BLKÖ:Rath, Heinrich Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Ratakowsky, Franz
Band: 25 (1873), ab Seite: 10. (Quelle)
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Rath, Heinrich Freiherr von (k. k. Feldmarschall-Lieutenant, geb. in der Festung Josephstadt in Böhmen 24. März 1792, gest. zu Gratz 17. December 1864). Entstammt einer berühmten Soldatenfamilie, aus welcher seit dem dreißigjährigen Kriege in ununterbrochener Reihenfolge mehrere als Generale und Stabsofficiere der kaiserlichen Armee angehörten und von denen Einer im Jahre 1686 bei der Belagerung von Ofen, ein anderer 1702, im Gefechte bei Luzzara, den Heldentod vor dem Feinde fanden. Sein Vater, gleichfalls Heinrich, war Oberst im Regimente Andlaw und wurde im Jahre 1766 in den Freiherrnstand erhoben. Der Sohn Heinrich R. kam im Alter von acht Jahren in die k. k. Ingenieur-Akademie, aus welcher er im Jahre 1809 als Fähnrich in das Regiment Saint Julien Nr. 61 eingetheilt wurde. Er focht im nämlichen Jahre noch in Italien bei Fontana Fredda, Suave, an der Piave, am Tagliamento, bei Venzone, wo er verwundet wurde, und kam dann nach Ungarn, wo er in der Schlacht bei Raab neuerdings eine Wunde erhielt. Im Feldzuge des Jahres 1813 kam er als Grenadier-Oberlieutenant nach Italien, wo er das Gefecht am Alpon mitmachte. Im folgenden Jahre wurde er dem Generalstabe zugetheilt und Anfangs Februar Hauptmann im italienischen Freibataillon, mit welchem er an allen Gefechten des Corps des Generals Nugent am rechten Po-Ufer theilnahm; für sein ausgezeichnetes Verhalten in der am 4. März 1814 bei Rubiera im Modenesischen stattgehabten Cavallerie-Attaque [11] wurde er in der Relation ehrenvoll erwähnt und von König Murat decorirt. Am 14. April d. J. nahm er bei dem Uebergange über den Taro mit wenigen Huszaren in einer Attaque 4 feindliche Officiere und 200 Mann gefangen und erhielt für seine in der Relation angerühmte Waffenthat von König Victor Emanuel den Mauritius-Orden. Im November 1814 kam R. zu Kaiser Alexander-Infanterie und machte im folgenden Jahre die Cernirung von Schlettstadt mit. Im Jahre 1827 zum Regimente Prinz Hessen-Homburg übersetzt, erhielt er dort die Grenadier-Division, wurde 1831 außer seinem Range Major bei Nugent-Infanterie Nr. 30, im August 1833 wieder außer seinem Range Oberstlieutenant bei Saint Julien und 1835 Oberst im Regimente Hohenlohe. Im Jahre 1843 rückte er zum General-Major vor und erhielt eine Brigade in Mailand. Daselbst that er sich bei Ausbruch der Revolution, am 18. März 1848, durch seine Bravour hervor. Er hatte den Auftrag, mit einem Bataillon ungarischer Grenadiere, einer Compagnie Kaiser-Jäger und einem Zuge Huszaren die Straßen der im vollem Aufstande befindlichen Stadt zu vertheidigen. Von Fenstern, Dächern, aus jedem Verstecke schoß man auf seine Truppe, R. hielt Stand und verhinderte, so weit seine Kugeln reichten, die Errichtung von Barrikaden. Und als er am 20. um 4 Uhr Früh Befehl zum Rückzuge erhielt, schlug er sich mit gleicher Bravour zum Castell durch, ohne, trotz des blutigen Barrikadenkampfes, große Verluste zu erleiden. An dem Siege bei Santa Lucia, am 6. Mai 1848, wo R. mit sechs Bataillonen die Vertheidigung des rechten Etschufers in Verona über sich hatte, kommt ihm wesentlicher Antheil zu. Seine trefflichen Dispositionen, insbesondere, indem er rechtzeitig, der Brigade Clam, die schon ihre Stellung verlassen hatte, um sich in die Festung zurückzuziehen, zur Unterstützung nachgerückt war, ermöglichten mit erneuerter Kraft die Wiederaufnahme des Kampfes, der zuletzt vom glänzenden Siege gekrönt ward. Nicht minder that sich R. bei Somma Campagna, am 23. Juli, hervor, wo er als Qua-Divisionär commandirte. Bei dem Sturme auf Somma Campagna stellte sich R., nachdem ein Bataillon des 2. Banal-Grenz-Regiments bereits von einer überlegenen feindlichen Abtheilung zurückgeworfen worden, in Person an die Spitze des 2., in der Reserve aufgestellten Bataillons von Latour und führte es zum Sturme, in welchem nun der Feind aus Somma Campagna geworfen wurde. R. wurde zum Feldmarschall-Lieutenant befördert, erhielt eine Division im 4. Armeecorps und für sein tapferes Verhalten wurde er mit dem Orden der eisernen Krone 2. Classe ausgezeichnet. In den Jahren 1849–1851 stand er als Divisionär und Stadtcommandant in Mortara, Cremona und Triest; am 16. Mai 1851 erhielt er die 2. Inhaberstelle im Infanterie-Regimente Erzherzog Wilhelm Nr. 12 und im Jänner 1852 trat er nach 43jähriger Dienstzeit in den Ruhestand über, den er noch 12 Jahre genoß. Mit seinem im Alter von 70 Jahren zu Gratz erfolgten Tode erlosch das Geschlecht, das durch drei Jahrhunderte im Waffendienste des Kaiserstaates sich hervorgethan.

Oesterreichische militärische Zeitschrift, herausg. von Streffleur (Wien, gr. 8°.) V. Jahrg. (1864), Bd. 4, S. 65: Nekrolog. – Hirtenfeld (J.), Oesterreichischer Militär-Kalender (Wien, kl. 8°.) 17. Jahrg. (1866), S. 225. – (Gratzer) Tagespost 1864, Nr. 252, im Feuilleton.