BLKÖ:Stahl, die Freiherrenfamilie

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 37 (1878), ab Seite: 90. (Quelle)
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1. In Oesterreich ist auch eine Freiherrenfamilie des Namens Stahl zu erwähnen. Stammvater derselben ist Philipp Stahl (geb. zu Speyer 1762, gest. zu Wien 26. Jänner 1831). In seiner Jugend war Philipp S. Privat-Secretär im Dienste des kaiserlich-österreichischen Gesandten am russischen Hofe Johann Ludwig Grafen Cobenzl [Bd. II, S. 390], wurde nach seinem Uebertritt in den kaiserlichen Staatsdienst folgeweise Concipist, Hof-Secretär bei der vereinigten Hof-Kanzlei, dann Kreishauptmann im Ellbogner Kreise, Hofrath bei der obersten Polizei-Hofstelle, dann Staats- und Conferenzrath, Vice-Präsident bei dem mährisch-schlesischen Gubernium, 1820 Präsident der k. k. Hofcommerzien-Commission und 1824 Kanzler der vereinigten Hof-Kanzlei, von welchem Posten er 1830 über sein Ansuchen in den Ruhestand übertrat. Im Jahre 1799 wurde er in den österreichischen Ritterstand erhoben. Am 5. April 1815 erhielt er wegen erlangter Anwartschaft auf das fürsterzbischöfliche[WS 1] Afterlehen Dinowitz und wegen Wahl seines ältesten Sohnes Friedrich zum Olmützer Domicellar-Domherrn auch das mährische Incolat, später die Tiroler Landmannschaft. Philipp hatte mehrere Söhne. Außer dem schon erwähnten Olmützer Domherrn Friedrich, von dem weiter unten Näheres folgt, einen Sohn Anton, der als Ministerialrath im Handelsministerium noch im Ruhestand lebt; ferner Joseph (geb. 20. Juli 1803, gest. 24. Juni 1864), zuletzt k. k. Legationsrath a. D. und Mitglied des mährischen Landtages, welcher mit Diplom ddo. 18. April 1860 in den österreichischen Freiherrnstand erhoben worden. Freiherr Joseph hat aus seiner Ehe mit Polyxena, geborenen Freiin Nebel von Türkheim (geb. 2. Juni 1815), einen Sohn Ludwig (geb. 18. Februar 1847), zur Zeit Chef der Familie und Besitzer genannten Lehengutes Dinowitz. Ludwigs drei Schwestern, Josepha, Victoria und Maria, sind noch unvermählt. Philipps oben erwähnter Sohn Friedrich, der anfänglich Olmützer Domicellar-Domherr war, gab später, jedoch ehe er noch die höheren Weihen erlangt hatte, diese Stelle auf und kehrte ins bürgerliche Leben zurück. In der Folge begab er sich in den Orient, wo er sich verheirathete. – Einer seiner Söhne ist Oscar Ritter von Stahl. Oscar kam nach dem Tode seines Vaters, damals acht Jahre alt, nach Wien, wo ihn sein Oheim Joseph in das Theresianum gab. Nach beendeten Studien trat er in das k. k. Handels-Ministerium ein, in welchem damals der oberwähnte Oheim Oscars, Anton Ritter von Stahl, als Ministerialrath diente. Dort war Oscar zum Ministerialsecretär vorgerückt. Im J. 1872. zur Zeit der österreichischen Banken-Ueberfötation, legte Oscar seine Stelle nieder, um jene eines Generalsecretärs der Wiener Commercialbank zu übernehmen. Aber auch die Wiener Commercialbank wurde von dem Krach im Monat Mai getroffen und Oscar theilte ihr Loos. Seither lebt S. als [91] national-ökonomischer Mitarbeiter großer englischer und nordamerikanischer Blätter. Er hat sich mit Luise geborenen Gräfin Almásy vermält. Doch ist diese übrigens kinderlose Ehe seit 1873 getrennt. –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: fürsterzbischöfsiche.