BLKÖ:Stocker, Georg (Seelsorger)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Stocker, Joseph
Band: 39 (1879), ab Seite: 72. (Quelle)
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Hier ist eines merkwürdigen Mannes, des noch heut als der „selige Herr Jörg“ im Gedächtnisse des Tiroler Volkes lebenden Georg Stocker (geb. zu Sonnenburg im Pusterthale auf dem Stockergute im März 1641, gest. zu Spinges am 19. März 1700) zu gedenken. Georg betrat die theologische Laufbahn und wurde Seelsorger in der durch das Mädchen von Spinges [Bd. XXXVI, S. 171] berühmt gewordenen Gemeinde Spinges. Durch seine Bestrebungen kam die Stiftung der Curatie in Spinges zu Stande. Die Ueberlieferung weiß nicht genug Rühmliches von seinem Eifer auf der Kanzel und der Wirkung seiner Beredtsamkeit zu berichten. Er besaß einen seltenen Scharfblick, um das Innere seiner Gemeindekinder zu erforschen, dabei gelang es seiner eindringlichen Rede und seinem treuherzigen und doch würdevollen Wesen, die verstocktesten Herzen zu gewinnen und zur Reue zu bewegen. Andere wieder, so von schweren Unfällen und harten Schlägen getroffen, muthlos geworden und allen Glauben an eine Vorsehung verloren hatten, verstand er durch sein erbauliches Wort, durch seine Trostgründe und Vorstellungen aufzurichten. So gewann er alsbald einen Ruf, der sich weit, weit über die Grenzen der seiner Seelsorge anvertrauten Gemeinde verbreitete; er wurde bei Lebzeiten wie ein Heiliger angesehen und aus fernen Gegenden, aus Bayern und Kärnthen wallfahrteten die Bedrückten, so [73] Trost suchten, nach Spinges zu dem würdigen Seelenarzte, den sie nie, ohne Trost bei ihm gefunden zu haben, verließen. Im Jahre 1682 unternahm P. Georg eine Wallfahrt nach Palästina und nach seiner Rückkehr erbaute er im Jahre 1685 die Capelle des h. Grabes, eine Wallfahrtscapelle nach dem Muster der Kirche des h. Grabes in Jerusalem, nur im verjüngten Maßstabe. Als es im Jahre 1693 zum Kriege gegen die Türken kam, begab sich S. auf den Kriegsschauplatz nach Ungarn, um als Feldcaplan den österreichischen und bayerischen Truppen Dienste zu leisten, wobei er die verwundeten und kranken Soldaten pflegte und die niedrigsten und beschwerlichsten Dienste mit einer Entsagung und Selbstdemüthigung ohne Gleichen verrichtete. Nachdem er in sein Vaterland zurückgekehrt war, mußte er auf dringendes Bitten der Gemeinde Spinges die Seelsorge wieder übernehmen, und er setzte sie bis an sein im Alter von 59 Jahren erfolgtes Ableben in der früheren Weise fort. Nach seinem Tode wurde der edle Priester wie ein Heiliger verehrt. Die unten bezeichnete Quelle entwirft ein begeistertes Bild von diesem seltenen und hochwürdigen Priester des Herrn. [Weber (Beda), Tirol und die Reformation. In historischen Bildern und Fragmenten. Ein katholischer Beitrag zur näheren Charakterisirung der Folgen des dreißigjährigen Krieges vom tirolischen Standpunkte aus (Innsbruck 1841, Wagner’sche Buchhandlung, 8°.) S. 415, im Abschnitte XIII: „Christi Grab zu Jerusalem. Oswald von Wolkenstein u. s. w.“.]