BLKÖ:Schmutz, Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schmutz, Franz
Band: 30 (1875), ab Seite: 341. (Quelle)
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Schmutz, Karl (Topograph, geb. zu Freundsberg in Steiermark 1. Jänner 1787, gest. zu Linz 20. April 1873). Sohn wohlhabender Eltern, erhielt eine sorgfältige Erziehung, beschäftigte sich in jungen Jahren mit Vorliebe mit den Naturwissenschaften, vornehmlich mit Botanik und Entomologie, in welch letzterer er auch einige neue Arten Insecten entdeckte. Als im Jahre 1808 in Folge der kriegerischen Rüstungen die Landwehr errichtet wurde, trat S. im Bezirke seines Vaters zu Poppendorf als gemeiner Freiwilliger ein, und seinem Beispiele, als des Sohnes ihres Herrschaftsinhabers, [342] folgten 273 Bezirksinsassen, die an dem jungen Gutsherrn mit Liebe und Vertrauen hingen. Nun entwickelte S. eine rastlose Thätigkeit, bildete sich und Andere im Waffendienste aus, wurde in wenigen Monaten Oberlieutenant und bald darauf Hauptmann, wozu ihn vor der Fronte der durch seinen Eifer geschaffenen und eingeübten Compagnie Erzherzog Johann erhob. Im Feldzuge des Jahres 1809 stand er beim Blockadecorps von Venedig, wo er wiederholt des Erzherzogs Lob erntete. Bei Raab am 14. Juni 1809 war er einer der drei Hauptleute, welche unter Major Hummel [Bd. IX, S. 425] den Meierhof von Kis-Megyer vertheidigten. Von den drei Hauptleuten blieb Berthold todt, Moscon und Schmutz geriethen verwundet in französische Gefangenschaft. Ein halbes Jahr blieben sie in derselben. S. verlebte sie meist zu Chalons sur Marne, wo er seinen unfreiwilligen Aufenthalt zum Besuche der Bibliotheken und Sammlungen, dann der Umgebungen u. s. w. benützte. Nach erlangter Freiheit kehrte er im December 1809 heim. Im September 1810 kam er als Hauptmann in das Infanterie-Regiment Nr. 44, damals Graf Bellegarde, mit demselben nach Ungarn in Garnison, worauf er im Jahre 1811 ein Commando von 250 Polen zur Unterstützung der Salinenarbeiten nach Gmunden führte. Ueberall, wohin ihn sein Dienst führte, machte er sich mit der Gegend und ihren Eigenthümlichkeiten genau bekannt. In den nun folgenden Kämpfen wohnte er den Schlachten bei Dresden, Kulm und Leipzig bei und nach geschlossenem Frieden drängte es auch ihn nach Ruhe, in welcher er seinen ländlichen Beschäftigungen und Lieblingsstudien leben wollte. Nachdem er einen ehrenvollen Abschied erlangt, kaufte er den sogenannten Steirerhof bei Gratz und dann das Staatsgut Kaimbach. Dort in ländlicher Abgeschiedenheit unter landwirthschaftlichen Arbeiten reifte sein Gedanke, ein historisch-topographisches Lexikon seines Vaterlandes auszuarbeiten. Die Kenntniß desselben wurde bis dahin durch das nur sehr unvollkommene und dennoch brauchbare Kindermann’sche Repertorium vermittelt. Es galt, ein neues, den Bedürfnissen der Gegenwart entsprechendes Werk schaffen, und in achthalbjähriger Arbeit hatte S. ein solches vollendet, nämlich das „Historisch-topographische Lexikon von Steyermark“, 4 Bände (auf Kosten des Verfassers, Gratz 1822–1823, gedruckt bei Andr. Kienreich, gr. 8°.). Das außerhalb Steiermark wenig gekannte und seltene Werk ist noch heute als in seiner Art mustergiltig anzusehen. Nur der topographische und statistische Theil bedarf einer Umarbeitung, wie solche ja bei Arbeiten dieser Art immer von Zeit zu Zeit nöthig wird, aber das darin niedergelegte historisch-biographische Materiale, das man kaum darin zu finden vermeint, bleibt immer höchst schätzbar; es enthält außer dem Namens-Lexikon aller steirischen Künstler und Schriftsteller (bis 1820), bei den einzelnen Pfarren die Geschichte ihrer Gründung, die Namen ihrer Patrone, die Aufzählung der in den Kirchen befindlichen Denk- und Grabmäler und genealogische und biographische Notizen über 700 steirische Adelsfamilien. Außer diesem Werke, das seinem Verfasser ein bleibendes Andenken sichert, schrieb S. mehrere Aufsätze für den „Aufmerksamen“, ein belehrend-unterhaltendes Beiblatt der amtlichen Gratzer Zeitung“, für Hormayr’s „Archiv“, den „Hesperus“, die „Steiermärkische Zeitschrift“ u. a. Im Jahre [343] versah er einige Zeit über Auftrag des steiermärkischen Guberniums die Lehrkanzel der Landwirthschaft in Gratz; auch war er viele Jahre als Mitglied des Central-Ausschusses der k. k. Landwirthschafts-Gesellschaft in Steiermark in verdienstlichster Weise thätig. Im Jahre 1828 trat er als Schätzungs-Commissär wieder in kaiserliche Dienste, arbeitete als solcher im Brucker, Judenburger und Klagenfurter Kreise und wurde später nach Wien übersetzt. Die letzten Jahre verlebte er in Linz, wo er im hohen Greisenalter von 86 Jahren starb. Von seinen handschriftlichen Collectaneen sind ein Directorium diplomaticum von Steiermark, über 30 Hochgebirgs-Panoramen des Landes, welche er selbst aufgenommen, und Materialien zu Supplementen seines oberwähnten topographischen Lexikons bemerkenswerth.

Conversationsblatt. Herausg. von Franz Gräffer (Wien, 8°.) III. Jahrg. (1821) S. 805: „Der Steiermärker Karl Schmutz“. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 565. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) Jahrg. 1822, Nr. 32. –