BLKÖ:Schönerer, Mathias Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 31 (1876), ab Seite: 147. (Quelle)
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Schönerer, Mathias Ritter von (Ingenieur, geb. zu Wien im Jahre 1807). Beendete nach zurückgelegten Elementarclassen die technischen Studien in Wien und Prag und trat bereits im Jahre 1824, damals erst 17 Jahre alt, bei dem Baue der Budweiser Eisenbahn, der ersten des europäischen Continents, [148] in praktische Verwendung. Seit dieser Zeit immer beim Eisenbahnbaue thätig und die neuesten Verbesserungen und Erfindungen sorgfältig studirend, wurde er bald ebenso selbst eine Celebrität im Fache des Eisenbahnbaues und Betriebes, wie deren mehrere aus seiner Schule hervorgegangen sind. Unter seiner Leitung wurden folgende Eisenbahnen erbaut: in den Jahren 1829–1832 die Pferdebahn von der böhmischen Grenze bis Linz; – in den Jahren 1834 und 1835 die Pferdebahn von Linz nach Gmunden; – in den Jahren 1840 und 1841 die Locomotivbahn von Wien nach Gloggnitz; – im Jahre 1845 die Locomotivbahn von Mödling nach Laxenburg; – im Jahre 1846 die Locomotivbahn von Wien nach Bruck a. d. Leitha; – im Jahre 1847 die Locomotivbahn von Wiener-Neustadt nach Oedenburg und im Jahre 1854/55 die Locomotivbahn von Bruck a. d. Leitha nach Neu-Szöny. Nach auf seinen Reisen in England und Amerika gesammelten Erfahrungen errichtete S. im Jahre 1839 die erste österreichische Locomotiv- und Eisenbahnwagen-Fabrik am Wiener Stationsplatze der Gloggnitzer Bahn; diese, die größte und tüchtigste Oesterreichs, diente allen später entstandenen als Muster und beschränkte wesentlich die Einfuhr ausländischer Locomotiven und Eisenbahnwagen zum Nutzen der österreichischen Monarchie. Um die Einrichtung des Betriebes und die Oberleitung desselben auf den oberwähnten Eisenbahnen machte sich S. gleichfalls verdient, und im Hinblicke auf die in der neueren Zeit so häufigen Unglücksfälle auf österreichischen, deutschen und ausländischen Bahnen muß es förmlich als ein Curiosum angeführt werden: daß während der 12jährigen Wirksamkeit (1841–1853) Schönerer’s als Betriebsdirector der Wien-Gloggnitzer Bahn, dieser am meist befahrenen und in den Sommermonaten auf den Stationsplätzen geradezu im Belagerungsstand befindlichen Bahn, auf welcher in der benannten Zeit über 15 Millionen Passagiere befördert worden, keinem derselben ein Unfall zugestoßen ist. Mit gleicher Umsicht und tadellosem Erfolge leitete S. in den Jahren 1848 und 1849 während der Kriege in Italien und Ungarn die massenhaften Militär-Transporte. Während der Jahre 1844–1851 führte S. zugleich die Oberleitung des Pachtbetriebes auf der südlichen Staatseisenbahn von Mürzzuschlag bis Laibach; in den Jahren 1856–1860 wirkte er als technischer Verwaltungsrath der Kaiserin Elisabeth-Bahn und sind eine Menge wichtiger Constructionen und Bauten nach seinen Angaben ausgeführt wurden. Da Schönerer’s Thätigkeit bereits im Jahre 1824 bei der ersten österreichischen Eisenbahn in Böhmen beginnt, welche die erste des europäischen Continents ist, so muß S. auch unter die eigentlichen Gründer und Organisatoren des Eisenbahnbaues und der Maschinenfabriken auf dem Continente gezählt werden. Bei Gelegenheit der Eröffnung der Kaiserin Elisabeth-Bahn von Wien nach Salzburg wurde S. mit dem Orden der eisernen Krone 3. Classe ausgezeichnet, worauf ihm statutenmäßig der Ritterstand verliehen wurde. Aber bereits im Jahre 1846, als er noch Baudirector der Wien-Gloggnitzer Bahn war, ist ihm von dem ihm untergebenen Personale ein silberner Pokal in Anerkennung seiner Verdienste überreicht worden.

Ritterstands-Diplom ddo. 16. Dec. 1860. – Die neuen Väter der Großcommune Wien, hervorgegangen aus der freien Wahl und dem Vertrauen ihrer Mitbürger im Jahre 1861. Von Moriz Bermann und Franz [149] Evenbach (Wien 1861, Keck u. Comp., 8°.) S. 16.
Schönerer’s Ehrenpokal. Der Obertheil des Pokals zeigt die Städte Budweis, Linz, Gmunden mit den Jahreszahlen 1825, 1832 und 1836, hinweisend auf die von S. in den genannten Jahren ausgeführte Budweis-Linz-Gmundner Bahn. Unter den Städten ist eine Fama, die eine Palme trägt. Die gegenstehende Seite zeigt eine Ansicht des Hauptbahnhofes der Wien-Gloggnitzer Eisenbahn mit den Jahreszahlen 1841 und 1846 (erinnernd an die Eröffnung der Gloggnitzer und Brucker Bahn), darüber ebenfalls eine Fama mit einem Kranze. Am Fuße des Bechers sind angebracht eine Minerva mit der Unterschrift: „Civilbau“, ein Mercur, darunter „Administration“, eine Locomotive, darunter „Bahnbetrieb“, ein Ambos, darunter „Maschinenbau“. Der Pokal ist ein Fuß und vierthalb Zoll hoch, innen ganz, außen theilweise vergoldet und ging aus der Fabrik Mayerhofer und Klinkosch in Wien hervor. Die unkünstlerische Ausführung der Idee, die seltsame Zusammenstellung von Mythologie und Maschinen und gar die merkwürdige Allegorisirung, wie z. B. der Administration durch den Götterboten, kurz, der Mangel des eigentlichen künstlerischen Gedankens, verringert zwar nicht die gutgemeinte Absicht der Geber, die leider nur bei der Ausführung der Ehrengabe übel berathen waren, wohl aber den künstlerischen Werth der Gabe, worauf es denn bei dergleichen doch auch ankommt.
Wappen. In Blau ein goldenes, silberbeflügeltes, seitwärts gestelltes Rad. Auf dem Schilde ruhen zwei gekrönte Turnierhelme. Aus jeder Helmkrone wallen drei Straußenfedern, aus der rechten eine silberne zwischen blauen, aus der linken eine blaue zwischen silbernen, empor. Die Helmdecken sind blau, mit Silber unterlegt. Devise. Auf blauem Bande in silberner Lapidarschrift: „Recta sequi“.