BLKÖ:Teutsch, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 44 (1882), ab Seite: 91. (Quelle)
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Teutsch, Joseph (Geschichtsforscher, geb. in Kronstadt 28. October 1702, gest. zu Honigberg 13. März 1770). Sein Vater, gleichfalls Joseph mit Vornamen – von den Sachsen Moser genannt – wanderte, Weib und Kind zurücklassend, von Kronstadt aus, um das Apothekergewerbe, welches ihm daselbst wenig Vortheil brachte, anderwärts zu betreiben. Er versuchte sein Glück zunächst in der Walachei, nach einigen Jahren in Constantinopel und endlich zu Galacz in der Moldau, wo er als Apotheker des russischen Consulates im Jahre 1724 starb. Der Sohn hatte indessen das Leinweberhandwerk erlernt und übte es auch schon aus, als er auf briefliche Ermahnungen des Vaters den Entschluß faßte, die Schulen zu besuchen, obgleich er bereits im Alter von 20 Jahren stand. So bezog er denn am 27. October 1722 das Gymnasium in Kronstadt und brachte es bald durch Fleiß und Eifer dahin, daß er als Adjunct an der Bürgerschule daselbst angestellt wurde. Im Juni 1729 begab er sich auf die Universität Halle, wo er, durch Unterricht am Waisenhause der Franke’schen Stiftungen seinen Lebensunterhalt verdienend, den Studien unermüdet oblag. Aber der kümmerliche Erwerb nöthigte ihn im Jahre 1731, eine Hauslehrerstelle bei einem Dorfpfarrer zu Kahren in der Niederlausitz anzunehmen. Nach zweijähriger Wirksamkeit daselbst kehrte er im October 1733 in seine Vaterstadt zurück, wo er im November 1735 die Stelle eines Adjuncten bei der Donatistenclasse und im Jänner 1738 die eines Collega an der deutschen oder Bürgerclasse erhielt. Im October 1749 wurde er Adjunctus Ministerii, im December 1750 wirklicher Ministerialis an der Kronstädter Kathedralkirche. Nach vierjähriger Dienstleistung in dieser Stelle im März 1754 zum Pfarrer nach Nußbach, aber schon im März des nächsten Jahres in gleicher Eigenschaft nach Honigberg berufen, [92] wirkte er hier durch 15 Jahre, bis zu seinem 1770 erfolgten Tode, als Seelenhirt seiner Gemeinde. Als im September 1756 die Pest daselbst ausbrach, übertrug man ihm die Leitung der Pestanstalten, und er führte sie auch mit so glücklichem Erfolge, daß nicht mehr als neun Personen der Seuche zum Opfer fielen. Im Februar 1765 wurde er zugleich mit dem Petersberger Pfarrer Samuel Croner von dem Burzenländer Capitel in Sachen des Zehentprozesses nach Hermannstadt abgeordnet, aber nach erst achttägigem Aufenthalte daselbst von einem Schlaganfalle getroffen, sah er sich genöthigt, in seine Pfarre zurückzukehren, wo er fünf Jahre später starb. Teutsch war ununterbrochen literarisch thätig und hinterließ eine ansehnliche Zahl handschriftlicher Werke historischen, culturhistorischen, sprachlichen und homiletischen Inhalts. Seine Biographen melden leider nicht, wo diese zum Theil noch benutzbaren Arbeiten sich befinden. Wahrscheinlich werden sie in Kronstadt aufbewahrt. Im Buchhandel erschien noch zu seinen Lebzeiten: „Kurzer Auszug der nöthigsten Stücke in der Rechenkunst, welcher die Species von ganzen und gebrochenen Zahlen, desgleichen die Regulam Detri und Regulam Societatis in sich fasst, zum gemeinen Gebrauch der deutschen Classe“ (Kronstadt 1739, Georg Klein, 8°., zweite Auflage ebenda 1755, Christ. Lehmann, 8°.), welches Buch viele Jahre hindurch in den Kronstädter Schulen als Lehrbuch gebraucht wurde. Teutsch hatte sich 1734 mit Rosa geborenen Hedwig vermält. Nachdem er diese Gattin schon im November 1736 durch den Tod verloren, schritt er im Juli 1737 zur zweiten Ehe mit Martha geborenen Tartler, verwitweten Georg Greger.

Trausch (Joseph). Schriftsteller-Lexikon oder biographisch-literarische Denkblätter der Siebenbürger Deutschen (Kronstadt 1871, J. Gött und Sohn, gr. 8°.) Bd. III, S. 388.
Uebersicht der von Joseph Teutsch in Handschrift hinterlassenen Arbeiten. „Angerichtetes Denkmal der k. freien Stadt Kronen in Siebenbürgen, d. i. kurzes Verzeichniß derjenigen Schriften, welche entweder in Kronstadt gedruckt oder auch von Kronen edirt worden, gestellt von – – 1749 m. Mart.“. Der Literarhistoriker Joseph Trausch hat, wie er in seiner Vorrede zu den „Denkblättern“ selbst berichtet, dieses Verzeichniß zu den genannten Denkblättern fleißig benützt und es bis auf die Gegenwart fortgesetzt. – „Richter in Kronstadt in ihrer Gestalt und vorgefallenen Begebenheiten, entworfen von J. T. 1757 im August mit 9 Porträten“. Teutsch fängt die Reihe mit Lucas Hirscher an, der 1235 Richter war, und schließt sie mit Georg Jakel, der diese Würde 1709 verwaltete. Es sind 48 Richter. – „Besondere Nachricht vom Burzenland, 1759. Zum zweiten Mal vom Verfasser ausgearbeitet 1770“; einen Auszug aus dem ersten Buche dieses Manuscriptes mit vielen Berichtigungen, Erweiterungen und eigenen trefflichen Zusätzen hat der Weidenbacher Pfarrer Johann Kleinkauf (gest. 28. December 1811) im vierten Bande der siebenbürgischen Quartalschrift (S. 105 u. f.) geliefert, ferner hat Heinrich Neugeborn die Paragraphe 59–70, 99–122, 132–146, 162–171 und 414–417 unter dem Titel „Culturgeschichtliche Notizen“ in der „Kronstädter Zeitung“ 1868, Nr. 107, 109–111 mitgetheilt. – „Aufgerichtetes Denkmal der verfallenen Burgen und Schlösser im Burzenland 1750, mit fünf Grundrissen und einer Ansicht von Kronstadt; hier sind die Ruinen der meist von Rittern des deutschen Ordens unter der Regierung des Königs Andreas II. errichteten Burgen abgebildet und beschrieben. Wie der Literarhistoriker Siebenbürgens Joseph Trausch bemerkt, kannte Teutsch die Geschichte deutscher Ritter im Burzenlande nicht; erst die späteren Forschungen von Seivert, G. Draudt, Emerich Grafen Bethlen, J. Karl Schuller und Friedrich Philipp haben über dieselben neue Resultate zu Tage gefördert. – „Kurzgefaßte Jahrgeschichte von Siebenbürgen, besonders Burzenland. Mit allem Fleiß aus vielen Autoribus zusammengetragen 1743, Fol.“; reicht bis zum Jahre 1700; hiezu bemerkt [93] Trausch, daß Teutsch außer den gedruckten alten Geschichtsschreibern insbesondere die neueren handschriftlichen Tagebücher seiner alten Kronstädter Landsleute benützt und diese Jahrgeschichte in einem zweiten gleichfalls eigenhändig geschriebenen Exemplar theils vermehrt, theils vom Jahre 1701 bis 1748 fortgesetzt habe. Dieses zweite Exemplar wurde um das Jahr 1798 der ehemaligen philohistorischen Gesellschaft eingesendet, ist aber weder im Original noch in einer Abschrift irgendwo aufzufinden. – „Nachlese zu den kurzgefaßten Jahrgeschichten von Ungarn und Siebenbürgen, 1761“. Fol., die Jahre 1749–1761 enthaltend. – „Historische Zugabe, gesammelt von J. T.“, umfaßt die Jahre 1762 bis 8. Februar 1780, und diese „Zugabe“ wie die „Nachlese“ enthalten viele Ergänzungen obiger „Jahrgeschichte“. – „Die in Kronstadt von 1720 bis ins gegenwärtige 1740. Jahr eingeführten Mißbräuche kürzlich nach den Ursachen und Erfolg aufgezeichnet von J. T., 1740, 9. December“. – „Nachricht von den in Kronstadt abgeschafften Gebräuchen, ertheilt von J. T. 1745“, Fol. Diese in kronstädtisch-sächsischer[WS 1] Sprache verfaßte Schrift ist mit Begleitung deutschen Textes in den „Blättern für Geist, Gemüth und Vaterlandskunde 1839“, Nr. 10 bis 13 abgedruckt. – „Kurze Beschreibung des königlichen freien Dorfes Nußbach 1754“, 23 Folioseiten. – „Kurze Beschreibung des königlich freien Dorfes Honigberg, 1755“, 24 Folioseiten. – „Historische Nebenanmerkungen, zusammengetragen von J. T., 1756“. – „Verzeichniß altdacisch-teutscher Wörter, welche unter den Sachsen in Burzenland noch im Gebrauche sind, gesammelt von... 1756“, 13 Folioseiten; ist eigentlich ein Kronstädter Idiotikon. – „Verzeichniß einiger Schriftsteller, die von Ungarn und Siebenbürgen handeln, 1754“, 14 Folioseiten. – „Wunder der Güte Gottes, an Josepho Teutsch erwiesen, oder kurzer Lebenslauf...“, 11 Folioseiten, reicht bis zum Jahre 1765. – „Thränen meines Volkes, aus den Ursachen derselben gezeigt, 1763“, 29 Folioseiten, enthält viel Historisches und Kirchenhistorisches über das Burzenland. – „Honigberger Hattertbeschreibung, 1764“, 6 Folioseiten. – „Arbeit in Nebenstunden, verfertigt von Josepho Teutsch, z. Z. in Honigberg 1766 und 1767“, 65 Folioseiten, enthält nebst biblischen und legendarischen auch: sonderbare Begebenheiten in Burzenland, Vorstellung wohlfeiler und theurer Zeiten, beide im Kronstädter Kalender „Sächsischer Hausfreund für das Jahr 1855“ S. 100–108 abgedruckt; und merkwürdige Vorfälle einiger der Burzenländischen Geistlichen von der Reformation an. – „Besondere Todesfälle in Burzenland, bemerkt von …“, 1766, 27 Folioseiten. – „Verfallenes Burzenland, vorgestellt 1754..“, 13 Folioseiten. – „Fatales Burzenland nach allen Ständen am Jahre 1756 und 1757“, 18 Folioseiten. – „Alte und neue Bemühungen, die siebenbürgischen Sachsen in der Religion und Freiheiten umzustürzen, gezeigt von …. 1760“, 31 Folioseiten. – „Versuch zu einer speciellen Historie von Burzenland“. Trausch vermuthet darin das schon oben angeführte Manuscript: „Besondere Nachricht u. s. w.“. – „Das listig-gewaltsame Eindringen in den Schafstall 1761“. – „Die erschlichene Herrschsucht eines Geistlichen“. – „Der christliche Jahrmarkt“. – „Christus und der andere Adam“. – „Wohlgemeinte Vorschläge 1732“. Die letztgenannten drei und noch andere Handschriften sind religiös-geistlichen Inhaltes. Obige Uebersicht zeigt deutlich, welches reiche geschichtliche und sittengeschichtliche Material freilich zunächst über die Stätten seines Wirkens im Burzenland und über dieses selbst in seinen Handschriften enthalten und immer noch zu verwerthen ist.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: kronstätisch-sächsischer.