BLKÖ:Thaller, Florian

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Thaler, Aurelius
Band: 44 (1882), ab Seite: 134. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Thaller, Florian|44|134|}}

Thaller, Florian (Augustiner-Chorherr, geb. zu Wien 3. August 1810, gest. zu Klosterneuburg 30. December 1863). Am 28. September 1829 trat er in das berühmte Augustiner-Chorherrenstift zu Klosterneuburg ein und legte am 1. November 1832 Profeß ab, seinen Taufnamen Joseph Karl mit dem Klosternamen Florian vertauschend. Am 3. August 1834 empfing er die Priesterweihe, und zunächst im Stifte verwendet, wurde er im Februar 1837 Professor der Kirchengeschichte und des canonischen Rechtes. Nach zwölfjähriger Thätigkeit in dieser Stellung erhielt er am 1. Jänner 1849 die Pfarre Kritzendorf nächst Klosterneuburg. Aber schon am 1. April desselben Jahres ward er vom Erzbischof Milde nach Wien berufen, um den Theologen des erzbischöflichen Alumnates Kirchenrecht vorzutragen. Er trat diesen Posten an, indem er seine Pfarre sich vorbehielt, auf welche er auch am 15. August 1850 zurückkehrte. Am 28. October 1852 als Professor der Kirchengeschichte wieder ins Stift berufen wirkte er in dieser Stellung zugleich als Kanzleidirector und Archivar bis an sein Lebensende. Von früher Jugend zeigte er großes Interesse für Kunst und Wissenschaft und besaß ein besonderes Talent für das Ordnen und Aufstellen mittelalterlicher Denkmale. So war er es, der die Gemäldesammlung des Klosterneuburger Stiftes, welche bis zum Jahre 1835 in großer Unordnung sich befand, regelrecht aufstellte; mit Zuziehung des [135] kaiserlichen Rathes und Conservators A. Camesina, dieses jüngst verstorbenen anerkannten Alterthumsforschers und Kunstkenners, ordnete er die Schatzkammer des Stiftes; ferner überwachte er die Restauration des bekannten Klosterneuburger Stammbaumes und erlebte endlich auch die Erfüllung seines Lieblingswunsches: die bis zu seiner Zeit völlig unbeachtet und unbekannt gebliebenen Gemälde an der Rückseite des Verduner Altares, welche aus den Jahren 1324 bis 1330 stammen, an das Licht gezogen und zweckmäßig hergestellt zu sehen. Obwohl man annehmen sollte, daß ein Gelehrter von der Bedeutung Florian Thaller’s seine Thätigkeit nicht blos auf Vorweisen und Erklärung der Kunstschätze beschränkt, sondern seine Forschungen über die werthvollen Sammlungen des Stiftes auch schriftlich ausgezeichnet, daß er als Professor eines ebenso wichtigen wie anziehenden Gegenstandes, wie es die Kirchengeschichte ist, auch eigene Vorlesehefte niedergeschrieben und überhaupt manche andere Schriften, wenn sie auch nicht in die Oeffentlichkeit drangen, zurückgelassen habe, so gelang es mir trotz aller Bemühungen doch nicht, Aufschluß darüber zu erhalten, und ich muß meine Angaben auf die vorstehenden ziemlich dürftigen Notizen beschränken. Zum Schlusse sei noch angeführt, daß Thaller correspondirendes Mitglied der Centralcommission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale war, und daß in seiner Todesanzeige bemerkt ist: „daß diese Commission an ihm einen tüchtigen Correspondenten verloren habe“, woraus denn auf seine oben erwähnte schriftstellerische Thätigkeit mit Recht geschlossen werden kann.

Mittheilungen der k. k. Centralcommission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale (Wien, 4°.) IX. Jahrg. (1864), März- und April-Heft.