BLKÖ:Stadler von Wolfersgrün, Joseph Jacob

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 37 (1878), ab Seite: 58. (Quelle)
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Stadler von Wolfersgrün, Joseph Jacob (Compositeur, geb. zu Rosenthal (čechisch Rožmitál) in Böhmen, 24. Juni 1753, Todesjahr unbekannt). {{Seite|59} Ueber die Familie, der er entstammt, geben die Quellen nähere Auskunft. Sein Vater Joseph Franz stand als Oberamtmann und Bevollmächtigter in Graf Thun’schen Diensten, und lebte auf der gräflichen Herrschaft Tetschen im Leitmeritzer Kreise Böhmens. Der Sohn erhielt den erforderlichen Unterricht und wurde für das Amtmannsgeschäft, welches sein Vater versah, erzogen, da er aber große Vorliebe und Talent für die Musik zeigte, wurde auch die Ausbildung in dieser Kunst nicht vernachlässigt, und so erlernte der Sohn neben dem Clavier- das Violin- und das Contrabaß-Spiel. Ueber seine dienstliche Laufbahn fehlen alle Nachrichten. Allem Anscheine nach wurde er Nachfolger des Vaters in den Graf Thun’schen Diensten. Im Jahre 1815, damals schon bei 62 Jahre alt, lebte er als Hausbesitzer und Bürger zu Prag, und fand sein Vergnügen daran, unbemittelten Jünglingen, welche Talent zur Musik zeigten, in derselben unentgeltlichen Unterricht zu ertheilen, da er sie im Piano- und im Violinspiel unterwies. Joseph Jacob componirte auch für die Instrumente, welche er mit vorzüglicher Geschicklichkeit spielte. Seine Compositionen, Claviersonaten und Variationen für die Violine, ferner seine Harmoniepartien und Menuetten fanden in Wien und Prag großen Beifall. Für zwei Vermälungen des Kaisers Franz I. hatte S. die Ballmusik componirt. Von seinen im Stich erschienenen Compositionen sind bekannt: Eine „Solo Clavier-Sonate“; – „Variationen auf einen Ländler“; – „Sechs Menuetts mit Trio für das Pianoforte“; – „Das jüdische Trauungslied mit Variationen für das Piano“, sämmtlich in der k. k. priv. Chemie-Druckerei des Anton Steiner in Wien erschienen; ferner: „Zwölf Variationen für die Violine über das beliebte Olmer Lied in der Charakteristik eines Eitlen, Fröhlichen, Verliebten, Berauschten, Leichtsinnigen, Stolzen, Kleinmüthigen, Zufriedenen, Spötters, Geizigen, Sonderlings und Zornigen“. Diese, dem Grafen Friedrich von Nostitz gewidmete Composition, ist bei Ernst Schödl im St. Galli-Kloster in der Prager Altstadt erschienen.