BLKÖ:Traunbauer, Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Traunbauer
Band: 47 (1883), ab Seite: 25. (Quelle)
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Traunbauer, Franz (Organist, geb. zu Kirchberg am Wagram in Oesterreich ob der Enns am 24. November 1775, gest. zu Admont am 19. Jänner 1864). Meine Nachforschungen über diesen berühmten, weit über die Grenzen des Ortes seiner Wirksamkeit bekannten Orgelspieler waren von geringen Erfolgen begleitet. Als sein Geburtsort ist im Todtenbeschauzettel Zwettl in Oberösterreich angegeben, in den Matriken der Stadt- und Stiftpfarre daselbst kommt aber sein Name nicht vor. Ferner finden wir sein Alter im Todtenbeschauzettel mit 88, im Sterbebuch mit 89 Jahren zwei Monaten, auf dem Grabsteine mit 92 Jahren angeführt. Obige Angabe des Geburtsjahres, welche wir einer in der „Wiener Musikzeitung“ enthaltenen Notiz des Musikgelehrten Alois Fuchs entnehmen, dürfte derselbe wohl aus Traunbauer’s eigenem Munde haben; das Datum des Todestages aber verdanken wir dem hochwürdigen Herrn P. Florian Kinnast, Rentmeister des Benedictinerstiftes Admont, der uns auf unsere Anfragen freundlichst mittheilte, was er von dem in Rede Stehenden wußte. Traunbauer, der frühzeitig große Neigung für die Munk an den Tag legte, faßte den Entschluß, zu seinem Lebensberufe das Lehramt zu wählen, welches ihm Gelegenheit bot, in seiner Lieblingskunst sich weiter zu bilden. Er hörte daher bei St. Anna in Wien den vorgeschriebenen Lehrcurs und nahm zugleich bei dem berühmten Contrapunctisten Albrechtsberger [Bd. I, S. 12] Unterricht im Generalbaß. Dann trat er 1792 ein Lehramt an der k. k. Haupt- und Musterschule zu Admont in Steiermark an und versah es durch volle 62 Jahre bis 1854; 1794 erhielt er überdies eine Stelle als Organist und [26] blieb in derselben bis 1856, also gleichfalls durch 62 Jahre. Zu Anfang der Fünfziger-Jahre wurde er in Würdigung seiner Doppelwirksamkeit als Lehrer und Organist mit dem silbernen Verdienstkreuze mit der Krone ausgezeichnet. Eine Verletzung und darauf folgende Verkrüppelung der Hand, gegen welches Leiden er im Bade Gastein Hilfe suchte, aber nicht fand, machte seiner Thätigkeit auf der Orgel ein Ende. Später brach er im Winter ein Bein und ging nun bis zu seinem Tode auf Krücken. . Als einst Kaiser Franz I. bei seinem Besuche Admonts Traunbauer die große Chrismanische Orgel meisterhaft spielen hörte, wollte er denselben nach Wien als Hoforganisten berufen. Der Künstler zog es aber vor, in Admont bei seiner Lieblingsorgel zu bleiben. Ob Traunbauer, wie fast zu vermuthen steht, componirte, ist nicht bekannt, Compositionen hat er nicht hinterlassen, und haben solche sich auch im Musikarchiv des Stiftes Admont nicht vorgefunden. Waren welche vorhanden, so läßt seine Eigenart wohl darauf schließen, daß er dieselben verbrannt habe. Ueberhaupt hatte er etwas vom Sonderlinge an sich, war schwer zugänglich, ein verschlossener Mensch, woraus sich auch erklärt, daß über ihn nichts Näheres bekannt ist. Uebrigens war er ein strenger Contrapunctist, und der kurze Nekrolog, den mein verewigter Freund J. von Hoffinger ihm gewidmet hat, hebt mit den Worten an, daß Traunbauer als einer der größten Meister auf dem gewaltigsten aller Instrumente, der Orgel, gerühmt wurde, wie auch von Alois Fuchs, einem Fachkenner, ihm nachgerühmt wird, daß von seinem vortrefflichen Orgelspiele Kenner und Laien entzückt waren, und die schon erwähnte Mittheilung aus der Admonter Stiftsrentei bemerkt, daß Traunbauer’s Präludien auf der Orgel noch heute in gutem Andenken stehen.

Oesterreichische Ehrenhalle. Von Joh. Ritter von Hoffinger. III. Jahrg. (1865), S. 35. – Allgemeine Wiener Musik- Zeitung (4°.) 1843, Nr. 23: „Beiträge zu einer Tonkünstlergeschichte Oesterreichs“. Von Alois Fuchs. – Wiener Zeitung (gr. 4°.) 1864, Nr. 23.