BLKÖ:Thürheim, Joseph Ferdinand Ignaz Graf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 44 (1882), ab Seite: 298. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Thürheim, Joseph Ferdinand Ignaz Graf|44|298|}}

Thürheim, Joseph Ferdinand Ignaz Graf (k. k. Rittmeister, geb. am 15. Mai 1794 zu Huy im heutigen Königreiche Belgien, gest. zu Linz am 8. September 1832), war ein Sohn Joseph Wenzels Grafen von Thürheim aus dessen Ehe mit Maria Luise geborenen Gräfin Berghe de Trips. Bei dem am 21. August 1808 erfolgten Hinscheiden des Vaters erst fünfzehn Jahre alt, kam er unter Vormundschaft der Mutter und seines Oheims Franz Freiherrn Hager zu Allentsteig [Bd. VI, S. 90]. Er hatte seine juridischen Studien nahe vollendet, als der kriegerische Patriotismus des Jahres 1813 alle männliche Jugend zu den Waffen rief. So trat denn Joseph am 19. Juni als Lieutenant in das 1. Uhlanen-Regiment, damals Graf Merveld, ein, in welchem er bereits am 15. December in seiner Rangstour zum Oberlieutenant vorrückte. In diesen Officiersgraden machte er die Feldzüge 1813 und 1814 in Innerösterreich und Italien mit, und zwar am 27. August 1813 das Gefecht am Loiblberge und am 27. jenes bei Feistritz, das siegreiche Treffen am 8. September bei Krainburg und den [299] darauf bewirkten Vormarsch gegen Görz; während der weiteren Verfolgung des Feindes gegen Italien im November die Gefechte bei Rozenigo und Bassano, endlich im Februar und März 1814: die Schlacht am Mincio, die Vorpostengefechte bei Mozzecamo und Roverbella, sowie das Treffen am Brückenkopf bei Monzambano. Im Juni rückte sein Regiment in die Friedensstation Debreczin. Nach Ausbruch der Campagne 1815 wurde Oberlieutenant Graf Thürheim während des Marsches nach Frankreich als Ordonnanzofficier in das Hauptquartier des Feldmarschalls Fürsten Schwarzenberg beordert. In dieser Eigenschaft befand er sich auch bei dem feierlichen Einzuge der alliirten Truppen in die französische Hauptstadt, sowie im October im großen Heerlager von Dijon. Während des mehrmonatlichen Aufenthaltes des Armeehauptquartiers zu Paris geschah es, daß eines Abends, als er mit einem höheren Officier aus der Suite des Feldmarschalls Fürsten Schwarzenberg einer Theatervorstellung beiwohnte, die Logenthüre plötzlich von einem alten bonapartistischen Officier aufgerissen wurde, der, einen Schimpf über die österreichische Armee ihnen zurufend, sich ebenso schnell, wie er gekommen, entfernte und im Partere der Loge gegenüber Stand faßte. In das Schauspiel vertieft, mochte der höhere Officier den laut ausgesprochenen Schimpf nicht gehört haben, denn er blieb ruhig auf seinem Sitze. Da entfernte sich Graf Joseph, um den frechen Franzosen zu fordern. Tags darauf schoß er ihm eine Kugel in die Schulter, obgleich er auf dem Kampfplatze die unvortheilhaftere Stellung, nämlich die Sonne im Gesichte, hatte. Wenige Tage nach diesem Vorfalle wurde der patriotische Muth und der hingebende Eifer des erst 21jährigen Officiers in höchst ehrender Weise durch dessen Monarchen Kaiser Franz I. anerkannt, indem derselbe mittels eigenen Handbillets den Grafen zum Rittmeister in dem Seiner Majestät Allerhöchsten Namen führenden 4. Uhlanen-Regimente beförderte. Obgleich, wie bekannt, Kaiser Franz ein Feind aller Duelle war, blieb er von jener Zeit doch dem braven Officier besonders gnädig. Im selben Jahre wurde Graf Joseph Thürheim k. k. Kämmerer und übernahm nach erfolgter Großjährigkeitserklärung die Verwaltung seiner Güter. 1819 quittirte er den Militärdienst unter Beibehalt des Officierscharakters, den er 1823 gänzlich ablegte. Am 7. Juli 1829 wurde er erster Verordneter des altrudolphinischen Herrenstandes. Einem typhösen Fieber erlag er nach achttägigem Krankenlager zu Linz im Alter von 39 Jahren. Am 5. Juni 1816 hatte sich der Graf Joseph mit der Gräfin Leopoldine Starhemberg, Tochter des Ritters des goldenen Vließes Ludwig Fürsten Starhemberg aus dessen Ehe mit Maria Luise Prinzessin von Aremberg, zu Lausanne im Waadtland vermält. Gräfin Leopoldine (geb. 29. December 1793) starb, 27 Jahre ihren Gatten überlebend, zu Linz am 15. November 1859. Sie war Palast- und Sternkreuzordensdame. Aus dieser Ehe stammen zwei Söhne: Ludwig Egbert und Andreas [siehe diese], und zwei Töchter: Maria Leopoldine, Witwe des 1872 verstorbenen Fürsten Camillo Rüdiger Starhemberg, und Therese Leopoldine, Stiftsdame des freiweltlich adeligen Damenstiftes zu Brünn vor ihrer am 1. Februar 1865 geschlossenen Ehe mit dem zu Paris ansässigen Baron Louis de Schwiter; sie ist im Genusse einer von ihrer Tante [300] Luise Gräfin Thürheim gegründeten Stiftung des Brünner Damenstiftes.