BLKÖ:Statz, Vincenz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Staub, Andreas
Band: 37 (1878), ab Seite: 245. (Quelle)
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Statz, Vincenz (Architekt, Geburtsort und Jahr unbekannt), Zeitgenoß. Statz ist zwar nicht Oesterreicher von Geburt, doch wird hier seiner gedacht und vornehmlich deshalb, weil eines der schönsten Bauwerke der Monarchie, der Linzer Dom, nach seinem eigenen Plane und unter seiner unmittelbaren Leitung gebaut wird. Statz hat sich am Bau des Kölner Domes vom einfachen Maurermeister, der er war, zum Dombau-Architekten, der er heute ist, emporgebildet. Er wußte sich bald solches Vertrauen zu erwerben, daß ihm innerhalb dreier Decennien der Bau von 70 und wohl noch mehr Kirchen in gothischem Style anvertraut wurde, worunter etwa 40 für die Erzdiöcese Köln (Köln, Aachen, Kevelaar, Rheinbrohl, Crefeld, Niedermending, Bolz, Holzweiler u. s, w.). Zu vielen Gotteshäusern, Votivsäulen u. A. fertigte er die Pläne, wie zur Pfarrkirche in Dessau, zur Kathedrale und Votivkirche in Lille, zu den Mariensäulen in Köln, Düsseldorf, Peplin u. s. w. Daneben baute er viele Schlösser und Landhäuser, gab Entwürfe zu gothischen Kirchen – 70 Blätter – heraus, lieferte Zeichnungen zu Glasmalereien, Teppichen, Geräthschaften, alles in gothischem Style, allen seinen Arbeiten den Stempel seiner Meisterschaft aufdrückend. Im Jahre 1861 war er Privatbaumeister geworden und wurde schon 1863 zum Diöcesan-Baumeister von Köln gewählt. So viel über seinen äußeren Lebensgang. Für Oesterreich hat Architekt Statz besonders Interesse, wie oben gesagt wurde, als Erbauer des Linzer Domes nach eigenem Plane. Am 1. Mai 1862 wurde durch Bischof Rudigier der Grundstein zu [246] dem Mariendome gelegt, der zur Verherrlichung des Dogmas der unbefleckten Empfängniß Maria erbaut werden sollte. Der Linzer Dom ist ein Bauwerk von monumentaler Bedeutung. Die folgenden, den Dom unmittelbar betreffenden Angaben mögen einen Begriff von dem Bauwerke geben, dessen Meister V. Statz ist. Der Plan des Linzer Domes ähnelt stark dem Freiburger Münster, sowohl in Größe als äußerer Form. Der Linzer Dom ist in Kreuzesform gehalten. Der Längenbalken des Kreuzes mißt 276, der Querbalken 183 Fuß. Der Hochbau des Domes wird von 28 freistehenden, sechs Halbsäulen und zwei Giebelmauern getragen. Bis zum Schlusse der Gewölbe beträgt die Höhe des Hochbaues 96, sammt dem Dachwerke 136 Fuß. Von den 38 Fenstern des Domes gehören 13 dem Langhause, 14 dem Querhause und 11 dem Altarhause. Die drei Fenster ober dem Hauptportale, an der südlichen und an der nördlichen Schlußmauer des Querhauses, haben im Lichten eine Höhe von 40 und eine Breite von 25 Fuß, die 35 übrigen Fenster eine Höhe von 30 und eine Breite von 12 Fuß. Lang- und Querhaus haben Nebenschiffe, das Altarhaus einen Chorgang, um welchen herum sieben Capellen im Kranze gruppirt sind, deren mittlere und größte die „Votivcapelle“ ist, welche für sich aus einem Altarhause und einem zweischiffigen Langhause besteht. Unter dem Altarhause des Domes ist eine Gruftkirche als Ruhestätte der Bischöfe von Linz angelegt. Der gothische Thurm, welcher sich, wie bei dem Freiburger Münster, über dem Portale erheben soll, hat eine Höhe von 400 Fuß. Der Dom enthält in seinem Innern nebst dem Hauptaltar noch siebzehn Altäre. Der ganze innere Flächenraum ist, nach Abzug der Säulen, auf beiläufig 30.000 Quadratfuß berechnet. So ist denn der Linzer Dom etwa nur um 100 Quadratfuß kleiner als der Freiburger Münster, sein Thurm aber um 25 Fuß höher als der Thurm des Freiburger Münsters und um 28 Fuß niederer als der Stephansthurm in Wien. Linz, in architektonischer Beziehung ohnehin genug arm, erhielt durch dieses monumentale Bauwerk einen Schmuck herrlichster Art. Bischof Rudigier aber als der intellectuelle Schöpfer dieses Denkmals der Baukunst und Vincenz Statz als der eigentliche Erbauer, in Plan und Ausführung, haben sich beide mit demselben selbst das schönste und dauerndste Denkmal gesetzt. An Ehren und Auszeichnungen mannigfacher Art hat es dem Meister nicht gefehlt; im Jahre 1866 wurde er Baurath, früher schon hatte ihm der König von Bayern den St. Michaelsorden, der Herzog von Anhalt seinen Hausorden, der König von Hannover die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen und mehrere Kunstakademien, darunter die Ecclesiological Society in London ihn in Anbetracht seiner Verdienste um die gothische Baukunst unter ihre Ehrenmitglieder aufgenommen.

Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, kl. Fol.) Nr. 775, 8. Mai 1858: „Die Mariasäule zu Peplin“. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1860, Ebner u. Seubert, gr. 8°.), Bd. III, S. 580.