BLKÖ:Schneider, Franz Ritter von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 31 (1876), ab Seite: 15. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Schneider, Franz Ritter von|31|15|}}

Schneider, Franz Ritter von (k. k. Artillerie-Hauptmann und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Wien im Jahre 1801, gest. zu Como 4. August 1850). Trat im Juli 1818 als Gemeiner in das 2. Artillerie-Regiment, in welchem er es 1837, nach 19jähriger Dienstzeit, zum Unterlieutenant brachte, worauf er im Jahre 1848 Oberlieutenant und bald darauf Hauptmann wurde. Mit dieser Charge endet seine militärische Laufbahn. Beim Ausbruche der Revolution im Jahre 1848 in Mailand stand er als Oberlieutenant und Commandant der Batterie Nr. 1 in der lombardischen Hauptstadt. Am 21. März 1848 Nachmittags sollte die von den [16] Insurgenten durch Barrikaden eingeschlossene Besatzung des Militär-Commandogebäudes entsetzt werden. Schneider bahnte dem von dem Hauptmann Kuhn geführten, mit dieser Aufgabe betrauten Detachement mitten durch den aus den Stockwerken und von den Dächern unterhaltenen heftigen Kugelregen mit seinen zwei Zwolfpfündern den Weg, nahm die Barrikaden und die eingeschlossene Grenadier-Division wurde befreit. – Am 22. März hatte die Armee den Rückzug aus Mailand angetreten. Die Vorstadt bei Porta Tosa war vollständig von den Insurgenten besetzt. Das Thor und die außerhalb der Porta Tosa derselben nächst gelegenen Häuser waren stark von Insurgenten vertheidigt. Jene mußten genommen, diese vertrieben werden, da von da aus die Rückzugscolonnen der Unseren stark bedroht waren. Schneider erhielt den Auftrag dazu. Mit aller Entschlossenheit schritt er mit seiner zwölfpfündigen Batterie zum Angriffe. Der Widerstand der Insurgenten war ein verzweifelter und um so hartnäckigerer, als immer neue Verstärkungen anlangten. Schneider aber wurde Herr aller Hindernisse, und als mit einem Eisenbahnzuge neue Verstärkungen der Insurgenten ankamen, brachte er mit seinem Geschützfeuer auch diesen zum Anhalten, und so hatte er unseren Truppen den Weg frei gemacht. – Am 29. Mai 1848 nahm S. noch vor dem Gefechte an der verschanzten Linie von Curtatone genaue Einsicht von dem Terrain und recognoscirte die ganze feindliche Aufstellung. Sobald das Gefecht sich engagirt, nahm er mit solcher Umsicht seine Aufstellung, daß er, nachdem er das Feuer eröffnet hatte, alsbald die in den Verschanzungen postirten feindlichen Geschütze demontirte. Nun richtete der Feind seinen Angriff auf Schneider’s Geschütze. Doch das hinderte Schneider nicht, mit seinem Geschütze immer weiter auf den Feind, der ihn mit einem wahren Kugelregen überschüttete, zu avanciren. Der Erfolg seines bis auf 600 Schritte nahe gebrachten Feuers war ein mörderischer. Dadurch wurde der Angriff der Unseren auf die feindlichen Verschanzungen so wirksam unterstützt, daß dieselben mit Sturm genommen werden konnten, worauf das gesammte, in den feindlichen Schanzen befindliche Geschütze sammt Munition erbeutet und alle Mannschaft zu Gefangenen gemacht wurde. – Wunder der Bravour und Tapferkeit verrichtete Schneider im Gefechte bei Goito am 30. Mai. Auf dem gefährlichsten, dem feindlichen Feuer am meisten ausgesetzten Puncte hatte Schneider mehrere Stunden hindurch Stand gehalten. Nachdem er starke Verluste an der Bespannung und dem Munitionsfuhrwerke erlitten und der Rückzug nothwendig geworden, trat er denselben mit Vorsicht an. Um diese Zeit rückten neue Truppen der Unseren in die Kampflinie, auch kamen einige neue Geschütze unter Commando des Artillerie-Hauptmanns Edlinger, an. Dieser ersuchte Schneider, ihm die Stelle zu zeigen, wo er früher mit seinen Geschützen gestanden. Schneider führte dieselben selbst an den Platz. Während die Leute die Geschütze abprotzten, wurden mehrere Leute der Bedienungsmannschaft der auf dem besten Platze aufgestellten Kanone erschossen. Schneider ließ dadurch sich nicht irren. In Person übernahm er die ganze Bedienung des Geschützes, führte die Patrone ein, richtete es und schoß es ab. So bediente er ganz allein während der ganzen Dauer des Gefechtes das Geschütz. – Ebenso ausgezeichnet verhielt sich S. im Gefechte [17] bei Vicenza am 10. Juni. Auch in demselben verlor er mehrere Mannschaft[WS 1], an deren Stelle er sofort trat und mit eigenen Händen das Geschütz bediente, dessen Feuer durch seine Position ungemein wichtig war; als er nach einiger Zeit Aushilfe erhielt, rückte der Feind mit seinen Verstärkungen immer näher an seine Stellung heran. S. ermunterte durch sein eigenes heldenmüthiges Verharren auf dem Platze die Mannschaft zum Einhalten ihrer Stellung. Indessen war auch unsere Infanterie zum Sturme gegen den Feind herangerückt, nun unterstützte S. mit seinem gut gezielten Feuer den Sturm unserer Truppen auf das Wirksamste, so daß der Feind seine Positionen zu verlassen begann, und als Schneider’s zwölfpfündige Batterie wegen Abgrabung der Straße nicht weiter vorrücken konnte, drang Schneider in die nächstgelegene feindliche Batterie und beschoß den sich zurückziehenden Feind wie zum Hohne aus seinem eigenen Geschütze. – Auch an den späteren Gefechten nahm S. den rühmlichsten Antheil, insbesondere in jenem bei Salionze am 24. Juli, wo er mit seinen Geschützen den von Monzambano heranrückenden Feind zum Rückzuge zwang. In der 151. Promotion (vom 27. November 1848) wurde der mittlerweile zum Hauptmann beförderte Schneider mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Früher schon war er mit dem Orden der eisernen Krone 3. Classe geschmückt worden. Aber schon zwei Jahre später, im Alter von erst 49 Jahren, raffte zu Como der Tod den tapferen Officier hin.

Oesterreichischer Soldatenfreund, Zeitschrift für militärische Interessen. Herausg. von J. Hirtenfeld und Dr. Meynert (Wien, 4°.) III. Jahrg. (1850), S. 329: „Ehrenhalle. III.“; S. 361: „Zur Ehrenhalle in Nr. 74“; S. 440: Todesanzeige; S. 639: Schreiben seiner Witwe aus Salzburg. – Hirtenfeld (J. Dr.). Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 1485 u. 1752.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Manschaft