BLKÖ:Schlecht, Leopold

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 30 (1875), ab Seite: 57. (Quelle)
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Schlecht, Leopold (Piarist und Schriftsteller, geb. zu Wien am 1. November 1797, gest. zu Zürich am 16. August 1866). Seine Eltern waren Fragner in der Vorstadt Landstraße in Wien. Der Sohn besuchte die Normalschule bei St. Anna und dann das akademische Gymnasium, hörte das erste Jahr der Philosophie an der Hochschule und war um diese Zeit Hofmeister der Söhne einer adeligen Familie. 20 Jahre alt, trat er in den Orden der frommen Schulen, und zwar nahm er am 26. October 1817 zu Krems das Ordenskleid und verlebte daselbst die zwei Jahre des Noviziates, während welchem er das zweite Jahr der philosophischen Studien beendete. Schon damals beschäftigte er sich viel mit Literatur und versuchte sich in verschiedenen schriftstellerischen Arbeiten, als Theaterstücken, Gedichten u. dgl. m. Im Jahre 1820 wurde er nach mit gutem Erfolge abgelegter Concursprüfung Gymnasiallehrer in Horn, machte am 15. November d. J. Profeß, lag nun mit allem Eifer den theologischen Studien ob und erhielt am 17. Juni 1821 zu St. Pölten die Priesterweihe. Er blieb als Professor der vier Grammatikalclassen in Horn, kam alsdann an das Gymnasium in Krems, wo er ein Jahr hindurch auch Physik an der philosophischen Lehranstalt vortrug. Von Krems wurde er an das von seinem Orden geleitete Gymnasium in der Josephstadt in Wien berufen, von wo er nach mehrjähriger Thätigkeit wieder nach Krems an die philosophische Lehranstalt geschickt wurde. In einiger Zeit mußte er an das Josephstädter [58] Gymnasium zurückkehren und dort nach dem Tode des Gymnasial-Directors Anton Rößler das Gymnasial-Directorat übernehmen, welches er bis zu seiner am 8. Mai 1861 bewerkstelligten Flucht von Wien inne hatte. In genannter Zeit verließ er – die wahren Gründe seiner Flucht sind bis heute nicht sicher ermittelt – heimlich Wien, flüchtete sich nach Zürich, wo er sich von der katholischen Kirche lossagte, heirathete und dort nach längerem Leiden im Alter von 69 Jahren starb. In Zürich fungirte S. als Privat-Docent der Philosophie. Die Dame, die er dort geheirathet, war ihm aus Wien nach Zürich nachgereist und S.’s zartes Verhältniß war seit Jahren ein offenes Geheimniß. Doch soll weniger dieser letztere Umstand, als Kränkung, eine längst erwartete Auszeichnung, auf die er bei seinem großen Ehrgeize hoffte und mit Sicherheit rechnete, nicht erhalten zu haben, die eigentliche Ursache gewesen sein, daß er Wien verließ und dann seinen Priesterstand aufgab. S. war auch als Schriftsteller thätig und die Titel seiner Schriften sind: „Diorama sittlicher Lebensbilder. Eine Sammlung kleiner Novellen zur Veredlung des Gemüthes; mit vorausgeschickten passenden Texten aus der h. Schrift und Motto’s aus einigen classischen Dichtern“ (Wien 1836, 8°., mit Titelk.); – „Moral in Bildern aus dem menschlichen Leben. Eine Sammlung kleiner Novellen“ (ebd. 1836, mit Titelk., 8°.); – „Werth menschlicher Tugenden. Eine Sammlung kleiner Novellen u. s. w.“ (ebd. 1836, 8°., mit Titelk.); – „Der fromme katholische Christ. Gebet- und Andachtsbuch für katholische Christen“ (Wien 1833, Wallishausser, mit Titelk. von John, gr. 12°.); – „Exercitia styli latini, oder Uebungen zur Bildung des Styles in lateinischer Sprache. Zum Gebrauche für Privatlehrer der Humanitätsclassen u. s. w. (ebd. 1844, Beck, 8°.); – „Tugendsaat und Segensfrucht. Eine Sammlung kleiner Erzählungen aus dem Gebiete des Lebens und der Geschichte zur Erweckung sittlicher Gefühle. Ein Festgeschenk für die Jugend“ (Krems 1849, Meyer, gr. 12°. ); – „Grundriss der unorganischen Chemie mit häufigen Beziehungen auf technische Anwendung nebst einem Anhange über Gährungsprocesse. Zum Gebrauche für Schüler der Lycealclassen u. s. w.“ (Wien 1850, Seidel, 8°., mit eingedr. Holzschnitten). Mehreres hat S. in den Programmen der Gymnasien, an denen er lehrte, vornehmlich in jenen des Josephstädter Gymnasiums, veröffentlicht, und zwar im Jahre 1851: „Geschichte des k. k. Josephstädter Gymnasiums in Wien“; – 1853: „Wie ich Psychologie lehrte“, welcher Aufsatz Veranlassung wurde zu dem Witze in Beziehung auf seine Namenszeichung: Wie ich Psychologie lehrte? – Schlecht; – 1854: „Die Bauhütten aus der Culturgeschichte des Mittelalters“; – 1855: „Das Wunderbare“; – 1857: „Mitempfindung und Mitgefühl. Eine psychologisch-ästhetische Vorlesung“; – 1858: „Ueber die wahre Ursache der Dampfkessel-Explosionen. Nach Erörterungen des französischen Chemikers M. G. H. Boutigny“; – 1860: „Rückblick auf die letzten zehn Jahre des bestehenden vollständigen Gymnasiums in der Josephstadt“. Schlecht hatte auch in Zeitschriften kleinere Arbeiten durch den Druck veröffentlicht, so brachten die Ebersberg’schen „Feierstunden“ und desselben „Zuschauer“, welcher junge Talente ungemein förderte, in den Jahren 1835 und 1836 von S. Reiseskizzen und Gedichte; die ersteren bereits im Jahre 1835, S. 381, Schlecht’s kurze Lebensskizze; das Taschenbuch „Thalia“ enthielt im Jahre 1859 eine Reisenovelle, betitelt: „Königssee und Gmunden“, von Dr. [59] G. Carril, unter welchem Pseudonym sich L. Schlecht barg, denn der Separatabdruck war mit seinem wahren Namen gezeichnet. Von seinen Theaterstücken sind wohl ein paar ausgeführt, aber keines gedruckt worden. Eines davon, das 1849 im Stadttheater zu Krems gegeben wurde, ist deßhalb interessant, weil es mit dem späteren Lebensgange des Verfassers in einiger Beziehung steht. Gott Amor geräth darin mit dem Cölibat in Collision, ersterer siegt und der Pater entführt glücklich seine Nonne. Das Stück fand großen Beifall und insbesondere beklatschten die Studenten dasselbe. Ein anderes Stück S.’s soll in einem der Vorstadt-Theater Wiens – natürlich ohne Angabe seines Namens – zur Darstellung gelangt sein. In früheren Jahren hielt S. über Aufforderung des philosophischen Doctoren-Collegiums der Wiener Hochschule, deren Mitglied S. war, der auch das philosophische Doctorat erworben hatte, populäre Vorträge über Astronomie, Chemie, Optik und andere Theile der Physik, später über Literatur und Kunst, welche sich eines zahlreichen Besuches erfreuten. S. war Mitglied des zoologisch-botanischen Vereins in Wien und der gelehrten Gesellschaft in Görlitz. Als er 1861 Wien verließ, um nach Zürich zu flüchten, brachten die Journale die Nachricht seiner Flucht mit der Behauptung, er sei „höchstens 50 Jahre alt“. S. war damals 64 Jahre alt. In Zürich, wo er Protestant geworden und sich, nachdem er sich in Genf das Bürgerrecht gekauft, niedergelassen hatte, lebte S. in letzter Zeit in gedrückten Umständen. Seine Flucht gab den Wienern auch Anlaß zu einem Witze, der in einer häufigeren Anwendung des Beiworts schlechtweg (Schlecht weg) bestand.

Fremden-Blatt. Von Gust. Heine (Wien 4°.) 1861, Nr. 138 u. 239, unter den „Tagesneuigkeiten“. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1861, Nr. 438. – Neue freie Presse (Wiener polit. Journal) 1866, Nr. 716, in der „Kleinen Chronik“. – Der Telegraf (Gratzer Localblatt) 1861, Nr. 116, in den „Tagesneuigkeiten“. – Porträt. Unterschrift: Leopold Schlecht | Piaristen-Ordenspriester und Humanitäts-Professor am k. k. Josephstädter Gymnasium zu Wien | geboren den 1. November 1797. Johann Bapt. Ferstler del. (Wien, Halb-Fol., Lithogr.).