BLKÖ:Körner, Karl Theodor

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Környei, Johann
Band: 12 (1864), ab Seite: 243. (Quelle)
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Körner, Karl Theodor (deutscher Dichter und Kämpfer in den Befreiungskriegen, geb. zu Dresden am 23. September 1791, gefallen den Tod für das deutsche Vaterland im Gefechte zwischen Schwerin und Gadebusch am 26. August 1813). Sein Vater ist Christian Gottfried K., damals chursächsischer Appellationsrath in Dresden, der treue und vielerprobte Freund Schiller’s, und seine Mutter Anna Maria, eine Tochter des Kupferstechers Stock in Leipzig und Schwester der als Pastellmalerin berühmt gewordenen Emma Stock. Im Hause seiner Eltern, in welchem der Sinn für Wissenschaft, Poesie und Kunst stets lebendig war und das Familienleben einer echten deutschen Familie aus den gebildeten Ständen in seiner vollen Reinheit blühte, wuchs Theodor auf und besuchte die Kreuzschule, während tüchtige Privatlehrer ihn zu Hause unterrichteten. Als er sich einen Beruf wählen sollte, entschied er sich für das Studium des Bergbaues und bezog 1808 die Bergakademie zu Freiberg, an welcher damals der berühmte Werner als Director wirkte. Nachdem er zwei Jahre in Freiberg studirt und den vorgeschriebenen Lehrcurs beendet hatte, ging er 1810 nach Leipzig, wo er mehrere Collegien besuchte und aus einzelnen Wissenschaften Privatstunden nahm, zugleich aber auch die Idee, sich dem Bergbau zu widmen, wenn nicht schon aufgegeben, so doch sehr in den Hintergrund geschoben haben mochte. Die Neigung zu ästhetischen und poetischen Arbeiten trat schon damals immer lebendiger hervor und wirkte sonach auch bestimmend für seine Studien. Zugleich von der freien, ja fast unbändigen Weise des Leipziger Studentenlebens hingerissen, hatte er sich in Kämpfe und Streitigkeiten seiner Mitcollegen verwickelt, kam in Untersuchung und wurde in Folge derselben mit mehreren Anderen aus Leipzig verwiesen. K. begab sich nun nach Berlin, wo er seit Ostern 1811 naturwissenschaftliche Studien hörte; aber schon nach wenigen Monaten seiner leidenden Gesundheit wegen nach Karlsbad reisen mußte, wo sich damals auch seine Eltern befanden. Auch in Berlin schien der Boden für den jungen reizbaren Poeten gefährlich werden zu wollen, aber noch zur rechten Zeit riefen ihn die Eltern in ihre Nähe. Indem nun der Vater daran dachte, ihn in eine Lage zu versetzen, wodurch mit einem Male jene gefährlichen Studentenverbindungen abgebrochen würden, die bei seinem lebhaften Temperamente nachtheiligen Einfluß auf ihn haben mußten, beschloß er, ihn nach Wien zu senden, wo ihm einerseits keine ähnlichen Gefahren drohten, und sich ihm andererseits eine neue Welt eröffnen sollte. Im August 1811 traf Theodor in Wien ein und hier beginnt für ihn sozusagen ein neues Leben. Selbst der Vater hatte die Idee, den Sohn Bergmann werden zu lassen, aufgegeben; ihm war es, wie die Verhältnisse eben standen, zunächst darum zu thun, aus seinem Sohne einen Mann in des Wortes bester Bedeutung zu bilden. Was immer Theodor später anfing, gründliche Bildung mußte vorangehen, tüchtige Kenntnisse in ernsten Wissenschaften ihm den Weg in die Zukunft bahnen. In Wien, wo er die besten Häuser besuchte, lebte K. [244] ganz seiner literarisch-ästhetischen Neigung und in kurzer Zeit hörte man von dort mit ungewöhnlichem Beifall seinen Namen nennen. Er hatte sich dem Drama zugewendet und mehrere Kleinigkeiten hintereinander auf die Bühne gebracht, welche von der Theilnahme des Publicums in ermunternd freundlicher Weise begrüßt wurden. „Der grüne Domino“, „Die Braut“ gefielen sehr; nicht minder die im Jänner 1812 gegebene Posse „Der Nachtwächter“, welcher in kurzen Pausen „Der Vetter aus Bremen“, „Der Wachtmeister“ und „Die Gouvernante“ folgten. Doch bald fühlte er sich mit diesen Kleinigkeiten der heiteren Muse nicht zufrieden gestellt und er warf sich auf das heroische Trauerspiel. Aber noch immer nicht hatte er es versucht, auf eigenen Füßen zu stehen. Den Plan zu einem Trauerspiele „Conradin“, mit dem er sich längere Zeit getragen, gab er wieder auf; hingegen muthete ihn Kleist’s Erzählung „Die Verlobung in Domingo“ so lebendig an, daß er zunächst durch dieselbe zu dem Drama „Toni“, welches er nach seiner Braut Antonia Adamberger nannte, veranlaßt wurde. Werner’s „24. Februar“ blieb auch nicht ohne Nachwirkung auf sein so reizbares Gemüth und das einactige Stück „Die Sühne“ entstand in Folge derselben. Um jene Zeit lebte der ungarische Dichter Karl Kisfaludy [Bd. XI, S. 325] als Maler in ziemlich dürftigen Umständen in Wien. Kisfaludy, selbst Poet, befreundete sich bald mit Theodor und gab ihm die Idee zum Trauerspiele „Zriny“. Dieses Werk, durch die Freundschaft zweier Poeten in’s Leben gerufen, sollte vollendet diesen schönen Bund trennen; denn es soll sich das freundschaftliche Verhältniß beider Poeten nur deßhalb gelöst haben, weil Körner den „Zriny“ nicht so ungarisch national behandelt hatte, wie es Kisfaludy gewünscht. Auch lernte Körner um jene Zeit die berühmte, ebenso ihrer Schönheit wegen gepriesene, wie ob ihrer Sittenstrenge hochgeachtete und von ihrer Tante, die deßhalb von den Wiener Elegants „le dragon de vertu“ genannt wurde, strenge bewachte Hofschauspielerin Antonia Adamberger kennen. Die Reize der Natur– denn er hatte den Sommeraufenthalt in Döbling bei Wien genommen – der reiche Genuß der Kunst, das Gefühl für ein edles, wirklich liebenswürdiges Wesen, alles das berauschte seine Jünglingsseele und regte den schöpferischen Geist zu nachhaltigem Schaffen an. Dieser Umstand aber, daß Körner seine meisten Werke während seines Aufenthaltes in Wien geschrieben, eben dieser Umstand berechtigt den Herausgeber, ja verpflichtet ihn, den jungen, zu früh hingegangenen Poeten und Helden in sein Lexikon aufzunehmen. In dieser Periode schuf Körner fleißig immer neue Arbeiten. Kaum war das erste Drama „Hedwig“ vollendet, als ihm die englische Geschichte des 12. Jahrhunderts Stoff zu seiner „Rosamunde“ bot. Dann schrieb er die Opern „Die Bergknappen“, „Das Fischermädchen oder Haß und Liebe“, „Der vierjährige Posten“, und begann die, wie es heißt für Beethoven bestimmte „Rückkehr des Ulysses“. Seine letzte dramatische Arbeit während seines Aufenthaltes in Wien war „Joseph Heidrich“, welchem Stücke eine wahre Begebenheit – die Aufopferung eines braven österreichischen Unteroffiziers für seinen Lieutenant – zu Grunde lag. So sind denn thatsächlich alle dramatischen Arbeiten K.’s während seines Aufenthaltes in Wien entstanden. Wohl hätte er, um wahrhaft Großes zu leisten, den Schauplatz seiner frühen Triumphe [245] verlassen müssen. Das empfängliche, von den Brettern herab so leicht erregbare und rührbare Wiener Publicum konnte ein Gemüth, wie das Körner’s, auf Abwege bringen; erstens ihn veranlassen, auf den Effect hinzuarbeiten; zweitens ihn nur zu leicht zur Vielschreiberei hindrängen; vielleicht auch, wenn das Loos des Helden ein glücklicheres gewesen wäre, würde er selbst Bedenken getragen haben, noch ferner sein vorherrschend lyrisches Talent im Brillantfeuer der Wiener Theaterkunst auffliegen zu lassen. Jedoch es sollte anders kommen; der Druck, mit welchem der Corse den Nacken des deutschen Volkes kerbte, war geradezu unerträglich geworden. In Moskau hatte man bereits die Fackel, welche der Befreiung Deutschlands voranleuchten sollte, in grauenerregender Weise angezündet. In allen Gemüthern in Deutschland begann es sich zu regen. Greise knirschten mit den Zähnen und die Jugend gürtete das Schwert um die Lenden. Das Lützow’sche Corps, diese „Poesie des deutschen Befreiungsheeres“, sollte sich bilden. Welche Empfindungen auf Theodor eindrangen, war es bloß die Begeisterung für das bedrängte deutsche Vaterland, waren es noch andere Schmerzen, wer weiß es zu sagen? Er selbst schreibt an den Vater von seiner Kampflust, „wie der preußische Adler in allen treuen Herzen durch seine kühnen Flügelschläge die große Hoffnung einer deutschen Freiheit erwecke“. Er wollte untergehen wie ein Held, im frischen Kranze seiner kühnsten Liebe, wie er in Zriny seinen Juranitsch, in welcher Figur sich Körner doch nur selbst gezeichnet, sprechen läßt. Die Rüstungen in Schlesien schritten immer weiter fort, und aus den glücklichsten Verhältnissen riß sich der kampfbegeisterte Jüngling mit einem Male selbst heraus und kam im März 1813 in Breslau an. Am 19. März schon trat er in das Corps der Lützow’schen Büchsenjäger. Mit demselben zog er Anfangs April nach Sachsen, wo er zum letzten Male seine Eltern sah und in Dresden den „Aufruf an die Sachsen“ schrieb. Von Dresden zog das Corps nach Leipzig. Nun begann schon der Ernst des Krieges, in den seine in freien Augenblicken geschaffenen herrlichen Kriegslieder jener Zeit hineintönten. Die Verhältnisse des Krieges gestalteten sich aber so eigenthümlich, daß das Lützow’sche Corps nie beisammen bleiben konnte. Während die Cavallerie in der Umgegend Streifungen vornahm, war das Fußvolk zu einer traurigen Thatenlosigkeit verdammt, welche Körner’n endlich anwiderte und ihn veranlaßte, sich Lützow unmittelbar anzubieten, der eben einen Streifzug nach Thüringen vorhatte. So wurde K. Lützow’s Adjutant. Mittlerweile[WS 1] wurde der Waffenstillstand geschlossen, was aber die Franzosen nicht hinderte, bei Kitzen, einem in der Nähe von Leipzig gelegenen Dorfe, auf drei Schwadronen Lützow’scher Reiter verräterischer Weise einzuhauen, nachdem Körner selbst, der als Parlamentär an die feindliche Abtheilung geschickt worden war, statt der Antwort Säbelhiebe auf den Kopf erhalten hatte. Die Wunden waren nicht unbedenklich, und da ihn Gefahr, gefangen zu werden, bedrohte, seine Lage eine mißliche. Damals dichtete er das bekannte „Sterbe-Sonett“. Mit Mühe gelang es ihm, im Dorfe Großzschocher sich zu verbergen, wo ihn die Gärtnersleute Häusser bei sich aufnahmen, ihn die Frau mehrere Tage sorgfältig pflegte, bis es möglich wurde, ihn auf Umwegen über die böhmische Grenze und nach Karlsbad zu bringen, wo er, von der Frau von Reck [246] gepflegt, bald Heilung fand. Nach vierzehn Tagen war er so weit hergestellt, daß er über Schlesien nach Berlin wieder zu seinem Corps sich begeben konnte. Am 17. August erneuerten sich die Feindseligkeiten. Das Lützow’sche Corps. welches unter General Walmoden dem französischen General Davoust gegenüberstand, wuchs von Tag zu Tag. Täglich gab es Gefechte, in denen sich Körner durch seine Kühnheit oft auszeichnete. Aber mitten in diesen Kämpfen tummelte er neben seinem Schlachtroß auch das edle Flügelthier und es entstanden in dieser Zeit mehrere seiner schönsten Lieder, unter andern das herrliche Kriegslied „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“. Am 25. August 1813 wurde der Major von Lützow zu einem Streifzug im Rücken des Feindes entsendet. Von Warsow aus ging Lützow mit 50 Huszaren, 50 Jägern zu Pferd, 50 Jägern zu Fuß, sämmtlich von seinem Freicorps, und 100 Kosaken nach Gottesgab, drei Stunden von Schwerin, und begab sich während der Nacht mit der größten Behutsamkeit und Stille, wobei die feindliche Vorpostenkette überschritten wurde, in ein Gehölz unweit Rosenhagen, rechts der Straße von Gadebusch nach Schwerin. Gegen das bei Schwerin stehende feindliche Lager wurden Kundschafter ausgeschickt; ehe diese jedoch zurückkamen, zeigte sich am 26. mit Tagesanbruch auf benannter Straße der von einem Kundschafter schon angezeigte Zug von schwer bepackten Wagen unter Infanterie-Bedeckung und einem Detachement Cavallerie, welche sich dem Gehölz näherten. Lützow ertheilte sofort die nöthigen Befehle zum Angriff. Nachdem der Zug in die durch das Gehölz führende Straße eingefahren war, erfolgte der Angriff schnell und zusammenwirkend. Achtunddreißig Wagen wurden genommen, von der Bedeckung wollte sich ungefähr ein Drittel in eine nahe mit einem Graben umgebene Tannenschonung retten, aber auch dahin drängten Lützow’s Plänkler kühn ein, hieben nieder und nahmen gefangen was ihnen aufstieß. Körner namentlich war im raschen Eifer auf Lützow’s anbefohlenes Trompetensignal: Marsch! Marsch! an der Spitze der Plänkler gegen die Tannenschonung vorgesprengt – da fiel er, von einem Schusse, der, durch den Unterleib gehend, das Rückgrat verletzte, tödtlich getroffen. An seiner Sekte fielen der Graf von Hardenberg. 2 Jäger und 3 Huszaren. Der herrliche, in neuerer Zeit vielgenannte jugendliche Held Friesen und Helfritz eilten dem Stürzenden zu Hilfe und trugen ihn unter fortdauerndem Feuern eine Strecke weit fort. Der Kampf wurde hitziger, denn Körner’s Fall entbrannte seine Kameraden zur Wuth; keiner von der feindlichen Bedeckung, der nicht geflüchtet, wurde geschont. Der größte Theil derselben lag auf dem Wahlplatze todt hingestreckt, nur 27 Mann wurden gefangen. Es wurde Apell geblasen und die Lützower gingen mit den 38 Wagen, welche Kriegsbedürfnisse und erbeutete Waffen führten, dann mit den Gefangenen und einem bei Gadebusch von Lieutenant Reiche aufgefangenen Courier, unter Bedeckung von 50 Reitern, welche Rittmeister Fischer befehligte, über Dreilützow bis Moraas, östlich Hagenow, zurück. Hier athmete Körner nur noch schwach und verschied bewußtlos. Die allgemeine Meinung, daß Körner vom tödtlichen Blei getroffen, lautlos verschieden sei, ist falsch. Leider litt der jugendliche Held noch durch zwei Stunden. Seine Freunde senkten ihn bei Wöbbelin unter einer Eiche in’s Grab. Lützow und mehrere anwesende [247] Generale und Stabsofficiere nahmen ihre Orden von der Brust und legten solche bis zur Einsenkung auf Körner’s Sarg, um dem Verblichenen hiedurch die letzte Ehre und verdiente Auszeichnung zu erweisen. Singt er doch selbst: „Vergeßt die treuen Todten nicht, und schmücket auch unser Grab mit einem Eichenkranz“. Wenige Stunden vor seinem Tode hatte er noch das bekannte „Schwertlied“ gedichtet und es in sein Taschenbuch niedergeschrieben. Näheres über seinen Tod, seinen Mörder, der, wie nachgewiesen wird, ein in französischen Sold gepreßter Deutscher war, seine Waffen u. dgl. m. vergleiche weiter unten in den betreffenden Abtheilungen. Eine Uebersicht der einzelnen Ausgaben seiner Dichtungen, wie der nach seinem Tode veranstalteten Gesammtausgaben möge diese gedrängte Skizze schließen. Von Körner sind erschienen in chronologischer Folge: Knospen“ (Leipzig 1810, Göschen, 8°.), die erste gedruckte Sammlung seiner Gedichte, sie kam in neuer Ausgabe unter dem Titel: „Knospen. Gedichtet 1808 und 1809“ (Potsdam 1831, Vogler) heraus; – „Drei deutsche Gedichte“ (Leipzig 1813, 8°.); – „Der vierjährige Posten“, Singspiel in 1 Aufz. (Wien 1813, Wallishausser, 8°.); – „Zwölf freie deutsche Lieder. Nebst einem Anhang“ (Leipzig 1813, 2. verb. Aufl. 1814, Weygand); „Rosamunde“, Trauerspiel in 5 Aufz. (Leipzig 1814, Hartknoch, gr. 8°.); – „Zriny“, Trauerspiel in 5 Aufz. (ebd. 1814, gr. 8°.); – „Körner’s poetischer Nachlass oder dessen Gefühle im poetischen Ausdrucke, bei Gelegenheit des ausgebrochenen deutschen Freiheitskrieges. Aus dem Portefeuille des Gebliebenen, herausgegeben von Freymann“ (Leipzig 1814, Baumgärtner, 8°.); – „Leyer und Schwert“ (Berlin 1814, 8°.); diese von seinem Vater veranstaltete Ausgabe erlebte in Jahresfrist 3 Auflagen; im Jahre 1848 erschien eine 8. Auflage (Berlin, bei Nikolai) und im Jahre 1863 zur Körnerfeier eine illustrirte, von Dr. Adolph Stahr mit einem Vorworte eingeleitete Prachtausgabe; – „Gedichte, vor und in dem heiligen Kriege gesungen“ (Frankfurt 1815, 8°.); – „Poetischer Nachlass“, 2 Bde. (Leipzig 1815, Hartknoch, gr. 8°., mit Körner’s Bildniß und 1 Titelkupfer; 7. Aufl. ebd. 1829); dieser enthält im 1. Bande den „Zriny“ und die „Rosamunde“, im 2. Bande vermischte Gedichte und Erzählungen, Körner’s Charakteristik von Tiedge und biographische Notizen über ihn von seinem Vater; – „Dramatische Beiträge“, 2 Bde. (Wien 1813, Wallishausser, 2. Aufl. in 3 Bänden ebd. 1819, 12°.), sie enthalten 1. Bd.: Körner’s Biographie von Wendt, „Toni“, „Die Braut“, „Der grüne Domino“, „Das Fischermädchen“, „Der Nachtwächter“; 2. Bd.: „Rosamunde“, „Der vierjährige Posten“, „Der Vetter aus Bremen“, „Joseph Heidrich“; 3. Bd.: „Zriny“, „Hedwig“, „Die Bergknappen“, „Die Gouvernante“; eine von dem Vater besorgte Ausgabe in 2 Bänden erschien zu Berlin bei Nicolai in erster Auflage 1815, in neuerer (5.) Auflage 1821 (gr. 8°.). – Gesammelt erschienen alle Schriften in einem Bande, als: „Sämmtliche Werke. Im Auftrage der Mutter des Dichters herausgegeben und mit einem Vorworte begleitet von Karl Streckfuss“ (Berlin 1834, Nicolai, schm, gr. 4°., mit K.’s Bildniß, 4. Aufl. ebd. 1847), welche, sehr entsprechend zusammengestellt, die Charakteristik und Biographie des Dichters von C. A. Tiedge und dem Vater Theodor’s, „Leyer und Schwert“ und „Vermischte Gedichte“, dann die Trauerspiele: „Toni“, „Die Sühne“, „Zriny“, „Hedwig“, „Rosamunde“, „Joseph Heidrich“; [248] die Lustspiele: „Die Braut“. „Der grüne Domino“, „Der Nachtwächter“, „Der Vetter aus Bremen“, „Die Gouvernante“; die Opern: „Das Fischermädchen“. Der vierjährige Posten“, „Die Bergknappen“, „Alfred der Große“, „Der Kampf mit dem Drachen“, und die Erzählungen: „Hans Heilings Felsen“, „Waldemar“, „Die Harfe“, „Die Reise nach Schandau“, „Mündliche Erzählungen, bearbeitet von Caroline Pichler, „Die Tauben“ und „Die Rosen“ enthält. Daran schließen sich die „Briefe des Dichters“ aus den letzten Lebensjahren bis zu seinem Tode, und als Zugabe: Gedichte deutscher und englischer Dichter auf Theodor und Emma Körner und englische Uebersetzungen einiger Gedichte Theodor Körner’s. Außer diesen Nicolai’schen, in bereits vier Auflagen erschienenen Gesammtausgaben besteht aber noch eine zweite unter dem Titel: „Theodor Körner’s Werke in vollständiger Sammlung. Nebst Briefen von und an Körner und literar-historischen Beilagen von Adolf Wolff“, 4 Theile (Berlin 1858, Verlag von G. Mertens, 8°.), welche mehreres enthält, was in der Streckfuß’schen fehlt, und zwar die von Körner’s Vater besorgte und früher nur als Manuscript gedruckte Auswahl: „Für Theodor Körner’s Freunde“, das Festspiel „Die Blume“, an 69 neue lyrische Gedichte, 96 bisher ungedruckte Briefe und viele Varianten zu den Gedichten, deren viele im Felde gedichtet, sich zunächst nur handschriftlich verbreiteten und auf diese Art Aenderungen erfahren hatten. Als eine Ergänzung der vorstehenden Skizze folgen außer I. Angabe der über Körner erschienenen selbstständigen oder in Sammelwerken abgedruckten kürzeren Biographien und sonstigen zur Biographie gehörigen Einzelnheiten, ferner noch Nachrichten II. über Körner’s Braut; III. über seinen Tod; IV. über die Körner-Gräber; V. und VI. über seine Waffen und sonstigen Reliquien; VII. Einzelheiten über seine Pflegerin in Großzschocher, über die Körner-Eiche, den Körner-Stuhl, seinen ersten Todten-Kranz, den Kranz von Schiller’s Tochter u. dgl. m.; VIII. über die Körner-Denkmäler und Denktafel; IX. über ihn betreffende bildliche Darstellungen und Porträte; X. über die Körnerfeier; XI. und XII. über andere ihm dargebrachte Beweise der Liebe und Verehrung der Mit- und Nachwelt, als an ihn gerichtete Gedichte und seine Verherrlichung im Roman, Epos und Drama; XIII. seine literarhistorische Charakteristik; die vorhandenen Uebersetzungen seiner Dichtungen, und XIV. die Aufzählung der Compositionen zu seinen Gedichten.

I. Biographien und Biographisches. I. a) Selbstständige Schriften. Hier werden nur die selbstständig erschienenen Schriften, von den in Zeitschriften und anderen Werken enthaltenen, aber nur die wichtigeren, sowie in der Abtheilung „Biographisches“ alle jene Mittheilungen angeführt, welche als Beiträge zu einer Biographie Körner’s angesehen werden können. Selbstständig sind über Körner erschienen: Erhard (Heinrich August), J. Körner’s Leben nebst einer ausführlichen Beurtheilung seiner Schriften (Arnstadt 1821, 8°.). – Hadermann (N.), Theodor Körner (1848) in der Suite „Männer des Volks“, Bd. 5. – Lehmann (Friedrich Wilhelm), Lebensbeschreibung und Todtenfeier C. J. Körner’s (Halle 1819, 8°.). [Diese Schrift führt auch noch den Titel: Eichenkranz, um C. Th. Körner’s kalligraphische Denkmäler gewunden. Nebst zwei kalligr. Denkmälern (Halle 1819 [Magazin für Industrie in Leipzig], 8°.).] – Niederhöffer (H.), Zur Erinnerung an Theodor Körner’s fünfzigjährigen Todestag, 26. August 1863 (Berlin 1863, Nicolai, 8°.) [eine kurze, mit Wärme und Gemüthlichkeit geschriebene Lebensskizze Körner’s und Beschreibung seines Denkmals]. [249]Vogeler (F. W.), Theodor Körner. Eine Gedenkschrift zu dem fünfzigjährigen Todestage des Dichters am 26. August 1863. Mit dem Porträte Körner’s [in Holzschnitt mit dem Facsimile der Unterschrift] (Berlin, o. J. [1863], Max Böttcher, 8°.). – Karl Theodor Körner. Sein Leben, sein Tod im Gefechte bei Rosenberg und sein Grab bei Wöbbelin in Mecklenburg-Schwerin. Eine Erinnerung an den 26. August 1813, zur fünfzigjährigen Wiederkehr dieses Tages am 26. August 1863, dem deutschen Volke gewidmet (Schwerin 1863, Oertzen u. C., 16°.). [Eine Photographie des Grabes bei Wöbbelin bildet eine dankenswerthe Beigabe dieser Schrift; auch machen zwei einfache Situationspläne mit der Gegend bekannt, wo der Sänger fiel und wo er begraben liegt. Noch sind genaue Angaben über die mit dem Grabe vorgenommenen Aenderungen in diesem Schriftchen zu finden.] – Theodor Körner, ein Vorbild für Deutschlands Männer und Jünglinge (Bayreuth 1863, W. Weinzierl, 8°.). – Theodor Körner. Eine Gedenkschrift zur fünfzigjährigen Todesfeier des Dichterhelden am 26. August 1863 (zweite Aufl., Dresden 1863, Meinhold und Söhne, gr. 8°.) [mit K.’s Porträt in Holzschnitt, mit der Abbildung des Denkmals bei Rosenberg, wo K. gefallen; des Grabmals bei Wöbbelin und einer Lithographie nach dem gelungenen Bilde von W. Camphausen: „Theodor Körner s Tod“]. – Für Theodor Körner’s Freunde (Dresden 1814, Gärtner, 4°.). – b) In Zeitschriften und Sammelwerken. Wichtiges und sehr reiches Materiale für eine Biographie Körner’s enthält der 4. Band der von Adolph Wolff unter dem Titel: „Theodor Körner’s Werke in vollständigster Sammlung. Nebst Briefen von und an Körner, sowie biographischen und literar-historischen Beilagen“ in 4 Theilen (Berlin 1858, G. Mertens, 8°.) veranstalteten neuen Ausgabe von Körner’s Schriften, welche jedenfalls viel vollständiger ist, als die Streckfuß’sche Ausgabe. – In Körner’s „poetischem Nachlasse“, 2 Bde. 7. Aufl. (Leipzig [zuerst 1815] 1829, Hartknoch, gr. 8°.) befinden sich im 2. Bde. außer vermischten Gedichten und Erzählungen eine Charakteristik des Dichters von C. A. Tiedge und biographische Notizen über ihn von dem Vater des Verewigten. Die dritte Auflage seiner „Sämmtlichen Werke in Einem Bande, herausgegeben im Auftrage der Mutter des Dichters von Karl Streckfuß“ (Berlin 1837 und 1838, Nicolai, schm, gr. 4°.) enthält in einem Anhange mehrere Gedichte deutscher und englischer Dichter auf Theodor und Emma Körner; auch englische Uebersetzungen einiger Gedichte K.’s. – Archiv für Natur, Kunst, Wissenschaft und Leben, Bd. II, Lieferung 7: „Carl Theodor Körner“. – Blaze (H.), Écrivains et poètes de l’Allemagne (Paris 1851, 8°.). – Botzner Zeitung 1863, Nr. 131: „Ein deutscher Dichter und Wehrmann“. – Brockhaus’ Conversations-Lexikon, 10. Auflage, Bd. IX, S. 163. – Breslauer Zeitung 1863, Nr. 395: „Theodor Körner. Eine Lebensskizze“. – Das Buch der Welt (Stuttgart, bei Carl Hoffmann, 4°.) Jahrg. 1846, S. 289. – Curiositäten-und Memorabilien-Lexikon von Wien. Von Realis. Herausgegeben von Anton Köhler (Wien 1846, gr. 8°.) Bd. II, S. 116 [bemerkenswerth ist es, daß weder Gräffer noch Realis, die nach Wiener Curiositäten und Denkwürdigkeiten oft geradezu auf der Jagd sind, auch nicht mit einer Sylbe der Braut Körner’s gedenken]. – Elberfelder Zeitung 1862, Nr. 5, 6 u. 7: „Der Tyrtäus der deutschen Freiheitskriege“. Literar-historische Studien von Thaddäus Lau. – Illustrirtes Haus- und Familienbuch mit Farbenbildern (Wien, bei Zamarski, 4°.) 1863, S. 369: „Ein Sänger und Kämpfer der Freiheitskriege“. – Die illustrirte Welt (Stuttgart, Hallberger, schm. 4°.) 1862, S. 63: „Deutsche Märtyrer. I. Theodor Körner“. Von Thaddäus Lau [mit einer Darstellung in Holzschnitt, wie er von einer Kugel getroffen, vom Pferde sinkt]. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, Weber) 1863, Nr. 1043. – Innsbrucker Nachrichten 1863, Beilage zu Nr. 196: „Ein deutscher Dichter und Wehrmann“. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliographisches Institut, gr. 8°.) Bd. XVIII, S. 419, Nr. 2. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850, 8°.) Tome XXVIII, p. 23. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 242. – Der Sammler, Unterhaltungsblatt (Wien, 4°.) 1842, Nr. 136, S. 564: „Theodor Körner, Biographische Originalskizze“ [die Angaben über seinen Tod und seine Beerdigung [250] sind der Redaction von einem Freunde und Waffenbruder, der an Körner’s Seite kämpfte, als dieser fiel, zugekommen]. – Unterhaltungen am häuslichen Herd. Herausgegeben [früher von Gutzkow von [Karl Frenzel|Frenzel]], 1863, Nr. 34: „Theodor Körner“, von Louise Otto. – Wiener allgemeine Theater-Zeitung, herausgegeben von Adolph Bäuerle (4°.) X. Jahrg. (1817), Nr. 15–26: „Th. Körner’s Lebensgeschichte“. – Wigand’s Conversations-Lexikon (Leipzig, gr. 8°.) Bd. VII, S. 597. – Die Zeitgenossen (Leipzig, Brockhaus, gr. 8°.) Erste Reihe, Bd. I, S. 3 bis 44: „Carl Theodor Körner“. Von Amadeus Wendt.
I. 2. Biographisches. Ascher Wochenblatt. Redigirt von Wilhelm Weiß, 1852, Nr. 35, S. 150: „Theodor Körner“. [Eine Episode aus Körner’s Leben, und zwar aus den April-, Mai- und Junitagen des Jahres 1813; insbesondere interessant durch Angaben des Entstehens mehrerer seiner Gedichte, so z. B. ist „Lützow’s wilde Jagd“ auf dem Schneckenberge am 24. April 1813 gedichtet; – „Mannes Trost“ (Herz laß dich nicht zerspalten), in Karlsbad 2. Mai 1813; – „Abschied vom Leben“, entworfen in Karlsbad in der Nacht vom 17.–18. Juni.] – Der Bazar (Berlin, kl. Fol.) Bd. VI (1857), S. 275: „Erinnerung an Theodor Körner“. Von G. A. [auf S. 276 K.’s Porträt in Holzschnitt]. – Frankl (Ludw. Aug.) Dr.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) 1843, S. 125: „Aus dem Leben berühmter Männer. Körner und Kurländer“. [Körner, um ein auf dem Kohlmarkte scheu gewordenes Pferd zu fassen, schleudert das Manuscript seines „Zriny“, das er eben bei der Direction einreichen will, auf die kothige Straße, wo es Kurländer im zerfetzten und schmutzigen Zustande findet und es Körner’n zurückgibt]; – dieselben, 1843, S. 333: „Kotzebue oder Körner“ [das kleine Lustspiel „der Vetter von Bremen“ wurde als ein Stück Kotzebue’s gegeben. Es ist dieß ein Versehen, denn das Stück ist von Körner, in dessen Schriften es auch vorkommt]; – dieselben, 1847, S. 505: „Theodor Körner’s Vertrag mit dem k. k. Hofburgtheater in Wien“. [Der Vertrag wurde vom 1. Jänner 1813 wirksam und sollte zunächst für drei Jahre gelten; Körner hatte zwei große Stücke und zwei kleine Nachspiele zu liefern und bezog dafür 1500 fl. Jahrgehalt; außerdem wurden die verfaßten und aufgeführten Stücke besonders honorirt.] – Die Gartenlaube (Leipzig, gr. 4°.) S. 639, „Theodor Körner’s erstes Gedicht“. Mitgetheilt von Dr. Hermann Langer [Langer hatte dieses Gedicht „An den Tod“ – den Tod besang K. zuerst, dem Tode gelten seine letzten Lieder – von Körner’s ehemaligem Lehrer, dem Dr. Körner zu Schellenberg, zum Andenken erhalten]; – dieselbe, Jahrg. 1863, S. 384: „Wie wurde Theodor Körner von Leipzig aus gerettet?“ [Nach der Schlacht von Kitzen galt es, den verwundeten Körner vor den Nachstellungen der Franzosen zu schützen und ungefährdet nach Karlsbad zu bringen. In dem oben angeführten Aufsatze wird der ganze Sachverhalt ausführlich erzählt.] – Gräffer (Franz), Wiener Dosenstücke, nämlich: Physiognomien, Conversationsbildchen, Auftritte, Genrescenen, Caricaturen, und Dieses und Jenes, Wien und die Wiener betreffend, tatsächlich und novellistisch (Wien 1852, J. F. Groß, 8°.) Theil I, S. 185: „Ein Spazierritt mit Körner“ (Phantasie). – Neue preußische (Kreuz-) Zeitung 1863, Nr. 206 [erzählt eine Anekdote aus Körner’s Leben]. – Oesterreichischer Zuschauer (Wien, 8°.) 1838, Bd. III, S. 1160 [Körner und Kisfaludy]. – Pichler, geb. von Greiner[WS 2] (Caroline), Denkwürdigkeiten aus meinem Leben (Wien 1844, A. Pichler’s s. Witwe, 8°.) Bd. Il, S. 202–208, 223, 245 u. 246, 252 u 253, 255; Bd. III, S. 7 [mit vielen interessanten Einzelheiten über Körner, seinen Aufenthalt in Wien, die Ankunft seiner Eltern u. s. w.]. – Presse (Wiener politisches Journal) 1863, Nr. 233: „Theodor Körner in Wien“, von Emil Kuh [mit vielen interessanten und wenig gekannten oder doch längst vergessenen Einzelheiten]. – Schlesische Zeitung (Breslau, Fol.) 1863, Nr. 395: „Theodor Körner in Schlesien“ [gibt Nachricht über K.’s dreimaligen Aufenthalt in Schlesien, zuerst im Jahre 1809 im Sommer; das zweite Mal Mitte März 1813; das dritte und letzte Mal in der letzten Hälfte des Monats Juli d. J. Der Aufsatz ist geschrieben, um zu weiteren Nachforschungen über Körner’s Aufenthalt in Schlesien anzuregen]. – Geburts- und Todestag eines Helden, der freiwillig für sein Vaterland in den Tod ging, wie Theodor Körner, muß unter allen Umständen sicher gestellt werden; daher wird hier bemerkt, daß die Angabe des 25. August (statt des 26.) 1813 als Körner’s Todestag in Chr. Gottl. Kaiser’s „Vollständigem Bücher-Lexikon“ (Leipzig 1835 u. f., 4°.) Bd. III, S. 398, unrichtig ist.
[251] II. Körner’s Braut. Die Dame, welche unter dem Namen Körner’s Braut gemeint ist, ist Antonia Adamberger [vergleiche dieses Lexikon Bd. I, S. 5], welche am 19. Juni 1819 sich mit dem Custos des kais. Münz- und Antiken-Cabinets Joseph Arneth (gest. 31. October 1863) vermält hat. Die Körner-Feier brachte den Namen der Künstlerin wieder in Erinnerung. Aber auch früher schon erschienen verschiedene Mittheilungen über sie. Mit Uebergehung der zahllosen, immer gleichlautenden Nachdrücke seien angeführt: Lesefrüchte, herausgegeben von Dr. Pappe (Hamburg, 8°.) Jahrg. 1852, Bd. I, Stück 10, S. 157: „Theodor Körner’s Braut“. – Vorstadt-Zeitung (Wiener polit. Blatt) 1863, Nr. 102: „Körner’s Braut“ [eine Berichtigung der verschiedenen abweichenden und meist unrichtigen, in Journalen abgedruckten Mittheilungen über dieselbe]. – Der Zwischen-Akt (Wiener Theaterblatt) 1860, Nr. 181, „Körner’s Braut“. Von Moriz Bermann. [Der Aufsatz ist geschrieben, um Spohr’s weiter unten mitgetheilte Bemerkung in seiner „Selbstbiographie“, Körner habe nicht allein Begeisterung für den deutschen Freiheitskampf, sondern eine unglückliche unerwiderte Liebe zur schönen Schauspielerin Adamberger von Wien vertrieben und in den frühen Tod gestürzt“, zu widerlegen und als einen Irrthum des Capellmeisters hinzustellen.] – Körner’s Drama „Toni“ erhielt den Namen zu Ehren seiner Braut „Antonia Adamberger“, den er auf diese Weise verherrlichen wollte. – Jene Stelle in Spohr’s „Selbstbiographie“, welche Körners Theilnahme an den letzten opfervollen Kämpfen der Befreiungskriege und die patriotische Hingebung seines eigenen Ichs, auf den Schmerz über unerwiderte Liebe zurückgeführt, lautet [Bd. l, S. 191]: „Als es dann entschieden war, daß ich in Wien bleiben werde, bat ich Körner, mir eine Oper zu schreiben, wozu ich ihm die Sage vom Rübezahl vorschlug. Körner ging darauf ein. Doch plötzlich hieß es, Körner wolle als Freiwilliger unter Lützow’s Reiterschaaren gehen und für die Befreiung Deutschlands kämpfen. Ich eilte zu ihm und versuchte, wie viele andere meiner Freunde, ihm diesen Vorsatz auszureden; doch ohne Erfolg. Bald schon sahen wir ihn scheiden. Später wurde es bekannt, daß ihn nicht allein die Begeisterung für den deutschen Befreiungskampf, sondern eine unglückliche unerwiderte Liebe zur schönen Schauspielerin Adamberger von Wien vertrieben und ihn in den frühen Tod gestürzt hatte. „ Als Gegensatz dieser Ansicht möge aber, kräftiger als alle Auszüge aus Theodor’s Briefen, welche Bermann anführt, ein Ausspruch von Theodor’s Vater hier stehen, der mehr beweist als alles andere. Und dieser Ausspruch des alten Körner lautet: „Daß die ungeschwächte Jugendkraft mitten unter den Gefahren einer verführerischen Hauptstadt nicht verwilderte, war vorzüglich das Werk der Liebe. Ein holdes Wesen, gleichsam vom Himmel zu seinem Schutzengel bestimmt, fesselte ihn durch die Reize der Gestalt und der Seele“. Körner’s Eltern kamen nach Wien, prüften und segneten die Wahl ihres Sohnes, erfreuten sich an den Wirkungen eines begeisterten Gefühls und sahen einer schönen Zukunft entgegen, als jenes glückliche Ereigniß den Zeitpunct zu beschleunigen schien, der das liebende Paar vereinigen sollte.
III. Körner’s Tod. Coburger Zeitung 1863, Nr. 198, 199, 200: „Theodor Körner’s Tod“. – Erinnerungen aus den Befreiungskriegen 1813 und 1814 (Frankfurt a. M. 1847, Herrmann, 8°.) Heft I, S. 19: „Das Geschichtstropäon unter der Eiche bei Wöbbelin“. – Gartenlaube (Leipzig, E. Keil’s Verlag, gr. 4°.) Jahrg. 1861[WS 3], Nr. 50, S. 789: „Körner’s Tod“; – dieselbe, Jahrg. 1863, S. 489: |„Noch eine Erinnerung an Wöbbelin“. Von Appell. Rath Ackermann in Dresden. [Enthält Berichtigungen und Ergänzungen über Körner’s Tod aus Mittheilungen von Ackermann’s Bruder, der auch im Lützow’schen Corps gedient und ein Freund Körner’s war.] – Der Hausfreund. Illustrirtes Familienbuch. Redigirt von Hanns Wachenhusen (Wien, Förster, 4°.) Jhrg. 1863, S. 601: „Der Tod des Dichterhelden“. Von Karl Deutsch. – Militär-Zeitung, herausgegeben von J. Hirtenfeld (Wien, 4°.) XIII. Jahrg. (1860), Nr. 54–56: „Drei Denksteine in Mecklenburg-Schwerin“. Von Prosky. [Eine auf sorgfältigen Erhebungen beruhende Schilderung von Körner’s Tod, eine genaue Beschreibung seines Grabes und der Gräber seiner Mutter und seines Vaters, und auch sonst noch historisches Material über die Lützower.] – Allgemeine Theater-Zeitung, herausg. von Ad. Bäuerle (Wien, 4°.) Jahrg. 1842, S. 1310: „Wie und durch wen starb Theodor Körner den Heldentod?“ [Man erfährt daraus, daß kein Franzose, sondern ein Deutscher, der Musketier Franz, der [252] noch im Jahre 1842 lebte und Ackerer zu Bibern im Kreise Simmern war, Körnern, als dieser am 26. August 1813 einen stark escortirten Lebensmitteltransport auf dem Wege von Gadebusch nach Schwerin überfiel, niedergeschossen habe. Der Premierlieutenant a. D. Storck theilte diese Thatsache aus den Berichten eines evangelischen Schullehrers, Namens Schönborn, mit, der zugleich mit obigem Franz zur Escorte dieses Lebensmitteltransportes gehörte. Zur Erläuterung diene nur noch Eines, daß zu jener Zeit viele Deutsche von Napoleon gezwungen worden waren, in seiner Armee zu dienen und so gegen ihr eigenes Vaterland zu kämpfen. Auf diese Art wurde ein Deutscher Körner’s Mörder und nur auf diese Art konnte er es werden.]
IV. Die Körner-Gräber. Die Bezeichnung „Körner’s Grab“ ist nicht ganz richtig, weil an der Stelle, wo der jugendliche Held bestattet ist, auch sein Vater, seine Mutter, seine Schwester Emma und seine Tante Dorothea Stock den ewigen Schlaf schlafen. Es kann also immer nur von den Körner-Gräbern die Rede sein. Diese Gräber befinden sich bei Wöbbelin unter dem Schatten einer Eiche: der Körner-Eiche. Den Platz hat Großherzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin nebst dem Materiale zur Einfassung dem Vater Körner’s geschenkt, „weil Theodor Körner als ein Retter des Vaterlandes gefallen sei“. Nun ließ der Vater seinem Sohne ein Denkmal setzen, welches nach der Zeichnung des Architekten Thormayer in Berlin, in der königlichen Erzgießerei gegossen, einen antiken Altar vorstellt, aus welchem sich – in sinniger Anspielung auf Körner’s herrliche Freiheitslieder – Leier und Schwert, von einem eisernen Eichenkranze umwunden, befinden. Die ehernen Blätter dieses Kranzes sind – von Raritätensammlern – gepflückt worden und auch der entlaubte Kranzring ist verschwunden, aber es fehlte statt des eisernen Kranzes nicht an frischen Eichenkränzen. Bis zum Jahre 1843 war die Grabstätte von einer 7 Fuß hohen Mauer umgeben; im genannten Jahre aber ließ der Großherzog, der sich persönlich für diese Grabstätte interessirte und sie besuchte, die Mauer niederreißen und ein hübsches Gitter um das Denkmal aufführen. Bis dahin mußte auch die Familie Körner einen Kanon (Grundzins) dem Großherzoge für den Grund entrichten; im genannten Jahre hob der Fürst zur großen Freude von Körner’s Mutter, die aber noch in demselben Jahre starb, den Kanon auf. Der ganze Bezirk, der 114 Fuß breit und 588 Fuß lang ist und auf dem sich hübsche Anpflanzungen von der sorgsamen Hand des Hofgärtners zu Ludwigslust befinden, ist überdieß mit einer niedrigen Mauer aus Raseneisenstein umgeben. Den Eingang zu diesem Vorhofe bildet ein nach dem Plane Schinkel’s im Jahre 1819 im römischen Style ausgeführter Triumphbogen, aus Backsteinen erbaut, der aus eisernen Buchstaben die Inschrift: „Vergeßt die treuen Todten nicht!“ führt. In diesem Portale befindet sich eine eiserne Gitterthüre, deren einzelne Stäbe Lanzen sind und deren mittlere mit einem Helme verziert ist. In einem Rasenkreise befinden sich fünf Grabhügel, unter dem mittleren schläft der vielbeweinte Heldensänger, rechts von seinem Haupte die Mutter, links der Vater, zu Rechten seiner Füße seine einzige Schwester Emma, zur Linken seine Tante, die witzige und talentvolle Pastellmalerin Dorothea Stock. Das am Fußende des Dichtergrabes aufgerichtete, oben beschriebene Denkmal trägt auf der dem Grabe zugekehrten (Süd-) Seite die Inschrift:
Hier wurde
Karl Theodor Körner
Von seinen Waffenbrüdern mit Achtung und
Liebe zur Erde bestattet.
Auf der Rück- (Nord-) Seite liest man:
Karl Theodor Körner, | geboren zu Dresden am 23. September 1791, | widmete sich zuerst dem Bergbau, dann der Dichtkunst und zuletzt dem | Kampfe für Deutschlands Rettung. | Diesem Berufe weihte er Schwert und Leier und opferte ihm | die schönsten Freuden und Hoffnungen einer glücklichen Jugend. | Als Lieutenant und Adjutant in der Lützow’schen Freischaar wurde | er bei einem Gefechte zwischen Schwerin und Gadebusch am 26. August | 1813 schnell durch eine feindliche Kugel getödtet.
Auf der rechten (West-) Seite, von vorn gesehen, stehen die Verse:

Dem Sänger Heil! erkämpft’ er mit dem Schwerte
     Sich nur ein Grab in einer freien Erde.

Und auf der linken (Ost-) Seite:

Vaterland! dir woll’n wir sterben,
Wie dein großes Wort gebeut!
Uns’re Lieben mögen’s erben,
Was wir mit dem Schwert befreit.
[253] Wachse, du Freiheit der deutschen Eichen,
Wachse empor über unsere Leichen!

Die Inschriften zu dem Denkmale hatte Körner’s Vater selbst ausgewählt; am 27. September 1814 wurde das Denkmal von dem Oberhofprediger Studemund eingeweiht. Die dem Bruder so theure Schwester überlebte ihn nicht lange, am 15. März 1813 knickte der Tod ihr Leben. Eine Sandsteinplatte bedeckt ihr Grab, auf welcher die verwitterte Oberfläche kaum noch die Inschrift entziffern läßt. Diese lautet: Unter den Nachgelassenen | Theodor Körner’s | folgte ihm zuerst | seine gleichgesinnte Schwester | Emma Sophia Luise. | Sie war geboren zu Dresden | am 19. April 1788. | Durch Charakter, Geist und Talente | verschönerte sie die Tage der Ihrigen | und erfreute Alle, die sich ihr näherten. | Den geliebten Bruder betrauerte sie | wie es der deutschen Jungfrau ziemte | Aber indem sich die Seele zu ihm erhob | wurde der Körper allmählich entkräftet. | Ein Nervenfieber endete ihr irdisches Leben | zu Dresden am 15. März 1815. | Zu ihrer Grabstätte gebührte ihr dieser Platz. |
Die Grabhügel von Theodor’s Eltern zieren nur kleine Eisentafeln mit Angabe der Geburts- und Sterbetage. Die Inschrift auf jener des Vaters lautet: Kristian Gottfried Körner | geboren zu Leipzig am 2. Juli 1756. | Gestorben zu Berlin am 15. Mai 1831. – Die Inschrift auf jenem der Mutter: Anna Maria Jakobina Körner | geboren zu Nürnberg am 11. Mai 1762 | gestorben zu Berlin am 20. August 1843.
Daß Körner’s Tante Dorothea Stock auch daselbst begraben liege, ist in mehreren Beschreibungen dieser Stätte nicht gedacht. Auf ihrem Täfelchen stehen die Worte: Dorothea Stock ward im Juni 1832 beigesetzt.
Die Erhaltungskosten des Platzes werden von dem Ertrage einer von Seite der Körner’schen Familie angekauften großen Wiese bei Ludwigslust – der sogenannten „Körnerwiese“ – bestritten. Außerdem ist den Armen zu Wöbbelin von den jeweiligen Besitzern ein jährliches Legat von 32 Thalern ausgesetzt.
Die im Folgenden mitgetheilte Literatur über die Ruhestätte Körner’s und der Seinigen enthält mehr oder minder ausführliche Beschreibungen derselben. Das Vorstehende sind genau ermittelte Thatsachen, in denen manches, was andere Beschreibungen nicht enthalten, ergänzt, oder wenn sie Anderes enthalten, berichtigt wird. Ueber Körner’s Ruhestätte geben Nachricht: Brasch (Friedrich), Das Grab bei Wöbbelin oder Theodor Körner und die Lützower (Schwerin 1861, 8°.) [dürfte wohl das Vollständigste über Körner’s Leben und Tod enthalten; vergleiche auch darüber die „Militär-Zeitung“ von Hirtenfeld (Wien, 4°.) 1862, S. 179]. – Deutsches Volksblatt (Stuttgart, kl. Fol.) 1863, Nr. 202: „Körner’s Grab“. – Die Gartenlaube (Leipzig, Ernst Keil’s Verlag, gr. 4°.) Jahrgang 1863, S. 420: „Die Körner-Gräber und ihr alter Wächter“ [mit einer in Holz geschnittenen Zeichnung Th. Aster’s: „Körner’s Tod“. Der treue Wächter, der seit 50 Jahren das Grab beschützt, war der frühere Dorfschulze von Wöbbelin, Namens Franck]; – dieselbe 1863, S. 549: „Die Wöbbeliner Festgräber“ [mit einer Ansicht der Begräbnißstätte]. – Korrespondent von und für Deutschland (Nürnberg, kl. Fol.) Jahrg. 1863, Nr. 436: „Körner’s Grab“. – Allgemeine Moden-Zeitung. Redigirt von A. Diezmann (Leipzig, 4°.) 1859, Nr. 13, S. 104: „Theodor Körner’s Grab“. – Reichenberger Zeitung 1863, Nr. 194: „Th. Körner’s Grab“. – Schlesische Zeitung (Breslau, Fol.) 1863, Nr. 443: „Zum 23. September, Theodor Körner’s Geburtstage“; – dieselbe, Nr. 449, mit Berichtigungen zu dem früheren Artikel [genaue und interessante Beschreibung der Grabstätte]. – Allgemeine Theater-Zeitung, herausgegeben von Adolph Bäuerle (Wien, 4°.) 1834, Nr. 93: „Theodor Körner’s Grabstätte“ [aus dem Tagebuche des Reisenden Downes]; – dieselbe 1851, S. 301: „Körner’s Grabmal“.
V. Körner’s Waffen: Schwert, Büchse mit Ladstock, Dolch. [Hier folgen die verschiedenen nicht übereinstimmenden Nachrichten mit Angabe der Quellen] Die Waffen, welche Theodor Körner in dem Befreiungskampfe getragen, befinden sich im Besitze dreier Gefährten des Dichters, und zwar: Friedrich in Berlin bewahrt das Schwert, der Pfarrer Karl Horn in Mecklenburg-Strelitz die Büchse, welche er von dem Dichter erhielt, als derselbe zu den reitenden Jägern überging, und Professor Scheidler in Jena den Ladstock derselben. Im Jahre 1863 verlautete es, daß die drei Freunde des Dichters, diese Reliquien als Eigenthum der deutschen Nation betrachtend, vorhaben, dieselben einer vaterländischen Anstalt als Andenken zur bleibenden Aufbewahrung [254] zu übergeben. [Breslauer Zeitung 1863, Nr. 119.] – Volks-Zeitung (Berlin, kl. Fol.) 1863, Nr. 199: „Theodor Körner’s Schwert“ [gibt Nachricht, daß Körner am 26. August nicht seine eigene Waffe geführt, sondern mit einem erborgten wuchtigeren Säbel gekämpft, den er auch in seinem „Schwertliede“ verherrlicht hat. Dieser Säbel befindet sich in der Familie des Gutspächters Freydank, welcher in den Jahren 1813 und 1814 Oberjäger im Lützow’schen Freicorps gewesen und diese Waffe auf Körner’s Verlangen vor dem Gefechte bei Rosenberg mit ihm getauscht hat. Wo Körner’s wirkliches Schwert ist, ist, wie die Volkszeitung berichtet, nicht bekannt. Nach obiger Mittheilung der Breslauer Zeitung wäre es aber im Besitze Friedrich’s in Berlin]. – Kölnische Zeitung 1863, Nr. 236: „Theodor Körner’s Schwert“ [enthält die ausführlichste Nachricht über das Abhandenkommen dieser Waffe]. – Bei der im Jahre 1863 im Concertsaale des Schauspielhauses zu Berlin stattgehabten Ausstellung „zur Erinnerung an Friedrich den Großen und seine Zeit und an die Befreiungskriege“ befanden sich in einem Glasschranke neben Gneisenau’s Hut, Prinz Louis Ferdinand’s Stockdegen, Schill’s Cartouche – auch Körner’s Säbel [war es aber der rechte?], Czako, Pistolen und Stiefel. – Theodor Körner’s Dolch, welchen er im Gefechte bei Gadebusch getragen, wurde ihm, nachdem er getödtet war, von einem Freunde abgeschnallt. Dieser, sein früherer Zeltkamerad, vertraute die Reliquie einer befreundeten Familie, Namens Hauptner, welche später den Dolch dem Prinzen Friedrich Wilhelm zum Geschenke anbieten ließ, der diese Gabe erfreut annahm. Der Dolch trägt auf der einen Seite den Namen „Theodor Körner“, auf der andern „Wien 1812“.
VI. Körner-Reliquien: Uhr, Uhrband, Haarlocke, Gedichte, Brieftasche, sein Porträt, von seiner Schwester Emma gemalt. Körner’s Uhr, die er im Tode noch bei sich hatte, erhielt der Gerichtsrath W ... in Ludwigslust für seinen Sohn vom alten Körner zum Geschenk. Ob sie sich wohl noch vorfindet? – Das Uhrband, geflochten aus den Haaren seiner Braut Toni Adamberger, welches lange in einem an Körner’s Eiche angebrachten Behältnisse aufbewahrt wurde, ist von frevelnder Hand entwendet worden. – Ein Gedenkbuch mit einer Widmung von Professor Franz Passow vom 10. Juni 1814 ist um Ostern 1835 ein Raub der Flammen geworden. – Herr G. E. Moltrecht, Agent der Thuringia in Magdeburg, verehrte dem Herzog Ernst von Coburg eine Haarlocke und ein Gedicht Körner’s; letzteres von dem Dichter eigenhändig geschrieben und an die Großmutter des Herrn Moltrecht gerichtet; erstere aus der Zeit stammend, als Körner nach dem Ueberfalle bei Kitzen in der Familie dieser Frau Pflege gefunden. Herzog Ernst hat beide Gaben den Sammlungen auf der Feste Coburg einverleibt, den Spender aber fürstlich belohnt. [Zeitung für Norddeutschland 1863, Nr. 4543.] – Andere Reliquien Körner’s befinden sich im Besitze des Herrn Appellations-Rathes Ackermann in Dresden, und zwar die Brieftasche, welche bei Körner gefunden wurde, als er zu Tode getroffen hinsank; ein von seiner Schwester Emma gefertigtes Miniaturgemälde: „Körner’s Bild als Lützower“ vorstellend, und eine von Ackermann’s Bruder dem todten Körner abgeschnittene Haarlocke. – Ein Gedicht an die Baronin Rackwitz in Dresden, betitelt: „Der holden Geberin“ und zum ersten Male gedruckt in der „Schlesischen Theater-Zeitung“ 1863, Nr. 34, und ein Brief Körner’s aus Wien vom 2. März 1812, an seine Familie in Dresden, zum ersten Male gedruckt in der „Schlesischen Zeitung“ 1863, Nr. 397, ein Urtheil Körner’s über Schlegel’s Vorlesungen enthaltend, befinden sich beide im Besitze des Herrn R. Weigelt in Breslau, – Ueber andere Reliquien Körner’s, wie z. B. über seine Waffen siehe S. 253 u. 254, V; über seine Leier S. 256; über den Körnerstuhl siehe S. 255; über seinen silbernen Becher siehe das Folgende.
VII. Einzelheiten: Körner’s Pflegerin und ihr silberner Becher. Die Körner-Eiche. Der Körner-Stuhl. Körner’s erster Todtenkranz. Der Kranz von Schiller’s Tochter. Körner’s Wohnhaus in Döbling. – Witwe Häusser, Körner’s Pflegerin, und ihr silberner Becher. Die Gartenlaube (Leipzig, Ernst Keil’s Verlag, gr. 4°.) Jahrg. 1863, S. 176 u. 407: „Ein Besuch bei Theodor Körner’s Pflegerin in Groß-Zschocher“. [Bei Kitzen war Körner verwundet worden und wurde dann in das in der Nähe gelegene Dorf Groß-Zschocher gebracht, wo er von der noch lebenden Gärtnersfrau Johanna Häusser, jetzt eine 81 jährige Matrone, sorgfältig gepflegt wurde. Ernst Keil besuchte die Matrone im Jahre 1863 [255] und theilt ihre Aussagen im obigen Aufsatze mit, dem ein Holzschnitt: „Das Gärtnerhaus in Groß-Zschocher“, wo Körner damals wohnte, beigegeben ist. Da die Matrone nicht eben in den besten Umständen sich befindet, nahm die „Gartenlaube“ Spenden entgegen, welche auch mit sinnigen Gedichten und Devisen reichlich einliefen.] – Posener Zeitung 1863, Nr. 76: „Die Pflegerin Körner’s „ [betrifft die Witwe Häusser und wird nebenbei berichtet, daß dieselbe einen silbernen Becher besitze, den ihr Körner zum Andenken gegeben, als sie ihn im Jahre 1813 nach seiner Verwundung bei dem verrätherischen Ueberfalle zu Kitzen sorgsam gepflegt. Obwohl in Noth, habe sie nie den Becher, für den ihr große Summen geboten wurden, verkaufen wollen. Zur National-Körnerfeier aber hat die Witwe den Becher geschickt, damit er sowohl bei der Vorfeier im Hamburger Joachimsthal, als an der Tafel in Ludwigslust am 26. August 1863 den Festtheilnehmern credenzt werde]. – Süddeutsche Zeitung 1863, Nr. 165. „Die Pflegerin Theodor Körner’s“ [enthält keine neuen Angaben und scheint den Mittheilungen der „Gartenlaube“, die übrigens vielfach und ohne Angabe der Quelle nachgedruckt worden, entnommen zu sein]. – Die Körner-Eiche. Für die Eiche an Körner’s Grabe hat die Familie Körner den Schätzungspreis mit 16 Thalern erlegt. Der Begräbnißplatz aber ist von dem Herzoge Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin der Familie Körner geschenkt worden. Die Eiche selbst ist ein wundersamer Baum; aus derselben Wurzel erwachsen, theilt sie sich, eine Winter- und Sommereiche, in zwei gesonderte Stämme, um sich dennoch wieder zu vereinen, bis sie wieder in zwei Aeste auseinandergeht, aber mit ihren Kronen innig verwachsen ist. Der alte Körner richtete an den merkwürdigen Baum einige Distichen, welche er in das Wöbbeliner Stammbuch geschrieben hat. Dasselbe ging im Jahre 1815 bei einer Feuersbrunst verloren. Die Distichen haben sich aber in Handschrift erhalten, und die wunderliche Gestalt des Baumes beschreibend, lauten sie:

Heil euch, seliges Paar! Hoch schwebet ihr über der Erde;
Wir verweilen noch hier, wandelnd auf dornigter Bahn.
Aber in Blumen und Sternen, in jeder Zierde des Weltalls
Sieht der sehnende Blick seine Geliebten verklärt.
Auch in der Eiche, die hier die bethränten Gräber beschattet,
Zeigt, was ihr wäret und seid, uns sich als liebliches Bild;
Noch an der Wurzel entsteh’n aus dem Herzen des Stammes zwei Aeste,
Kräftig strebt einer empor, ihm schließt der zweite sich an.
Bald, wie durch fremde Gewalt, seh’n wir sie gehemmt und vereinigt,
Aber der höhere Trieb siegt über irdische Kraft. –

In der Eiche selber findet sich ein altes Erinnerungsmal auf dem bloßen Stamme, nach Wegschälung der Rinde mit glühendem Eisen hineingebrannt. Dieses lautet: „Th. Körner 26. Aug. 13“. Aber der größte Theil dieser Schrift, welche der alte Markwart aus Berlin am Begräbnißtage Körner’s eingebrannt, ist überwachsen und nur wenige Buchstaben davon sind noch sichtbar. Auch hängt an der Eiche ein Schwert, dem, so mächtig es ist, der Rost der Zeit schon arg mitgespielt hat. Vor der Schlacht bei Ligny (16. Juni 1815) gelobten sich mehrere Freunde, deß’ Waffe, der verwundet fallen würde, an der Körner-Eiche aufzuhängen. Schnelle, ein Mecklenburger, einer aus diesem Freundeskreise, fiel zu Belle Alliance (15. Juli 1815) und seine Waffenbrüder erfüllten am 16. April 1816 das Gelübde. Ueber dem Schwerte ist eine Eisentafel befestigt mit folgender Inschrift:

Dieß Schwert von Eisen, stark und gut.
Führte mit eisenfestem Muth,
Deß Name mit Ehren genannt,
Gottlieb Schnelle aus dem Mecklenburger Land.
Drei Feldzüge hat er vollbracht,
Da fiel er in einer Heldenschlacht,
Die geschlagen worden zur guten Stunde
Und geheißen die Schlacht vom schönen Bunde.

Der Körner-Stuhl. Die Gartenlaube (Leipzig, gr. 4°.) Jahrg. 1863, S. 288, gibt in dem Aufsatze: „Eine Reliquie von Theodor Körner“, Nachricht über einen Stuhl im alten Universitäts-Carcer zu Leipzig, in den Theodor Körner seinen Namen eingeschnitten, als er wegen eines als Corpsbursch der Saxonia in Cannewitz ausgefochtenen Duells hatte „brummen“ müssen. Es ist nicht ausfindig gemacht worden, wohin dieser Stuhl gekommen ist. – Körner’s erster Todtenkranz. Die Gartenlaube 1863, S. 400, und nach dieser die Botzner-Zeitung [256] 1863, Nr. 133, enthalten den Aufsatz: „Körner’s Todtenkranz“, von Fr. L. Graff. [Körner, der eine Vorahnung seines Todes gehabt, wie dieß allgemein bekannt, befand sich wenige Tage vor seinem Hingange in einer Gesellschaft und forderte scherzweise ein junges Mädchen in derselben auf, wenn er falle, ihm einen von ihr geflochtenen Todtenkranz von Myrthen und Rosen auf den Sarg zu legen. Die Jungfrau erfuhr K.’s Tod erst, nachdem er begraben war. Nichtsdestoweniger eilte sie an den Ort seiner letzten Ruhe, scharrte mit einer kleinen Hacke, die sie mitgebracht, die frisch aufgeworfene Erde hinweg, und als der Sarg zu Tage kam, legte sie, dreimal rufend: „Theodor Körner, ich bringe dir den versprochenen Myrthenkranz“, denselben auf den Sarg. Dieser Vorfall wird, als aus dem Munde der Dame Julie G. mitgetheilt, für authentisch bezeichnet.] – Der Kranz von Schiller’s Tochter. Bei der Körnerfeier zu Wöbbelin hing unter den unzähligen Kränzen und Liebesgaben, die von fern und nah gespendet worden waren, ein Kranz von Schiller’s Tochter, der Freifrau von Gleichen! Welch’ eine Saat von Erinnerungen! – Körner’s Leier (Guitarre). Aus Schiller’s Briefwechsel mit Rath Körner, dem Vater Theodor Körner’s, erfahren wir, daß Körner der Dichter nicht Theodor hieß, wie er sich selbst, nannte, sondern Karl; ferner jene Guitarre, welche Körner immer, selbst im Feldzuge 1813 mit sich führte, habe Schiller in Jena verfertigen lassen und dann nach Dresden geschickt. – Körner’s Wohnhaus in Döbling. Waldheim’s illustrirte Zeitung (Wien, kl. Fol.) 1863, Nr. 90, S. 1078: „Körner’s Wohnhaus in Döbling“ [auf S. 1080 ist die Abbildung des Hauses. In diesem Hause hat Körner den „Zriny“, den „Vetter aus Bremen“ und mehreres anderes geschrieben, und sein Freund Friedrich Förster, der Geschichtschreiber der Befreiungskriege, an dasselbe, als er im Jahre 1817 während seiner Anwesenheit in Wien es besuchte, einige sinnige Strophen gerichtet].
VIII. Körner-Denkmäler. – Denkstein. Außer der bereits beschriebenen Grabstätte mit ihrem Denksteine und den Inschriften sind zu Körner’s Andenken schon andere Denkmäler errichtet, auch steht die Errichtung eines solchen noch bevor. An der Stelle auf der Feldmark Koserow, etwa zehn Minuten von dem an der Gadebuscher Chaussee gelegenen Rosenkrug, wo Körner die Todeswunde erhielt, erblickt man einen Obelisk aus behauenem Granit, der eine Höhe von 19 Fuß und am unteren Ende eine Breite von 3 Fuß im Quadrat hat. Auf der Vorder- (südlichen) Fläche steht die Inschrift:
Hier fiel
Karl Theodor Körner, ein deutscher Mann,
am 26sten August
1813.
Auf der andern Seite sieht man Leier und Schwert und darunter aus Körner’s „Bundeslied vor der Schlacht“ die Worte:

Wachse, du Freiheit der deutschen Eichen,
Wachse empor über unsere Leichen!
Vaterland, höre den heiligen Eid!

Der Rittergutsbesitzer Greiffenhagen auf Rosenhagen hat auseigenem Antriebe und auf seine Kosten, in reiner Pietät für Körner, der für Deutschlands Recht und Freiheit sein Leben geopfert, diese Stelle durch das beschriebene Denkmal geheiligt. – Denktafel. Bei der imposanten Körner-Jubelfeier in Dresden wurde am 26. August 1863 von einem aus fast 9000 Theilnehmern aus allen Ständen zusammengesetzten Festzuge an des Sängerhelden Geburtshause eine geschmackvoll gearbeitete Denktafel von weißem Marmor enthüllt, worauf mit goldenen Buchstaben zu lesen: Hier wurde geboren Theodor Körner am 23. September 1791. Er fiel im Kampfe für Deutschlands Freiheit am 26. August 1813. Gestiftet von seiner Vaterstadt. – Körner-Monument in Wien. Baierische Zeitung 1863, Morgenblatt Nr. 124, theilt einen Beschluß des Wiener Turnvereins mit, welchem zu Folge Theodor Körner in Wien ein Monument erhalten soll, mit dessen Ausführung der Bildhauer Vincenz Pilz betraut worden. – Auch in Dresden wurde anläßlich der Körnerfeier eine angeblich Kaulbach’sche Zeichnung einer Reiterstatue Körner’s in Photographie vorgewiesen, welche weiter keine Berücksichtigung fand. Doch heißt es in einem Berichte, daß die Denkmalfrage in Dresden so gut wie gelöst und eine würdige bildnerische Verewigung Körner’s in seiner Vaterstadt als gesichert zu betrachten sei. [Korrespondent von und für Deutschland (Nürnberg, kl. Fol.) 1863, Nr. 431.]
IX. Porträte und andere Körner’n betreffende bildliche Darstellungen. Hier kann von einer Aufzählung der zahllosen, in Journalen und Büchern zerstreuten, in Holz geschnittenen und lithographirten Porträte keine Rede sein. Aber [257] die vorzüglicheren Bildnisse, die bald nach seinem Tode erschienen, oder in jüngster Zeit veröffentlicht worden sind, mögen hier folgen. a) Porträte. 1) Böllinger sc. (4°.). – 2) Emma Körner del., L. Buchhorn sc. (4°.); von diesem Blatte gibt es auch Exemplare vor aller Schrift. – 3) Nach Emma Körner gestoch. von Grüzmacher (Berlin, Nicolai, in großem und kleinem Formate). – 4) Unterschrift: Koerner. H. Gugeler sc. (Stuttgart, 4°.). – 5) Unterschrift: Teodor Körner, darunter das Facsimile seines Taufnamens Theodor, rys. Hirzel w Warszavie (Lithogr.). – 6) Emma Körner p., F. Müller sc. (4°.). – 7) Unterschrift: Theodor Körner. Von seinem Waffengefährten Olivier gezeichnet auf der Todtenbahre am 26. August 1813 unter der Eiche bei Wöbbelin [auch in der Jubelausgabe von Fr. Förster’s „Geschichte der Befreiungskriege 1813, 1814 und 1815“]. – 8) Unterschrift: Carl Theodor Koerner. Emma Köner (sic, soll heißen Körner) del.,Wachsmann sc. – 9) Weger sc. (8°.). – 10) Gestoch. von Weger u. Singer (Leipzig, G. Mayer, 4°.). – 11) Unterschrift: Vor fünfzig Jahren: Theodor Körner. Originalzeichnung von O. Wisniewski [auf S. 233 der Nr. 1056 der Illustr. Zeitung. Meisterhafter Holzschnitt in kl. Fol.] – 12) Lithographie (Berlin, Ullrich, Fol.). – 13) Lithographie (Dresden, Grimm, gr. 4°.). – b) Andere bildliche Darstellungen. Wilhelm von Kaulbach malte ein Bild: „Der deutsche Sängerheld“, welches in Photographie vervielfältigt wurde. Das Blatt ist 2 Fuß lang. 11/2 Fuß hoch und kostet 21/4 Thaler. Der Dichter sitzt hoch zu Roß. Das entblößte Haupt ist mit Eichenlaub umkränzt, Körner schwingt in seiner Rechten das hoch erhobene Schwert, während seine Linke die auf das Knie gestützte Leier umschlingt. Ein um die Leier gewundenes Band flattert im Winde und trägt den Wahlspruch:

„Das deutsche Lied, das deutsche Schwert, Wir lieben’s treu, wir halten’s werth“. –

Körner, am Wachtfeuer ein Lied vortragend [in Steffen’s „Volkskalender für 1864“]. – Körner’s Wohnhaus in Döbling bei Wien [nach einer Photographie von Weingartshofer, in Waldheim’s „Illustrirten Zeitung“ 1863, S. 1080]. – Das Gärtnerhaus in Groß-Zschocher [wo Körner nach seiner bei Kitzen erhaltenen Wunde von der Frau Häusser gepflegt wurde]. (Holzschnitt, „Gartenlaube“ 1863, S. 408.) – Körner’s Fahrt von Zschocher nach Leipzig (Holzschnitt von R. Illner in der „Gartenlaube“ 1863, S. 117). – „Theodor Körner’s Tod“, Clotz und Ruff sc. (Holzschnitt in Hallberger’s „Illustrirten Welt“). – Körner’s Tod. Originalzeichnung, nach authentischen Mittheilungen aufgenommen. Von Th. Aster (Holzschnitt, „Gartenlaube“ 1863, S. 420). – Die Körnergräber bei Wöbbelin (Holzschnitt, ebd, S. 549). – Körner’s Grabmal (Abbildung in Holzschnitt in den „Illustrirten Hausblättern“ 1863, S. 69. – „Theodor Körner’s Grabstätte“ (Holzschnitt in Bäuerle’s „Theater-Zeitung“ 1834, Nr. 93, S. 372). – Theodor Körner’s Todtenfeier in Baltimore. Originalzeichnung eines deutschen Freiwilligen (Holzschnitt, „Gartenlaube“ 1863, S. 781).
X. Körnerfeier zu Wöbbelin-Ludwigslust, Dresden, Pesth und Baltimore in Nordamerika. Die Körnerfeier zu Wöbbelin-Ludwigslust ist von einem Ausschusse zu Ludwigslust und Hamburg, an dessen Spitze sich die HH. L. F. Burtz in Ludwigslust und Dr. Jul. Gompertz in Hamburg befanden, angeregt worden. Derselbe erließ einen Aufruf an das ganze deutsche Volk und Einladungen an die alten Kampfgenossen des Befreiungskrieges, an die Reste der Lützower Schaar, an die Universitäten, Schulen, Turner, Schützen, Sänger, an einzelne Schriftsteller u. dgl. m. Auch der Herausgeber dieses Lexikons wurde – als Verfasser des „Schillerbuches“ – besonders eingeladen. Leider war es ihm gerade um jene Zeit nicht möglich, dieser ehrenvollen Einladung zu folgen; aber jetzt bietet sich ihm Gelegenheit, seinen Kranz zu Körner’s Andenken zu winden und ihn den zahllosen Freunden des Dichters und Helden an’s Herz zu legen. Von diesem Gesichtspuncte wolle der Artikel Körner in diesem Lexikon angesehen werden. Die Körnerfeier zu Wöbbelin-Ludwigslust, welche am 26. August 1863 stattgehabt, ist vielfach beschrieben worden. Fast alle deutschen Blätter brachten mehr oder minder ausführliche Nachrichten über die Feier. Hier sei nur jener Blätter und jener Beschreibungen gedacht, welche das Ausführlichste und Beste gebracht haben. Obenan steht die „Kölnische Zeitung“ 1863, Nr. 241: „Die Nationalfeier zu Wöbbelin-Ludwigslust“ [dieser Artikel bildet fast die Grundlage aller anderen in den deutschen Blättern erschienenen Nachrichten über diese erhebende Feier; in vielen Fällen ist er wörtlich ganz, in [258] noch mehreren mit Kürzungen nachgedruckt worden]; – die „Schlesische Zeitung“ (Breslau, Fol.) 1863, Nr. 405: „Die National-Körnerfeier zu Ludwigslust-Wöbbelin“ und die „Zeitung für Norddeutschland“ 1863, Nr. 4478: „Die Nationalfeier am Grabe Körner’s“. Was das Fest selbst betrifft, so kann hier keine Beschreibung folgen. Aber einige Thatsachen und Personalien seien angemerkt. Die Zahl der Theilnehmer mochte an 3000 behagen. Im Festzuge waren alle deutschen Städte von Bedeutung vertreten. Von den auf das Grab niedergelegten Kränzen seien außer jenem der Baronin Gleichen, dessen schon gedacht worden, noch namhaft gemacht: jener von Frau Antonia von Arneth (gebornen Adamberger, Körner’s Braut); von Marianne Saling in Berlin, der ältesten der noch lebenden Jugendfreundinen Körner’s; von General Pfuel, dem ältesten noch lebenden Freunde der Körner’schen Familie; von Frau Ulrich, Körner’s Kindswärterin; von den Kindern des Oberjägers Helfritz, in dessen Armen Körner seine Seele ausgehaucht; von Friedrich Rückert; von der Turnerschaft zu Berlin, welche einen Epheukranz von Friesen’s Grab sandte; von Tirol, das einen Kranz von Edelweis gespendet; von den Frauen zu Hanau und Spandau. Außerdem hatte Cöln zwei Gaben gespendet: Einen vier Fuß hohen bearbeiteten Sandsteinsockel, auf dem ein ebensolcher Würfel auf der Spitze steht. In die Flächen des Würfels sind schwarze Marmortafeln eingelassen, welche die Widmung enthalten. Neben dem Sockel befinden sich zwei weiße Marmortafeln mit den bezüglichen Inschriften, die eine gespendet von dem Cölner Männer-Gesangverein, die andere von dem bürgerlichen Kameradschafts-Verein daselbst. Die Ehrenwache am Grabe Körner’s hielten zwei seiner früheren Waffengefährten, und zwar der Jäger Elsner aus Brandenburg a. H., einer der zwölf, die Körner zu Grabe getragen, und Jäger Kadowitz aus Berlin. Das Fest begann mit Körner’s Gedicht „Vater ich rufe dich“, gesungen von den Sängerchören unter Leitung des Schweriner Musikdirectors Schmidt; die erste Festrede sprach Hofrath Dr. Friedrich Förster aus Berlin, der Geschichtschreiber der deutschen Freiheitskriege, der Freund und Kampfgenosse Körner’s, der sein Grab in Wöbbelin graben geholfen hat. Nach Förster’s Rede sangen die Chöre einige Strophen des Körner’schen „Schwertliedes“. Der zweite Festredner war Hofrath Stiebel aus Frankfurt a. M., auch ein Zeit- und Kampfgenosse Körner’s. An diese Rede schloß sich der Vortrag eines von Müller von der Werra gedichteten, von F. Abt componirten „Körnerliedes“ an. Die letzte Festrede hielt Seminar-Director August aus Berlin, auch ein Mitkämpfer in den deutschen Befreiungskriegen; Moriz Arndt’s Vaterlandslied und das Gedicht Körner’s: „Was glänzt dort vom Grabe im Sonnenschein?“ schloß die Feier am Grabe. – Andere bedeutendere, das Körner-Nationalfest betreffende Aufsätze enthalten die Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, Fol.) 1863, Nr. 1086: „Theodor Körner und die National-Körnerfeier“; – Schlesische Zeitung 1863, Nr. 397: „Körnerfeier“. – Als ein die Körnerfeier zu Wöbbelin-Ludwigslust betreffendes Curiosum sei noch mitgetheilt, daß der Vorstand des Gymnasiums Fridericianum zu Schwerin, Hauptstadt des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin, seinen Schülern die Betheiligung an der zu Ludwigslust abzuhaltenden Körnerfeier „wegen der in jener Feier liegenden allzugroßen Freisinnigkeit“ und „damit nicht auch schon die jugendlichen Gemüther von jenem Freiheitsschwindel erfaßt würden“, untersagte. Diese Anordnung des Vorstandes wird noch durch folgenden Ausspruch eines der Weisen des mecklenburgischen Clerus weiters illustrirt: „Theodor Körner sei ein recht braver Mann gewesen. Wenn man aber jedes braven Mannes wegen nach Ludwigslust reisen wolle, so könne man es 365 Mal im Jahre thun!“ – Körnerfeier zu Dresden. Der Adler (Leipziger polit. Blatt, kl. Fol.) 1863, Nr. 204: „Die Körnerfeier zu Dresden“. [Gutzkow hielt auf derselben einen Vortrag über Körner; v. Kraukling stellte interessante Körner’sche Reliquien aus.] – Körnerfeier in Pesth. Ungarische Nachrichten (Pesther pol. Blatt) 1863, Nr. 195; in derselben brachte der Namensträger Körner’s, der Director der Pesther Handelsschule Friedrich August K. [dessen Lebensskizze dieses Lexikon S. 240 d. Bds. enthält] einen Toast auf Körner den Dichter aus, der in seinen Liedern klar ausspricht, „daß der Kampf der Deutschen nicht bloß gegen die Fremdherrschaft, sondern auf die Wiedergewinnung des deutschen Wesens überhaupt gerichtet gewesen sei“. – Auch sind in allen deutschen Städten, in öffentlichen und Privatkreisen unzählige Körnerfeste begangen worden. [259] Eine Chronik derselben zu geben, kann nicht meine Aufgabe sein. Daher die Anführung dieser Thatsache genügen möge. – Körnerfest in Baltimore. Die Gartenlaube (Leipzig, gr. 4°.) 1863, S. 780: „Eine deutsche Todtenfeier in Amerika“ [mit einem Holzschnitte: „Theodor Körner’s Todtenfeier in Baltimore. Originalzeichnung eines deutschen Freiwilligen“. Diese Todtenfeier fand Körner’n zu Ehren am 26. August 1863 in Baltimore Statt. Die Festrede hielt Dr. Hugo Kühne, die Schlußrede Dr. A. Wiesner, ein Oesterreicher, und dann wurde der Versammlung der alte Lützower Dr. W. D. G. Pfeiffer, der seit 30 Jahren als praktischer Arzt in Pennsylvanien lebt, vorgestellt. Indem Pfeiffer die Angaben einiger deutschen Zeitungen, Körner sei in seinen Armen gestorben, als unwahr zurückweist, erzählt er, daß er bei Nacht an dessen Leiche gewacht, um dieselbe vor Verunglimpfung des Feindes zu schützen].
XI. Gedichte an Körner [nach der alphabetischen Folge ihrer Autoren]. Elegie auf Theodor Körner’s Tod, von Sophie ***, componirt für Pianoforte von H. Wegener (Hannover 1815, Hahn). – Das Geschwistergrab zu Wöbbelin (Leipzig 1815, Tauchnitz, 8°., mit mehreren Vignetten) [nach dem Tode Emma’s, der Schwester Theodor’s, von mehreren Freunden der Körner’schen Familie herausgegeben. Ein Kranz von Gedichten]. – Eilf Gedichte von Böttiger, F. Chr. A. Hasse, Th. Hell, Kind, F. Kuhn, Graf Loeben, Arthur von Nordstern und Streckfuß. Nur in wenigen Exemplaren für Freunde gedruckt. [Becker (W. G.), Taschenbuch zum geselligen Vergnügen für 1823, S. XXI.] – Hückstädt (Gr.), Neunzehn Blumen, auf Theodor Körner’s Grab gesetzt (Hamburg 1820, Herold, 8°.). – Der nordböhmische Gebirgsbote 1863, Nr. 34: „Zur Erinnerung an Theodor Körner“. Von Arthur von Bülow [Gedicht]. – Waldheim’s Illustrirte Zeitung (Wien, kl. Fol.) 1864, S. 1078: „Erinnerung an Theodor“, von Friedrich Förster, Lützowscher Jäger. Wien 17. September 1817. [Förster dichtete diese Strophen aus Anlaß des Besuches des Hauses in Döbling, welches sein Freund Körner während seines Aufenthaltes in Wien 1811–1812 bewohnte.] – Morgenblatt zur Bayerischen Zeitung 1863, Nr. 234: „Am fünfzigjährigen Todestage Th. Körner’s“, von Friedrich Hermann Frey. – Oesterreichischer Zuschauer. herausgegeben von J. S. Ebersberg (Wien, gr. 8°.) Jahrg. 1840, Bd. IV, S. 1283: „Körner’s Tod“, von Carl August Glaser [in den Prager „Erinnerungen“ 1841, S. 187, mit verändertem Titel: „Theodor Körner“ nachgedruckt]. – (Iglauer) Sonntagsblatt 1863, Nr. 35: „Ein deutscher Krieger an Körner’s Grabe“. Von Luigt. – Zeitung für Norddeutschland 1863, Nr. 4471: „Prolog zur fünfzigjährigen Gedächtnißfeier des Todes Theodor Körner’s am 26. August 1863“. Von F. A. Maercker. – Volks-Zeitung (Berlin, kl. Fol.) 1863, Nr. 198: „Zur Körner-Feier am 26. August 1863“. Gedicht von Adalbert Meinhold. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) Jahrg. 1815, Nr. 68 und 69: „Der Barde des Tages, 1815. Gedicht an Körner“, von Franz Maria Nell. – Presse (Wiener polit. Journal, 1863, Nr. 233: „Körner’s Geist“, von Rückert [aber nur einige Strophen dieses Gedichtes sind abgedruckt]. – Conversationsblatt (Wien, 8°.) Jahrg. 1819, Nr. 19, S. 221; „Leyer und Schwert, Körner’s Andenken“. Gedicht von A. Schumacher. – Deutsche Volkspoesien. Von Karl Weise (Berlin 1864, Grieben, 8°.), enthält das Gedicht: „Am fünfzigjährigen Todestage Theodor Körner’s „ [Stanzen im Sturmschritt]. – Rheinische Morgenzeitung für gebildete Leser. Herausgegeben von Friedrich Karl Freiherrn von Erlach. 1823, Nr. 50–54: „Nachklänge an Theodor Körner“. Von Theodor Wilhelm Witting. – Der Adler (Leipziger politisches Blatt, kl. Fol.) 1863, Nr. 202: „Am 50jährigen Todestage Theodor Körner’s“. Gedicht von Ludwig Würkert. – Nordböhmischer Gebirgsbote (4°.) 1861, Nr. 15: „An Körner’s Grab“. Gedicht von J. F...k. – Neue preußische (Kreuz) Zeitung 1863, Nr. 198: „Theodor Körner und Garibaldi“. Gedicht [anläßlich der Mittheilung, daß Garibaldi zur Körnerfeier geladen sei. Ein in Terzinen ausgestoßener Schrei der Entrüstung]. – Illustrirte Militär-Zeitung, herausg. von Hack (Wien, 4°.) 1863, Nr. 1, S. 7: „Erinnerung an den 26. August“ [mit Körner’s Porträt].
XII. Körner im Roman, dramatisch und episch behandelt. Rau (Heribert), Theodor Körner. Vaterländischer Roman, dem deutschen Volke eine Gabe zur Erinnerung an die Befreiung Deutschlands im Jahre 1813 und deren fünfzigstem [260] Jubileum (sic), 2 Bände (Leipzig 1863, Thomas, 8°.) [vergl. Blätter f. literar. Unterhaltung 1864, S. 244]. – Steffen’s „Volkskalender“ für 1864 (Breslau, 8°.) enthält die vaterländische Erzählung: „Theodor Körner’s Uniform“ von Max Ring, mit einer Illustration: Körner am Wachtfeuer, ein Lied vortragend. – Kind (Friedrich), Die Körner’s-Eiche, eine Phantasie (Leipzig 1814, Göschen, mit 1 K., 4°.); diese dramatische Phantasie wurde von Kind, dem Freunde von Körner’s Eltern, zum ersten Jahrestage seines Todes gedichtet Schnorr’s Meistergriffel schmückte diese Freundesgabe mit einem sinnigen Bilde, das den Namen „die Körner’s Eiche“ führt. – Für den 17. März 1863 hat Gustav von Putlitz ein Festspiel geschrieben- „Theodor Körner’s Anwerbung durch Frau von Lützow“, in welchem außer den beiden Genannten noch Jahn und Friesen auftreten. Auf königl. Befehl wurde dieses Zeitbild an dem betreffenden Tage im Kroll’schen Etablissement zu Berlin gegeben. – Papst (Julius), An Körner’s Grabe. Vorspiel in einem Act (Dresden 1863, Meinhold und Söhne, 8°.) [wurde zu Dresden am 26. August 1863 aufgeführt]. – Zimmermann (Georg), Theodor Körner. Historisches Drama in drei Acten (Darmstadt 1863, Diehl, 8°.) [vergl. Blätter f. liter. Unterhaltung 1864, S. 245]. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte u. s. w. (Wien, 4°.) Jahrgang 1817, Nr. 123 und 124: „Deutschlands Rettung durch Oesterreich im großen Völkerkampfe des Jahres 1813“. Von M. F. v. Canaval [in dieser Dichtung tritt neben Schill, Hofer, Enghien und Collin auch Theodor Körner auf]. – In einer Cantate, welche 1814, nachdem das Joch des Corsen abgeschüttelt war, als Festcantate die Frau Caroline Pichler zu dichten übernommen hatte, und zu welcher Spohr die Musik gesetzt – sie führt den Titel: „Das befreite Deutschland“ – beklagt ein Mädchen den Tod ihres in der Schlacht gefallenen Liebhabers. Es ist dieß eine sinnige Anspielung auf Körner und seine Toni (Antonia Adamberger), welche durch das Akrostichon dieser Strophe bewiesen wird:

K–eine Freude kenn’ ich mehr,
Ö–d ist alles um mich her,
R–eizlos, was ich sonst geliebet, u. s. w.

Lustkandl (W.), Theodor Körner. Heldengedicht in sechzehn Liedern (Hamburg 1863, 32°.) [vergl. Blätter f. literar. Unterhaltung 1864, S. 246].
XIII. Körner in der Literatur, a) Aussprüche deutscher Literarhistoriker über Körner. Karl Gödecke in seinem „Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen“ (Dresden, Ehlermann, 8°.) Bd. III, S. 230, Nr. 628, schreibt über Körner: „Körner war der Sohn des schiller’schen Freundes und wuchs in der Bewunderung des großen Dichters auf, dessen Formen er frühe nachbildete. Seine dramatischen Arbeiten haben den Werth der s. g. Bühnengerechtigkeit, aber wenig innern Gehalt; die heitern sind einfach und besser herausgearbeitet als die tragischen. Die Sammlung seiner patriotischen Lieder „Leier und Schwert“, auf der sein durch persönliche Auszeichnung gehobener Ruhm beruht, offenbart einen herrlichen Charakter, der sich bei längerem Leben tiefer und klarer entwickelt haben würde. Das stürmische Pathos, das zuweilen noch etwas hohl erscheint, da dem feurigen Jünglinge die durchgebildete Fülle der inneren Lebenserfahrung fehlen mußte, hätte sich bei der entschiedenen Haltung seines kräftigen Wesens zu wahrhaftem Charakter besonnener Kraft entfalten müssen. Kaum zwei und zwanzig Jahre alt, hatte er schon viel und fast zu viel geschaffen. Die tödtliche Kugel nahm einen Mann hinweg und gab der deutschen Jugend das begeisternde Bild eines Helden.“ – Das bezeichnendste und nicht obenhin ausgesprochene Urtheil ist jenes, welches Rudolph Gottschall in seinem Werke fällt: „Die deutsche Nationalliteratur in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts“ (Breslau 1861, Trewendt, 8°.) Zweite Auflage, Bd. I, S. 180. Gottschall schreibt: „Körner’s Bildung steht ganz unter dem Einflusse Schiller’s, der mit seiner rhythmischen Melodie und sittlichen Thatkraft den begeisterten Jünger in seinem Banne hielt. ... Als Dramatiker zeigte Körner zuerst das Austönen der Schiller’schen Diction bei geistiger Abschwächung in der Phrase. Man hat bei seinen Versen immer das Gefühl, als ob Einem Schiller in die Ohren klinge; doch hört man näher hin, so zeigt sich, daß dieß bloß durch den äußeren Tonfall hervorgerufen wird, während schon der stolze Vollklang der Worte fehlt. ...“ Auf die einzelnen Stücke übergehend, sagt Gottschall: „In „Hedwig“ und „Tony“ herrscht vor Allem der überschwengliche Ton, der die Empfindung verzerrt; „Zriny“ (1812) ist einfacher – Einzelnes darin, wie der Monolog Soliman’s, athmet eine an Schiller anklingende Größe der Gesinnung. In „Rosamunde“ [261] ist die Diction am reifsten und findet manches originelle Bild und manchen schlagenden Ausdruck. Der Inhalt aller dieser Dramen ist der Heroismus, der jugendliche äußerliche, drauf losschlagende Heroismus, während nur in Rosamunde innerliches, wenn auch lyrisch duftiges Leben zur Geltung kommt. Tony erschießt den Hoango; Hedwig schlägt den Rudolph mit dem Flintenkolben zu Boden; Helene läßt sich von Juranitsch erstechen; Zriny sprengt sich mit ganz Szigeth in die Luft. Liebe, Haß und Patriotismus wirken so in der handgreiflichsten Weise. So dürftig der Inhalt dieser Stücke ist, so haben sie doch den Vorzug der Bühnlichkeit und des theatralischen Effects. ... Zu den Heldinen Körner’s hat meist die Amalie und Leonore gesessen; nur zur Rosamunde die Maria Stuart. Im Zriny bewegen sich Charakter, Diction und Handlung in lauter martialischen Schwadronshieben; doch erregt der wackere Haudegen selbst einen nur für fünf Acte nicht ausreichenden Antheil. Hedwig und Tony sind deutsche, fünfjambige Boulevardspoesie. ... So wenig Reife diese Körner’schen Dramen haben, so ist doch das dramatische Talent des Dichters, das sich in einer straffen energischen Composition, in dem Sinne für dramatischen Zusammenhalt und formelles Maß zeigt, keineswegs so zu verachten, wie es von den Shakespearomanen geschieht, denen nur die Formlosigkeit für ein Zeichen des Talentes gilt. Viel bedeutender aber ist Körner als Lyriker; denn wer der Stimmung einer großen Zeit in der Poesie den würdigen Ausdruck gibt, der hat für die Nachwelt gedichtet, während er auch die Gegenwart in ihren Tiefen bewegt. Die jugendliche Begeisterung, die Todesahnung, der Todesmuth, der große freie Sinn jener Kriege spricht sich in Körner’s „Leier und Schwert“ in einer Form aus, welche melodisch schwunghaft, sangbar, ohne der Bänkelsängerei zu verfallen, aus dem Herzen kommt und zu dem Herzen geht. Hier gab die Zeit dem Dichter, was ihm in seinen Dramen fehlt: einen Inhalt. Der Dichter zieht mit seiner „Leier“ nicht hinter dem Heere als poetischer Troß; sein Weckruf tönt voraus und ruft das Volk zu den Waffen. Den Gott der Schlachten ruft er um Schutz und Beistand an; seine einzige Braut ist das Schwert, das er in dem herrlichen „Schwertliede“ feiert. Dieß Lied ist ein Muster edler volksthümlicher Liederpoesie. Viele andere athmen bei gleicher Klarheit gleichen Schwung. Die Stimmung jener Zeit ist bei Körner durchweg rein erhalten, rein von jeder deutschthümelnden, pedantischen oder romantischen Zuthat. Es ist der frische, energische, kampflustige Volksgeist! ... Körner hat sich in seiner Lyrik bereits von Schiller emancipirt, denn er ist sangbarer und volksthümlicher in der Form und im Inhalte, frei von allem mythologischen Ballast und von ganz bestimmter nationaler Färbung. Daß er auch im Drama von den allzu unmittelbaren Einflüssen des Schiller’schen Genius sich losgerungen haben würde, dafür bürgen seine Lustspiele, in denen eine anmuthige Leichtigkeit und Grazie und großes Bühnengeschick herrscht. ...“ – Gutzkow’s am 26. August 1863 in Dresden bei der Körnerfeier gehaltene Denkrede ist wohl das begeisterndste und wahrste, was je über Körner aus deutschem Munde gekommen. Daß sie ganz hier stehen könnte! Ueber Körner den Dichter sagt er, nachdem er einen schmerzlichen Rückblick auf die Verhältnisse wirft, wie sich diese nach den Befreiungskriegen gestaltet, und nachdem er von den „verkümmerten Ernten der von Theodor Körner mitgelegten großen Saat“ gesprochen, folgendes: „Diesen traurigen Verhältnissen gegenüber muß man mit dem Dichter den glücklich preisen, den im Jugendlenze die Parze dahinrafft; muß man an Goethe’s schönes Bild von jenem irdischen Gott denken, der mit feurigen Armen zu den Unsterblichen emporträgt, was auf Erden keine Stätte findet. Die lichten Höhen, in die Körner’s verklärter Geist gestiegen, ließen nach fünfzig Jahren rosige Wolken zur Erde nieder. Fünfzig Jahre, und eine Zeit brach an, die den Heldenjüngling in seiner edlen Unbefangenheit so ganz versteht, wie er lebte und starb, ganz so rein seinen Opfertod nachempfindet, wie er ihn erlitten, erleiden wollte. Die heutige Jugend wäre derselben reinen Hingebung fähig, und keine falsche Deutung mischt sich jetzt in Körner’s Entschluß, keiner von jenen Mißklängen, die so schrill aus den Nachrufen seiner preußischen Biographen und Bewunderer, eines Streckfuß, eines Stägemann, ertönen, die ihn sogar 1813 sich schon erklären lassen gegen die späteren demagogischen Umtriebe! Körner besang Fürsten, weil sie um das gemeinsame Vaterland litten; Fürstinen, weil sie an gebrochenem Herzen um die Nation starben; er wollte nicht schmeicheln, wollte nichts für die Theorie der Staaten beweisen – der Sinn und der Wille, der ihn in den Tod führte, war klar und hell, wie der krystallene [262] Tropfen des Morgenthau’s, der, an einer Blume hängend, rein den Himmel wiederspiegelt. So leuchte, verklärter Geist, deinem Volke! War auch Theodor Körner, dein Kranz, wenn dazu nur des Dichters Lorber die Blätter hätte geben sollen, nicht so voll und schwer, wie er auf den Häuptern der großen Dichtergenien unseres Volkes ruht, Germania brach reichlich Laub von ihrer Eiche und flocht es deinen Lorbern hinzu! Und glaubt es, kein Dichterkranz grünt ewig, wenn nicht das Vaterland, seine Freiheit und seine Größe ein Reis mit hinzugefügt! Dante trug um seine Schläfen die Cypressenzweige Italia’s; Shakespeare’s unsterbliches Dichterwappen führt in seinem Felde Rose und Distel, die Blumen Britannia’s. Für die Knechte gibt es keine Sonnen! Auch die Kunst verlangt ein Vaterland!“ – Thaddäus Lau schreibt in seiner literar-historischen Studie: „Der Tyrtäus der deutschen Freiheitskriege“ über Körner den Dichter: „Eine verständige Kritik hat sich lediglich an die Lieferungen zu halten, welche von dem Dichter vorliegen. Körner’s Talent war ein leichtes und leichtfertiges; seine Fruchtbarkeit ist erstaunlich. Als Dramatiker kommt ihm, eine gewisse formelle Fertigkeit abgerechnet, die in seinen sämmtlichen Bühnenarbeiten nicht verkannt werden kann, nur geringe Bedeutung zu. Seine komischen Stücke verarbeitete er nach Anekdoten, die er gelesen hatte, oder nach Vorfällen, die ihm selbst begegnet waren; die Komik in ihnen ist bloß äußerliche Situationskomik und anekdotische Drolligkeit, der jede tiefere Bedeutung fehlt. In den ernsteren Dichtungen schloß er sich oft bis zur Täuschung an das praktische Echauffement Schiller’s an, nur daß er bei weitem rhetorischer und bei weitem ärmer an neuen und tiefen Gedanken ist. Selbst sein relativ bestes Drama „Zriny“ athmet meist eine kriegerische Begeisterung. Aber Körner’s Bedeutung liegt auch keineswegs in seinen Dramen, welche die ästhetische Kritik immerhin bemängeln mag. Körner’s Bedeutung liegt einmal in dem lauteren, ächten Adel seiner Gesinnung, in der feurigen hinreißenden Gluth seines Patriotismus, liegt in der mannhaften That, mit welcher er bis zum freiwilligen Opfertode für die höchsten Güter seines Volkes einstand. Andere Tausende folgten mit gleicher Begeisterung dein Rufe zu den Fahnen, aber nur Wenige haben so viel geopfert und verlassen, als von Theodor Körner geopfert und gelassen wurde. Das ist seine Bedeutung als deutscher Mann, als deutscher Patriot. Seine Bedeutung zweitens als deutscher Dichter haben wir in dem hohen sittlichen Ernst und Gehalt, in dem Alles bewältigenden, zündenden Schwung seiner herrlichen, von keinem der zahlreichen Concurrenten unter den Sängern des Freiheitskrieges erreichten Lieder zu suchen. Körner’s Gedichte lagen allerdings den Landwehrmännern aus Preußen, Pommern, Schlesien zu hoch; in den Kreisen wurden ganz andere Spott- und Schelmenlieder auf Napoleon und die Franzosen gesungen. Aber für die Edelsten und Besten, für die Gebildeten seiner Nation waren Körner’s Lieder berechnet und deren Gefühle und Empfindungen haben sie in einer Weise ausgesprochen, theils wachgerufen, wie das keinem andern Dichter der Epoche gelungen ist.“ – Heinrich Laube in seiner „Geschichte der deutschen Literatur“ (Bd. III, S. 206) gibt um der vaterländischen Lieder willen Körner’n eine Stelle unter den Dichtem der romantischen Schule, obwohl er nichts mit ihnen gemein hat, sondern durchaus eine jugendliche Nachahmung Schiller’s ist. „Die Schauspiele „Zriny“, „Rosamunde“, „Hedwig“ sind aber nicht das Moment, um welches sich die enthusiastische Theilnahme für Körner gruppirt hat, sondern die Vaterlandslieder sind es, sein „Das Volk steht auf“, – „Ahnungsgrauend, todesmuthig“, – „Du Schwert an meiner Linken“, kurz, sein „Leier und Schwert“, eine Sammlung dieser Lieder, sein Muth, seine Begeisterung, sein schöner Reitertod, dieß romantische „Morgenroth“, was ihm „zum frühen Tode leuchtete“, dieß dämmernde, hüpfende und tönende Jugendleben, dieß Alles ist’s, was ihn zu einem ritterlichen Lieblinge unserer Nation gemacht hat. Diese ritterliche Gesinnung, diese liebenswürdige Person muß auch vor Allem in Anrechnung gebracht werden, wenn von einer Würdigung Körner’s die Rede ist. Hatte er auch nicht die Tiefe und Sinnigkeit der Schenkendorf mit ihren Vorzügen und Abwegen, an Feuer übertraf er sie alle und seine Lieder stiegen auf und wirkten wie fliegende Gewitter. ... Seine „Toni“, sein „Nachtwächter“ und „Grüner Domino“ zeigten, daß er auch für die leichtere dramatische Unterhaltung flüssiges Geschick habe.“ – Wolfgang Menzel in seinem Werke: „Die deutsche Literatur“ (Stuttgart 1836, Hallberger, 8°.) Zweite vermehrte Auflage, Bd. IV, S. 179, vindicirt K.’n den Ruhm, zuerst und am lautesten den feierlichen Kriegsgesang angestimmt zu haben, [263] worauf er sich selbst, von heiliger Begeisterung entflammt, den feindlichen Kugeln entgegenstürzte und den schönen Tod fand für’s Vaterland. In diesem Dichterjünglinge sah das Volk das Vorbild seiner Jugend, eine reiche Verheißung, dann pries man ihn glücklich, daß er nicht älter geworden war, daß die Hoffnung in voller Jugendschöne mit ihm starb, bevor sie bleich und runzlicht wurde. Außer seinen herrlichen Kriegsliedern hat er auch Trauerspiele gedichtet, die nicht minder von patriotischer Gluth und dem reinsten Seelenadel zeugen, in der Form aber vielleicht allzusclavisch die Manier Schiller’s festhalten. Seine kleinen Lustspiele können hier kaum als Nebensache erwähnt werden.“ – Dr. Theodor Mundt in seiner „Geschichte der Literatur der Gegenwart“ (Leipzig 1833, M. Simion, 8°.) Zweite Auflage, S. 341, zweifelt ungeachtet er Körner’s Kriegslieder kennt, daß ein nachhaltiger poetischer Kern in ihm gesteckt habe!!! Mundt schreibt: „Schöner und reiner erklang die deutsche Poesie, welche in stolzer und freudiger Begeisterung aus den Bewegungen der Befreiungskriege hervortönte und an ihnen ihren Stoff sich erkoren hatte. Leier und Schwert wurde das Symbol dieser Muse. Theodor Körner zeigte eine edle Begeisterung in einem schönen poetischen Naturell. Die Lyrik der Befreiungskriege hatte in ihm ihre liebenswürdigste Vertretung, sonst war schwerlich ein nachhaltiger poetischer Kern in ihm!! „Leier und Schwert“ erschien zuerst 1814. Seine dramatischen Arbeiten schwanken zwischen Schiller und Kotzebue und konnten keine eigenthümliche Form gewinnen. Aber Körner’s Gedichte waren das Organ der vaterländischen Jugend dieser Zeit und sind darum eines ihrer edelsten Monumente geworden.“ – Adolph Stahr, der geistvolle Kritiker, bemerkt anläßlich der Besprechung der illustrirten Prachtausgabe von Körner’s „Leyer und Schwert“: „Was Fichte, der gewaltige Denker, der philosophische Begeisterer der Jugend, der „Redner der deutschen Nation“, mit den Blitzen und Donnern seines Geistes in Berlin begonnen hatte: die deutsche Jugend zum Kampfe auf Leben und Tod, zum Kampfe für Nationalität und Freiheit zu entflammen, zu einem Kampfe des „wahren Krieges“, der keinen Vertrag, keine Versöhnung kennen sollte vor dem vollständigen, entschiedenen, niederwerfenden Siege über die Tyrannen und die Tyrannei: das setzte der jugendliche Dichter, der Sänger des Zriny, der von Wien auf den ersten Hornruf des Kampfes herbeieilte zu der Jünglingsschaar der schwarzen Jäger, sich zur Aufgabe seines Sanges, das schmetterte sein Lied in immer stärker, feuriger, begeisterter anschwellenden Klängen und Weisen in die Herzen der Nation, so weit die deutsche Zunge klang. ... Ein deutscher König hat ihm nachgesungen: „daß Throne stürzen, Throne entstehen werden, aber Körner’s Ruhm bestehen wird, bis die deutsche Zunge vergeht. Die deutsche Jugend aber soll ihr Herz mit seinem Sinne erfüllen, und bei dem Klange seiner ewig jungen Lieder das Gelübde sich ablegen, das er einst gethan und gehalten, das Gelübde: wenn die Stunde des Kampfes ruft, Alles zu verlassen und der Freiheit nachzufolgen.“ – Der mit Chiffre T. bezeichnete Kritiker der von Adolph Wolff besorgten Gesammtausgabe von Körner’s Werken bemerkt treffend: „Körner ist zu einer Art von Idealfigur für die deutsche Jugend geworden, zu einer Figur, in der sich der Idealismus dieser Jugend herrlich verkörpert darstellt. Körner repräsentirt in sich vereinigt die höchsten Ziele ihres Strebens und ihrer Verehrung; es liegt etwas Achilleisches in ihm und er erscheint nicht nur als der Tyrtäus, sondern gleichsam auch als der Achilles der Freiheitskriege. Die Lyrik von „Leyer und Schwert“ ist – und darauf beruht ihre eigenthümliche literargeschichtliche Bedeutung – die erste neuere deutsche Lyrik, welche Volkspoesie geworden. Sie hat in dieser Beziehung nur einmal, aber eben in einer weit älteren Epoche, eine Vorgängerin gehabt, und zwar in einer Poesie, die gleichfalls als der Ausfluß eines gewaltigen Kampfes in die Welt getreten, in dem protestantischen Kirchenliede. Was in der Zwischenzeit auf Grund einer allgemeinen Bewegung der Gemüther – wie z. B. die Lieder des „preußischen Grenadiers“ – gedichtet worden, hat keine derartige Popularität gewonnen. ... Auch muß man nicht vergessen, in Anschlag zu bringen, daß noch ein beträchtlicher Theil der Mitlebenden in einer unmittelbar zeitgenössischen Beziehung zu den Kriegsjahren von 1813 bis 1815 steht. Die Erinnerung hat noch Fleisch und Blut; das Echo der großen Weltbegebenheiten ist noch nicht verschollen und mit ihm tönen auch noch die Gesänge Körner’s fort. Könnte man doch sogar in der erneuerten Bedeutung der Napoleoniden einen Punct entdecken, welcher dem Interesse für Körner zu Gute kommt.“
[264] XIII. b) Andere literarische Nachweisungen. Die Gartenlaube (Leipzig, Ernst Keil’s Verlag, gr. 4°.) 1863, S. 116: „Theodor Körner’s Leier und Schwert“. Nach ungedruckten Privatmittheilungen zweier Zeitgenossen Körner’s [mit einem Holzschnitte von Illner, „Körner’s Fahrt von Zschocher nach Leipzig“ darstellend. Im obigen Aufsatze wird die Entstehung von Körner’s 12 Dichtungen, welche später sein Vater unter dem Titel: „Leier und Schwert“ herausgab. und seine Verwundung in Kitzen am 17. Juni 1813 erzählt]. – Gottschall (Rudolph), Die deutsche Nationalliteratur in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts (Breslau 1861, Trewendt). Zweite verm. Aufl. Bd. I, S. 177 u. f.: Körner als Dichter; S. 175: Gegensatz zu Hölderlin; S. 179: Trauerspiele; S. 180: Lyrik; S. 183: Arndt und Körner; S. 415 und Bd. II, S. 91: Kleist und Körner; Bd. III, S. 32: Rückert und Körner; S. 160: Körner, Hölty, Max Waldau. – Kurz (Heinrich), Geschichte der deutschen Literatur mit ausgewählten Stücken aus den Werken der vorzüglichsten Schriftsteller (Leipzig 1859, Teubner, schm. 4°.) Bd. III, S. 197 b: Körner’s Leben [mit Holzschnitt]; 198 d: über seine Kriegslieder; 296 b: über seine Balladen; 389 b: über seine Dramen; 522 a: über seine Erzählungen. – Schenckel (J. Dr.), Deutsche Dichterhalle des neunzehnten Jahrhunderts (Mainz 1851, Kunze, 8°.) Bd. II, S. 101 bis 118. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1863, Nr. 241: K. Gutzkow’s Denkrede auf Th. Körner. Gehalten bei der Körnerfeier in Dresden am 26. August 1863. – Pröhle (Heinrich), Kriegsdichter des siebenjährigen Krieges und der Freiheitskriege (Altona 1863, Mayer, 8°.) [behandelt neben dem „dichtenden Grenadier“ Gleim, wie sich von selbst versteht, auch den Sänger Theodor Körner. Besonders scharfsinnig und zutreffend ist die Unterscheidung, welche Pröhle zwischen „Soldatenliedern“ und „Kriegsliedern“ macht, die in der That, wie er bemerkt, ebenso verschieden sind, wie Soldaten und Lieder]. – Die von Hoffmann von Fallersleben herausgegebenen „Findlinge. Zur Geschichte deutscher Sprache und Dichtung“, vier Hefte (Leipzig 1859, Engelmann, gr. 8°.), enthalten manche literarische Reliquien Körner’s, und zwar S. 58: einen Stammbuchvers (geschrieben am 15. April 1813); S. 141: ein Gedicht „an den Frühling“, aus der Urkundensammlung des Licentiaten Schneider zu Berlin, welches in die Gesammtausgaben von Körner’s Werken sich nur in ganz verstümmelter Weise findet; S. 142: ein „Stammbuchblatt vom 16. April 1811“ (im Besitze des Herrn Richard Zeune in Berlin) und ein „Studentenlied“, aus Körner’s handschriftlichem Nachlasse, und S. 265 das jetzt in einer Privatsammlung befindliche Gedicht. „Der holden Geberin“. Andere literarische Reliquien Körner’s finden sich in den Taschenbüchern Urania und Penelope, und zwar in der Urania für 1810 (Amsterdam, F. A. Brockhaus, S. 132: „Der Schreckenstein und der Elbstrom“ (was rauschest du ewig mit Hunger, Fluth) S. 220: „Amphiaraos“ (vor Thebens siebenfach); – in der Penelope, Taschenbuch für 1812, herausgegeben von Th. Hell, S. 20: „Die Harfe. Ein Beitrag zum Geisterglauben“. Novelette – und in demselben für 1813: „Die Nacht in der Portechaise“. – Chateaubriand im 7. Bande seiner „Memoiren“ gedenkt auch Körner’s und seiner Kameraden. Treffend bemerkt er von Körner: „Körner kannte nur eine Furcht, nämlich die, vielleicht prosaisch zu sterben. „Poesie, Poesie, rief er aus, gib mir den Tod beim Lichte des Tages“. Auch hat Chateaubriand Körner’s „Schwertlied“ in’s Französische übersetzt. Aber diese schleppende Uebersetzung ohne Enthusiasmus ist nicht als gelungen zu bezeichnen.
XIII. c) Uebersetzungen von Körner’s Dichtungen. Was die Uebertragungen Körner’s in fremde Sprachen betrifft, so ist der Gedichte, welche in’s Englische übersetzt wurden, und im Anhange der Streckfuß’schen Ausgabe der „Gesammtwerke Körner’s“ sich befinden, schon gedacht worden. An anderen Uebersetzungen sind noch anzuführen: Melpomene. Theodor Körner’s udvalgte Soergespiel, metrisk oversatte af Cosp. Joh. Boye (Kopenhagen 1816, 8°.). – Toni. Drama i 3 Acter af Körner oversat af Pauline Clausen (Kopenhagen 1826, 8°.). – Fiskerpigen, eller Had og Kierlighed Et Svngestykke as Theodor Körner, oversat af Niels Henrich Weinwich (Kopenhagen 1820). [Uebersetzung seines Singstückes „Das Fischermädchen oder Haß und Liebe“.] – Mathilde ou la Fiancèe du Kinast; ballade imitée (de l’allemand) de Koerner (Paris s. d. [1827], Pélicier, 18°.) [die erste Auflage dieser Uebersetzung wurde nur in 10 Exempl. gemacht; es wurde noch im nämlichen Jahre eine zweite Auflage veranstaltet]. – Ballades allemandes tirées [265] de Burger, Koerner et Kosegarten et publiées par Ferd. Flocon. (Paris 1827, 18°.) [die Uebersetzung ist in Prosa!].
XIV. Körner in der Tonkunst. Karl Maria von Weber, Leier und Schwert. Für Pianoforte (Berlin 1814). [Gutzkow in seiner „Denkrede auf Theodor Körner“ bemerkt von diesen herrlichen Compositionen Weber’s, „daß diese Lieder wiederum in Dresden zum zweiten Male wie neu geschaffen wurden durch den melodienreichen großen Tonmeister, dessen Standbild in Dresden aus Rietschel’s Meisterhand sich erhebt, Karl Maria von Weber“]. – Die Gartenlaube (Leipzig, Ernst Keil’s Verlag, gr. 4°.) Jahrgang 1863, S. 600: „Wie und wo Körner’s „Leyer und Schwert“ von C. M. v. Weber componirt wurde“. Von M. M. v. Weber. [Die Composition der einzelnen Lieder fällt nach Weber’s von seinem Sohne mitgetheilten brieflichen Aufzeichnungen in die Zeit vom 13. September bis Ende November 1815, u. z. wie er aus dem Schlosse Tonna an seine Braut Karoline Brandt schreibt: „den 13. (Sept.) componirte ich zwei neue Lieder“ („Lützow’s wilde Jagd“ und „Schwertlied“)) dann, nachdem er am 21. in Altenburg eintraf, wurde hier das prachtvolle dritte Körner’sche Lied von Leier und Schwert: „Männer und Buben“ niedergeschrieben. Nach Prag zurückgekehrt, wo er am 25. anlangte, ließ er diesem am 19. October das „Trinklied vor der Schlacht“, am 20. October das „Reiterlied“, am 19. November das „Gebet vor der Schlacht“, am 19. Nov. das „Gebet während der Schlacht“, am 20. Nov. den „Abschied vom Leben“. und gleich darauf den „Trost“ und „Mein Vaterland“ folgen.] – Bornhardt (J. H.), Gedichte von Körner für die Guitarre (Braunschweig 1814) [enthält: Gebet während der Schlacht. Für Guitarre (Braunschweig 1814); – für Pianoforte: Lützow’s Jagd – Schwertlied – Mein Vaterland – Abschied von Wien – An die Königin Louise – Die Eichen – Abschied vom Leben – Mißmuth, als ich die Ufer der Elbe (bei Schandau) bewachte – Bundeslied vor der Schlacht]. – Himmel (F.), Gebet während der Schlacht. Hamburg 1814, für Clavier und Guitarre (Bonn 1814). – Methfessel (Albert), Lieder von Theodor Körner mit Begleitung des Pianoforte oder der Guitarre (Dresden 1810, Hilscher, Fol.). – Noak (Fr.), Abschied vom Leben. Für eine Singstimme und Pianoforte (Leipzig 1814). – Die Operette „Die Bergknappen“ ist von K. F. L. Hellwig (geb. 1773, gest. 24. Nov. 1838), Dom-Musikdirector in Berlin, componirt und im Jahre 1820 zu Berlin und Dresden aufgeführt worden. – Es war mir nicht möglich, die zahlreichen Compositionen zu Körner’s Liedern vollständig aufzufinden. Ein tüchtiger Gewährsmann aber, Hoffmann von Fallersleben, gibt einen treffenden Fingerzeig jener Compositionen von Körner’s Gedichten, welche volksthümlich geworden. Diese mögen also hier stehen: „Abend wird’s, des Tages Stimmen schweigen“, Melodie von Fr. Silcher; – „Ahnungsgrauend, todesmuthig“, Melodie von Bornhardt; – „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“, Melodie von K. M. v. Weber; – „Du Schwert an meiner Linken“, Melodie von K. M. v. Weber; – „Es blinken drei freundliche Sterne“, Melodie nach Kotzebue’s: Es kann ja; – „Frisch auf, frisch auf mit raschem Flug“, Melodie von K. M. v. Weber; – „Frisch auf, mein Volk, die Flammenzeichen“, Melodie von Bornhardt; – „Herz laß dich nicht zerspalten“, Melodie von Karl Mar. v. Weber; – „Vater ich rufe dich“, Melodie von Himmel; – „Was glänzt dort vom Walde“, Melodie von K. M. v. Weber; – „Was ist der Sängers Vaterland“, von K. M. v. Weber. – Zum Schlusse sei noch der in Adolph Bäuerle’s „Theater-Zeitung“ (Wien, kl. Fol.) 1853, Nr. 71, enthaltenen nicht uninteressanten Notiz gedacht, welcher zufolge Körner auf die Melodie der jetzigen französischen Volkshymne: „Partaut pour la Syrie“, sein schönes Lied: „Der treue Tod“, gedichtet haben soll.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Mitterweile.
  2. Vorlage: Greier.
  3. Vorlage: 1863.