BLKÖ:Thürheim, Joseph Gundakar Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 44 (1882), ab Seite: 300. (Quelle)
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Thürheim, Joseph Gundakar Graf (geschickter Mechaniker, geb. zu Neumarkt in Niederösterreich am 23. Februar 1709, gest. zu Wien am 25. Jänner 1798), der fünftgeborene Sohn Christoph Wilhelms des Aelteren Grafen Thürheim aus dessen Ehe mit Maria Francisca Michaela Gräfin von Kuefstein. Auf der Rückfahrt von Wien nach Linz begriffen, mußten seine Eltern in dem kleinen Dorfe Neumarkt Halt machen, wo er zur Welt kam. Auf einer Reise geboren, war er auch bis in sein hohes Alter äußerst beweglich, ein Freund von Wanderungen, nie längere Zeit an einem Orte verweilend. Nach vollendeten Studien trat er, achtzehn Jahre alt, an der Seite eines Mentors 1727 die zur letzten Ausbildung übliche Reise an, welche drei Jahre dauerte, denn erst 1730, wie sein im Besitze der Familie befindliches Reisejournal ausweist, kam er in die Heimat zurück. Er hatte ganz Italien, Frankreich und alle deutschen Länder kennen gelernt, zu Rom, Paris und in den größeren geistlichen und weltlichen deutschen Residenzen an den Höfen sich vorstellen lassen, zu deren Festen er auch geladen wurde. Im Jahre 1731 dem Staatsdienste sich widmend, ward er kaiserlicher Rath und Landrath in Oberösterreich, sowie Kämmerer Kaiser Karls VI. und kam in der Folge zur niederösterreichischen Regierung in Wien. Nach dem Tode seines Vaters, 1738, erbte er die fürstlich Passau’schen und fürstlich Liechtenstein’schen Reichslehen bei Puchenau und Schwertberg. Nach seiner Vermälung 1745 zog er sich aus dem Staatsdienste zurück, auf das von ihm gekaufte Gut Umblowitz bei Krumau in Böhmen, welches er 1783 wieder verkaufte. Im Jahre 1749 trat ihm seine Mutter die ihr nach dem Erlöschen der oberösterreichischen Linie ihrer Stammfamilie erblich zugefallenen Herrschaften Schwertberg, Windegg und Hartheim ins Eigenthum ab, welchen Besitz er durch das seinem Schwager Max Guidobald Cavriani 1770 abgekaufte Schloß Pragstein bei Mauthausen vermehrte. 1768 bis 1770 ließ er nach einem von ihm selbst genau und sorgfältig entworfenen Plane auf seiner Herrschaft Schwertberg einen großen Park herstellen, dessen Arbeiten er persönlich leitete und überwachte, so daß die jetzt noch bestehenden Parkanlagen zu Schwertberg seine Schöpfung sind. 1777 baute er nächst der Pfarrkirche daselbst eine Familiengruft, welche auch seine letzte Ruhestätte wurde. 1784, bereits ein 75jähriger Greis, begab er sich zu längerem Aufenthalte in die Niederlande, wo er zu Nivelles bei seiner Tochter Therese, welche Stiftsdame dieses einst berühmten Stiftes war, oder bei seinem bereits verehelichten älteren Sohne Joseph Wenzel zu Lüttich, Orbeck und Huy lebte. Er war ein sehr geschickter und passionirter Mechaniker, verfertigte selbst Taschenuhren, und ein von ihm construirtes Clavier befindet sich noch heute im Schlosse zu Weinberg. Die Brabanter Revolution 1790 vertrieb den mehr als 80jährigen Greis aus den Niederlanden. Den Rest seiner Tage ver brachte er zu Schwertberg, das er 1793 seinem Sohne Joseph Wenzel ins Eigenthum übergab, oder zu Wien, wo er, 89 Jahre alt, starb. Bis an sein Lebensende hatte er sich jugendlich heiteren Sinn und bei großer Herzensgüte eine ungemeine Lebhaftigkeit des Temperaments bewahrt. Bereits ein hoher Siebziger, hatte er einen seiner Neffen, einen [301] Schwestersohn, von dem er sich beleidigt wähnte, zum Zweikampfe auf Degen gefordert. Seine Umgebung ließ es nicht zum Aeußersten kommen, und eine reumüthige Abbitte des jüngeren Verwandten beschwichtigte den lebhaften Greis. Joseph Gundakar war seit 24. Jänner 1745 mit Maria Dominica Freiin Hager von Allentsteig, Hofdame der Kaiserin Maria Theresia, vermält. Am 19. Jänner g. J. wurde mit ah. Consens der beiden kaiserlichen Majestäten das Eheversprechen feierlich ausgetauscht und am 24. Jänner in den sogenannten Spiegelzimmern der Hofburg zu Wien in Gegenwart Maria Theresia’s und ihres ganzen Hofstaates die Trauung durch den päpstlichen Nuntius Monsignore Paulucci vollzogen. Maria Dominica (geb. 1721, gest. 3. März 1793) war Sternkreuzordensdame. Eine äußerst thätige und geschäftskundige Frau, verwaltete sie die Herrschaft Schwertberg und sämmtliche Geschäfte ihres Gemals während dessen mehrjährigen Aufenthaltes in den Niederlanden ganz allein, und ihre Energie und Sachkenntniß verstand alle Schwierigkeiten, die sich ihr entgegenstellten, zu überwinden. Die schreckliche Katastrophe des Todes ihres jüngsten Sohnes Norbert [siehe diesen S. 308], über dessen Schicksal sie zwei Jahre in Ungewißheit blieb, untergrub ihre Gesundheit, und die Mutter überlebte die sichere Nachricht von dem Tode ihres Kindes nur noch zwei Jahre. Der achtundvierzigjährigen glücklichen Ehe Joseph Gundakars entsproßten drei Söhne und vier Töchter. Ein Knabe und drei Mädchen starben in zartester Kindheit. Der Sohn Joseph Wenzel, k. k. Kämmerer (geb. 1749, gest. am 21. August 1808), und dieTochter Maria Therese Josepha, Stiftsdame des vormaligen adeligen Damenstiftes zu Nivelles (geb. 1751, gest. zu Wien am 13. Jänner 1835) überlebten ihre Eltern.