BLKÖ:Schimpf, Friedrich Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vorwort (Band 30)
Band: 29 (1875), ab Seite: 344. (Quelle)
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Schimpf, Friedrich Freiherr (k. k. Artillerie-Oberst, Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Zwickau in Sachsen im Jahre 1747, gest. zu Prag 2. Juni 1808). Trat im Jahre 1768, damals 21 Jahre alt, als Kanonier in die kaiserliche Armee und wurde im bayerischen Erbfolgekriege Artillerie-Lieutenant. Stufenweise vorrückend, traf ihn der denkwürdige Feldzug des Jahres 1799 bereits als Major seiner Waffe und hatte er an den Ereignissen dieses Feldzuges wesentlichen Antheil genommen und sich in demselben die höchste militärische Auszeichnung, den Maria Theresien-Orden, erkämpft. Als der Feldzug ausbrach und die Concentrirung unserer Armee angeordnet wurde, war es für die Artillerie, deren Depots bis Friaul, Krain und Steiermark vertheilt waren, keine geringe Aufgabe, diesem Befehle nachzukommen; aber Schimpf, der damit betraut wurde, löste dieselbe in so trefflicher Weise, daß unsere Armee, die innerhalb acht Tagen drei große Schlachten zu liefern genöthigt war, trotz der Beschwerlichkeit der Zufuhr und der unverhältnißmäßigen Entfernung doch immer mit Munition hinreichend versehen war. Als in der Schlacht bei Magnano (5. April 1799) der Feldartillerie-Director General Roos [Bd. XXVI, S. 334] fiel, übernahm Schimpf das Commando der Artillerie. Die Schwierigkeit seiner Stellung wurde durch das Erscheinen der Russen nur noch erhöht, da diese das und jenes forderten, worauf unsere Artillerie gar nicht vorbereitet war. Aber mit seinen geringen Artilleriemitteln leistete S., was nur möglich war. In der ersten Affaire, in welcher die Russen eingriffen, als nämlich bei Palazzuolo der Oglio überschritten werden sollte, waren es vorzüglich Schimpf’s Dispositionen, in Folge welcher die feindliche Batterie demontirt und dann der Uebergang ermöglicht wurde. Als Feldmarschall-Lieutenant Ott, der, nachdem er den Feind bei Trezzo umgangen, über die Adda vorgerückt war, mit einem Male der ganzen feindlichen, der seinen weit überlegenen Macht gegenüberstand, verstand es Schimpf, durch Aufführung aller seiner Reservegeschütze die Attaque so zu maskiren, daß dadurch die feindliche Aufmerksamkeit getheilt, der Sieg von den Unseren erkämpft und dabei das ganze feindliche Geschütz erbeutet wurde. – Die Belagerung Pizzighetone’s wurde nur durch Schimpf’s Umsicht und Thatkraft ermöglicht; indem er bei völligem Mangel des erforderlichen Materials [345] ein solches aus den eroberten unkalibermäßigen Mitteln zusammenbrachte, und so eine raschere Uebergabe der Festung erwirkte, wodurch auch eine erleichterte Armeeverbindung erreicht wurde.– In der Schlacht an der Trebia (17. bis 19. Juni 1799), obwohl bereits General Bogner das Commando der Artillerie übernommen hatte, hat doch Schimpf durch seine freiwillige Mitwirkung, indem er auf den unentschiedenen Puncten mit seiner Artillerie erschien, wesentlich zum siegreichen Erfolge beigetragen; er hatte bei dieser Gelegenheit durch eine feindliche Kugel eine Contusion am Arme empfangen, welche ihn jedoch nicht hinderte, noch fernerhin am Kampfe theilzunehmen, bis ihn der Befehl des Commandanten zur Ausführung neuer Dispositionen aus der Schlachtlinie abberief. – In der Schlacht von Novi (15. August) hatte S. das gegen Serravalla gelegene Thor von Novi einschießen lassen und war dann mit den ersten Truppen in die Stadt gedrungen; – in den Affairen bei Savigliano, Bainette, Mondovi und bei dem Uebergange über die Stura erschien er überall, wo die Wirksamkeit des Geschützes entscheidend war, und wenn geeignete Officiere fehlten, half er durch eigene rastlose Mitwirkung ab; – in der Schlacht bei Genola bewirkte S. durch geschickte Placirung seines Geschützes die Räumung Genola’s von den feindlichen Truppen und so die Vorrückung unserer Truppen bis Fossano; – endlich zur Belagerung von Cuneo meldete sich S. freiwillig, erhielt das Commando über die Unterstützungs-Attaquen und trug seine Mitwirkung wesentlich zur beschleunigten Uebergabe der Festung bei. Für solch ausgezeichnet tapferes und entscheidendes Verhalten wurde S. in der 66. Promotion (vom 18. August 1801), der ersten, welche öffentlich – auf dem Glacis zwischen dem Burg- und Schottenthore – vorgenommen wurde, mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens geschmückt und demgemäß noch im December desselben Jahres in den erbländischen Freiherrnstand erhoben. Schimpf rückte in der Folge zum Obersten in seiner Waffe vor, wurde Artillerie-Districts-Commandant und starb als solcher, 61 Jahre alt, zu Prag.

Freiherrnstands-Diplom ddo. 6. December 1801. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 648 u. 1743. – Wappen. Ein aufrechter, oben langer, unten rund in eine Spitze zusammenlaufender, roth und blau gevierteter, mit einem silbernen Herzschilde, welches mit einem natürlichen Lorbeerkranze belegt ist, gezierter Schild, in dessen erstem und viertem Quartier ein silberner Löwe, der in der vorgeworfenen rechten Pranke eine springende Granate hält, in dem zweiten und dritten Quartiere aber eine natürliche rechtsgewendete und vorwärts sehende Eule zu sehen ist. Den Schild bedeckt die Freiherrnkrone, darauf ruht ein in’s Visir gestellter, goldgekrönter, zu beiden Seiten mit einer silbernen, zur Rechten roth, zur Linken blau vermischt herabhängenden Decke bekleideter Turnierhelm mit offenem Roste und seiner goldenen Halskette. Aus der Krone des Helms steigt der vorbeschriebene Löwe, der aber die springende Granate in der linken, hingegen in der rechten Pranke einen bloßen Säbel mit goldenem Gefäß zum Hiebe hält, zwischen einem Fluge, rechts roth und Silber, links Silber und blau geviertet. Schildhalter: Zwei goldene Greifen.
Ende des neunundzwanzigsten Bandes.