun in dieser traurigen Lage in großmüthiger Weise; auch erhielt er bald darauf die Stelle des Capellmeisters an der deutschen Oper zu Temesvár, welche er drei Jahre versah. Im Jahre 1823 sicherte ihm das Bácser Comitat eine bestimmte Jahrespension unter der Bedingung zu, daß er seinen bleibenden Aufenthalt daselbst nehme. Er behielt auch bis 1830 seinen Wohnsitz in demselben, jetzt aber veranlaßte ihn die Sorge für die Erziehung seiner Kinder – denn R. war seit 1814 verheirathet – zur Uebersiedlung nach Pesth. In der Zwischenzeit war er im Jahre 1825 zur Krönungsfeier in Preßburg in mehreren Concerten aufgetreten, in welchen er seine Krönungs- und Landtagstänze vortrug und im Jahre 1830 spielte er vor dem Erzherzog Ferdinand mit großem Beifall. Während seines Aufenthaltes in Pesth gab er im Anbeginn nur selten mehr Concerte, insbesondere seit er Mitglied des Orchesters an der ungarischen Nationalbühne geworden, welcher Stelle er aber später durch Intriguen verlustig wurde, worauf er dann wieder Kunstreisen unternahm und sich in Kaschau, Eperies, Pápa, Raab, Steinamanger u. a. O. öffentlich hören ließ. In Pápa rettete ihn Dr. Cseresnyi durch eine Operation vor Erblindung. Seit dem Jahre 1840, damals bereits 53 Jahre alt, gab R. keine öffentlichen Concerte mehr, sondern beschäftigte sich blos mit der Composition; nur über Aufforderung seiner zahlreichen Verehrer gab er im ungarischen Theater Pesths am 25. Februar [193] 1845 sein Abschiedsconcert, in welchem er ausschließlich eigene Compositionen vortrug. Um die Mitte des Jahres 1846 begann er zu kränkeln, bald aber stellte sich ein unheilbares Krebsleiden heraus, dem er nach anderthalb Jahren, die Qualen dieser entsetzlichen Krankheit mit großer Geduld und Fassung ertragend, im Jahre 1848, 61 Jahre alt, erlag. Rószavölgyi’s Compositionen, aus ungarischen Nationaltänzen Csárdás und Gesellschafts- (den sogenannten Kör-) Tänzen bestehend, wurden unter Dr. Wirnau’s Anregung von der ungarischen National-Gesellschaft (Nemzeti kör) auf Pränumeration in 10 Heften herausgegeben. Sie enthalten über 200 Nummern. Außerdem erschienen nach seinem Tode „Nachgelassene Werke“ in 24 Nummern. Aus seiner Ehe hinterließ er drei Kinder, von denen seine Tochter Babette, vermälte Granichstädten, dem Vater bald im Tode nachfolgte. Von den Söhnen ist Leopold Arzt zu Szivatz und Julius Kunst- und Musikalienhändler in Pesth, der mit seinem Gesellschafter im Jahre 1859 den gesammten Musik- und Kunstverlag von Joseph Wagner in Pesth käuflich an sich brachte, und in dessen Verlage sich noch mehrere Werke seines Vaters vorfinden. Im Auslande ist R. verhältnißmäßig wenig gekannt, wenngleich seine Compositionen meist von ungarischen Regimentsbanden und vornehmlich in Italien nicht selten und mit großem Beifall aufgespielt wurden. Die Lexika der Tonkünstler von Fetis, Schilling, Gaßner, Schladebach-Bernsdorff kennen seinen Namen nicht. Die ungarische Musikkritik bezeichnet ihn als den Schöpfer des Kör- und Társálgo-Tanzes in Ungarn und als Einen der Ersten, wenn nicht gar Ersten, der die ungarische Nationalmusik auf einen höheren Standpunct gehoben hat. Die Musik vor ihm, fast nur im Bauernwirthshaus und in der Csárda heimisch, wurde durch ihn in den Tanzsaal, ja in den Salon eingeführt. Vornehmlich aber waren es die Zigeuner, auf deren musikalische Verfeinerung er sein Hauptaugenmerk gerichtet hatte. Wochenlang brachte er oft in den Hütten derselben zu, wenn er einen Jungen fand, der Talent für die Musik zeigte, daher diese Hauptträger der ungarischen Musik der Gegenwart ihn so zu sagen als ihren Schutzpatron verehren und vornehmlich noch in ihren Kreisen Rózsavölgyi’s Compositionen fortleben. Die bedeutendsten Zigeuner-Musikanten, wie Farkas, die Brüder Patikárus [Bd. XXI, S. 348], Loot, Sárközi u. A. waren seine Schüler. Petöfy feierte den dahingeschiedenen Volkscompositeur in einem größeren Gedichte, in welchem er den Geist der magyarischen Volksmusik und dabei aber auch R.’s eben nicht glänzende Lage schildert.

Pest-Ofner Zeitung 1856, Nr. 185: „Musikalische Zigeuner“, von Alex. Czeke [auch in Zellner’s Blättern für Musik 1860, Nr. 64, im Feuilleton] – Wiener allgemeine Musik-Zeitung. Von Dr. Aug. Schmidt (4°.) IV. Jahrg. (1844), S. 276: „Sammlung nationaler Lieder“. – Rózsavölgyi-Denkmal. Bald nach seinem Tode bildete sich eine Gesellschaft von Freunden in der Absicht, R. ein Denkmal errichten zu lassen. Die 48er Revolution vereitelte dieses Vorhaben. Später ließ sein Sohn Julius auf des Vaters Grabe einen Denkstein mit der einfachen Inschrift sehen: Rózsavölgyi Mark, Meghalt életének 61ik évében Januarius 23ikán 1848. Der Denkstein zeigt eine bekränzte Apollo-Leier und eine Notenrolle.