BLKÖ:Tonello Ritter von Stramare, Joseph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 46 (1882), ab Seite: 124. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Tonello Ritter von Stramare, Joseph|46|124|}}

Tonello Ritter von Stramare, Joseph (Schiffbauer, geb. in Venedig [125] im Jahre 1811, gest. am 12. Augusts 1869). Entstammt einer geachteten Venetianer Familie. Schon Tonello’s Großvater war Schiffbauer in Venedig und stand als solcher in großem Ansehen. Aber die politischen Ereignisse, welche, mit der französischen Revolution beginnend, auch die Republik heimsuchten, blieben nicht ohne Einfluß auf seine Unternehmungen, er kam immer mehr und mehr ins Gedränge, bis er schließlich verarmte. Tonello’s Vater Johann Baptist arbeitete sich durch Energie und rastlosen Fleiß wieder empor; er wurde Armeelieferant, machte gewinnreiche Unternehmungen und führte ein Leben ganz auf vornehmem Fuße. Der Aufwand auf seiner Villa Mira ging mit seiner Gastfreundschaft gleichen Schritt. So ward Joseph inmitten der glücklichsten Verhältnisse geboren. Mit einem Male gerieth der Vater durch die Niedertracht eines gewissenlosen Geschäftsfreundes in völlige Armut. Mit seiner Frau Katharina, einer geborenen Salvini, zog er sich nach Prestranek, einem an der Eisenbahn in der Nähe von Adelsberg gelegenen Dörfchen zurück, wo er ungekannt als Bauer in dürftigen Verhältnissen lebte. Der jüngste Sohn Joseph soll in dieser Zeit der Noth einige Zeit als Steinklopfer in Triest, später als Postillon gedient haben. Aber der älteste Sohn Caspar, der noch in den besseren Tagen des Vaters die Marineschule in Venedig besucht hatte, nahm, als er bei Gelegenheit der Errichtung einer Handels- und nautischen Akademie in Triest zum Professor der Schiffsbaukunde an dieser Anstalt ernannt wurde, seine Brüder Dominik, Andreas und Joseph zu sich, und insbesondere Letzterer, der begabteste, machte treffliche Fortschritte. Nach beendetem Lehrcurse legte derselbe die Capitänsprüfung ab, erhielt in kurzer Zeit auch eine Stelle als Handelscapitän und machte als solcher wiederholt Reisen. Der Handel mit Bauholz war damals in Triest noch sehr unbedeutend. Die großartigen Wälder Istriens, welche einst der Republik Venedig das herrliche Schiffbauholz geliefert, lagen in Folge der französischen Invasion gänzlich verwüstet, und die reichen Forste der Steiermark kannte man eben noch zu wenig. Auf diese richteten nun Caspar und Joseph ihr Hauptaugenmerk und begannen einen anfänglich ganz bescheidenen Holzhandel, der aber mit dem Jahre 1848, in welchem die österreichische Kriegsmarine großen Bedarf an Holz hatte, sich unerwartet hob. Doch nicht blos Holz kaufte und verkaufte Joseph, er schickte sich auch an, Schiffe zu bauen und errichtete zu diesem Zwecke eine kleine Werfte in Triest. Da eröffnete ihm das bewegte Jahr 1849 einen umfassenderen Wirkungskreis. Er übernahm den Bau der beiden Dampfcorvetten „Lucia“ und „Volta“ und führte denselben in so gelungener Weise aus, daß sich die Aufmerksamkeit der k. k. österreichischen Kriegsmarine auf den geschickten Schiffbauer richtete. Nach den siegreichen Jahren 1848 und 1849 nahm die kaiserliche Kriegsmarine einen großen Aufschwung, und als Erzherzog Ferdinand Maximilian das Commando derselben erhielt, ließ er Tonello, der sich als Meister seines Faches bewährt hatte, die kräftigste Unterstützung angedeihen. Die Schiffbaukunst in Oesterreich entwickelte sich bald in Achtung gebietender Weise, und daran hatte Tonello den wesentlichsten Antheil. Die kaiserliche Marine verdankte ihm ihre besten Fahrzeuge. Den schon erwähnten zwei Dampfcorvetten „Lucia“ und „Volta“ gesellten sich von seiner Werfte noch die Schraubenfregatten [126] „Adria“ und „Donau“, dann das Linienschiff „Kaiser“, neunzehn Kanonenboote und fünf Panzerfregatten hinzu. Da durch seine Schiffbauten der Stadt Triest selbst ein großer Nutzen erwuchs, verlieh ihm dieselbe im Juli 1862 das Ehrenbürgerrecht. Bemerkenswerth ist bei dieser Auszeichnung, daß sie auf große Opposition im Stadtrathe stieß, daß die Stadträthe in der einst so gut österreichischen Stadt Triest, welche dem Hause Habsburg Alles, was sie heute ist. verdankt, nicht vor Scham errötheten, als man einer revolutionären Partei zu Liebe der Verdienste Tonello’s um die kaiserliche Kriegsmarine mit keinem Worte gedachte.. Freilich besaß der berühmte Schiffbauer noch andere schwerwiegende Verdienste um die Stadt: er hatte die Schiffswerfte S. Marco in Triest in ein großartiges Etablissement verwandelt, eine Schule für Schiffszimmerleute gegründet und dadurch Tausenden von Menschen Unterhalt und Erwerb verschafft. Aber nicht allein die kaiserliche Kriegsmarine, auch die österreichische Handelsmarine verdankt ihm vielfache Bereicherung. Schon zu Anfang der Fünfziger-Jahre beschäftigte er sich mit der Idee, dem österreichischen Verkehre mit England, Amerika, Egypten und anderen Ländern durch Herstellung einer großen Anzahl von Waarendampfern von 1500 bis 2000 Tonnen neue, rasche und billige Verbindungen zu eröffnen, fand aber bei den österreichischen Capitalisten, welche es zuließen, daß die ganze mittelländisch-atlantische Linie in die Hände der Liverpooler Gesellschaft gerieth, keinen Anklang. Er sah sich nun genöthigt, die Verwirklichung seiner Idee von günstigerer Zeit zu erwarten. Und was 1852 eine ganze Association nicht auszuführen vermochte, that er 1863 allein auf eigene Rechnung. In diesem Jahre ließ er seine großen Dampfer „Marco Polo“, „Maria Theresia“ und „Rudolph von Habsburg“ die verschiedensten Meere befahren. Auch sonst noch wirkte er sehr verdienstlich. So brachte er die zwischen Muggia und Zaule gelegene sumpfige und daher von bösen Fiebern heimgesuchte Gegend, in welcher ehemals die später aufgelassenen Salinen sich befanden, käuflich an sich und schuf sie mit großem Aufwande von Kosten innerhalb zweier Jahre in Gärten, bebaute Felder und herrliches Wiesenland um. Große Bauten führte er zu Monfalcone, Recoaro, Capodistria aus, an welch letzterem Orte sich sein großartiges Besitzthum befindet, dessen Namen Stramare er bei seiner Erhebung in den erbländischen Ritterstand als Adelsprädicat annahm. Dabei war er seinen Arbeitern ein Vater und zahllosen Dürftigen ein freigebiger Wohlthäter. Noch einmal richtete sich die allgemeine Aufmerksamkeit auf diesen merkwürdigen Self made man, wie die Engländer Jeden, der aus sich selbst sich emporringt, zu nennen pflegen. Es geschah, als nach Tonello’s feierlicher Bestattung am 14. October 1869 das Testament, welches er am 27. Jänner d. J. verfaßt hatte, eröffnet wurde. Laut desselben sollten am Begräbnißtage 2000 fl. an Arme vertheilt, dann dem Armeninstitute von Triest 20.000 fl., jenem von Venedig 10.000 fl., den Armen von Muggia, einem Städtchen in Istrien, 1000 fl., der Gemeinde Recoaro im Venetianischen 1000 fl. nebst einem ansehnlichen Beitrage für die Restauration ihrer Kirche gewidmet werden. In den Rest des auf vier Millionen veranschlagten Vermögens hatten sich die Witwe, ein Sohn und die vier Töchter zu theilen. Ein zweiter Sohn ward mit Angabe der Gründe enterbt, dessen Familie aber gleichzeitig der besonderen Obsorge der Witwe {Seite|127}} empfohlen. – Der ältere Sohn Alois Ritter von Tonello, von seinem Vater für die Schiffsbaukunst ausgebildet, wirkte bei dessen Unternehmungen mit, welche, wie im Vorstehenden berichtet wurde, in der Hebung der österreichischen Kriegs- und Handelsmarine bestanden. In der Folge verließ er Triest und hielt sich längere Zeit in Venedig auf, kehrte jedoch nach dem Tode des Vaters wieder in erstere Stadt zurück, wo er eine kleine Werfte errichtete, aber mit seiner Unternehmung wenig Glück hatte. Im Frühling 1872 begab er sich nach Wien mit; der Absicht, eine Actiengesellschaft für seine Pläne zu gründen. Da wurde er plötzlich von den schwarzen Blattern befallen und starb im Wiener Communalspitale, IV. Bezirk, Karolygasse, an denselben. Er hinterließ eine Witwe, welche einem adeligen Griechengeschlechte in Corfu entstammt.

La Baba (Triester Localblatt, kl. Fol.) Anno VI, 17. ottobre 1869, Nr. 39: „Necrologia. Il Commendatore Giuseppe Tonello“. Dell’avvocato Dr. Generini. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber) 1863, Nr. 1033, S. 260: „Joseph Tonello und seine Schiffsbauten“. [Mit der Abbildung: „Der Dampfer „„Marco Polo““ auf der Werft des Ritters Tonello in Triest“. Holzschnitt nach einer Zeichnung von E. Haase.] – Triester Zeitung, XIV. Jahrg., 4. October 1864, Nr. 226: „Das Tonello’sche Schiffsbauunternehmen“. – Neue Freie Presse (Wiener’ polit. Blatt) 1869, Nr. 1845: „Tonello’s Leichenbegängniß und Testament“; Nr. 1846: „Tonello“.