BLKÖ:Ripke, Ludwig Rudolph Freiherr

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Riotte, Philipp Jacob
Nächster>>>
Rippar, Johann Karl
Band: 26 (1874), ab Seite: 174. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Ludwig Rudolph Ripke in Wikidata
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Ripke, Ludwig Rudolph Freiherr|26|174|}}

Ripke, Ludwig Rudolph Freiherr (k. k. General-Major und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Meinersen in Hannover im Jahre 1723, gest. zu Wien 4. Februar 1796). Einer hannoveranischen Adelsfamilie entstammend, trat R., 17 Jahre alt, als Volontär im Jahre 1740 in die kaiserliche Armee. Im Jahre 1744 focht er in Italien und am Rhein, und zwar im Elsaß, bei dem Rheinübergange, bei Fort Louis, bei der Einnahme von Elsaß-Zabern, bei dem Rückzuge über den Rhein, bei Beyerheim und bei dem Elbeübergange zu Delschütz in Böhmen, wo er überall durch seine Tapferkeit sich hervorthat; – im folgenden Jahre bei der Armee in Italien kämpfte er gegen die Spanier, als sie den Tannaro überschritten, wirkte bei der Vertreibung der sardinischen Armee bei Pieve d’Albignola und Somino mit und gab besondere Beweise seiner Tapferkeit und Umsicht, indem er durch einen mit einer kleinen [175] Abtheilung Huszaren unternommenen Angriff die ganze Arrièregarde, Artillerie und Bagage von dem von ihm entdeckten Feinde befreite. – Nicht minder zeichnete er sich aus im Jahre 1747 bei der Vorrückung unserer Armee gegen Genua, bei der Belagerung dieser Stadt, bei dem Uebergange der Artillerie über die Gebirge, bei dem Angriffe von Bocchetta und der Fratelli und bei der Zurückweisung des feindlichen Ausfalles bei Conegliano. – Bei Beginn des siebenjährigen Krieges war R. bereits zum Major im Generalstabe vorgerückt. Auch in diesem Kriege hat R. eine Reihe von Waffenthaten aufzuweisen, die ihn ebenso als tapferen wie umsichtigen Kriegsmann bezeichnen. So bei der Einnahme von Zittau (19. Juli 1757), in der Schlacht am Maysberge unweit Görlitz (7. September d. J.), dann bei der Belagerung der Festung Schweidnitz (November d. J.), wo namentlich sein Plan der Belagerungsarbeiten zur Nachtzeit sich ganz vorzüglich bewährte, und bei der bald darauf (am 22. November) erfolgten Einnahme von Breslau und der (am 5. December stattgehabten) Schlacht bei Leuthen, welche unglücklich für uns ausfiel, in welcher aber durch R.’s umsichtige Dispositionen ein beträchtlicher Theil des Geschützes und der Bedienungsmannschaft gerettet wurden. Auch im Feldzuge des Jahres 1758 that sich R. gleich im Beginne desselben bei der Belagerung von Olmütz hervor, welche der König nach dem am 30. Juni erfolgten Ueberfalle seines Convois aufzugeben gezwungen wurde. Bei Olmütz wurden unter R.’s unmittelbarer Anleitung 30 Brücken zur Beförderung der Truppen auf die andere Seite geschlagen; in der Schlacht bei Hochkirch, in der Nacht vom 13, zum 14. October, war es seiner beherzten Recognoscirung gelungen, die feindliche Stellung aufzufinden, in Folge welcher der Ueberfall des feindlichen Lagers vollkommen gelang; bei Landshut aber hatte er nicht nur den ganzen Angriffsplan entworfen, sondern auch durch seinen, mit einer Abtheilung Freiwilliger ausgeführten ersten Angriff wesentlich zum Gelingen der Action beigetragen. – Im Feldzuge des Jahres 1759 feierte R. im Juli bei Friedland seinen Ehrentag, er griff den preußischen Obristleutenant Lüderitz an, nahm zwei Officiere mit eigener Hand gefangen, und nach erfochtenem Siege waren der Commandant mit 80 Officieren und 150 Mann in unserer Gewalt, und über 200 Mann todt und verwundet auf dem Kampfplatze. Ausgezeichnete Dienste leistete R. auch noch, als der preußische General Fouquet unserem General Harsch den Rückzug nach Böhmen abschneiden wollte, wo R. die Truppen auf solchen Wogen an ihr Ziel führte, daß die Preußen zuletzt das Nachsehen hatten. In der Folge, im Jahre 1760, that sich R. noch bei Liegnitz und bei Glatz hervor. Für seine Waffenthaten, insbesondere für jene mit besonderer Bravour ausgeführte bei Friedland, wurde R. in der 5. Promotion (vom 23. Jänner 1760) mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Im J. 1763 rückte R. zum Oberstlieutenant vor, wurde zum Oberst-Schiffsamt übersetzt und Commandant des Pontonier-Bataillons. Als solcher trat er mit der Erfindung eines Kriegsschiffes auf, dessen Construction sich nach dem damaligen Stande der Schiffsmechanik als sehr vortheilhaft erwies. Im Jahre 1771 erfolgte seine Beförderung zum Obersten in seiner Anstellung; R. legte aber in einigen Jahren sein Commando nieder [176] und wurde im Jahre 1776 General-Major, als welcher er zu Wien im Alter von 73 Jahren starb. Den Statuten des Ordens gemäß wurde er im Jahre 1764 in den Freiherrnstand erhoben. – Der im Jahre 1840 am 27. December zu Wien im Alter von 74 Jahren verstorbene k. k. Rittmeister und Secondwachtmeister in der Arcieren-Leibgarde, Johann Freiherr von Riepke, und der um diese Zeit im 18. Infanterie-Regimente als Hauptmann bedienstete Joseph Freiherr von R. scheinen seine Söhne und die letzten ihres Geschlechtes gewesen zu sein, denn der Name dieser Familie erscheint weder im Civilstaats- noch im Militär-Schematismus des Kaiserthums.

Freiherrnstands-Diplom ddo. Wien 14. Februar 1764. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 113. – Wappen. Quadrirter Schild mit Herzschild. 1 u. 4: in Gold ein rechtsschauender schwarzer Adler mit offenem Schnabel, rothausgeschlagener Zunge, ausgespannten Flügeln und von sich gestreckten Fangen; 2: in Blau eine aufrecht gestellte Partisane, mit zwei in’s Kreuz gestellten bloßen Degen belegt; 3: gleichfalls in Blau ein rechtsgekehrtes, roth und golden gestrichenes, mit vollen Segeln schwimmendes Schiff. Herzschild. In Roth ein hinter Wolken zur Rechten hervorgestreckter entblößter Arm, in der Hand eine silberne Rippe haltend. Auf dem Schilde ruhen drei gekrönte Turnierhelme. Aus der Krone des mittleren wächst ein weißes rückwärts sehendes Einhorn; aus der Krone des rechten Helms wallen vier Straußenfedern, die erste und dritte blau, die beiden anderen roth, deren jede mit einem sechseckigen goldenen Sterne belegt ist; die Krone des linken Helms trägt einen natürlichen, mit einem silbernen rechtsgekehrten Adler mit ausgespannten Flügeln belegten Pfauenschweif. Die Helmdecken des rechten Helms und des mittleren zur Rechten sind schwarz, die anderen blau, sämmtlich mit Gold unterlegt.