BLKÖ:Erkel, Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Erl, Joseph
Band: 4 (1858), ab Seite: 70. (Quelle)
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Erkel, Franz (Compositeur, geb. zu Gyula im Békeser Comitat 1810). Den ersten Unterricht in der Musik gab ihm sein Vater, selbst tüchtiger Dilettant in dieser Kunst. Der Sohn besaß ein so hervorragendes Talent und machte so glückliche Fortschritte, daß er im Alter von 24 Jahren als Musikdirector der Kaschauer Operngesellschaft angestellt wurde. Mit dieser ging er später nach Ofen, und, als 1837 die Pesther National-Bühne eröffnet wurde, erhielt er die Direction des Orchesters, an dessen Spitze er noch gegenwärtig steht. Zu ungewöhnlichen Erwartungen berechtigte seine Oper „Hunyady Laszlo“, d. i. Ladislaus Hunyady, welche im Jahre 1844 zum ersten Male auf der Pesther National-Bühne gegeben, großen Beifall erhielt, viele Male aufgeführt wurde, und noch gegenwärtig sehr beliebt ist. E. verstand es darin mit besonderem Geschick die moderne ausländische mit der altungarischen Nationalmusik zu verschmelzen. Lange Zeit blieb die Aufführung dieses Werkes auf seine Heimat beschränkt. Nach zwölf Jahren (1856) brachte die Arader ungar. Operngesellschaft den „Hunyady“ in Wien im Theater an der Wien zur Aufführung, wo der Erfolg trotz mittelmäßiger Kräfte ein ehrenvoller, die Meinung der Fach-Kritik eine getheilte, doch der größere Theil zu Gunsten des Compositeurs ausgefallen war. Von der extremsten Partei wurde die bisherige Bezeichnung des Hunyady „nationales Kunstwerk“ nach [71] ihren beiden Momenten negirt und die Oper weder als „national“ noch als „Kunstwerk“ angesehen. Die zweite große Composition E.’s ist seine Oper „Maria Bathori“, welche wenngleich weniger großartig, doch nicht geringerer Beliebtheit sich erfreut, als die erste. Unter Erkels kleinern Compositionen ist seine Musik zu Kölcsey’s „Hymnus“ sehr populär. Als Director des Orchesters der ungar. Nationalbühne bewährt sich E. als Mann von tüchtiger musikal. Bildung, Wissen und praktischem Scharfblick. Wohl hat er seit 15 Jahren nur die genannten zwei größern Werke geschaffen, aber in vollster Manneskraft stehend, hat er bei entschiedenem Talent und reicher Phantasie noch eine Zukunft vor sich.

Ujabb kori ismeretek tára, d. i. ungar. Conversations-Lexikon der neueren Zeit (Pesth 1850, Heckenast) III. Bd. S. 114. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Auflage) V. Bd. S. 591. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon (Hildburghausen 1853, Bibl. Inst., Lex. 8°.) III. Suppl. Bd. S. 428. – Allg. Wiener Musik-Zeitung, herausgeg. von August Schmidt. 1844, Nr. 16–19. [Ausführliche Besprechung der (am 27. Jän. 1844) im Pesther National-Theater zum ersten Mal aufgeführten Oper: „Ladislaus Hunyady“, deren Aufnahme eine glänzende war. Nach der Vorstellung wurde dem Compositeur ein kostbarer Pokal und ein von Egressy (s. d. S. 4 d. Bds.) zur Feier dieses Festes verfaßtes Gedicht überreicht. In diesem von einem Deutschen verfaßten Berichte wird das musikalisch-nationale Element dieses Tonwerkes besonders hervorgehoben.] – Presse (Wiener Journal, Fol.) 1856, Nr. 190; „Musikalische Briefe“. [Ed. Hanslick bespricht daselbst eingehend die Oper: „Hunyády László“; bestreitet den nationalen Charakter dieser Composition, indem er darin die nationalen Anwandlungen nur sehr vereinzelt, hingegen die Musik im Ganzen italienisch findet. Seine abfällige Meinung glaubt er um so unumwundener aussprechen zu müssen, als diese Arbeit Erkels mit großer Prätension auftrat und seit Jahren auf das Unmäßigste ausposaunt wird.] – Blätter für Musik, Theater und Kunst, herausg. von Zellner (Wien, 4°.) 1856, Nr. 67, 68. [Besprechung von L. A. Zellner, der im „Hunyády“ mehr gute Musik und tüchtigere Arbeit findet, als in einem halben Dutzend neuwäl’scher Opern.] – Ebenda Nr. 98, S. 390. [Berichtet in den „Musikalischen Reisebriefen“ über E.’s Wirksamkeit als Orchester-Director des Pesther Nationaltheaters, in welchem ein Sohn E.’s als Paukenschläger fungirt.] – Porträt. Facsimile der Unterschrift: Erkel Ferencz. Barabás 1845. Nyom. Walzel A. F. Pesten. Herausg. von Petrichevich. Horváth (4°., Pesth).