BLKÖ:Tschan, Nicolaus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 48 (1883), ab Seite: 27. (Quelle)
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Tschan, Nicolaus (Forstmann, geb. zu Innsbruck am 10. Februar 1838, gest. auf einem im Wäldercomplex von Paneveggio gelegenen Meierhofe am 4. August 1865). Der Sohn eines Bürgers von Innsbruck, zeigte er in früher Jugend Neigung zum Forstwesen und trat 1855 beim Forstamte daselbst als Zögling ein. Etwas über zwei Jahre stand er dort in der Lehre, dann bezog er die Berg- und Forstakademie in Schemnitz, wo er als außerordentlicher Zuhörer mit solchem Eifer das Studium betrieb, daß er zwei Jahrescurse in einem Jahre beendete und sich bei der Staatsprüfung für selbständige Forstwirthe 1859 ein Zeugniß vorzüglicher Befähigung holte. Hierauf kam er als Forstgehilfe nach Predazzo, dann als Praktikant an das Forstamt Cavalese. In letzterer Stellung verblieb er bis Anfang 1862, worauf seine Ernennung zum Förster in Predazzo erfolgte. Daselbst war Tschan am Morgen des 1. August 1865 auf einem Dienstgange begriffen, als sich durch einen unglücklichen Zufall sein Gewehr entlud und die Kugel ihm unter der rechten Achselhöhle nach vorwärts in die Brust drang. Ein Waldaufseher, der ihn eben wanken sah, eilte ihm zu Hilfe und brachte ihn auf einen nahen Meierhof. Dort gab der Verunglückte ungeachtet der sorgsamsten Pflege und aller ärztlichen Kunst nach vierthalbtägigem Leiden seinen Geist auf. Tschan war ein Forstmann ersten Ranges, die ausgedehnten Forste von Paneveggio liefern schöne Belege seiner regen und schaffenden Wirksamkeit. Sein Dienst ging ihm über Alles, und wie es in dem ihm gewidmeten Nachrufe wörtlich heißt, fand seine übersprudelnde Kraftfülle in seiner beispiellosen, ganz eigentlich und buchstäblich genommen unermüdeten und unter allen Verhältnissen, bei Tag und Nacht, bei Hitze und Kälte, bei Sturm und Wetter immer gleichen ungebrochenen, aufopfernden Thätigkeit ihren Ausdruck. Als 1859 die Wälschen die Tiroler Grenzen beunruhigten, war Tschan einer der Ersten, welche sich der „Förster-Compagnie“ beigesellten und bei Caffaro und am Monte Zuello mit anerkanntem Muthe die Landesgrenzen vertheidigen halfen. Aber noch einer denkwürdigen That wird er gerühmt. Im Jahre 1857 brachte die „Schützen-Zeitung“ und nach ihr eine Unzahl Blätter des In- und Auslandes die Erzählung von einer waghalsigen Adlerjagd, bei welcher ein neunzehnjähriger Forstzögling, an einem Seile über bodenlosem Abgrunde hängend, einen jungen Aar aus dessen Felsenhorste hob und als seltene Beute heimtrug. Diese kühne That ist in der Dichtung und in der Kunst verherrlicht worden. Die bei Hoffmann und Campe in Hamburg unter dem Titel: „Gemmen“ erschienenen erzählenden Dichtungen enthalten in dem Gedichte: „Der Preis einer Arzenei“ den Vorgang in poetischer Weise dargestellt. Und englische wie deutsche illustrirte Blätter führten die Adlerfahrt zwischen Himmel und Erde zum Theile in sehr gelungenen Holzschnitten aus. Der Held der Dichtung und der Zeichnungen aber ist Nicolaus Tschan. Aus seiner mit der Tochter des landschaftlichen Haupteinnehmers Magistrelli in Ala 1862 geschlossenen Ehe überlebte ihn nebst der Gattin ein Kind.

Volks- und Schützen-Zeitung (Innsbruck, 4°.) XX. Jahrg., 11. August 1865, [28] Nr. 96, im ersten Artikel: „Innsbruck 11. August“.