BLKÖ:Terme, Johann Baptist de

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 44 (1882), ab Seite: 6. (Quelle)
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Terme, Johann Baptist de (Propst zu St. Peter in Wien, geb. um 1740, Geburtsort und Sterbejahr unbekannt). Der Sproß einer französischen oder was wahrscheinlicher ist, einer belgischen Familie, kam er um das Jahr 1760 nach Wien, wo er Theologie studirte und von dem Erzbischof Cardinal Migazzi die Priesterweihe empfing. Dieser Kirchenfürst, der zu dieser Zeit noch nicht jene oppositionelle Stellung einnahm, in die er später, als Kaiser Joseph Alleinregent wurde, trat, gewann den jungen geistvollen Priester lieb, empfahl ihn dem hohen Adel der Residenz als Gewissensrath und übertrug ihm den Unterricht der damals in Wien bestandenen französischen Gemeinde. Auch Kaiserin Maria Theresia wendete dem Empfohlenen ihre Huld zu und erwählte ihn zum Beichtvater und Religionslehrer der Erzherzogin, nachmaligen Königin von Frankreich Marie Antoinette, welchen Posten er bis zur Abreise derselben nach Paris behielt. Später, als in Folge der kirchlichen Reformen Kaiser Josephs der Erzbischof Migazzi sich zu dessen Gegnern schlug, verlor Terme, der, statt dem Beispiele des Erzbischofs zu folgen, treu an seinen eigenen Ansichten festhielt, die Gunst seines geistlichen Oberhirten immer mehr und mehr, so daß dieser ihn denselben adeligen Familien, denen er ihn zuvor noch warm empfohlen hatte, jetzt ganz und gar abrieth, ja sie vor ihm warnte, da ihr Gewissen unter seiner Obsorge sich in großer Gefahr befinde. Diese Gegnerschaft des Kirchenfürsten hatte jedoch auf das Fortkommen de Terme’s weiter keinen nachtheiligen Einfluß, denn der Kaiser ernannte denselben – wohl aus eigenem Ermessen, da eine Befürwortung des Erzbischofs unter den obwaltenden Umständen nicht anzunehmen ist – zum Cantor des Erz- und Domstiftes und zum infulirten Prälaten und Propst zu St. Peter in Wien. Die „Biedermanns-Chronik“ charakterisirt Terme als einen „würdigen, gelehrten, vorurtheilsfreien, glatten, freimüthigen, rechtschaffenen Mann, als Freund und Unterstützer der Aufklärung und erklärten Feind der Gleißnerei und Bigotterie“.

Oesterreichische Biedermanns-Chronik. Ein Gegenstück zum Phantasien- und Prediger-Almanach) (Freiheitsburg [Akademie in Linz] 1784, Gebrüder von Redlich, 8°.) S. 200 – oder (Auflage: Freiheitsburg 1785) S. 241.