BLKÖ:Schmitt, Friedrich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schmidt, Friedrich
Band: 30 (1875), ab Seite: 249. (Quelle)
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38. Schmitt, Friedrich (Statistiker und Fachschriftsteller, geb. zu Braunau in Böhmen 23. Februar 1821, gest. zu Wien 3. März 1870). Kam in jungen Jahren nach Wien und wurde im Hause seines Oheims, des als Sänger bekannten Universität-Quästors Tietze, erzogen. Im Jahre 1836 beendete er das akademische Gymnasium, im Jahre 1838 die philosophischen Studien und trat unmittelbar darauf in den Buchhaltungsdienst ein. Seit Juli 1846 dem statistischen Bureau zugetheilt, wurde er im November 1852 Ministerial-Concipist, im November 1864 Hofsecretär und im Februar 1866 Vicedirector des Instituts für administrative Statistik. S. war ein Geschöpf Czörnig’s, und als dieser auf die Thätigkeit der officiellen Statistik im Industriefache Gewicht zu legen begann, bestimmte er Schmitt für dieses Fach und entsendete ihn zu diesem Zwecke wiederholt auf Bereisungen, so zur Ausstellung nach Reichenberg 1852, München 1854, Paris 1855, in’s Erzgebirge 1856 und 1858, nach Ungarn und Siebenbürgen 1859, nach Oberungarn 1859, als officiellen Berichterstatter nach London 1862 und nach Paris 1867. Als die statistische Central-Commission im Jahre 1863 in’s Leben trat, wurde S. Protokollführer und 1864 Secretär derselben, und im Jahre 1867 wurde er als zweiter Delegirter zum statistischen Congresse in Florenz gesendet. Für seine Wirksamkeit als Jury der Pariser Ausstellung im Jahre 1855 wurde er mit der Bronzemedaille, für seine sonstigen Verdienste mit dem goldenen Verdienstkreuze mit der Krone betheilt. Schmidt’s Thätigkeit ist eine doppelte, als Schriftsteller und als Staatsbeamter. Außer daß er das durch Hain’s Tod unterbrochene Handbuch der Statistik vom Capitel Industrie an im 2. Bande vollendete (1852), schrieb er die „Statistik des österreichischen Kaiserstaates“, 3 Auflagen, als Lehrbuch approbirt; – „Industrie-Statistik Oesterreichs“, in den Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik, 1. Heft: „Stein-, Thon- und Glaswaaren“ (VI. Jahrgang, 2. Heft); 2. Heft: „Maschinen“ (VII. Jahrg., 2. Heft); 3. Heft: „Chemische Producte“ (IX. Jahrg., 2. Heft); – die „Berichte über Glas- und Thonwaaren-Industrie“ in dem von Arenstein herausgegebenen „Officiellen Berichte über die internationale Ausstellung in London 1862“ (S. 649 u. 663) und im Berichte der Pariser Ausstellung 1867; – in der von Mayer herausgegebenen „Oesterreichischen Revue“: „Oesterreich auf den bisherigen Ausstellungen. „London 1851 (1863, II); – „Paris 1855“ (1863, III); „London 1862“ (1863, IV); „Paris 1867“ (1867, VIII); – „Die Betheiligung Oesterreichs bei der Pariser Weltausstellung im Jahre 1867“ (1866, IX); – „Ueber die Wiener Weltausstellung (1863, V; 1864, V): – „Ueber die Industrie in Wien“ (1865, VIII) und „Die Arbeiter-Industrie-Ausstellung zu Wien“ (1865, VI); außerdem mehrere Artikel über Industrie und Handel in der „Austria“, vornehmlich in der ersten Zeit ihres Bestandes. Von allen seinen Arbeiten ist seine „Statistik Oesterreichs“, die beste, sie hat sich in den Mittelschulen eingebürgert, wie kaum ein zweites Lehrbuch. Auch die „Austria“ hat er in der [250] ersten Zeit ihres Bestandes thunlichst gefördert. Wenn man aber S.’s Wirken in seiner Gesammtheit und zunächst im Hinblicke auf die amtliche Statistik betrachtet, da kann man in ihm nur eine der Hauptursachen erblicken, daß dieser Zweig der Staatswissenschaft, der in Oesterreich einen so schönen Aufschwung nehmen zu wollen schien, so zurückging und in seinem Lebensnerv tödtlich getroffen wurde. In der Statistik, da ist Centralisation am rechten Platze, jede Zersplitterung ist störend und hebt die Wirkungen auf, die man mit den an und für sich nimmer verlockenden Zahlen und Rubriken erzielen will. S. nahm den Anlauf, aber blieb nur zu bald zum Schaden des großen Ganzen zurück. Die von ihm in den Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik begonnene Industriestatistik brach 1860 mit dem dritten Hefte ab, und diese Stockung wurde der Hauptgrund, daß das Handelsministerium ein eigenes statistisches Departement schuf, welches der Central-Statistik wichtige Agenden entriß und in ihren früher das gesammte Staatsleben umfassenden Wirkungskreis die erste Bresche schoß. Diesem Beispiele folgten später andere Behörden, und was ist heute die statistische Centralanstalt im Kaiserstaate, ähnlichen Anstalten anderer Staaten entgegengehalten? Und was könnte sie mit den vorhandenen Mitteln und Kräften sein! Schmitt’s Unthätigkeit hat es zum Torso gemacht. Wie sehr sich S. im Anfange seiner statistischen Wirksamkeit die Aufgabe der Central-Statistik angelegen sein ließ, so schnell ließ er davon ab, von 1860 ab begegnet man nur mehr ausnahmsweise seinen Arbeiten. Wenn man die günstigen Verhältnisse überblickt, unter denen S. zu wirken berufen war, so betrachte man nur beispielsweise seine zahlreichen, auf Staatskosten gemachten Reisen, wo ihm alle nur denkbaren Hilfsmittel zu Gebote standen, denn in solchen Fällen kargt der Staat nicht, und hält man das von ihm Geleistete dagegen, wie bedeutungslos, wie armselig erscheint es! Was hatte ein einfacher Zeitungs-Reporter unter solchen Umständen geleistet! Dieses Umstandes mit Uebergehung noch manches Anderen, was nicht minder wichtig, aber nicht hier am Platze ist, wurde nur deßhalb gedacht, um einen über Schmitt erschienenen Nekrolog, der viel schöne Worte über die Person macht, aber wenig genug zur Sache redet, einigermaßen zu ergänzen oder mindestens zu berichtigen.

Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1870, Nr. 1980, in der „Tages-Chronik“.