BLKÖ:Sierakowski, Wenzel

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 34 (1877), ab Seite: 261. (Quelle)
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Sierakowski, Wenzel (Krakauer Domherr, geb. zu Krakau im Jahre 1740, gest. ebenda im Jahre 1806). Ein Neffe des Erzbischofs Wenzel Hieronymus (s. d. S. 263) und ein Bruder des Sebastian (s. d. Vor.). Frühzeitig zum geistlichen Stande bestimmt, erhielt er bald eine Warschauer Kanonie, welche er aber im Jahre 1763 mit einer [262] Domherrenstelle an der Krakauer Kathedrale vertauschte. Ferdinand Kicki, Erzbischof von Lemberg und zugleich Propst an der Krakauer Kathedrale, ernannte ihn zum Coadjutor seiner Propstei, zugleich mit der Anwartschaft auf dieselbe. Im Jahre 1776 wurde S. Deputirter der Krone beim kön. Gerichtshofe. Als im Jahre 1797 Erzbischof Kicki starb, übernahm er nun dessen Krakauer Propstei in wirklichen Besitz und behielt sie bis an sein Lebensende. Wenzel S. war ein gelehrter und würdiger Priester, ein Freund der Armen und die Musik erfreute sich seiner besonderen Pflege. Zu Sandomir errichtete, er im Jahre 1787 aus eigenen Mitteln eine Apotheke, bestritt aus denselben gleichfalls den Gehalt eines Apothekers und Arztes, welche beide gehalten waren, die Armen unentgeltlich mit Arzeneien zu versehen und zu behandeln. Auch that er Vieles zur Hebung des Gewerbsfleißes: so rief er in Krakau eine Leinwandmanufactur, dann eine Tuchfabrik in’s Leben, welche er beide aus eigenen Mitteln erhielt, nur um den armen Leuten Arbeit und Verdienst zu geben. Von einer Reise nach Italien brachte er eine große Vorliebe für Musik mit heim, nun stellte er Nachforschungen nach armen Waisenkindern an, ließ sie auf seine Kosten im Spiele verschiedener Instrumente und im Gesange unterrichten und gab zu ihrer höheren Ausbildung Concerte oder ließ geistliche Oratorien aufführen. S. unterhielt auf eigene Kosten in Krakau eine Gesangschule, aus welcher später namhafte Künstler hervorgingen. Aus Prag wurden zu diesem Zwecke der Böhme J. Golumbek als Gesanglehrer und Professor Lang für den Unterricht auf der Violine berufen. Dazu gesellte sich noch der bekannte Musicus Franz X. Kratzer [Bd. XIII, S. 170, Nr. 1] und die Leitung über das Ganze führte Prälat Sierakowski persönlich. Es wurden Preiscompositionen einstudirt, Cantaten italienischer Meister, deren Texte S. in’s Polnische übersetzte, aufgeführt. So gelangte diese Gesangschule zu immer bedeutenderem Rufe und außer anderen tüchtigen Gesangskräften ging namentlich die Sängertruppe des Directors Boguslawski aus ihr hervor. Wie oben bemerkt worden, war S. nach verschiedenen Richtungen schriftstellerisch thätig. Die Titel seiner durch den Druck veröffentlichten Werke sind: „Sztuka Muzyki dla Mlodziezy krajowej“, d. i. Die Kunst der Musik für die vaterländische Jugend, 3 Bde. (Krakau 1795 und 1796, Druckerei der Hauptschule, 8.°); – „Catechisme ou Doctrine chretienne, traduit de l’allemand par l’abbé Wenc. Sierakowski avec Musique de Fr. X. Kratzer“, 2 vol. (ebd. 1803); – „Cantate en musique en l’honneur de la bienheureuse Bronislawa“ (o. J.); – „Opera w Muzyce na honor S. Stanislawa“, d. i. Cantate zu Ehren des St. Stanislaus (o. J.). Außer den vorgenannten hatte S. noch 16 kleinere Schriften musikalischen Inhaltes geschrieben, deren Titel nicht angegeben sind; – „Blogosłowionego Tomasza a Kempis nauka o naśladowania Chrystusa Pana ....“, d. i. Des seligen Thomas von Kempis Nachfolge Christi, aus dem Lateinischen übersetzt (Krakau 1798, 12°.); – „Historyja kościelna czyli zbiór żywotów swiętych pańskich w okręgo calego roku i. s. d.“, d. i. Kirchengeschichte oder Sammlung von Lebensgeschichten der Heiligen auf das ganze Jahr u. s. w., 13 Bde. (ebd. 1789–1800, 8°.); – „Hymni z Brewijarza rzymskiego dla użytku [263] powszechnego zebrane i na polskie przełożone“, d. i. Hymnen aus dem römischen Brevier zum allgemeinen Gebrauch gesammelt und in’s Polnische übersetzt (ebd. 1799, 8°.), die Uebersetzung besorgte S., die Musik aber ist von Fr. X. Kratzer bearbeitet; – „Rękodzielo fabryki-sukienny, które w Krakowie roku 1786 dla wiele pożytków i zatrudnienie ubogych pracą iest ustanowione“, d. i. Handbuch der Tuchfabrication, wie solche im Jahre 1786 in Krakau, um dem allgemeinen Bedürfniß zu Hilfe zu kommen und den Armen Arbeit zu geben, errichtet worden ist, 3 Hefte (ebd. 1797, 8°.); – „Rolnictwo dla wlościan, dziedziców i wladzy rządowej“, d. i. Der Ackerbau für Landleute, Grundbesitzer und Gemeindeobrigkeiten, 3 Hefte (ebd. 1798); – „Postać ogrodów która do dwóch zmyslów smaku w owocach i powonieniu w kwiatach szczególniej sciąga się“, d. i. Anlage von Gärten, wobei zwei Momente, geschmackvolles Obst und wohlriechende Blumen zu erzielen, in’s Auge gefaßt werden, 2 Bde. (ebd. 1798, 8°.); – „Silnie czyli oszczedzenie zdrowia pracujacych okolo cięzarów“, d. i. Maschinen, oder Sorge um die Gesundheit solcher Leute, die mit Lasten arbeiten (ebd. 1799, 8°.); – „Igraszki uczonego dowcipu“, d. i. Tändeleien gelehrten Witzes u. s. w. (ebd. 1800). Zu Ende des 3. Bandes seiner oberwähnten „Kunst der Musik“ finden sich 53 Cantaten verzeichnet, welche S. mit großen Unkosten im Auslande erworben, in polnische Verse gebracht und als eben so viele Libretti hatte drucken lassen. Ueberdieß hatte er verschiedene Werke aus anderen Sprachen, meist aus der lateinischen und französischen übersetzt, so z. B. Höften’s „Chemin royal de la croix“, Bouvier’s „Fegefeuer-Advocat“, Jos. Heunze’s „Joseph im Traum“, L. Guiglari’s „Schule der Wahrheit“ u. s. w. S., ein Humanist in des Wortes edelstem Sinne, war bemüht, sein unwissendes Volk zu belehren und zu bilden, und dem Unglücke, wo er es fand, werkthätig beizuspringen. Um eine neue Ausgabe der berühmten Bibel des Wujk[WS 1] zu ermöglichen, verfügte er aus eigenen Mitteln eine Summe von 50.000 poln. Gulden. Das Geld aber, leider schlecht angelegt, ging verloren. S. starb im Alter von 66 Jahren, sein Bruder Sebastian ließ ihm ein Grabdenkmal setzen.

Grabowski (Ambrozy), Rrecz o zaslugach obywatelskych i naukowych Waclawa z Boguslawic hradi Sierakowskiego proboszcza katedry krakowskiej (Krakau 1850. – Gedächtnißrede auf Wenzel Sierakowski, gehalten von M. Ambros Grabowski am 2. Jänner 1850, in den Denkschriften der Krakauer Jagellonischen Akademie der Wissenschaften. – Sowińskí (Albert), Les musiciens polonais et slaves anciens et modernes. Dictionnaire biographique de compositeurs, chanteurs etc. (Paris 1857, Adrien Le Clere & Co., gr. 8°.) p. 496. – Encyklopedija powszechna, d. i. Allgemeine Encyklopädie (Warschau 1864, S. Orgelbrand, gr. 8°.) Bd. XXIII, 2. 437. – Łętowski (Ludwik), Katalog Biskupów, Prałatów i Kanoników Krakowskich (w Krakowie 1853, w drukarni Uniwersitetu, 8°.) tom IV, p. 41.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Jakub Wujek (Wikipedia).