BLKÖ:Schallhammer, Anton Ritter von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Schaller, K. L.
Nächster>>>
Schallhammer, Beda
Band: 29 (1875), ab Seite: 108. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Anton von Schallhammer in der Wikipedia
GND-Eintrag: 109085884, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Schallhammer, Anton Ritter von|29|108|}}

Schallhammer, Anton Ritter von (Geschichtsforscher, geb. zu Salzburg 23. August 1800, gest. ebenda 6. Mai 1868). Der erstgeborne Sohn des hochfürstlich salzburgischen Consistorial- und Hofrathes, Advocaten Dr. Anton Ritter von Schallhammer, aus dessen Ehe mit Theresia von Weyrother. Die Zeit seiner Jugendjahre war eine politisch bewegte, die Befreiungskriege mit ihrem großen Zwecke hatten die jugendlichen Gemüther entzündet und den kriegerischen Geist geweckt, und so trat denn auch Anton am 1. Juni 1815, noch nicht 15 Jahre alt, in die Reihen des kön. bayerischen freiwilligen Jäger-Bataillons des Salzachkreises. Als Salzburg österreichisch wurde, erhielt S. seine Entlassung aus bayerischen Diensten und kehrte in seine Vaterstadt zurück. Doch wollte er den selbstgewählten Beruf nicht aufgeben, er trat also am 6. Juli 1817 zu Prag als Regimentscadet in das 47. Linien-Infanterie-Regiment, damals Baron Vogelsang, ein, mit welchem er im October 1817 nach Steiermark marschirte. Die Winter der J. 1818–1821 besuchte er die Pionnierschule zu Korneuburg. Als dann in Folge der Ereignisse des Jahres 1821 das Regiment auf Kriegsfuß gesetzt und nach Italien beordert wurde, rückte auch S. zu seiner Compagnie ein. Er stand nun in den Jahren 1822 und 1823 mit seinem Regimente in Neapel und kehrte im letztgenannten Jahre mit demselben nach Steiermark zurück. Bisher hatte S. in Unterofficiers-Chargen gedient. Im Juli 1824 wurde er zum Fähnrich, am 1. März 1831 zum Lieutenant befördert und als solcher zu der in Padua garnisonirenden Grenadier-Division übersetzt. Am 1. März 1838 rückte er zum Oberlieutenant, am 25. November 1843 zum Capitän, am 16. August 1846 zum wirklichen Hauptmann vor. In der Zwischenzeit wohnte er den Feierlichkeiten der Krönung des Kaisers Ferdinand zum König der Lombardei und Venedigs bei. Der Versuch, einen Consulatsposten zu erlangen, um den sich S. beworben, scheiterte, er wurde nun zum 2. Landwehr-Bataillon übersetzt und befand sich im Jahre 1848 als Stationscommandant zu Cilli. Im Juli g. J. kam er nach Klagenfurt, wo er die dortige Nationalgarde organisirt und einexercirt hatte. Im August 1848 kam er wieder nach Italien, wo er aber im December todeskrank und zuletzt so geschwächt in seiner Gesundheit wurde, daß er um seine Versetzung in den Ruhestand bitten mußte. Nach 34 Dienstjahren kehrte er mit zerrütteter Gesundheit Ende März 1849 nach Salzburg zurück, wo er nun seinen bleibenden Aufenthalt nahm und sich mit geschichtlichen Arbeiten im nächsten Hinblicke auf sein engeres Vaterland beschäftigte. Nachdem sich seine Gesundheit gekräftigt, unternahm S. mehrere Reisen, eine kleinere nach Ungarn im September und October 1849, in den Jahren 1850–1853 im Salzburgischen, um für seine Geschichte der Kriegsereignisse in Salzburg die Oertlichkeiten genau in Augenschein zu nehmen; im März 1853, nach dem Tode seiner 80jährigen Mutter, nach Tirol, Süddeutschland, vornehmlich in der bayerischen [109] Rheinpfalz, im Jahre 1860 nach Paris. Eine Erbschaft, welche er im Jahre 1866 gemacht, setzte ihn in den Stand, einen längst gehegten Wunsch, nämlich den einer Reise nach Spanien, auszuführen. Obwohl nicht unbedenklich leidend, trat er doch am 28. Februar, vornehmlich von dem Gedanken erfüllt, in einem milderen Klima sein Leiden zu heilen, die Reise an, betrat am 8. März spanischen Boden, kam am 19. April in Madrid an, wo er bis 6. Mai verweilte, ohne jedoch eine Linderung seines Zustandes zu erfahren. Er kehrte nun krank oder noch kränker, als er war, heim und traf am 16. Juni g. J. in Salzburg ein, wo sich jedoch sein Leiden allmälig immer mehr steigerte, bis es ihn am 6. Mai 1868 im Alter von 68 Jahren dahinraffte. Wie oben bemerkt, war Hauptmann S. literarisch thätig, und in der That war diese seine Thätigkeit keine geringe. Die verschiedenen, in Salzburg, herausgegebenen Zeitungen enthalten aus seiner Feder 151 Artikel, in auswärtigen Journalen sind deren 7 und in militärischen Fachblättern 22, in den Mittheilungen des Vereins für Salzburger Landeskunde 9, in den Jahresberichten des Vaterländischen Museums 3 Aufsätze abgedruckt. Selbstständig sind erschienen: „Kriegerische Ereignisse im Herzogthume Salzburg in den Jahren 1800, 1805 und 1809. Mit einem Schlachtplane, einer Karte des Herzogthums Salzburg, einer Specialkarte der Lofer-Pässe und zwei Stahlstichen, dem Passe Lueg und dem Passe Strub“ (Salzburg 1853, Mayr u. Comp., gr. 8°.); – „Biographie des Tiroler Heldenpriesters Joachim Haspinger“ (Salzburg 1856, Mayr, mit Bildniß, gr. 8°.); – „Die Kaiserlichen Lustschlösser Hellbrunn and Klessheim nächst Salzburg“ (ebd. 1856, Mayr, ohne Angabe seines Namens; – „Geschichte des K. k. Hauptschiessstandes zu Salzburg und des Schöffenwesens im Herzogthume Salzburg vom Mittelalter bis auf unsere Tage“ (Altenburg in Sachsen 1859, 8°.); – „Beschreibung der erzbischöflichen Domkirche zu Salzburg“ (Salzburg, 8°.), auch ohne seinen Namen. Von seinen in militärischen[WS 1] Fachblättern veröffentlichten Aufsätzen sind anzuführen, in Streffleur’s „Oesterreichischer militärischer Zeitschrift“: „Biographie des k. k. Artillerie-Zeugführers Jacob Kainz“ (1861, Bd. III, S. 63); – „Salzburgs Tauernübergänge“ (1862, Bd. I, S. 343); – „Geschichte des Hayduken-Regiments Andrassy“ (1864, Bd. III, S. 83); – „Truppenmärsche zum spanischen Erbfolgekriege 1701–1704 über Salzburg nach Italien“ (1864, Bd. III, S. 44); – „Uebergang einer Brigade über die Centralalpen im Jahre 1797“ (1862, Bd. IV, S. 295); – „Der Veteranen-Verein zu Hallein“ (1863, Bd. III, S. 98); – „Ein Besuch im Lager von Chalons im Juli 1860“ (1860, Bd. II, S. 299, mit Plan); – „Eine Revue der französischen Garden in Paris“ (1860, Bd. II, S. 301). Von besonderen Vorkommnissen in S.’s Leben sei erwähnt, daß er den wesentlichsten Antheil an der Gründung des Salzburger Veteranen-Vereins hatte und von demselben wie von den gleichen Vereinen zu Hallein, Uttendorf und Abtenau zum Protector gewählt wurde, welches Ehrenamt er aber schon in kurzer Zeit niederlegte; seinen Bemühungen vornehmlich war es gelungen, daß Haspinger’s Leiche mit militärischen Ehren begraben und seine irdischen Ueberreste später nach Innsbruck überführt wurden; er hatte das im chaotischen Zustande befindliche Salzburger Magistrats-Archiv vollständig geordnet und über dasselbe Repertorien [110] angelegt; er hat an der Gründung des Vereins für Salzburger Landeskunde erheblich mitgewirkt, demselben seit dessen Beginn bis zu seinem Ableben als Mitglied angehört und ihm seine sämmtlichen Salisburgensia, Manuscripte, dem Landes-Museum aber den übrigen Theil seiner Bibliothek und einige andere Gegenstände zugedacht. Der Tiroler Radetzky-Verein und das Innsbrucker Ferdinandeum haben ihn unter ihre Ehrenmitglieder aufgenommen. Als Localhistoriker hat S. unbestreitbare Verdienste, wenn auch in seinen Arbeiten mancherlei Unrichtigkeiten vorkommen und der trockene Styl wenig die Leselust zu wecken vermag.

Salzburger Zeitung 1868, Nr. 111–113, im Feuilleton: „Anton Ritter v. Schallhammer“, von R. – Militär-Zeitung, herausg. von Hirtenfeld (Wien, gr. 4°.) 1858, S. 319: „Sterbefall“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: miltärischen.