BLKÖ:Tosi, Paolo Conte

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 46 (1882), ab Seite: 223. (Quelle)
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Tosi, Paolo Conte (Kunstsammler, geb. zu Asola, einem ehemals zum Gebiete von Brescia gehörigen lombardischen Städtchen, am 12. März 1775, gest. zu Brescia am 5. Jänner 1842). Die Familie Tosi ist eine in der Kriegsgeschichte Venedigs rühmlichst bekannte. Paolo, ein Sohn des reichen italienischen Edelmannes Ottavian Tosi aus dessen Ehe mit Lucretia geborenen [224] Gräfin Avvogadro, erhielt eine sorgfältige Erziehung, machte seine ersten Studien in Pistoja und bezog dann die Universität Bologna, wo er aus den Rechtswissenschaften die Doctorwürde erlangte. Hierauf unternahm er Reisen durch sein Vaterland, auf denen er bei seiner angeborenen Vorliebe für das Schöne sich in die Betrachtung der Kunstwecke vertiefte, welche sich in Florenz, Rom, Neapel und den anderen Städten der Halbinsel in reicher Anzahl seinen Blicken darboten. Nach dem Tode seines Vaters, dessen reiche Hinterlassenschaft er erbte, trat nun diese Kunstliebe erst recht deutlich zu Tage, indem er mit großem Eifer Gemälde, Kupferstiche und kostbare Druckwerke ankaufte. Bald zählte seine Sammlung von Bildern alter und neuer Meister und sonstigen Kunstwerken zu den gewähltesten und reichsten Privatsammlungen Italiens. Dabei war er ein Freund der schönen Literatur, welcher er als Dilettant selbstschaffend huldigte, aber wenn er auch manche schwunghafte Gedichte vollendete, so ließ er doch keines derselben drucken, und es erhielten sich diese Schöpfungen seines Genius nur im Gedächtnisse seiner Freunde. Mit dem Angenehmen verband er aber auch das Nützliche, er liebte die Landwirthschaft und vornehmlich die Seidencultur, worin er als praktischer Züchter Ausgezeichnetes leistete; auf seinen Besitzungen in Sorbara schlug er eine besondere, von so günstigen Erfolgen begleitete Methode in der Pflege ein, daß sie bald nicht nur in der nächsten Umgebung seiner Güter, sondern auch weiter hinaus sich verbreitete. Um öffentliche Staatsämter bewarb er sich nicht, aber wenn es galt, für das Gemeinwohl thätig zu sein, entzog er sich nie den Bürgerpflichten. So versah er die unentgeltlichen Aemter eines Gemeinderathes, des Präsidenten der Queriniana, eines Deputirten des Baucomités der neuen Kathedrale, eines Censors der gelehrten Gesellschaft Ateneo di Brescia, eines Commissärs der öffentlichen Ausgrabungen u. s. w. Ein unvergängliches Andenken schuf er sich aber durch die Anordnung in seinem Testamente, daß die Stadt Brescia als Erbin seiner Pinakothek und Bibliothek dieselben der öffentlichen Benützung übergebe; überdies widmete er die ansehnliche Summe von 72.000 Lire zu wohlthätigen Zwecken. – Conte Paolo hatte sich mit Paolina geborenen Bergonzi vermält, die ihrem Gatten am 3. April 1846 ins Grab nachfolgte. Die edlen Eigenschaften des Herzens und Geistes, welche ihren Gemal auszeichneten, waren auch seiner Gattin eigen, und der Gräfin Tod, mit welchem das Geschlecht Tosi erlosch, wurde tief betrauert. Den reichen Nachlaß erbten die Grafen Zuccheri in Parma, mit der Bedingung, für die Zukunft mit ihrem Namen jenen der Tosi zu verbinden.

Nicolini (Giuseppe). Elogio funebre del conte Paolo Tosi etc. (Brescia 1843, 4°.). [Diese Monographie ist nicht in den Handel gekommen.] – Gambara (Francesco). Cenni intorno alla vita del conte Paolo Tosi (Brescia 1843). – Commentari dell’Ateneo di Brescia per l’anno accademico MDCCCXLII (Brescia 1844, typogr. della Minerva, 8°.) p. 96. – Dieselben per l’anno accad. MDCCCXLIV, p. 177 et sequ.Dieselben per gli anni MDCCCXLV e MDCCCXLVI, p. 183.