BLKÖ:Salghetti-Drioli, Franz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Salieri, Anton
Band: 28 (1874), ab Seite: 95. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 133651193, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Salghetti-Drioli, Franz|28|95|}}

Salghetti-Drioli, Franz (Maler, geb. zu Zara am 11. März 1811). Sein Vater Joseph war Rosogliofabrikant in Zara und die Mutter Josepha Basano stammt aus dem croatischen Küstenlande. Den ersten Unterricht erhielt S. in seinem Geburtsorte, wo ihn ein gewisser Nievo aus Vicenza auch im Zeichnen unterwies. Als er 14 Jahre alt war, schickte ihn sein Vater nach Triest, um dort die Handlung zu erlernen, nebenbei aber nahm er Unterricht in der Kunst bei dem Aquarellmaler Solferino. Das Malen mit Oelfarben lehrte ihn Solferino’s Sohn, der in jener Zeit von der Venetianer Akademie nach Triest zu seinem Vater zurückgekehrt war. Nach zweijährigem Aufenthalte in Triest begab sich S. nach Zara zurück, und zwar mit dem festen Entschlusse, sich der Kunst zu widmen. Um sich jedoch in derselben vollkommen auszubilden, wollte er nach Italien gehen, fand aber bei der Mutter, die den Sohn nicht von sich lassen wollte, Widerstand, bis über Zureden eines Freundes des Hauses, eines Officiers vom Geniecorps, die Mutter dem Drängen des Sohnes nachgab, und dieser nach Rom ging, um an der dortigen Kunstakademie seine Studien zu machen. Diese betrieb er auch dort mit allem Eifer in verschiedenen Richtungen. Nach zweijährigem Aufenthalte in Rom ging S. nach Venedig und studirte dort die alten Meister der Venetianer Schule. Außer mehreren Copien alter Gemälde vollendete er in der Lagunenstadt ein Altarbild: „Der h. Benedict“, welches in die Klosterkirche Santa Maria in Zara kam. Nach dritthalbjährigem Aufenthalte in Zara, wohin er mehrere Copien nach Tizian, Bordoni und Tintoretto u. A. mitgenommen, ging er nach Bologna, dann nach Parma, um die besten Werke von Correggio und Carracci zu studiren und kehrte wieder nach Rom zurück. Dort malte er nun zwei große Altarbilder: „Die Anbetung Christi durch die h. drei Könige“ und „Christus jagt die Verkäufer aus dem Tempel“, beide Gemälde erweckten die Aufmerksamkeit der Kenner und die Fachkritik war des Lobes voll über S.’s Leistungen. Auch wurde S. in Rom mit den beiden Malern Minardi und Bianchini bekannt, die ihn in seinen Bestrebungen förderten und ihm zu mancher Arbeit behilflich waren. Dabei war in S. vornehmlich der Drang thätig, sich mit den Eigenheiten der verschiedenen berühmten Malerschulen Italiens, namentlich aber mit den besten Werken ihrer Meister bekannt zu machen, und ihre schönsten Gemälde einfach im Geiste des Originals zu copiren, oder aber selbst ein Bild in ihrer Manier zu malen. So entstanden in dieser Zeit unter mehreren [96] Copien von Werken Giotto’s u. A. auch mehrere Originalgemälde, darunter ein „H. Martin“ und ein „H. Matthäus“. Nun kehrte S. nach Triest und von dort nach Zara zurück, wo sein berühmtes Bild: „Morlacco bardo“ entstand. Dasselbe stellt einen blinden Guslaspieler dar, der einer Gruppe ländlicher Zuhörer Nationallieder vorträgt. Es dürfte wohl dasselbe sein, welches 1844 in der Jahres-Ausstellung in der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien unter der Bezeichnung „Dalmatiner Hirtenscene“ zu sehen war. Der Großhändler Craigher in Triest kaufte das Gemälde und später ein anderes desselben Künstlers: „Die auf dem Schlachtfelde um den Fall der italienischen Republiken trauernde Italia“. Für die Familie Fontana in Sebenico malte S. einen „Moses“, welches Bild große Anerkennung fand, so daß der berühmte Tommaseo keinen Anstand nahm, dem Talente des damals in der Blüthe seiner Jahre stehenden Künstlers den ungeschmälerten Tribut der Anerkennung zu zollen. Im Jahre 1841 arbeitete S. in Florenz und dann in Genua, an welch letzterem Orte sein Gemälde: „Die Trauer um die Republik Florenz“, welches ebenfalls Craygher erwarb, entstand. In Genua lernte S. eine junge, auch im Malen dilettirende Künstlerin Angelica Isola (geb. 30. Oct. 1817), die Tochter eines ehemaligen Napoleonischen Kriegers, der gleichfalls die Malerkunst ausübte, kennen, und führte sie noch im nämlichen Jahre (7. Nov. 1841) zum Brautaltar. Im Verlaufe seines längeren Aufenthaltes in Genua malte S. für den Genueser Bankier Belingieri ein vielgerühmtes Bild: „Columbus mit seinen Söhnen“, für die Kirche di Nervi einen ganzen Bildercyklus aus dem Leben Jesu und restaurirte für den Marquis Brignole Sale mehrere ältere Gemälde guter Meister, darunter eine „H. Katharina“ von Baroccio und einen „Ahnherrn des Hauses Brignole“ zu Pferde von Van Dyk, auch begann er für die Philippinerkirche ein größeres Altarbild: „Die Verzückung der h. Katharina Fieschi“, welches er erst später in Zara vollendete. Von Genua nach Zara zurückgekehrt, nahm er nun daselbst seinen bleibenden Aufenthalt und malte meist im Auftrage zahlreiche Bilder, vornehmlich Altarblätter oder andere religiöse Stücke und Porträte, von denen insbesondere anzuführen sind: „Ruth and Noemi“ aus dem Jahre 1844, für eine englische Familie; mehrere Motive aus den Davidischen Gesängen, ein „Erzengel Michael“ und ein „H. Johann“, dann die Porträte des Bischofs von Sebenico Bercić, des damaligen Canonicus, nachmaligen Bischofs Maupas, und des Doctor Hieronymus Definis. Ferner behandelte er im Jahre 1847 noch eine zweite Episode aus Columbus’ Leben, nämlich wie seine Feinde ihn in Ketten legen lassen, welches Bild noch größeren Beifall erntete, als das erstere, dessen bereits Erwähnung geschah. Ein schmerzliches Familienereigniß unterbrach für einige Zeit die künstlerische Thätigkeit Salghetti’s. Seine Frau Angelica starb zu Zara am 20. September 1853 nach einer nur zwölfjährigen musterhaften Ehe. Es war ein um so herberer Verlust, als die Verblichene zu den gefeiertetsten Frauen Italiens zählte, welche noch im Tode von Männern, wie Tommaseo, Pagani, Ferrari Cupilli, Vidovic, Presani u. A., in Liedern und begeisterten Nachrufen verherrlicht wurde. Als S. wieder die Arbeit aufnahm, führte er an der Grabstätte seiner verblichenen Gattin in der Franziskanerkirche in Zara eine große Freske aus, deren eine Seite seine Gattin auf dem Sterbebette, das [97] neugeborne todte Kind in den Händen, auf der andern Seite die h. Mutter Gottes, umgeben von Engeln und Heiligen, vorstellt, rechts und links zu beiden Seiten malte er als Symbole der Ausdauer und des Sieges, des Guten über das Schlechte, die Marter des h. Franciscus von Assissi und Georg den Drachentödter. Besonders Ausgezeichnetes leistete S. auch in der Restauration alter Gemälde, daher ihm solche, wenn sie besonders werthvoll, selbst aus weiter Ferne zugesendet wurden. Er hatte sich in den Geist, ja in der Malweise der ersten Künstler jeder Malerschule, namentlich der italienischen mit allem Eifer und einer Gründlichkeit hineinstudirt, welche selbst die Zusammensetzung und Mischung der Farben in Betracht zog. Von anderen Werken des Künstlers sind noch bekannt: „Cara Dušan und die Vile“, nach einem Gedichte des slavischen, unlängst verstorbenen Poeten Peter v. Preradović [Bd. XXIII, S. 263]; – „Der h. Franciscus“ für die Capelle zu Podprag an der neuen Straße des Velebit; – eine „H. Philomena“ für die Franziskanerkirche zu St. Anton zu Schloß Raab; – der „H. Johann Kristelli“, Hochaltarbild für die Kirche in Zablac nächst Sebenico; – der „H. Michael“ für die Pfarrkirche zu Risa, und von seinen Bildnissen ist am bekanntesten jenes von Urban Appendini, welches auch durch eine in Venedig ausgeführte Lithographie vervielfältigt wurde. Von Salghetti’s Schülern sind anzuführen: Alois Andrić [Bd. XXII, S. 464] und Vekoslav Karas [Bd. X, S. 473].

Gliubich di Città vecchia (Simeone Abbate), Dizionario biografico degli uomini illustri della Dalmazia (Vienna e Zara 1856, 8°.) p. 272. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1841, E. A. Fleischmann. 8°.) Bd. XIII. S. 209. – Pagani (Pietro Prof.), Angelica Salghetti-Drioli. Cenni ... ecc. ecc. (Padova 1863, Rondi, Lex. 8°., auch Exemplare in kl. Fol.). – Katalog der Jahres-Ausstellung der k. k. Akademie der bildenden Künste zu St. Anna in Wien, 1844, S. 20, Nr. 258 u. 277. – Osservatore Dalmato (dalmatinisches polit. Blatt, Fol.) 1863, Nr. 73, im Appendice: Gedicht des Barons Ghetaldi auf das Bild, das Salghetti in der Franziskanerkirche zu Zara zum Andenken an seine Gattin gemalt hat.