BLKÖ:Schack, Eduard Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schadek, Johann
Band: 29 (1875), ab Seite: 36. (Quelle)
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Schack, Eduard Freiherr von (Reisender, geb. zu Wien 23. März 1769, gest. zu Laguayra 1. August 1824). Ueber die Familie, welcher Freiherr von S. angehört, versagten mir alle benützten Quellen den Aufschluß. Freiherr Eduard machte seine Studien an der Wiener Hochschule. Im Jahre 1786, damals 16 Jahre alt, trat er in die kaiserliche Armee, machte unter Prinz Friedrich Josias Coburg-Saalfeld [Bd. II, S. 395] die blutigen Tage bei Chotym, Fokschan und Martniestje (September [37] 1788, 1. August 1789) mit, wo er mehrere Male verwundet wurde. Von seinen Wunden genesen focht er als Rittmeister bei Hompesch-Huszaren in den Niederlanden, ging dann mit dem Corps des Herzogs von York nach England, trat dort bei den Scharfschützen ein und kämpfte mit denselben in Egypten, West-Indien und Irland. Nach dem Frieden von Amiens (25. März 1802) kehrte er in seine Heimat zurück und trieb nun in Wien botanische Studien. Im Jahre 1803 faßte er den Entschluß, nach Afrika zu reisen, und da eben ein österreichisches Handelsschiff, „Vienna“, ausgerüstet von einer Actien-Gesellschaft zu naturhistorischen Zwecken, um vielleicht auch ein Handlungs-Etablissement bei Sierra Leone in Afrika zu begründen, von Triest auslief, trug sich S. den Unternehmern als Freiwilliger an und diesen war er ob seiner Kenntniß mehrerer Sprachen, durch seine auf früheren Seereisen gewonnene Bekanntschaft mit überseeischen Ländern und seine botanischen Kenntnisse ein willkommener Gefährte. Die Reise ging glücklich von Statten, das Schiff aber mußte ob der mittlerweile in Afrika ausgebrochenen Unruhen seine Direction ändern und statt nach Afrika nach Amerika steuern. Im Angesichte von St. Croix wurde das Schiff von zwei englischen Capern, welche, die österreichische Flagge verkennend, sie für eine französische hielten, angegriffen. Als die Caper feuerten, strich der Capitän die Segel, ließ sich gefangen nach Tortola führen, wo die eingeleitete Untersuchung den Irrthum feststellte und das Schiff nun freigegeben wurde, welches darauf in St. Thomas landete und seine Waaren absetzte. Da der Privathandel des Capitäns der Gesellschaft starken Eintrag machte, so kam es darüber zwischen ihm und der Gesellschaft zu Streitigkeiten. Als sich der Capitän in seiner Aufregung so weit vergaß, einen jungen Wiener zu schlagen, zog der darüber empörte Baron Schack den Hirschfänger, worüber der Capitän für den Moment zwar zur Ruhe gewiesen, doch in seiner ohnmächtigen Erbitterung schwur, den Baron, sobald er mit dem Schiffe sich auf hoher See befände, zu ermorden. S., davon in Kenntniß gesetzt und überzeugt, daß der Capitän seinen Vorsatz auszuführen im Stande war, verließ das Schiff und verklagte den Capitän vor dem Commandanten der Insel. Während der Dauer des Processes begab sich Baron S. mit Empfehlungen an den General-Gouverneur aller dänischen Inseln nach St. Croix. Als er dann wieder nach St. Thomas zurückkehrte, wurde die Insel von einem furchtbaren Sturme und einer noch furchtbareren Feuersbrunst heimgesucht, welche vom 23. November bis 1. December dauerte, 3000 Häuser in Asche legte und die meisten Geschäftsleute zu Grunde richtete. Dadurch wurde Schack’s Proceß aufgehalten, bis der Gouverneur in Person in St. Thomas erschien und innerhalb drei Tagen die ganze Angelegenheit entschied. Der Capitän wurde verurtheilt, dem beleidigten Wiener und dem bedrohten Baron jedem 800 spanische Thaler als Entschädigung für ihre Rückreise auf einem anderen Schiffe, da sie ja doch mit ihm nicht mehr fahren konnten, auszuzahlen. Auch S. hatte in dem oberwähnten Brande bis auf seine Briefe, die er bei sich trug, Alles verloren. Auf der Insel durch weiteres Verbleiben der Rache des Capitäns ausgesetzt, und auch sonst durch nichts gehalten, verließ also S. die Insel und begab sich mit guten Kaufmannsempfehlungen zunächst nach Surinam, das damals den Engländern [38] gehörte. In der Hauptstadt Paramaribo fand er wohl überall die freundlichste Aufnahme, aber seine Absicht, sich dort niederzulassen, scheiterte an zwei Umständen, erstens an dem ungesunden Klima der Insel, und zweitens, weil die Bewohner der Stadt fast durchgängig aus Juden bestanden, welche allen Handel an sich gerissen hatten und einen Christen gar nicht aufkommen ließen. S. begab sich nun in das benachbarte Cayenne und unternahm die Reise dahin, da wegen des Krieges mit England die Seecommunication unterbrochen war, zu Lande. Sie war mit großen Gefahren verbunden; neun Monate trieb sich S. unter den wilden Völkerschaften der Arravoios, Accoris, Gallibes, Garibons umher, und nach den mühseligsten Fahrten, die oft ebenso seinen Muth wie seine Körperkraft auf schwere Proben setzten, erreichte er im December 1805 Cayenne. Kaum aber hatte S. das Land betreten, als ihn der französische Gouverneur, als einen Oesterreicher, unter dem Vorwande des zwischen Oesterreich und Frankreich ausgebrochenen Krieges verhaften ließ. Auf Bürgschaft eines Preußen erhielt zwar S. die Freiheit wieder, mußte aber die Insel verlassen, worauf er sich nach Surinam begab. Neues Mißgeschick traf ihn auf einer englischen Brigg, welche nach New York segelte und auf welcher er gefangen und rein ausgeplündert wurde. Jedoch die Verwendung von Villaret-Joyeuse und Houdetot verhalf ihm zu seinen Sachen wieder. Nachdem er sich nun mit der Tochter eines im Revolutionskriege gefallenen französischen Stabsofficiers vermält hatte, bereiste S. die amerikanischen Staaten und lebte einige Zeit mit Moreau. Die kriegerischen Zustände des Jahres 1811, da allen Nordamerikanern der Handel nach englischen Besitzungen untersagt war und alle nordamerikanischen Häfen sich englischen Schiffen verschlossen, bestimmten S., seine commercielle Thätigkeit nach Venezuela zu verlegen. S. verließ sonach Nordamerika und begab sich 1812 nach Caracas, der Hauptstadt von Venezuela. Er traf aber gerade dort ein, als die furchtbare Katastrophe vom 26. März 1812 die ganze Provinz zerstörte. Bei heiterem Himmel, ohne das geringste Vorzeichen, hatte nämlich ein 75 Secunden andauerndes Erdbeben Caracas, Laguayra und noch 36 andere Städte und Dörfer in einen Schutthaufen verwandelt. In dem Hause, welches S. bewohnt hatte, war er der Einzige mit einer leichteren Verletzung davon gekommen, alle Uebrigen waren theils schwer verwundet, theils getödtet. Bei Bolivar fand S. gastfreie Aufnahme. Im November 1816 übersiedelte nun S. nach Trinidad, wo man ihm das Inspectorat aller Ländereien der Stadt und des Gouvernements nebst der Direction des neu anzulegenden botanischen Gartens übertragen, aber die Verpflichtungen gegen ihn insoferne verletzt hatte, als man ihm nur zwei Drittel des versprochenen Gehaltes bezahlte. Der Park zu Port d’Espagne, noch immer eine Zierde Trinidads und der beliebteste Spaziergang der Stadt, verdankt dem Baron S. sein Dasein. Aber das Klima nöthigte S., seinen Posten aufzugeben. Er beschäftigte sich nun nurmehr mit naturwissenschaftchen Studien, vornehmlich mit der Arzneikunde, und stand mit den berühmtesten Männern Englands und Frankreichs jener Zeit im gelehrten Briefwechsel. Er lebte auf einer kleinen, bei Port d’Espagne angelegten Landwirthschaft und betrieb seine Angelegenheit gegen die Corsaren, die ihm sein an 100.000 spanische Thaler [39] betragendes Vermögen weggenommen hatten, nach dessen Wiedererlangung er in seine Heimat, nach Wien, zurückzukehren beabsichtigte. Indessen trat er mit verschiedenen gelehrten Gesellschaften Englands und Nordamerika’s, denen er die wichtigsten Pflanzen und Samen einsandte, in wissenschaftlichen Verkehr und erweckte durch seine Abhandlung über die Hautkrankheiten und deren sicherste Heilung in tropischen Ländern in Fachkreisen verdiente Aufmerksamkeit. Aus Trinidad sandte er die Arakatscha aus der Gattung der Umbelliferen nach Glasgow und Liverpool, wo sie sofort nach ihrem Eintreffen blühte und als Surrogat der Kartoffel reichlichen Samen lieferte. Eben wollte er nach dem Tode seiner Gemalin mit seinen beiden Söhnen nach Europa zurückkehren, als ihn zu Laguayra im Hause eines Heidelberger Kaufmannes, wo er sich zur Zeit befand, im Alter von 55 Jahren der Tod überraschte. Die festliche Bestattung, die man ihm zu Theil werden ließ, bewies das Ansehen, in welchem er dort zu Lande stand.

Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Zweite Abtheilg. Bd. VII, S 379, Nr. 3.