BLKÖ:Struber, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Struck, Paul
Band: 40 (1880), ab Seite: 102. (Quelle)
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Struber, Joseph (Salzburger Landesvertheidiger, geb. im Jahre 1770, gest. zu Stegenwald nächst Werfen am 19. Juli 1845). Im denkwürdigen Jahre 1809 leuchtet der Name des Gastwirthes zu Stegenwald glänzend durch die Vertheidigung des Salzburger Passes Lueg. Schon wenige Tage vor derselben, am 21. September 1809, brachte Struber das an der Aschauer Brücke aufgestellte bayerische Piquet, welchem er, vom Hochgebirge kommend, mit einigen Kernschüssen in den Rücken fiel, vollständig zum Weichen, wodurch er dem Tiroler Ober-Commandanten Capuciner P. Haspinger [Band VIII, S. 34] den Weg gegen den Paß öffnete. Während des Angriffes am 25. September umging er über die steilsten Höhen des Tännengebirges den Paß, zu dessen Eroberung [103] nicht nur durch seinen sicheren Schuß, mit welchem er manchen Gegner dahinstreckte, sondern auch durch das Niederschmettern von Felsstücken auf den Feind wesentlich beitragend. Bis dahin hatte er die Stelle eines Hauptmanns in einer Pongauer Compagnie versehen, nun wurde er für seine Waffenthat von P. Haspinger, im Namen Andreas Hofer’s als Landes-Obercommandanten, sogleich auf dem Schlachtfelde zum Major ernannt. Am 3. October nahm der französische Marschall Lefebvre Hallein im Sturme ein. Er hatte hierbei die eines Ueberfalls gar nicht gewärtigen Landesvertheidiger so plötzlich überrascht, daß sie, durch großen Verlust an Mannschaft geschwächt, nach nur kurzem Widerstande in das Gebirge sich zerstreuten. Struber, den seine Leute in eiliger Flucht im Stiche gelassen, rettete sich nur durch List, indem er in Oberalm seine militärischen Abzeichen ablegte und im Wirthshause daselbst die eindringenden Feinde als Kellner in Jacke und Schürze bediente. Darauf übernahm er selbst das Commando am Engpasse Lueg. Und hier leistete er Bewundernswerthes. Die sinnreichen Vorrichtungen, welche er zur Vertheidigung dieses natürlichen Schutzwalles in Ausführung gebracht, und der Heldenmuth, mit welchem er denselben in Gemeinschaft mit dem als Hauptmann unter ihm stehenden Peter Sieberer [Bd. XXXIV, S. 241] an der Spitze eines nur kleinen Häufleins Getreuer vertheidigte. erregten allgemeines Erstaunen. Dieses Verhalten brachte die weit überlegenen feindlichen Schaaren zur Muthlosigkeit. Schon war der Feind auf allen Seilen in die österreichischen Lande eingebrochen, Struber stand noch unerschütterlich auf seinem Posten, von welchem er die heftigsten Sturmangriffe des übermächtigen Gegners zurückschlug. Wer kann sagen, zu welchem Ende diese heldenmüthige Vertheidigung geführt haben würde, wenn sie nicht durch den Auftrag der österreichischen Regierung an Struber, den Paß zu übergeben, wäre abgeschnitten worden? Die nächste Folge der Uebergabe war, daß die an dem Passe gelegene Behausung des ruhmvollen Vertheidigers vom Feinde geplündert, er selbst verhaftet, mißhandelt, transportirt und sogar mit dem Tode bedroht wurde. Das Land Salzburg kam an Bayern. Als es nach dem zweiten Pariser Frieden wieder an Oesterreich zurückfiel, ward auch Struber nicht vergessen. Zunächst erhielt er mit kaiserlichem Handschreiben vom 28. November 1817 für seine muthvolle Landesvertheidigung vom Jahre 1809 die mittlere goldene Civil-Ehren-Medaille mit Oehr und Band, dann mit einem zweiten ddo. 26. Juli 1833, nachdem sich seine Vermögensverhältnisse verschlimmert hatten, eine jährliche Gnadengabe von 300 fl. Bei jeder Durchreise des Kaisers oder eines anderen Familiengliedes des ah. Kaiserhauses durch den Paß Lueg ritt Struber in seiner alten Schützenmajors-Uniform mit entblößtem Säbel dem Wagen vor. Nach seinem Tode wurde die Witwe mit einer jährlichen Gnadengabe von 150 fl. betheilt. Er liegt auf dem Friedhofe des Marktes Werfen, links vom Haupteingang in die Kirche, begraben. Ein einfaches Kreuz mit der Aufschrift: „Allhier ruhet der hochschätzbarste Herr Joseph Struber gewester Wirth und Gastgeber zu Stegenwald. Er starb im 75. Jahre seines Alters am 19. Juli 1845 um 4 Uhr Abends“, bezeichnet seine Ruhestätte. [104] Kein Denkstein gibt seine Verdienste um das Vaterland an. Sein Sohn Rupert, Besitzer von Stegenwalden, war 1855 noch am Leben.

Schallhammer (Anton Ritter von), Kriegerische Ereignisse im Herzogthume Salzburg in den Jahren 1800, 1805 und 1809 (Salzburg 1853, Mayr, gr. 8°.), S. 103, 108 und 296. – Oesterreichische illustrirte Zeitung. Herausgegeben von Reyhangs, 1852, Nr. 38.
Porträte. Im Holzschnitt in der oberwähnten „Oesterreichischen illustrirten Zeitung“ 1852, Nr. 38. – Außerdem befanden sich im Jahre 1850 (ob heute noch, ist mir unbekannt) im Wirthshause zu Stegenwald zwei Porträte Struber’s. Das eine in Wasserfarben zeigt ihn in seiner kriegerischen Tracht und hat die Umschrift: „Zum Andenken an die Vertheidigung des Paß Lueg mit 2 Compagnien gegen 11.000 Mann Franzosen (?) unter Commando des General Dyroi (Deroi) durch 13 Tage durch Joseph Struber“. Auf einer Papierrolle, welche er in der Hand hält, steht: „Zum Majoren ernannt im Jahre 1809 während dem Treffen im Paß Lueg nebst Verleihung der großen (?) goldenen Medaille“. – Das zweite Porträt ist ein Brustbild mit Bleistift gezeichnet, es zeigt ihn in Civilkleidern als Landwirth seine Pfeife rauchend; es soll von der Meisterhand des königlich bayerischen Generals Heidegger herrühren.