BLKÖ:Kurländer, Franz August von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kurka, Franz Adalbert
Band: 13 (1865), ab Seite: 418. (Quelle)
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Kurländer, Franz August von[BN 1] (dramatischer Dichter, geb. zu Wien im Jahre 1777, gest. ebenda 4. September 1836). Beendete die Studien in Wien, worauf er im Jahre 1800 bei dem niederösterreichischen Landrechte als Auscultant eintrat, im Jahre 1800 daselbst Rathsprotokollist und 1811 Secretär wurde. So weit K.’s amtliche Laufbahn[WS 1]; für dieses Werk gewinnt er aber als Begründer des auch nach ihm benannten Kurländer’schen „Dramatischen Almanaches“ einige Bedeutung. Derselbe erschien zuerst unter dem Titel: „Almanach dramatischer Spiele für Gesellschafts-Theater“ (Wien 1811–1815, bei Geistinger; 1819 Wallishausser, 12°.), welchen nur die Jahrgange 1–8 führen; vom 9. Jahrgange erscheint er als „Dramatischer Almanach“ und zwar bis zum 27. Jahrgange (1837) von Kurländer, vom 28. bis 31. Jahrg. (1838–1841) von C. W. Koch [s. d. Bd. XII, S. 192] herausgegeben. Die vom 1. bis zum 27. Jahrgange im Almanache enthaltenen Lust- und Schauspiele schrieb K. alle selbst oder bearbeitete sie frei nach fremden Originalen, ohne jedoch immer die Quelle anzugeben. Den eigentlich ästhetischen Maßstab darf man freilich an K.’s Arbeiten nicht anlegen, aber eine geschickte Mache und Bühnenbrauchbarkeit kann man ihnen nicht absprechen. Gehören viele auch in die Gattung der Bagatelle, so gibt es doch andere darunter, in denen der Verfasser einen Anlauf nach Höherem nimmt; aber wenngleich meist nur Schattenrisse von Bildern der flüchtigen Zeit, eines verfehlten sie nicht, in sinniger Weise zu ergötzen. So waren „Der Bräutigam wider Willen“, – „Eine Hütte und sein Herz“, – „Der Oheim als Neffe“, – „Sie ist wahnsinnig“, – „Der junge Huszarenoberst“, – „Der todte Ehemann“, – „Die Heirath aus Vernunft“ u. a. lange Zeit beliebte Stücke, und noch heute entdeckt der Bühnenkundige hinter einer oder der anderen dramatischen Bluette das Kurländer’sche Original. Kayser’s „Bücher-Lexikon“ im Anhangheft „Schauspiele“ und Enslin-Engelmann’s „Bibliothek der schönen Wissenschaften“ im 1. und 2. Bande (1837 und 1846) enthalten eine vollständige Uebersicht aller in den 27 Jahrgängen vorkommenden Stücke. Ueber die Pietätlosigkeit, welche das Grab des Mannes und Schriftstellers, der ein reiches Erbe hinterließ, ohne eine Denktafel ließ und läßt, vergleiche die Quellen.

Pichler (Karoline), Sämmtliche Werke. Aeltere Ausgabe (1839), Bd. 51, S. 273; spätere Ausgabe (1845), Bd. 60, S. 144 u. f. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, B. Fr. Voigt, kl. 8°.) XIV. Jahrg. (1836), S. 560, Nr. 180. – Oesterreichischer Zuschauer, [419] herausgegeben von J. S. Ebersberg (Wien, 8°.) Jahrg. 1836, S. 1145. – Wiener Theater-Zeitung, herausg. von Ad. Bäuerle (Wien, gr. 4°.) Jahrg. 1836, Nr. 181; – dieselbe, Jahrg. 1857, Nr. 163: „Gräber ohne Denkmäler“ [daselbst ist der 8. September 1836 als sein Todestag angegeben. Kurländer hat ein sehr großes Vermögen – man wollte von einer halben Million wissen – hinterlassen; er hat seine nächsten Verwandten zu Universal-Erben eingesetzt; er war ein talentvoller Poet; ein Wohlthäter, von dem Karoline Pichler erzählt, „wie manche seiner Wohlthaten ist durch meine Hand geflossen, wie manche Segnungen habe ich für ihn empfangen!“ und – sein Grab schmückt nicht einmal eine simple Inschrift, die seinen Freunden mittheilte: Hier schlummert der talentvolle Poet, der edle Mensch, der ein Freund und Schätzer der Künste und Wissenschaften, und ein großmüthiger Unterstützer aller Bedrängten war. Vielleicht bringt ein Festarrangeur im Jahre 1877 die Säcularfeier seiner Geburt in Anregung!!]. – Didaskalia (Unterhaltungsbeiblatt des Frankfurter Journals) 1836, Nr. 267: Nekrolog. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. VI, Supplem. S. 528. – Wiener Courier 1857, Feuilleton-Beilage zum Montagblatte Nr. 297: „Das Grab des Lustspieldichters. Eine Allerseelentag-Geschichte. Von Alois Berla. – Frankl (L. A.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) II. Jahrg. (1843), S. 125: „Körner und Kurländer“.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Kurländer, Franz August von [Bd. XIII, S. 418].
    Goedeke, Grundriß u. s. w., wie bei Castelli, Bd. III, S. 812, Nr. 406. [Bd. 28, S. 361.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Laufbahm.