BLKÖ:Suppantschitsch, Johann Anton

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 40 (1880), ab Seite: 334. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 1049231430, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Suppantschitsch, Johann Anton|40|334|}}

Suppantschitsch, Johann Anton (Schriftsteller, geb. zu Laibach 22. Mai 1785[WS 1], gest. zu Capodistria 26. Juli 1833). Die Eltern, mittellose Bürger Laibachs, ließen den Sohn, der Lust und Liebe zum Lernen zeigte, die Universität besuchen. Aber kaum hatte er das Studium der Theologie begonnen, als er aus Vorliebe für die Dichtkunst dasselbe wieder aufgab und sich für die ästhetischen Disciplinen entschied. Um den nöthigen Lebensunterhalt zu erschwingen, trat er in einer adeligen Familie als Hauslehrer ein, wo ihm seine Erzieherpflicht noch immer Muße genug übrig ließ, seine Lieblingsstudien in der Geschichte und Alterthumskunde fortzusetzen. Als der Krieg sein Vaterland Krain heimsuchte, hatten sich die Dinge daselbst nichts weniger denn derart entwickelt, um die jugendlichen Gemüther, wie dies in Deutschland bei Körner, Max Schenkendorf und Anderen der Fall war, zum Eintritt in die Reihen der Kämpfer gegen die Bedrücker zu begeistern. Die Franzosen waren in Krain ohne viele Kämpfe eingerückt, hatten das ganze Land occupirt und sofort mit einer Energie ohne Gleichen in Verwaltung genommen. S., bei seiner schüchternen, ja schwächlichen Natur nur den friedlichen Genüssen der Muse hold, hielt sich von allem politischen und kriegerischen Beginnen ferne und nahm bei der ersten Gelegenheit eine Supplentenstelle am Gymnasium in Laibach an. Als er später das Lehramt der Geschichte und Geographie an einem steiermärkischen Gymnasium, in Cilli erhielt, fand er auch dort Muße genug, sich bei seiner Begeisterung für alles Schöne und Edle seinen poetischen Arbeiten hinzugeben. Nicht minder aber trieb ihn sein Streben nach höherer wissenschaftlicher Ausbildung zu eindringlichen Studien im Gebiete der Geschichte, namentlich aber der Numismatik, Heraldik und Genealogie, wobei er sein Hauptaugenmerk auf die heimischen Alterthümer und ihre Erklärung richtete. Als bald darauf die Organisirung des neuen Studienplanes ins Leben trat, erhielt er im Jahre 1819 eine Professur der Humanitätsclassen am Gymnasium in Marburg. Daselbst aber entwickelten sich die gesellschaftlichen Verhältnisse in einer ihn stets weniger befriedigenden Weise, auch machte ihn der geringe Erfolg seiner edleren Bestrebungen immer mißmuthiger und verleidete ihm schließlich den längeren Aufenthalt in der für alles Höhere gleichgiltigen Provinzialstadt. Bereits über das zwölfte Jahr brachte er in dieser unerquicklichen Lage zu, als sich 1831 ihm die Gelegenheit bot, seine Stelle mit einer anderen zu [335] vertauschen. Rudolph Gustav Puff [Bd. XXIV, S. 63], welcher im Mai g. J. eine Humanitätsclassen-Professur in Capo d’Istria erhalten hatte, wünschte in seine Heimat Steiermark zurückzukehren. Nun trug sich ihm Suppantschitsch zum Tausche der Stelle an, und noch im October d. J. übernahm er Puff’s Professur in Capo d’Istria. Aber nicht lange sollte er an dem selbstgewählten Orte sein Lehramt ausüben; schon seit längerer Zeit kränkelnd, förderte er durch die neue ungewohnte Lebensweise sein Leiden und, erst 45 Jahre alt, erlag er demselben. Alle Nachrufe schildern ihn als einen Mann von nicht gewöhnlichen Geistesgaben; als Lehrer in Marburg blieb er wegen seines feurigen, gehaltvollen Vortrags im lebendigen Andenken seiner zahlreichen Schüler. Im städtischen Kunstvereine, welcher damals das höhere Geistesleben der kleinen Provinzialstadt umfaßte, bildete er die Seele und glänzte besonders als geistvoller Declamator. Aber körperliche Leiden, Mißverhältnisse und Anfeindungen seines geistigen Schaffens griffen um so tiefer in sein Gemüth, als er bei seiner sonst heiteren Weise – denn er war ein trefflicher, an Witz und lustigen Einfällen unerschöpflicher und überall willkommener Gesellschafter – seine tiefe Verstimmung nicht merken lassen wollte. Als Schriftsteller mußte er bei den damals der Literatur nichts weniger denn günstigen Verhältnissen seine Thätigkeit auf Arbeiten in Zeitschriften beschränken, aber zahlreich sind seine Erzählungen, Biographien, topographischen und archäologischen Aufsätze, welche in den besten der zu jener Zeit bekannten schöngeistigen Journale erschienen. Vieles jedoch blieb ungedruckt und bildete einen umfangreichen Nachlaß, der aber, wie es den Anschein hat, für uns auf immer verloren gegangen ist. Von seinen im Buchhandel erschienenen Schriften haben wir nur zu verzeichnen: „Ausflug von Cilli nach Lichtenwald“ (Cilli 1818, 8°.) und „Der Türkensturm auf Marburg im Jahre 1529. Eine dramatisirte Erzählung in vier Abtheilungen“ (Gratz 1829, 12°.). – Als lyrischer und epischer Dichter leistete er Musterhaftes, und seine Balladen, „Der Malteser von Melling“, „Schloss Wurmberg“, seine Volkssage: „Die Glocke im Pfarrthurme zu Marburg“, sein „Kar! VI. zu Marburg“ bezeugen seine gestaltende Kraft und schwungvolle Poesie. Auch hat sich von ihm noch eine ziemlich umfangreiche Correspondenz mit seinem Collegen Dr. Rud. Puff erhalten, welcher dieselbe kurz vor seinem Ableben dem historischen Vereine für Krain übergab. Sie enthält manches zur Kenntniß der damaligen Verhältnisse in Steiermark namentlich auf literarische Zustände und Persönlichkeiten Bezügliches.

Carniolia (belletristisches Laibacher Blatt, 4°.) VI. Jahrg., 1844, Nr. 105. – Mittheilungen des historischen Vereins für Krain, 1865, Nr. 5, S. 49. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) Jahrg. 1829 S. 684. – Fest-Programm des k. k. Gymnasiums in Marburg zur Erinnerung an die hundertjährige Jubelfeier dieser Lehranstalt im Jahre 1858, S. 111, in der „Geschichte des k. k. Marburger Gymnasiums“. Von Georg Matiaschitsch. – Puff (Rud. Gust. Dr.), Marburg in Steiermark, seine Umgebung, Bewohner und Geschichte (Gratz 1847, kl. 8°.) Bd. II, S. 228, Nr. 14. – Derselbe, Frühlingsgruß (Gratz 1841).[WS 2]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 1788.
  2. Handschriftlicher Zusatz: „Carinthia (Klagenfurt) 1835 No. 7 biogr. Skizze“.