BLKÖ:Thaller, Franz (Christian)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 44 (1882), ab Seite: 135. (Quelle)
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Thaler, auch Thaller, Franz (Christian) (Bildhauer, geb. zu Wörgl in Tirol 8. Juli 1759, gest. in Wien am 25. April 1817). In seiner Kunst herangebildet von Franz Sales Nißl [Bd. XX, S. 371 ] in Fügen, ging er 1782 nach Augsburg, wo er unter Verhelst meißelnd, an der Akademie die ersten Preise gewann. Hierauf begab er sich nach München, arbeitete daselbst zwei Jahre bei Johann Prezner und kehrte dann nach Fügen zurück, um seinem früheren Lehrer Nißl bei den Arbeiten für die Kirche in Viecht hilfreiche Hand zu leisten. Erst im Jahre 1786 kam er nach Wien, wo er die Bildhauerschule der k. k. Akademie der bildenden Künste besuchte und 1792 den großen akademischen Preis erlangte. Am 8. Juli 1802 am k. k. Münz- und Antikencabinet als Cabinetsdiener mit einem Jahresgehalte von 400 fl. aufgenommen, erhielt er zwei Jahre später, am 9. Februar 1804, auf Vorschlag des Directors Neumann den Charakter eines k. k. Antikencabinets-Bildhauers. Da er, wie es in einem Decrete heißt, „als Tausendkünstler und sehr geschickter Bildhauer mit Restaurirung beschädigter Monumente, mit häufigen anderen Kunstarbeiten für das Antikencabinet alle Hände vollauf zu thun“ hatte, so wurde an seiner Statt ein anderer Cabinetsdiener beigestellt. Während des Wiener Congresses 1815 modellirte er in Gyps die Büsten des Kaisers Franz I., der Kaiserin Ludovica, des Kaisers von Rußland Alexander I., des Königs von Dänemark Friedrich VI., des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm III., des Königs von Bayern Maximilian Joseph, [136] der Königin von Bayern Friederike, des Königs von Württemberg Friedrich Wilhelm Karl, der Kronprinzessin von Württemberg Katharina, des Kronprinzen von Württemberg Friedrich Wilhelm, des Großherzogs von Sachsen-Weimar Karl August, der Erbprinzessin von Sachsen-Weimar Marie, des Großherzogs von Baden Karl Ludwig und des Herzogs von Wellington. Diese Büsten waren zuerst im Sommerpalaste des Kaisers Franz I. in der Ungargasse und dann in der Jahresausstellung bei St. Anna 1816 zu sehen. Von sonstigen Arbeiten unseres Künstlers sind noch anzuführen: „Diomedes mit dem geraubten Palladium“. 3 Fuß hoch, in Gyps ausgeführt und 1792 mit dem großen Preise ausgezeichnet; – eine 1794 vollendete lebensgroße Gypsbüste des Kaisers Franz, die sich durch große Aehnlichkeit auszeichnete und an welcher mittels der über die Brust gelegten Draperie die verborgene Silhouette Ihrer Majestät der Kaiserin besonders kunstreich angebracht war; den ersten Abguß dieses Werkes nahm der Kaiser selbst dem Künstler ab; – ein Medaillon in Metall mit den lebensgroßen Bildnissen der Königin Caroline von Neapel und ihrer Kinder, welches im Schlosse zu Schönbrunn aufgestellt wurde; – ein „h. Christoph“. wie die Berichte über den Künstler melden: am Eckhause gegenüber der Rathhauskirche in Wien, worunter wohl eine der zwei gegen die Wipplinger- und Salvatorgasse gerichteten Salvatorcapellen gemeint sein dürfte; – im Landschaftsgebäude zu Innsbruck in Gyps die Porträte des Kaisers Franz und des Erzherzogs Karl in Lebensgröße; – das Bildniß des landschaftlichen General-Referenten Barons von Reinhart, gleichfalls in Lebensgröße. Ueberdies bossirte er viele Bildnisse in nach der Natur gefärbtem Wachs, welche sehr ähnlich befunden wurden, und die „Krönung Christi“ in der Klosterkirche zu Viecht ist größtentheils sein Werk. Thaler, welcher sich erst im vorgerückteren Alter verheiratet hatte, starb am Milzbrande in mittellosen Verhältnissen, und sein Töchterlein wurde von dem Bildhauer Johann Pacholik, seinem Nachfolger als Cabinetsdiener im k. k. Münz- und Antikencabinete, an Kindesstatt angenommen und erzogen, bis es im Jahre 1818 auf kaiserlichen Befehl im Civil-Mädchenpensionat Aufnahme fand. Hier sei noch bemerkt, daß nach Thaler’s Ableben Kaiser Franz am 15. December 1817 den Befehl erließ, daß in Hinkunft im Münz- und Antikencabinete ein besoldeter Zeichner und Kupferstecher mit einem Gehalte von jährlichen 500 fl. nebst 30 fl. Quartiergeld und ein Bildhauer ad honores anzustellen sei.

(Leman). Tirolisches Künstler-Lexikon oder kurze Lebensbeschreibung jener Künstler, welche geborene Tiroler waren oder eine längere Zeit in Tirol sich aufgehalten haben (Innsbruck 1830, Felic. Rauch, 8°.) S. 248. – Der Bote von Tirol und Vorarlberg (Innsbruck) 1823, S. 32 und 36.