BLKÖ:Schodel, Rosalie

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 31 (1876), ab Seite: 69. (Quelle)
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Schodel, Rosalie (Sängerin, geb. zu Klausenburg im Jahre 1811, gest. um das Jahr 1850). Von Haus aus eine geborne Klein, erhielt sie den ersten musikalischen Unterricht von einem Herrn Schodel, den sie später, damals erst 14 Jahre alt, auch ehelichte und mit ihm nach Preßburg übersiedelte. In einem Concerte, welches der Violoncellist J. Wagner, nachmals Kunst- und Musikalienhändler in Pesth, veranstaltet hatte, trat Rosalie zum ersten Male öffentlich auf und gefiel allgemein. Von Preßburg begab sie sich zur weiteren Ausbildung nach Wien und machte im Musik-Conservatorium, dessen Schülerin sie wurde, so tüchtige Fortschritte, daß sie in kürzester Zeit ein Engagement am Kärnthnerthor-Theater erhielt. Aber bald verließ sie dasselbe und begab sich nach Deutschland, wo sie auf mehreren Bühnen, und später nach Paris und London, wo sie überall mit Beifall sang. Im Jahre 1836 kam sie nach Pesth und gab im deutschen Theater mehrere Gastvorstellungen, welche aber durch Theater-Intriguen unterbrochen wurden, worauf sie Pesth verließ und sich in ihre Vaterstadt zurückzog, um dort, der Bühne entsagend, sich häuslich niederzulassen. Aber auf die eindringlichen Bitten des Pesther Nationaltheaters gab sie ihren Vorsatz auf und wurde nun Mitglied der ungarischen Gesellschaft in Pesth, zu deren Koryphäen sie bald zählte. Bis zum J. 1842 blieb sie bei dem Kunstinstitute, zu dessen Hebung sie durch ihre mehrjährige Wirksamkeit an der ungarischen Oper wesentlich beitrug, so daß in den Annalen der ungarischen Oper ihr Name eine bleibende Stelle behaupten wird. Das Charakteristische ihrer Künstlerschaft bestand in der Verschmelzung der Vorzüge des ungarischen Naturells mit jenen der deutschen Kunst und deutschen Kunstbildung. Mit einer imponirenden äußeren Erscheinung verband sie eine ausdrucksvolle Physiognomie, eine markige, wohllautende Stimme – ein Kritiker nannte ihre für gewaltige Charaktere bestimmte Stimme treffend ein „Eumeniden-Organ“ – hohe Leidenschaftlichkeit der Empfindung und eine mächtige Phantasie. Eigenschaften, welche sie zur Darstellung [70] heroischer Charaktere besonders eigneten. Leichte, anmuthige Rollen gehörten nicht in ihr Fach. Aus ihrem Repertoire sind vornehmlich anzuführen: Fidelio, Norma, Romeo, Macbeth, Lucretia Borgia und unter den Rollen der nationalen Oper Elisabeth Szilágyi in Erkel’s „Hunyadi Laßló“. Als sie im J. 1840 zur Zeit des Preßburger Landtages, die Norma sang, verehrte ihr die Preßburger Landtagsjugend in Anerkennung ihre Künstlerschaft und in Hindeutung ihre Meisterleistung als „Norma“ eine silberne, stark vergoldete, mit 209 meist ungarischen Edelsteinen verzierte Sichel, welche erst im Jahre 1860 von dem Sohne der Verstorbenen angekauft und dem Pesther Nationalmuseum übergeben wurde.

Sonntags-Zeitung (Pesth, gr. 8°.) 1856, Nr. 24, S. 189: „Rosalie Schodel“. – Vasárnapi ujság, d. i. Sonntagszeitung (Pesth, gr. 4°.) Jahrg. 1856, Nr. 23, S. 187: „Schodel né mint Szilágyi Erzsébet“. – Figaro (Berliner Blatt), redigirt von L. W. Krause (schm. 4°.) 1842, S. 839: „Die Sängerin Schodel“. – Porträte. 1) Unterschrift: Rosalie Schodel, k. k. Hof-Opern-Sängerin zu Wien. Rademacher gez. A. Remy (lith.). kl. Fol.; – 2) Costumebild Rosalie Schodel als Elisabeth in Erkel’s Oper: „Hunyadi Laßló“. Holzschnitt, ganze Figur, in der Pesther Sonntags-Zeitung 1856, Nr. 24.