BLKÖ:Thavonat von Thavon, Ignaz Ferdinand

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Thausing, Moriz
Band: 44 (1882), ab Seite: 185. (Quelle)
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Thavonat von Thavon, Ignaz Ferdinand (Hofkammer- und Banco-Deputationsrath, lebte in der zweiten Hälfte des siebzehnten und in der ersten des achtzehnten Jahrhunderts). Es ist jedenfalls sehr bemerkenswerth und bedauerlich, daß über diesen großen Wohltäter des Wiener Invalidenhauses alle näheren Angaben fehlen. Wir wissen von ihm, daß er ein Sohn Jacob Thavonat’s, niederösterreichischen Regimentskanzlers unter Kaiser Leopold I., war, und daß er am 16. Februar 1720 dem Wiener Großarmen- und Invalidenhause in der Alsergasse ein Capital von 600.000 fl. mit der Bestimmung widmete, daß die entfallenden Interessen zur Verpflegung von 600 invaliden Soldaten zu verwenden und das Gebäude (das heutige allgemeine Krankenhaus) diesem entsprechend zu erweitern sei. Es wurde nun der schon früher begonnene Bau des zweiten Hofes mit den durch Zwischentracte gebildeten zwei Seitenhöfen des heutigen allgemeinen Krankenhauses und der des linken Seiten- und Querflügels der dritten an den Leichenhof stoßenden Gruppe ausgeführt. Die Regierung ratificirte im Jahre 1729 den Stiftbrief und verfügte zugleich daß jeder der Thavonat’schen Stiftlinge täglich neun Kreuzer zu erhalten und die Verwaltung hiervon zwei Kreuzer in Abzug zu bringen habe, wofür die Invaliden alle drei Jahre neu und gleichmäßig zu bekleiden seien. Ueber den gegenwärtigen Bestand der Stiftung suchen wir in dem unten angeführten Werke des Wiener Stadtarchivars Karl Weiß vergebens Aufschluß. Es scheint, daß die Interessen derselben für eine Anzahl Freiplätze im Wiener Invalidenhause verwendet werden, und die damit Betheilten tragen noch heute den Thavonat’schen Wappensperber auf einem Messingschilde an der Brust. Mit Testament vom 8. December 1725 stiftete der in Rede Stehende ferner ein Familienfideicommiß, bestehend aus der Herrschaft Sachsengang im Marchfelde bei Wien. So oft im Laufe der Zeiten ein Agnat aus dem reichsritterlichen Zweige der Familie zum Besitze des Fideicommisses gelangte, wurde er mit seinen directen Nachkommen in den freiherrlichen Stand erhoben. Bei allfälligem Aussterben des freiherrlichen Zweiges der Familie sollte die ritterliche Linie zur Succession in das Fideicommiß berufen werden. Thatsächlich starb im Jahre 1827 der erstere aus, und es folgte nun darin aus dem Hauptzweige der letzteren Thomas Balthasar, ältester Sohn des Thomas Johann, mit welchem die angeschlossene Stammtafel anhebt. Ueber den heutigen Stand der reichsfreiherrlichen Linie der Thavonat geben die genealogischen Taschenbücher keinen Aufschluß.

Weiß (Karl). Geschichte der öffentlichen Anstalten, Fonde und Stiftungen für die Armenversorgung in Wien (Wien 1867, 8°.) S. 113 und 120.