BLKÖ:Sierakowski, Wenzel Hieronymus Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Sierakowski, Wenzel
Band: 34 (1877), ab Seite: 263. (Quelle)
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Sierakowski, Wenzel Hieronymus Graf (Erzbischof von Lemberg, geb. im Jahre 1699, gest. zu Obroszyn 28. October 1780). Gehört einer alten polnischen Adelsfamilie an. Sein Vater Johann war Truchseß von Zakroczym. Noch in jungen Jahren zeigte S. Vorliebe und Neigung zum geistlichen Stande und wurde in Folge dessen nach Rom geschickt, um dort seine theologische Ausbildung zu erhalten. Nach mehrjähriger Abwesenheit [264] in seine Heimat zurückgekehrt, wurde er im Jahre 1725 Canonicus, bald darauf Kroncustos mit den Einkünften der Propstei von Jaroslaw. Nach dem Tode des Bischofs von Livland, Constantin Moszyński, erhielt S. 1737 diese Kirchenwürde, kam von dort 1739 als Nachfolger des Franz Kobielski in gleicher Eigenschaft nach Kamieniec und 1742 nach dem Ableben des Valentin Czapski als Bischof nach Przemysl, welches Bisthum er durch 18 Jahre verwaltete, bis er im Jahre 1760 nach der Berufung des Erzbischofs Wladislaw Lubieński auf den Posten eines Primas von Gnesen dessen erzbischöfliche Würde in Lemberg übernahm, und dieselbe bis an sein Lebensende durch 20 Jahre zum Ruhme der Kirche und der Diöcese versah. Schon als Bischof von Přzemysl war er auf Hebung der tief gesunkenen Kirchenzucht in seiner Diöcese bedacht. Zunächst unternahm er eine Visitation derselben, und Zacharyasiewicz in seinem „Vitae Episcop. Premýsl.“ p. 250 berichtet über ihn: „Scandala et mores parochorum nam et praelatorum coercebat“. Dabei war er auch sonst für das Gedeihen der Diöcese thätig, und wo es galt den Glanz seiner bischöflichen Würde zu zeigen, scheute er keine Ausgabe. In seiner Kathedrale ließ er die Capelle des h. Leibes Jesu mit großen Kosten ganz neu und kostbar herstellen; den bis dahin hölzernen Palast des Bischofs ließ er aus Steinen neu aufbauen, ebenso stellte er einen zweiten in Radymno her und in Brzozow entstanden viele bischöfliche Bauten. Den Missionaren, einem in Brzozow befindlichen Orden, erbaute er aus Ziegeln ein ansehnliches Stift, umgab es mit Gärten und Grundstücken und stiftete für dasselbe ein bedeutendes Capital. Dann verfügte er eine Summe von 10.000 fl. zur Begründung eines theologischen Curses. Dabei war er auf Landtagen und königlichen Commissionen im Interesse seiner Kirche und gegen die Dissidenten thätig. Als er im Jahre 1760 den erzbischöflichen Stuhl in Lemberg bestieg, unternahm er sofort eine Visitationsreise, auf welcher er die Erzdiöcese besuchte und überall zur Beseitigung der Mißbräuche und Hebung der gesunkenen Kirchenzucht energische Maßregeln ergriff. Im Jahre 1765 berief er eine Synode, in welcher wichtige Maßnahmen, sein kirchliches Verwaltungsgebiet betreffend, berathen und beschlossen wurden. Dabei war er im hohen Grade wohlthätig, stiftete Kirchen und Seminarien, und wenn seine Einnahmen erschöpft waren, verkaufte er seine Kleinodien[WS 1] und sein Silber. Zunächst streng gegen sich selbst, im hohen Grade enthaltsam, galt er daher in den Tagen des lebensfrohen Stanislaus August für einen eigenthümlichen Fanatiker. Ein Gönner der Jesuiten, nahm er für sie Partei und unterließ nichts, ihre Aufhebung zu verhindern, denn seine Stimme hatte Gewicht in Rom. Oft durchwanderte er seine Diöcese zu Fuß, ohne sich durch irgend ein Wetter abhalten zu lassen; so geschah es denn, daß er durch solche Strapazen sich ein Leiden zuzog, das zuletzt seinen Tod zur Folge hatte. Dessenungeachtet hatte S. ein hohes Alter erreicht, denn er war, als er starb, 81 Jahre alt. Noch im Jahre 1774, damals schon 75 Jahre alt, reiste er nach Wien, wo er bei der Kaiserin die huldvollste Aufnahme fand und für sich, wie für seine ganze Familie mit dem Grafentitel ausgezeichnet wurde. So streng er und in den kirchlichen Kreisen, seines unnachsichtigen Kirchenregimentes wegen, gefürchtet war, so war doch die [265] Trauer über sein Ableben eine allgemeine. Was seine Verdienste um die erzbischöfliche Kathedrale betrifft, so verdankt ihm dieselbe ihre völlige Restauration und künstlerische Ausschmückung. In Dunajowice und Obroszyn erbaute er neue Paläste. Als er, um der Kaiserin Maria Theresia, der nunmehrigen Königin von Galizien und Lodomerien, seine Huldigung darzubringen, nach Wien reiste, versuchte er auch die Abtei Tyniec für die erzbischöfliche Dotation zu erwerben. Doch so huldvoll die Monarchin sonst gegen ihn war, dem sie außer der erwähnten Grafenwürde auch noch das Großkreuz des St. Stephansordens und die geheime Rathswürde verlieh, darauf ging sie nicht ein, die Einkünfte der reichen Abtei sollte nur er noch bis an seinen Tod genießen. Erzbischof Sierakowski war es auch, der nach Beseitigung großer Hindernisse, welche diesem Vorhaben sich entgegenstellten, die Uebertragung des Muttergottesbildes aus der Domazlickischen Capelle, eines Bildes, das im ganzen Lande große Verehrung genoß, auf den Hochaltar der Kathedrale durchsetzte. Die Uebertragung des Bildes, womit zugleich die Krönung Marien’s verbunden war, geschah unter außerordentlicher Feierlichkeit, welcher mehrere Kirchenfürsten entfernter Diöcesen beigewohnt hatten. Als gedruckte Beweise seiner oberhirtlichen Thätigkeit sind zu verzeichnen: „V. H. Sierakowski Ecclesiae Praemisliensis Episcopi edicta et ordinationes post peractam feliciter visitationem generalem omnium Ecclesiarum Diocesis Camenecensis. Omnibus jurisdictioni suae spirituali ad observandum praescripta“ (Leopoli 1742, 4°.); – „Kazanie na dzień konsekracyi kosciola przemyslskiego miane“, d. i. Predigt am Tage der Einweihung der Przemysler Kirche gehalten (1744, Fol.); – „List pasterski“, d. i. Hirtenbrief (Lemberg 1755); – „Akademia z historyi kościelnej ku czci Matki boskiej“, d. i. Akademie aus der Kirchengeschichte zu Ehren der Mutter Gottes (Přzemysl 1756, 8°.); – „Epistola pastoralis“ (Leopoli 1761); – „Obwieszczenie o parafii katedry lwowskiej“, d. i. Bekanntmachung der Pfarren der Lemberger Kathedrale (ebd. 1764, Fol.); – „Synodus dioecesana Leopoliensis anno Domini 1765 diebus 20., 21. et 22. Maji in ecclesia metropolitana celebrata“ (Lemberg 1765, Fol.); – „Trzeci list pasterski“, d. i. Dritter Hirtenbrief (ebd. 1770); – „List pasterski do ludu“, d. i. Hirtenbrief an das Volk (ebd. 1776); – „Catalogus confessariorum sub tempus Jubilei“ (ebd. 1776); – „Ordi Missionum“ (ebd. 1776); – „Process jubileusza wielkiego“, d. i. Der Vorgang des großen Jubiläums (ebd. 1776, Fol.). Moriz Graf Dzieduczki, der um die Geschichte Galiziens vielverdiente Forscher, hat das Leben des Erzbischofs Sierakowski in der Wochenbeilage der Lemberger Zeitung (Dodatek tygodniowy przy Gazecie lwowskiej 1858, Nr. 2 bis 6, 8 bis 11 u. s. w.) ausführlich beschrieben und überdieß ein vollständiges Bild der Epoche der Sachsenherrschaft in Polen in den ersten Jahren des Königs Stanislaus August gegeben.

Pawlowski (Franciscus). Premislia sacra, sive series et gesta Episcoporum r. l. Premisliensium (Cracowicao 1870, Vl. Jaworski, 8°.). p. 570 etc.Lętowski (Ludwik), Katalog biskupów, prałatów i kanoników krakowskich, d. i. Katalog der Bischöfe, Prälaten und Domherren von Krakau (Krakau 1852, Jagellonische Druckerei, 8°.) Bd. IV, S. 41 u. f.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Kleinnodien.