BLKÖ:Sapieha, Adam Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 28 (1874), ab Seite: 235. (Quelle)
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II. Einige besonders denkwürdige Sproßen der Fürsten Sapieha.

1. Adam Fürst Sapieha geb. 4. December 1828), der einzige Sohn des Fürsten Leo, dessen Biographie S. 232 mitgetheilt wurde. Fürst Adam betheiligte sich an der letzten Erhebung Polens, welche in den Sechziger-Jahren stattfand, will aber die Dienste, welche er derselben geleistet, lange nicht so hoch angeschlagen wissen, wie das von ihm befreundeter Seite geschah; wenigstens spricht er sich in einem an den Fürsten Ladislaus Czartoryski aus Paris ddo. 17. August 1864 gerichteten Schreiben selbst dahin aus, daß man denselben einen größeren Umfang beimesse, als sie in der That haben. Doch mag sein Antheil immer noch groß genug gewesen sein, da man es für nöthig fand, ihn zur Verantwortung zu ziehen und in gerichtliche Haft zu nehmen. Derselben entzog er sich am 18. Februar 1864 durch die, wie es scheint, längst vorbereitete Flucht, welche damals großes Aufsehen erregte. Seither lebte der Fürst in Paris, wo er als Chef der demokratischen Fraction der polnischen Insurgenten galt und seiner Zeit viel mit Kaiser Napoleon verkehrte, infolge dessen ihn die polnischen Demokraten mit dem Titel [236] eines „Kammerdieners des Kaisers Napoleon“ belegten. Zu Anfang des Jahres 1865 hieß es, die polnische Emigration in Paris habe an Stelle des Fürsten L. Czartoryski den Fürsten Adam Sapieha zum General-Lieutenant der polnischen Krone ernannt. Auf diese von allen Blättern colportirte Nachricht erwiederte der Fürst Adam in einem an die „Presse“ gerichteten Schreiben ddo. Paris 6. Februar 1865, daß diese Notiz in allen Puncten unwahr sei; daß er seit längerer Zeit, entfernt von Allem und Jedem, in seiner Zurückgezogenheit sich nur mit der Erziehung seiner Kinder, der Pflege seiner leider sehr zerrütteten Gesundheit und blos von Zeit zu Zeit mit der Aufsuchung von Beschäftigung und Erwerb für einzelne Bekannte der Emigration, welche Hunger und Noth leiden, befasse. Im nämlichen Jahre berichteten im September die Journale, daß auf den Fürsten, als er Abends um 10 Uhr heimging, ein Mordversuch gemacht worden, der Dolch aber an der Perlmutterdecke eines Portefeuilles, worauf die Spitze des Dolches traf, abgeglitten sei. In der Folge begab sich der Fürst, um sich dem politischen Leben und den Wirren der Emigration zu entziehen und seine sehr zerrüttete Gesundheit zu pflegen, nach Deutschland. [Presse (Wiener polit. Blatt) 1864, Nr. 51, 53, 146; 1865, Nr. 24, 40, 251, unter den „Kleinen Nachrichten“ in der „Kleinen Chronik“ und im „Eingesendet“. – Constitutionelle österreichische Zeitung 1864, Abendbl. Nr. 56. – Mährischer Correspondent 1864, Nr. 46. – Neue freie Presse 1864, Nr. 41; 1865, Nr. 285.] –