BLKÖ:Stierle-Holzmeister, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Stierle, Madame
Band: 38 (1879), ab Seite: 351. (Quelle)
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Stierle-Holzmeister, Joseph (k. k. Hauptmann und Schriftsteller, geb. in Wien 26. November 1781, gest. 6. December 1848). Nachdem er in Wien die Studien gemacht, trat er im Jahre 1798, damals 17 Jahre alt, aus Neigung für den Soldatenstand, als Cadet in das Chevauxlegers-Regiment Kinsky ein. Mit demselben machte er die Feldzüge der Jahre 1805 bis 1809 mit, hielt sich tapfer, wurde zum Officier [352] befördert und zur Infanterie übersetzt, in welcher er stufenweise zum Capitän vorrückte. In Folge seiner durch die Strapazen der Feldzüge erschütterten Gesundheit mußte er im Jahre 1811 den activen Dienst aufgeben und in den Ruhestand übertreten, bei welcher Gelegenheit ihm in Würdigung seiner vor dem Feinde bewiesenen Tapferkeit und Umsicht, der Hauptmanns-Charakter verliehen wurde. In den ersten Jahren lebte er in Wien, im Jahre 1828 übersiedelte er nach Preßburg, wo er durch zwölf Jahre seinen bleibenden Aufenthalt genommen, bis er im Jahre 1840 wieder nach Wien zurückkehrte. Badecuren und andere Unfälle hatten sein Vermögen, von dessen Zinsen er bisher gelebt, erschöpft, und er war genöthigt worden, nun um eine Bedienstung sich umzusehen. Eine solche erhielt er auch im folgenden Jahre, da er im November d. J. dem k. k. Kriegsarchiv als wirklicher Hauptmann zugetheilt und am 1. December 1847 als Adjunct in der Kriegsbibliothek angestellt wurde. In dieser Stellung war er bis an sein schon im folgenden Jahre im Alter von 67 Jahren erfolgtes Lebensende thätig. Während seines Aufenthaltes in Preßburg wirkte er in literarischer Hinsicht anregend und machte sich um die dortigen Humanitäts-Anstalten sehr verdient. Sein Haus war der Versammlungsplatz gebildeter Militärs; man las abwechselnd die Werke hervorragender Dichter oder besprach die neueren Erscheinungen der schöngeistigen Literatur, und allmälig fand sich Alles in demselben ein, was auf Bildung Anspruch machte, und jeder Fremde, welcher Preßburg besuchte, wurde, wenn er edleren Verkehr suchte, bei Stierle eingeführt. Wie einst der Carolina Pichler Salon in Wien, der Brennpunct geistiger Geselligkeit für Wien war, so war es jener von Stierle-Holzmeister in Preßburg. Sein Lieblingsaufenthalt in den Sommermonaten aber war der Badeort Ischl, und Stierle im Vereine mit dem Badearzt und Hofrath Wirer Ritter von Rettenbach ist es, der den Ruf des nachmals so berühmt gewordenen Badeortes begründete. Noch nach zwei Seiten ist seiner Thätigkeit zu gedenken; als Schriftsteller, der in Prosa und Versen schuf, und als Censor, der Prosa und Verse strich. Als Schriftsteller nicht ohne Talent, finden wir im Vormärz nicht selten seinen Namen in den Unterhaltungsblättern jener Zeit und in Almanachen unter Gedichten und Erzählungen. Stierle entfaltet in seinen Arbeiten Geist und in seinen Erzählungen zeichnet er glücklich die Charaktere und schreibt einen guten Styl. Er ist längst vergessen – mit Unrecht – und seine „Gesammelten humoristischen Novellen, Erzählungen und Gedichte“ 3 Bände (Wien 1844, Ignaz Klang), verzeichnet kein Bücher-Lexikon, seinen Namen nennt keine Literaturgeschichte, nicht Mosenthal und Scheurer nahmen ihn in ihre Anthologien auf; nur das „Oesterreichische Balladenbuch“ von Bowitsch und Gigl führt ihn an. – Bald nach seiner Uebersiedlung nach Wien im Jahre 1841 erhielt er eine Stelle als Aushilfscensor. Ueber die Art und Weise, wie er dieses Amt handhabte, liegt uns ein Censurblatt vor, worauf Stierle, sein Gutachten über Alfred Meißner’s „Gedichte“ (Leipzig 1845, Reclam, 8°.) niederschrieb. Es lautet: „Der Verfasser, eines jener verdüsterten Gemüther, wie sie jetzt leider an der Tagesordnung sind, überschreitet allerdings an vielen Stellen die Grenzen des Zulässigen; z. B. [353] pag. 15, 18 und 19, 26, 31, 102, vor Allem aber im Schluß-Gedicht pag. 163. Da jedoch mehrere der vorliegenden Gedichte so entschiedenen poetischen Werth haben, daß deren gänzliche Unterdrückung ein Verlust für das höhere gebildete Lesepublicum wäre, so stimme ich für: erga schedam.. Diese Censurformel bedeutet, daß ein Werk nur gegen behördliche Erlaubniß ausgefolgt werden durfte. Man sieht: Stierle-Holzmeister ist als Censor nicht einer der schlimmsten und wäre vielleicht gar nicht Censor geworden, wenn er über die Ursachen der Verdüsterung der Gemüther im Vormärz reiflich nachgedacht hätte. S. war verheirathet, und aus seiner Ehe hatte er nur eine Tochter, welche sich mit dem damaligen Hauptmann im 23. Infanterie-Regimente Ceccopieri Joseph Centner, Professor in der Genie-Akademie und Verfasser eines 1846 erschienenen „Militär-Geschäftsstyls“, nachmals Platz-Major in Wien und zuletzt Platzoberst in der Festung Olmütz, verheirathete.

Oesterreichisches Militär-Conversations-Lexikon. Herausgegeben von Hirtenfeld und Meynert (Wien, gr. 8°.) Bd. III, S. 265. – Oesterreichische Militär-Zeitschrift. Herausgegeben von Schels (Wien, kl. 8°.) Jahrg. 1848, Bd. VI, S. 295. – Oesterreichischer Courier (vormals „Theater-Zeitung“). Herausgegeben von Adolph Bäuerle (Wien, gr. 4°.) XLI. Jahrg. (1848), Nr. 287 und 288: „Nekrolog“. Von K. Norbert. – Oesterreichischer Soldatenfreund 1848, S. 199.