BLKÖ:Sotriffer, Johann Jacob

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Sotira (Aquarellist)
Band: 36 (1878), ab Seite: 36. (Quelle)
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Sotriffer, Johann Jacob (Bildhauer, geb. zu Gröden in Tirol im Jahre 1796). Zeigte von früher Jugend Talent für die Bildhauerkunst, wie denn überhaupt den Bewohnern der genannten Gegend das Talent für Plastik angeboren zu sein scheint. Als im Jahre 1821 einige plastische Arbeiten von Grödener Autodidakten, unter anderen zwei Gruppen aus Holz, den „Androkles“ und „Hercules“ darstellend, nach Wien gelangten und dort die allgemeine Aufmerksamkeit erregten, gelang es den Bemühungen des damaligen Kreishauptmannes Ritter von Hauer, und des Landes-Gouverneurs Grafen von Chotek, für das Thal Gröden, und zwar zu St. Ulrich die Errichtung einer Zeichnungsschule zu erwirken. Es war dieß mit ah. Entschließung vom 1. November 1821 angeordnet, und dabei verfügt worden, daß zum künftigen Zeichnungslehrer ein talentvoller Jüngling aus dem Thale Gröden, jedoch unter der Bedingung gewählt werde, daß derselbe in Wien durch theoretischen und praktischen Zeichnungsunterricht an der k. k. Akademie der bildenden Künste, und durch Besuch der Werkstätten der Bildhauer, Drechsler, Vergolder, Lackirer und Bronzearbeiter zu dem beabsichtigten Zwecke sich ausbilde. Jacob Sotriffer, ein talentvoller Jüngling, wurde dazu ausersehen und im October 1822 nach Wien gesandt. Als eine Probe seiner Befähigung und als Zeichen seines Dankes überreichte S. dem Kaiser zwei Statuen aus Alabaster, eine „Mutter Gottes“ und den „heil. Johannes“ darstellend, wofür der Künstler mit einer ansehnlichen Geldspende belohnt wurde. Nach noch nicht vollendeten zwei Jahren hatte S. sich bereits so ausgebildet, daß die k. k. Studien-Hofcommission ihn am 21. Februar 1824 für würdig erkannte, Ende 1824 das Lehramt in der Grödener Schule zu übernehmen. Nach seiner Ankunft in Gröden wurde am 25. Jänner 1825 die Grödener Zeichnungsschule feierlich eröffnet und S. in sein neues Amt eingeführt. Wie die Grödener Bildschnitzerei seither prosperirte, erfahren wir aus Staffler’s „Das deutsche Tirol und Vorarlberg“ [Bd. II, S. 1047], welcher daselbst berichtet, daß in St. Ulrich der regste Gewerbsfleiß in der Schnitzarbeit sich kundgebe; daß man daselbst den größten Verlag von Holzfiguren finde, welche von da in die fernsten Lande versendet werden. Im Jahre 1847 besorgten dieses Geschäft fünf Hauptverleger, welchen alle Schnitzer des Thales wöchentlich am Samstage die von ihnen verfertigten Waaren um den bestimmten Preis überliefern. (Es wäre wichtig zu wissen, welchen Antheil an der künstlerischen Ausführung dieser Schnitzereien die dortige Zeichnenschule besitze.) Sotriffer selbst hat manches beachtenswerthe Werk seither vollendet. Seine in Marmor, Alabaster und Holz ausgeführten bald größeren, bald kleineren Arbeiten finden sich in Kirchen und im Besitze von Privaten zerstreut. Eine Statuette, die „unbefleckte Empfängniß Mariä“ darstellend, aus Alabaster nach Canova, in der Höhe eines Schuhes, befindet sich im Museum zu Innsbruck. – Auch Johann Jacobs Bruder Joseph (geb. 1802) verlegte sich auf die Bildhauerei und seine Arbeiten theils Statuen und ornamentale Stücke sieht man gleichfalls in Tiroler Kirchen. Von ihm ist eine besonders schöne, in Florentiner Alabaster ausgeführte [37] „Madonna“ anzuführen, welche viel der vorerwähnten seines Bruders Johann Jacob ähnlich ist.

Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XVII, S. 87. – Tirolisches Künstler-Lexikon S. 235.