BLKÖ:Terstenjak, Martin Davorin

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Terschak, Adolph
Band: 44 (1882), ab Seite: 11. (Quelle)
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Terstenjak, Martin Davorin (slovenischer Schriftsteller, geb. im Dorfe Kralovci, Pfarre St. Georg an der Stainz im Marburger Kreise, am 8. November 1817). Zu Radkersburg besuchte er die unteren Schulen und das Gymnasium, letzteres auch in Marburg, und ging 1836 nach Gratz, wo er Philosophie hörte und 1840 in das Seminar eintrat. Nach Empfang der Priesterweihe im Juli 1844 widmete er sich der Seelsorge, zunächst als Caplan in Schleinitz, dann als solcher in Luttenberg, St. Martin und Pettau, in letzterem Orte das Bewegungsjahr 1848 und das folgende verlebend. In gleicher Eigenschaft wurde er von seinem Bischofe Othmar Ritter von Rauscher 1850 auf die windische Vorstadtpfarre in Marburg versetzt und ihm von demselben noch im September d. J. das Lehramt der Religion am Gymnasium dieser Stadt übertragen. Neben diesen Berufsgegenständen supplirte er auch mehrere Jahre die slovenische Sprache, dann Geographie und Geschichte und ertheilte durch sieben Jahre den Präparanden an der dortigen k. k. Haupt- und Realschule Unterricht in der slovenischen Sprache, sowie in der Anschauungs- und Erziehungslehre. 1867 kam er als Pfarrer nach St. Georg bei Rifnik, 1869 als solcher nach St. Martin bei Ponikel, wo er noch im Jahre 1872 seines Amtes waltete. Neben seiner Lehramts- und seelsorgerlichen Thätigkeit, welcher er stets in verdienstlichster Weise oblag, ist noch seines humanitären und schriftstellerischen Wirkens zu gedenken. Während seiner Studien am Seminar zu Gratz legte er den Grund zu einer slovenischen Bibliothek für die Diöcesan-Alumnen seiner Nationalität. Zur Zeit seines Aufenthaltes in Pettau während des Bewegungsjahres 1848 wirkte er als echter Priester des Herrn für Aufrechthaltung der vielfach bedrohten Ordnung, und zugleich in aufopfernder Weise im dortigen Militärspitale, wofür er auch mit dem goldenen Verdienstkreuze ausgezeichnet wurde. Als Religionslehrer in Marburg aber erwarb er sich durch sein humanes hilfreiches Wesen den Ehrentitel eines [12] „Vaters der armen Studenten“. Aber auch seine schriftstellerische Wirksamkeit auf dem noch wenig bebauten Gebiete der slavischen Literatur ist sehr beachtenswerth. Schon während seiner Studienzeit in Gratz verband ihn freundschaftlicher Verkehr mit dem südslavischen Poeten Stanko Vraz, durch welchen besonders er seine sprachwissenschaftlichen Kenntnisse erweiterte und vervollkommnete. In den Jahren 1836–1838 trat er bereits mit poetischen Arbeiten in slovenischer Sprache öffentlich auf; manches davon wurde auch von seinen Freunden ins Deutsche übersetzt und in den Zeitschriften „Ost und West“, „Styria“, „Croatia“ und „Carniolia“ mit der Angabe: „Aus dem Slovenischen“ oder „Aus dem Illyrischen“ von Davorin mitgetheilt. Seine Original-Dichtungen aber ließ er in der „Danica ilyrska“, d. i. Illyrischer Morgenstern, und im „Glasnik dalmatinski“, d. i. Der Dalmatiner Bote, erscheinen. Während seines Aufenthaltes im Seminar bearbeitete er aus dem Deutschen und Französischen mehrere slovenische Andachtsbücher, und in der „Steiermärkischen Zeitschrift“ trat er auch mit einer deutschen Abhandlung auf, welche über das poetische und geistige Leben der Wenden in Steiermark dankenswerthe Aufschlüsse brachte. Zur Zeit seines Gymnasiallehramtes pflegte er das geschichtliche Gebiet, und vor Allem beschäftigte ihn die noch immer strittige Frage: wer die alten Noriker und Pannonier gewesen? In dem aus Anlaß der hundertjährigen Jubelfeier des Bestandes des Gymnasiums von Marburg herausgegebenen Festprogramme veröffentlichte er die Abhandlung: „O božanstvih ognja pri starih Slovanih“, d. i. Von den Feuergöttern der alten Slaven, von der auch ein Separatabdruck erschien und welche Professor I. J. Hanuš in den „Kritischen Blattern für Literatur und Kunst“ gründlich beleuchtete. Wie er zur wissenschaftlichen Erörterung dieser Frage schon früher während eines jahrlangen Aufenthaltes in Agram (1839) mit den südslavischen Dialekten sich vertraut gemacht, so hatte er sein sprachliches Studium auch bereits auf das Sanskrit ausgedehnt, dessen Kenntniß ihn in der Bearbeitung seiner sprachlichen, archäologischen und mythologischen Gegenstände nicht unwesentlich forderte. Manchen Hinweis auf Terstenjak’s Arbeiten, welche nach dieser Richtung seit 1852 in den slovenischen Journalen „Novice“ und „Slovenski Glasnik“ erschienen, gibt das Register von Felix Schaschel im eilften und zwölften Jahrgange (1857) der „Mittheilungen des historischen Vereins für Krain“. Aber auch in deutscher Sprache war unser Gelehrter auf dem vorbezeichneten Gebiete, und zwar in der letztgenannten Nachschrift thätig; so erschienen aus seiner Feder im IX. Jahrgange (1854): „Deus Chartus“ [S. 49 und 57]; – „Ein etymologischer Versuch“ [S. 73], behandelt den Ursprung der Worte Vind und Slav; – im X. Jahrg. (1855): „Ueber die alten Japoden“ [S. 14]; – „Zur Frage der ältesten Bewohner Innerösterreichs“ [S. 75]; – im XII. Jahrg. (1857): „Ueber zwei Wörter der alten Pannonier“ (pannos und bonasus) [S. 55]; – „Deutung der Inschrift: Laburo ex votu sacrum“ [S. 79]; – „Ueber den Gott Jarmogius“ [S. 108]; – „Ueber die Göttinnen Noreja und Adsalluta“ [S. 135 und 139]; – „Ueber die Bedeutung des Namens Aemona“ [S. 150]; – und im XIII. Jahrg. (1858): „Ueber den Gott Latovius“ [S. 1]. Andere Aufsätze in slovenischer Sprache brachte [13] der „Letopis“ der slovenischen „Matice“, und als selbständige Arbeit erschien: „O staroslov. boztvu Triglav“, d. i. Von der altslavischen Gottheit Triglou (Laibach, bei Blasnik). Novellistisches, Correspondenzen und kleinere Mittheilungen seiner Feder finden sich in verschiedenen slovenischen und deutschen Journalen, und humoristische Kleinigkeiten theilte er unter dem Pseudonym Vicko Dragan und Vitomir mit. Terstenjak, der gründliche Kenner der Sitten, Gebräuche und Alterthümer seines Volkes, zählt zu den besten Forschern unter den heutigen Slovenen. Mehrere gelehrte Vereine, u. a. die archäologische Gesellschaft in Moskau, haben ihn unter ihre Mitglieder aufgenommen.

Fest-Programm des k. k. Gymnasiums in Marburg zur Erinnerung an die hundertjährige Jubelfeier dieser Lehranstalt veröffentlicht von der Direction im Jahre 1858 (Marburg 1858, Janschitz, gr. 8°.) S. 114. – Narodne novine, d. i. Volksblatt (Zara, Fol.) 1863, Nr. 230, im Feuilleton:„Kratak pregled slovenske literature“, d. i. Kurzer Ueberblick über die slovenische Literatur [dieser Artikel beginnt im Feuilleton der Nr. 211 und setzt sich bis 239 und noch weiter fort und ist das Ausführlichste, was bisher über die slovenische Literatur veröffentlicht wurde]. – Křižek (Vácslav). Anthologie Jihoslovanské[WS 1], d. i. Südslavische Anthologie (Prag 1863, A. Storch, 8°.) S. 295 und 298. – Hanuš (I. J. Dr.), Kritische Blätter für Literatur und Kunst (Prag und Leipzig 1858, I. L. Kober, gr. 8°.) II. Jahrg. (1858), Bd. III, S. 189 und 283–287.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Anthologie Tihoslovanské.