BLKÖ:Tolomei, Giampaolo

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Tolomei, Anton
Band: 46 (1882), ab Seite: 31. (Quelle)
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Tolomei, Giampaolo (Rechtsgelehrter, geb. zu Loreggia im Paduanischen am 10. December 1814). Der Sohn Bernhard Tolomei’s aus dessen Ehe mit Brigitta Franchetti, besuchte er die Schulen von 1824 bis 1834 zu Treviso, die Universität zu Padua, auf welcher er 1839 die juridische Doctorwürde erlangte. Während er in letztgenannter Stadt als Advocat prakticirte, wurde er dem kranken Professor Tedeschini als Assistent beigegeben und als solcher mit dem Vortrage der juridisch-politischen Encyklopädie, des Natur- und Privat- und des Criminalrechtes betraut. Nach dem Uebertritte des genannten Gelehrten in den Ruhestand [32] (1844) erhielt er die juridisch-politische Lehrkanzel. Im Jahre 1856, noch ehe Oesterreich im Venetianischen das öffentliche Verfahren in Strafsachen eingeführt hatte, gründete er mit Zustimmung der kaiserlichen Regierung zur Uebung junger Candidaten in der öffentlichen Beredsamkeit eine Accademia dei dibattimenti penali, in welcher bis 1866 manche später zu bedeutendem Namen gelangte Redner und Rechtsgelehrte herangebildet wurden. Als er nach letztgenanntem Jahre diese Anstalt nicht als selbständige Akademie für Candidaten der Doctorwürde aufrecht zu erhalten vermochte, begnügte er sich, die officielle Redekunst als Bestandtheil in seine Vorlesungen aufzunehmen und trug dieselbe als Docent vor. In der Folge fungirte er als Director, dann als Präses der juridischen Facultät 1866–1874, zweimal als Rector magnificus, 1869/70 und 1878/79. Auch wurde er mit vielen ehrenvollen Aufträgen der Regierung, der Gemeinde und Delegation betraut, war Mitglied und Präsident vieler gesetzgebenden Commissionen, vornehmlich jener, welche 1865 mit der Abfassung des Entwurfes für das neue Strafgesetzbuch des Königreichs Italien begann und denselben 1868 vollendete, woran er wesentlichen Antheil hatte. Im Jahre 1876 in die Regierungscommission berufen, unterzog er sich der Prüfung dieses 1874 vom Senate ausgearbeiteten Entwurfes. In der Folge sendete ihn die Stadt Montebelluna als Deputirten in das italienische Parlament. Von seinen Fachschriften nennen wir: „Dissertazione sulla servitù del pascolo invernale delle pecore detta il Pensionatico avuto particolare riguardo alle provincie venete“ (1839, 2. ediz. ampliata 1842); – sein von ihm in Antrag gebrachter Ablösungsmodus bildete die Grundlage für das 1836 von Oesterreich erlassene Gesetz, über welches er noch im nämlichen Jahre im Journal „Eco dei Tribunali“ eine ausführliche Erläuterung veröffentlichte; – „Corso elementare di Diritto naturale o razionale“, tomi 3 (Padova 1849 et s.; 2. edizione in nuovo ordine 1855, 8°.); da dieses Werk bald zu großem Rufe gelangte, wurde es in Neapel, wo man es als Grundlage des juridischen Studiums besonders geeignet hielt, dreimal nachgedruckt; – „Elementi e studii proposti agli scolari sui punti fondamentali della scienza e della legislazione penale, avuto specialmente riguardo al Codice penale austriaco“ (Padova 1863); – „Diritto penale filosofico e positivo austriaco avuto speciale riguardo alle provincie Lombardo-Venete“ (ib. 1866; eine zweite vermehrte und umgearbeitete Auflage 186.); – „Il diritto e la procedura penale esposti analiticamente agli scolari“, Volume I (ibd. 1874); – „Sui reati detti di religione“, im ersten Bande der „.Annali di Giurisprudenza italiana“ (1866/67); – „Lettere a Francesco Carrara“, im „Archivio giuridico“, 1869; – „Due relazioni sui progetti dei 1868 e del 1876“, in den Atti dell’Istituto Veneto“, 1869/76; – „Studii intorno al progetto di codice penale italiano“, in der „Rivista penale“, 1877. – Von seinen übrigen kleineren, meist in Fachschriften abgedruckten Arbeiten gedenken wir noch folgender: „La vera dignità dell’uomo richiede che la libertà si coordini all’autorità“, eine Rede, welche er zur Eröffnung des Studienjahres 1853 an der Hochschule in Padua gehalten; – „Sulle confessioni stragiudiziali“, im „Giornale delle leggi“ (Genua 1872); [33]„Se l’emenda possa essere assunta come unico fondamento e fine della pena?“ (ebd. 1875); – „Sul diritto di querela nei reati di diffamazione, di libello e di ingiurie“, in der „Rivista penale“, 1878; – „Memoria pel congresso internazionale di Stoccolma in risposta al quesito: fino a qual punto il modo di esecuzione delle pene deve essere determinato dalla legge“, in der „Rivista delle discipline carcerarie“, Roma 1876; – „Giuseppe Antonio Dalluschek commemorazionc“, im „Reo dei Tribunali“, 1866; – „Giuseppe Todeschini-Munari, in den „Atti della Accademia Padovana“, 1879. Zuletzt beschäftigte er sich mit einer Uebersetzung der Carolinischen peinlichen Halsgerichtsordnung, von welcher unter dem Titel: „Ordinanza imperiale criminale di Carlo V. detto volgarmente la Carolina confrontata colla vigente legislazione penale dell’Impero Germanico“ im eilften Bande der „Rivista penale“, 1879, die erste Abtheilung erschienen ist.

De Gubernatis (Angelo). Dizionario biografico degli scrittori contemporanei ornato di 346 ritratti (Firenze 1880, successori Le Monnier, gr. 8°.) volume II, p. 1259.