BLKÖ:Rint, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Rint, Joseph
Band: 26 (1874), ab Seite: 166. (Quelle)
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Rint, Johann (k. k. Hof-Bildschnitzer, geb. zu Kukus in Böhmen im Jahre 1815). Sohn mittelloser Eltern, die aber trotz ihrer Armuth, wie dieß bei dem im strengen Glauben und in Religiösität aufgewachsenen Landvolke oft vorkommt, nur einen Gedanken hatten, nämlich den: daß ihr Sohn Geistlicher werde. In dieser Absicht gaben sie ihn auch, als er 12 Jahre alt war, in ein Kloster, wo er als Sängerknabe Aufnahme fand und zugleich den erforderlichen [167] Unterricht erhielt. Der Knabe, obwohl still und fleißig, machte doch im Lernen nicht die erwarteten Fortschritte, hingegen versuchte er sich damals bereits, sobald er Zeit hatte, mit einem gewöhnlichen Federmesser im Holzschnitzen und vollendete Häuser, kleine Figuren und andere Gegenstände verschiedenster Art, dann schritt er schon zu Darstellungen aus der Lebensgeschichte des Heilandes mit allem Beiwerke zur Aufstellung der sogenannten heiligen Krippen und Gräber, wie sie zu Weihnachten und Ostern in katholischen Ländern in Kirchen und bei Familien aufgestellt zu werden pflegen. R. schnitzte Alles aus Holz: Jesus in der Krippe, die Mutter Maria[WS 1], Joseph, die drei Könige aus dem Morgenlande, die anbetenden Hirten und Thiere in den verschiedensten Stellungen, die schwebenden Engel und was sonst noch dazu gehört. Diese Arbeiten fanden wohl ihre Liebhaber, konnten aber dem inzwischen achtzehn Jahre alt gewordenen R. nicht den Lebensunterhalt verschaffen, und er mußte, um sich das tägliche Brot zu verdienen, auf anderen Erwerb sinnen. In dieser ersten Noth verlegte er sich auf das Schneiden von Pfeifen, wozu ihm die rohen Blöcke von Händlern aus Wien und Prag zugeschickt wurden und die er dann nach den Angaben der Besteller schnitzte. Die Arbeiten verschafften ihm ihrer Schönheit wegen bald solchen Ruf, daß er keiner Aufträge von außen mehr bedurfte, sondern mit Bestellungen aus der nächsten Umgebung, wobei er selbst den Preis bestimmte, vollauf zu thun hatte. Die Officiere der benachbarten Garnisonen in Josephstadt, Pardubitz, Chrudim verlangten von ihm bald so viel Köpfe, daß er sie gar nicht mehr allein liefern konnte, sondern mehrere Gehilfen zu nehmen genöthigt war. Durch Verschenken und Verkauf kamen Rint’s Arbeiten in die fernsten Gegenden, nach Ungarn, Italien, sogar nach Nordamerika. Als in späteren Jahren eines der schönsten Werke des Künstlers, sein berühmter Kaiserpokal, öffentlich ausgestellt worden, besuchte den Künstler ein Fremder, der sich über die Schönheit des Pokals anerkennend aussprach, dabei aber hinzufügte, er besitze das Werk eines unbekannten Künstlers, der noch schöner arbeite als Rint, und dabei zog er einen herrlich geschnitzten Pfeifenkopf hervor, den R. nach dem daran angebrachten Künstlerzeichen als seine eigene, vor dreißig Jahren geschnitzte Arbeit erkannte. Längere Zeit beschäftigte sich R. fast ausschließlich mit Pfeifenschnitzereien, bis ein Kunstfreund, der damalige Kreishauptmann, nachmalige Polizeiminister Freiherr von Mecséry, der diese Arbeiten Rint’s sah, ihn fragte, ob er denn nicht auch anderes arbeiten möchte? Gewiß, erwiederte Rint, wenn sich ein Besteller findet, und der Kunstfreund bestellte sofort bei R. einen Pokal mit Jagdscenen, der so meisterhaft ausfiel, daß R. nunmehr statt mit Bestellungen von Pfeifen mit dergleichen von Schachspielen, Messer- und Gabelgriffen u. dgl. m. überhäuft wurde. Es war dieß sozusagen die zweite Periode seines Schaffens, erst die Pfeifenköpfe, nun Zier- und Prunkgeräthe. Nach und nach vergrößerte sich sein Erwerb und R. gelangte zu dem von jedem wahren Künstler sehnlichst erwarteten Augenblick, neben den für den leidigen Broterwerb unerläßlichen Arbeiten auch einmal nach seiner Laune schaffen zu können. So entstand ohne Bestellung der zweite Pokal, der auf der Prager Ausstellung durch seine Schönheit Aufsehen erregte und in dem Grafen Clam-Gallas seinen Käufer fand. [168] Nun wurde auch Kaiser Ferdinand auf den Künstler aufmerksam und beauftragte ihn mit der Ausführung eines in Holz geschnitzten Schreibzeuges, welches R. so sinnig und phantasievoll anfertigte, daß ihm der Kaiser das Doppelte des dafür geforderten Betrages auszahlen ließ. Darauf erhielt R. eine Einladung des Grafen Bucquoi, der ihn nun mit verschiedenen Arbeiten für sein Schloß Rosenberg, als: Thürverzierungen, Möbeln, Figuren für die Capelle u. dgl. m. beauftragte. Auch diese größere Arbeit führte R. zur vollen Zufriedenheit des Grafen aus, und sie würde gewiß von weiteren ähnlichen Bestellungen begleitet gewesen sein, wenn nicht die Ereignisse des Jahres 1848 eingetreten wären, die allen Arbeiten dieser Art einen Todesstoß versetzten. Beschäftigungslos verlebte R. in Kummer und Sorge die Tage und arbeitete für sich ohne Bestellung in jenen Tagen eine Kanne mit den allegorischen Darstellungen der vier Jahreszeiten auf der Außenwand. Manchmal war R. in seiner Noth daran, sein Werk zu zertrümmern, eben dieses Werk, mit welchem ein bleibender günstiger Wechsel seines Geschickes eintrat, denn als ein Kunstfreund die Kanne sah, überredete er Rint, sie auf die Linzer Kunstausstellung schicken zu dürfen. Dort erregte die herrliche Kanne allgemeine Bewunderung, und als dieselbe die Frau Erzherzogin Sophie sah, brachte sie das Kunstwerk käuflich an sich. Dieser Erfolg ermuthigte den bereits verzagenden Künstler und brachte ihn zu dem Entschlusse, in die für Bestellungen weit günstigere Stadt Linz zu übersiedeln. Im Mai 1848[WS 2] nahm er nun bleibenden Aufenthalt in Linz und schnitzte im Anbeginn, da es an anderen Bestellungen fehlte, Bildnisse aus Holz, die ihm trefflich gelangen und günstige Aufnahme fanden. Daneben arbeitete er wieder einen Pokal, den später die Linzer Bürgerschaft ankaufte, um ihn dem damaligen deutschen Reichsverweser, Erzherzog Johann, zum Geschenke zu verehren. Nun mehrten sich die Aufträge von allen Seiten. In dieser dritten und letzten Periode seines künstlerischen Schaffens arbeitete R. nur mehr echtkünstlerische und größere Werke. Im Jahre 1849 vollendete er ein Holzrelief, darstellend: „Radetzky’s Einzug in Mailand“, dasselbe wurde um 1000 fl. für die kaiserliche Schatzkammer in Wien angekauft. Im folgenden Jahre vollendete er noch vier ähnliche Reliefs mit nachstehenden Darstellungen: „Der Waffenstillstand von Novara“; – „Die Vereinigung der Völker Deutschlands“; – „Der Besuch des Kaisers Franz Joseph im Invalidenhause zu Wien“ und „Die Uebergabe Venedigs“. Das dritte kam in das Wiener Invalidenhaus, die anderen in das kaiserliche Antiken-Cabinet. In Folge dieser Arbeiten erlangte auch R. ein kaiserliches Stipendium von 600 fl. für drei Jahre, durch welches er in den Stand gesetzt wurde, seine künstlerische Ausbildung in München zu vollenden. Von München begab er sich wieder nach Linz zurück, wo er sich fortan mit Ausführung von Kirchenschnitzereien und Statuen beschäftigte, die den schönsten Werken der Holzschnitzkunst beigezählt zu werden verdienen. Von diesen sind insbesondere anzuführen: „Christus bei Maria und Martha in Bethanien“, aus Cedernholz, im Auftrage Ihrer kais. Hoheit der Erzherzogin Sophie zum Geschenke für den Vicekönig von Egypten bestimmt, in wahrhaft meisterhafter Ausführung der biblischen Charaktere, mit einer Reinheit und Schönheit des Details sondergleichen; – dann unter mehreren anderen, um diese Zeit ausgeführten [169] Altären jener für die Familiengruft des Fürsten Lamberg, zugleich mit Leuchter, Kanontafel und Ampel, dann ein zweiter für Budweis, acht Klafter hoch, mit Ornamenten in Gold; – ferner ein geschnitztes Chor für die fürstliche Begräbnißcapelle zu Nesamislitz, über die dabei befindliche Statue der schmerzhaften Mutter Gottes hat der als Kunstkenner anerkannte Novellist Adalbert Stifter einen begeisterten Bericht veröffentlicht. – Nun aber folgte sein eigentliches Meisterstück, der sogenannte „Kaiserbecher“, den R. in den Jahren 1862 bis 1864 gearbeitet und der seinem Namen im Auslande erst Anerkennung verschaffen sollte. Den Pokal fertigte der Künstler aus Einem Stücke Buchsbaum; er ist zwei Schuh hoch und entzückt durch seine sinnige Composition. Der Hauptkörper enthält in vier mit äußerster Reinheit durchgeführten Reliefs Darstellungen aus der deutschen Kaisergeschichte, und zwar die Krönung Karl’s des Großen; die feierliche Uebergabe der Reichskleinodien an den Sachsenherzog Heinrich den Finkler; die Demüthigung der Lombarden durch Friedrich den Rothbart und Rudolph’s von Habsburg Begegnung des Priesters, der mit der h. Wegzehrung zum Kranken eilt. Diese Bilder sind durch Stabnischen von Laubdächern in gothischer Form überdeckt, von einander geschieden und in den Nischen stehen die Statuetten der Kunst, der Wissenschaft, der Industrie und des Handels als Symbole des regen deutschen Culturlebens. Auf einer von natürlichen Stäben überschnittenen Schrägflache (Biseau) oberhalb jenen Medaillons und Figuren ruhen, mit den entsprechenden Fürstenhüten geziert, die in Basrelief geschnittenen Wappen der sechs deutschen Großherzogthümer, umschlungen von einem Eichenkranze und ornamentalen Schriftbande, während der Griff des Bechers die heraldischen Schilde der vier freien deutschen Städte trägt und auf dem Fuße des Pokals noch weitere zwölf Wappen souveräner deutscher Fürsten zwischen Stabwerk und Schriftbändern künstlerisch angeordnet zu sehen sind. Ueber einen dichten, mit Bändern umwundenen Wulst von Lorbeern baut sich der neun Zoll hohe, der Form der alten Kaiserkrone ähnlichst nachgebildete Deckel auf, der nach außen den kaiserlichen Doppeladler, rings umgeben von den Wappenschildern der fünf deutschen Könige, trägt; während nach innen in der kunstvoll durchbrochenen Höhlung dieser Arabeskenkrone die Standbilder der Bekehrer und Apostel Deutschlands sichtbar werden und sich das ganze, so reich geschmückte Kunstwerk mit der Figur der mit Schild und Schwert gerüsteten Germania schließt und krönt. Der Becher wurde in einer zu Gunsten des Prager Dombau-Vereins veranstalteten Lotterie ausgespielt und der Künstler mußte ein Anerbieten von mehreren tausend Thalern, das ihm gemacht worden, in Folge dessen ablehnen. Nach diesem Pokale wendete sich der Künstler der Ausführung von Schmucksachen in Holz zu, und ein Halsschmuck mit Ohrgehängen befindet sich im Besitze Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth; ein Werk von einer nicht zu beschreibenden Feinheit und Zierlichkeit in der Ausführung. Von späteren Arbeiten des Künstlers ist auch eine lebensgroße Statue des h. Johannes bekannt geworden, welche im Jahre 1866 im österreichischen Museum aufgestellt gewesen. Sonst sind dem Herausgeber dieses Lexikons bekannt eine Flucht nach Egypten, Tellergröße, oval mit ornamentaler Rahmenfassung aus Nußholz, das Bild: [170] Maria, Jesus, Joseph, acht Engel und der Esel aus Buchs; – das in Holz ausgeführte Modell des Haßlacher Altars bei Ried nächst Kremsmünster; – eine heilige Pietà, im Besitze des Kremsmünsterer Capitulars Oddo Schima, in dessen Händen sich auch zwei Stück aus Buchs: Christus am Oelberg und Christi Gefangennehmung, jedes 161/2 Zoll hoch und 131/2 Zoll breit, ein kleiner Flügelaltar und zwei Heilige aus Nuß und Elfenbein befinden; im österreichischen Kunstverein im April 1852 war von R. ausgestellt: ein wunderthätiger Heiland, Basrelief in Holz nach Arry Scheffer[WS 3] (200 fl.); in der im April 1869 stattgehabten I. internationalen Kunstausstellung im Künstlerhause in Wien eine „Himmelfahrt Mariä“ (500 fl.). Im Jahre 1865 wurde der Künstler durch den Titel eines k. k. Hofbildschnitzers ausgezeichnet.

Allgemeine deutsche Stenographen-Zeitung (Leipzig) 1868, Nr. 1 u. 2 [Herausgeber dieses Lexikons verdankt die darin über Rint enthaltene Mittheilung der Liebenswürdigkeit des Kremsmünsterer Capitulars Oddo Schima, unter dessen Oberleitung die schöne Kunstsammlung des Stiftes ganz neu geordnet, hergerichtet und aufgestellt wurde]. – Unsere Zeit (Leipzig, Brockhaus, gr. 8°.) Neue Folge. II. Jahrg., erste Hälfte (1866), S. 63: „Johann Rint. Bildschnitzer zu Linz“ [daselbst heißt sein Geburtsort irrig Kubus statt Kukus]. – Wiener Zeitung 1859, Nr. 122, S. 2387; 1862, Tagesbericht Nr. 138, S. 914; 1864, in der Abendpost Nr. 216, S. 866; 1867, Nr. 121. – Linzer Zeitung 1862, Nr. 134; 1864, Nr. 186. – Salzburger Bote 1864, Nr. 105. – Triester Zeitung 1865, Nr. 281. – Blätter aus Krain (Laibach, 4°.) 1865, Nr. 35. – Ueber Land und Meer (Stuttgart, bei Hallberger, kl. Fol.) 1865, 14. Bd. Nr. 42, S. 663. – Bohemia (Prager polit. und belletr. Blatt, 4°.) 1865, Nr. 109. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1866, Nr. 575; 1868, Nr. 1494. – Neues Familien-Journal (Beilage des Neuen Wiener Tagblatt) 1867, Nr. 69.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Martha.
  2. Vorlage: 1843.
  3. Ary Scheffer (Wikipedia).