BLKÖ:Tantardini, Antonio

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 43 (1881), ab Seite: 57. (Quelle)
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Tantardini, Antonio (Bildhauer, geb. zu Mailand im Jahre 1829). In der lombardischen Kunstgeschichte ist schon früher ein Bildhauer dieses Namens, Karl Tantardini bekannt, dessen die deutschen Kunstlexika, selbst Nagler nicht gedenken, es wäre denn, daß hinter dessen Carl Antonio Tantardini[WS 1] [Bd. XVIII, S. 102] der in Rede Stehende zu suchen wäre, was dem Herausgeber dieses Lexikons auch nicht unwahrscheinlich vorkommt. Carlo wurde zu Introbbio, dem Hauptorte des Bezirkes Valsassina in der Lombardie, am 20. Mai 1677 geboren und starb, 71 Jahre alt, 1748 zu Rom, wohin er einem Rufe gefolgt war. Der Sohn eines Eisenhändlers, entzog er sich dem Berufe seines Vaters, der ihn dazu zwingen wollte, durch die Flucht, wanderte durch Italien und machte endlich in Turin Halt, wo er die Bildhauerei erlernte. Von seinen zahlreichen Werken nennen wir die neunzehn Statuen auf dem Monte Varallo, eine Madonna, nahezu lebensgroß, welche er der Kirche zum h. Anton in seinem Geburtsorte Introbbio schenkte, eine zweite Madonna zu San Giovanni della Castagna nächst Lecco und mehrere Engelsgestalten für die Pfarrkirche zu Barsio im Valsassina. Ob nun unser Zeitgenoß Antonio Tantardini, zur Zeit der österreichischen Regierung in Mailand geboren, mit dem vorigen Carlo verwandt ist, kann ich nicht sagen; immerhin könnte er dessen Enkel sein. Er bildete sich unter V. Vela in Mailand, und bereits 1852 – also im Alter von 23 Jahren, wenn 1829 richtig sein Geburtsjahr ist – erregte er in der Kunstausstellung der Brera in Mailand Aufsehen mit einer Statue des „Kain“, welcher Gegenstand daselbst gleichzeitig auch von dem Meißel Gaetano Motelli’s [Bd. XIX, Seite 161] behandelt zu sehen war. Seine Büste des Kreuzritters auf einer früheren Ausstellung, auf welcher überdies mehrere Porträtbüsten und Medaillons seines Meißels sich befanden. war nicht sehr gelungen. Anders dagegen steht es mit seiner Statue „Die Badende“, welche er im Auftrage des Conte Gerolamo Feneroli in Brescia gemeißelt und mit der er ein allerliebstes Werk geliefert, das freilich nicht nach der ganz mißlungenen Chromolithographie im „Album Esposizione di belle arti“ (Milano, Canadelli, 4°.) Jahrgang XX beurtheilt werden darf. Später berichteten die [58] Journale, daß diese Statue sich im Besitz der berühmten Tragödin Ristori befinde. Ob eine Copie oder das Original, war nicht bemerkt. Nun häuften sich die Bestellungen bei dem jungen Künstler in rascher Weise. Außer zahlreichen Porträtbüsten schuf er die vier Kindergruppen, die „Jahreszeiten“ vorstellend, im Auftrage des Mailänder Patriziers Giacomo Poldi Pezzoli; – eine andere Kindergruppe in Marmor für einen Brunnen, auf Bestellung des Fürsten Milosch von der Walachei; – „Das Heimweh“ eine Frauenstatue auf Bestellung des Marchese Paolo Rescalli; – „Dante’s Beatrice“ Marmorstatue; – „Dante“ kolossale Marmorbüste; – „Die Eitelkeit“ Marmorstatuette; – „Das Grabdenkmal der Sängerin Pasta“ in Como; – „Der Passionsengel“ für ein Leichendenkmal, im Auftrage eines Herrn A. Gilardi in Zara und „Die Trauer“ für die Gebrüder Jacob in Roveredo, die beiden letzteren zwei der gelungensten Werke des Künstlers, so daß es den Anschein hatte, als wäre seine Stärke in ernsten Stoffen zu suchen, während er doch später sich auch als Meister des Graziösen bewährte. Der ansehnliche Preis von 100.000 Francs, welchen die Stadt Mailand bald nach Cavour’s Tode für ein diesem Staatsmanns zu errichtendes Monument ausschrieb, wurde auf der Nationalausstellung in Florenz 1862 unserem Künstler zuerkannt. Im Frühling 1865 fand die feierliche Enthüllung des vollendeten Werkes statt, an welchem der nicht ganz glückliche Gegensatz von Antike und Modernem zu einem gelungenen Bonmot Anlaß gab. Cavour’s ernste und sonst charakteristische Figur ist nämlich von ziemlich winterlicher und warmer Kleidung umgeben, während die ideale und herrlich aufgefaßte Gestalt der Italia fast ohne Hülle erscheint. Kaum war die Enthüllung vor sich gegangen, als folgendes politisches Epigramm in zahllosen Abschriften circulirte: Trovar del nostro Stato | puoi qui la spiegazione: | ben vestito il ministero | e spoglia la nazione“, deutsch etwa: „Hier sieht man, wie mit Volk und Land | bei uns es ist bestellt | denn der Minister hat’s Gewand | das doch dem Volke fehlt“ |. Von weiteren Arbeiten des Künstlers sind uns bekannt: „Aaron“, „Moses“ zwei überlebensgroße trefflich aufgefaßte Statuen; – „Italien“; – „Faust und Margarethe“ eine reizend componirte Gruppe, von welcher der Künstler zur Ausstellung in Deutschland eine Copie gefertigt hat; – „Arnoldo di Brescia“ kolossale Statue, womit er im Jahre 1865 beschäftigt war, in welchem er auch seine Verwandten in Wien besuchte und zugleich die Monumentalbauten der Residenz besichtigte; – „Der Brief“ eine Marmorstatuette, eine in geschmackvoller Tracht gekleidete Dame vorstellend, welche in die Lectüre eines Briefes vertieft ist, ein ungemein gelungenes Werk, in welchem der treffliche Faltenwurf mit dem meisterhaft ausgeprägten Gesichtsausdruck wetteifert; eine Abbildung dieses Werkes brachten die „Illustrated London News“ vom 19. August 1865, S. 172; – „Die Waisen“ eine Marmorgruppe, abgebildet in der „Leipziger Illustrirten Zeitung“ vom 16. October 1871, Nr. 1476; – auf der Wiener Weltausstellung 1873 war Tantardini in der Kunsthalle Italien außer der schon erwähnten Statue der „Badenden“ noch durch eine Bildsäule aus Spiegelstein, „Die Geschichte“ vorstellend, und durch eine Marmorstatue: „Die Betrachtung“ vertreten. [59] Auf der Berliner Kunstausstellung 1866 wurde er mit der kleinen goldenen Medaille ausgezeichnet. Unser Künstler zählt zu den besten Bildhauern Italiens in der Gegenwart und ist einer der ausgezeichnetsten Schüler Vincenzo Velá’s. Mit wahrer idealer Auffassung verbinden seine Werke Anmuth, Reinheit der Form und eine vollendete Technik in der Bearbeitung des Marmors, in welcher er freilich das künstlerische Maß überschreitet, wenn er in der sonst so graziösen Statue der „Badenden“ das Füßchen im Marmor stecken läßt und den Marmor zu ihren Füßen besonders polirt, um damit das Wasser anzudeuten. Im Jahre 1864 verbreitete sich mit einem Male die Kunde, daß der Künstler seinem Leben ein Ende gemacht habe. Der Selbstmörder war indeß ein Namensvetter und vielleicht auch Verwandter Antonios: der zwanzigjährige Bildhauer Cajo Tantardini, welcher sich im August 1864 aus Liebesgram eine Pistolenkugel durch den Kopf jagte, als er gerade mit der Vollendung einer Büste seiner Geliebten beschäftigt war. Antonio Tantardini, der gegenwärtig im vollen Mannesalter von 51 Jahren steht, lebt als Professor seiner Kunst in Mailand.

La Fama del 1859. Rassegna di scienze, lettere, arti, industria e teatro (Milano, kl. Fol.) Anno XVIII (1859), Nr. 13: „L’angelo dei sepolcri, statua monumentale di Ant. Tantardini“. – Album Esposizione di belle arti (Milano, Canadelli, 4°.) Anno 1852, p. 150; Anno 1853, p. 140; Anno 1858, p. 73. – Gazzetta uffiziale di Milano, 1858, Nr. 230, im Appendice: „Esposizione di belle arti“. Von Rovani.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Carl Antonio Tantarini.