BLKÖ:Sapieha, die Fürsten, Genealogie

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 28 (1874), ab Seite: 234. (Quelle)
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I. Zur Genealogie der Fürsten Sapieha. Die Sapieha sind ein altes lithauisches Adelsgeschlecht, das in der Geschichte Polens seit den letzten vier Jahrhunderten eine hervorragende Rolle spielte, das in Lithauen große Vorrechte und Freiheiten nebst mächtigem Grundbesitz besaß und aus welchem bedeutende Männer, die im Felde wie auf dem Gebiete der Politik großen Einfluß besaßen, hervorgingen. Sie waren, wie die neuesten Forschungen ergeben, ursprünglich nicht fürstlichen Geblütes und nahmen den Titel Fürsten erst im 17. Jahrhunderte an. Ihren Ursprung leiten sie urkundenmäßig von Sunigal dem Castellan von Trocki, ab, welcher im Jahre 1413 für sich und sein Geschlecht den Fuchs (lis) in sein Wappen aufnahm und von dessen Nachkommen Simeon Sunigajlowicz, Wojwode von Podlasien, den Kasimir Jagiello nach Rom gesendet, der Erste den Namen Sapieha angenommen hat. Von dessen zwei Söhnen Bogdan [235] und Johann entspringen die zwei Linien des Hauses Sapieha: die Sapieha von Siewersk und die Sapieha von Kodeńsk. Die eigentliche Größe und der erhöhte Glanz des Hauses aber beginnt jedoch erst mit Iwan (Iwaszko) Sapieha, Staatsschreiber von Lithauen und Kanzler der Königin Helena, welcher den König Sigmund I. von den staatsverrätherischen Plänen Gliński’s in Kenntniß setzte und dadurch die Huld der Königin gewann, wodurch ihm und seinem Geschlechte Gelegenheit geboten ward, allmälig eine hervorragende Stellung einzunehmen, welche es im Laufe der Zeit nicht nur zu bewahren, sondern auch zu steigern verstanden hat. Während die Linie Sapieha-Siewersk, auch Sapieha-Roziński genannt, zur Zeit in Lithauen fortblüht, hat sich die Linie Sapieha-Kodeński nach dem Fehlschlagen der polnischen Erhebung im Jahre 1830, nachdem ihre Güter von Rußland eingezogen worden waren, nach Galizien zurückgezogen und zählt zu dem höchsten Adel des Kaiserthums. Was nun den Fürstentitel, dessen sie sich bedienen, betrifft, so erhielt ein Graf Sapieha auf Rawitsch von König Friedrich II. am 22. Mai 1768 die Erlaubniß, den der Familie von dem Könige Sigmund I. von Polen verliehenen und auf dem letzten Reichstage erneuerten Titel führen und desselben auch in Schlesien sich bedienen zu dürfen. Die Anerkennung des fürstlichen Ranges und Titel für den österreichischen Kaiserstaat erfolgte erst am 25. Februar 1840, also volle 30 Jahre früher, als der Fürst Leo Sapieha meinte, daß die Galizianer eine Versicherung, zu Oesterreich zu stehen, schlechterdings nicht geben können. Ob er in seinem Gesuche um Anerkennung der Fürstenwürde unter den Gründen, mit denen er seine Bitte belegte, auch diese seine 30 Jahre später ausgesprochene Meinung mitangeführt hat? Was endlich den Namen Sapieha anbelangt, so erscheint dieser im Anbeginn ganz und gar nicht in dieser Schreibart, sondern in den Urkunden des 15. und 16. Jahrhunderts kommt er unter nachstehenden Formen, wie Sopeha, Sopiha, Sopieżyca, vor, was von dem russischen Ausdruck sopieť, so viel bedeutend als schnauben, brausen, abgeleitet sein soll; erst gegen das Ende des sechszehnten Jahrhunderts begannen sie sich Sapieha zu schreiben, welcher Schreibung sie bis zur Stunde treu geblieben. Eine andere Tradition erzählt Ursprung des Geschlechtes und Namens wie folgt: Die Sapieha stammten von Narimund, dem zweiten Sohne des litauischen Herzogs Gedimin, ab und der Name der Familie entspringe daher, daß der älteste Sohn Narimund’s, da er dem Heidenthume getreu geblieben, von den Seinigen Sophos (der Weise) genannt ward. Jedenfalls gehört die ganze Phantasie eines genealogischen Träumers dazu, um von Sophos Sapieha abzuleiten. Bei der Stellung, welche Fürst Leo Sapieha als erblicher Reichsrath Oesterreichs einnimmt, welche Würde auch seinem Sohne Adam zukommt, ist eine gedrängte Nachricht über einige besonders bedeutende Männer dieser Familie nicht unwichtig. [Paprocki (Bartosz), Herby Rycerstwa polskiego, d. i. Die Wappen des polnischen Adels. Ausgabe von Kasimir Joseph Turowski (Krakau 1858, kl. 4°.) S. 847 u. f. – Gothaisches genealogisches Taschenbuch nebst diplomatisch-statistischem Jahrbuche (Gotha, Just. Perthes, 32°.) Jahrgang 1860, S. 201. – Encyklopedija powszechna, d. i. Allgemeine (polnische) Encyklopädie (Warschau 1864, Orgelbrand, gr. 8°.) Bd. XXII, S. 933–942.]