BLKÖ:Uhlíř, Johann Baptist

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Uhlíř, Joseph
Band: 48 (1883), ab Seite: 246. (Quelle)
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Uhlíř, lies: Uhlirz, Johann Baptist (landwirthschaftlicher Schriftsteller, geb. zu Drozdič bei Pardubitz in Böhmen am 16. Mai 1830). Der Sohn des Landwirthes Georg Uhlíř zu Drozdič, besuchte er die Schulen zu Königgrätz und bezog 1841 das polytechnische Institut in Prag, wo er sich zwei Jahre lang vornehmlich praktischen Disciplinen widmete. Hierauf bezog er die höhere landwirthschaftliche Anstalt Liebwerda bei Teschen und verlegte sich daselbst mit solchem Eifer auf das Studium des Ackerbaues und der damit in Verbindung stehenden Zweige, daß er die Aufmerksamkeit des Wirthschaftsrathes A. E. Komers [Bd. XII, S. 400], der damals Director der Ackerbauschule war, auf sich lenkte und ihn dieser zum Assistenten an derselben ernannte. Im Jahre 1858 legte er vor der k. k. Landwirthschaftsgesellschaft in Prag eine landwirthschaftliche Prüfung mit bestem Erfolge ab, und 1860 wurde er Adjunct an der Anstalt zu Liebwerda. Nachdem er sich 1861 einer Concursprüfung für die an derselben erledigte Professur der Landwirthschaft vor der genannten Gesellschaft unterzogen hatte, erhielt er den gedachten Posten. In dieser Stellung veröffentlichte er zahlreiche Fachartikel in čechischen landwirthschaftlichen Zeitschriften, vornehmlich aber in den von Kodym [Bd. XII, S. 201] redigirten „Hospodářské noviny“, d. i. Landwirthschaftliche Zeitung. Von Liebwerda aus wohnte er oft den Versammlungen der verschiedenen in den einzelnen Kreisen Böhmens bestehenden landwirthschaftlichen Vereine bei. Im Jahre 1868 folgte er einem Rufe als Director der landwirthschaftlichen Schule zu Hracholusko bei Raudnitz, welche er zunächst erst organisirte. Zum Vorsitzenden des landwirthschaftlichen Vereines zu Raudnitz erwählt, hielt er nun häufig Vorträge in demselben, vertheilte čechische Bücher unter seine Zöglinge und die Vereinsmitglieder und wirkte so in seiner Richtung auf das ersprießlichste. Auch gab er in Raudnitz in Gemeinschaft mit dem landwirthschaftlichen Lehrer J. Rauvolf, welcher auch Secretär des landwirthschaftlichen Vereines war, das Werk heraus: „Základy rozumného krmeni dobytka a porovnání rozličné pice pro dobytek“, d. i. Grundsätze einer vernünftigen Mästung des Hausviehs und Vergleichung der verschiedenen [247] Futtergattungen für das Vieh. Dann ließ er in des Wirthschaftsrathes Komers Sammelwerke: „Pokrok v rolnictví“, des tüchtigen Landwirths und Declaranten Wenzel Kratochvil Beschreibung einer Musterwirthschaft (Popis vzorného hospodářství) erscheinen. Verschiedene Abhandlungen in deutscher Sprache veröffentlichte er in dem von Komers herausgegebenen „Jahrbuche“. Im Jahre 1867 übernahm er ein Lehramt an der landwirthschaftlichen Schule zu Chrudim, deren Director er gleichzeitig ist. Wie in Hracholusko, so organisirte er nun auch in Chrudim die Anstalt nach dem heutigen Stande der Landwirthschaft, die in neuerer Zeit in Folge des Fortschrittes der Naturwissenschaften einen großartigen Aufschwung genommen hat. Nach seinem Muster traten auch an anderen Orten landwirthschaftliche Vereine ins Leben oder wurden, wenn sie schon vorhanden waren, reorganisirt. Von anderen Schriften, welche Uhlíř durch den Druck veröffentlichte, sind uns bekannt: „Stručné poučení o štěpařství a o pěstování moruší v otázkách a odpovědích“, d. i. Kurze Unterweisung über Maulbeerbaumzucht (Prag 1864, Pospíšil , 16°.); – „Jak lze nejvyšší výnos cukrovky co do množství i co do jakosti docíliti?“, d. i. Wie erzielt man den höchsten Ertrag der Zuckerrübe in Betreff der Quantität und Qualität? (Chrudim 1869); – „Přednáška hospodářská již měl dne 6. května 1869 v Lomnici. Připojeno pojednání: Hnojná hodnota popele Hořenského v Semilsku“, d. i. Landwirthschaftlicher Vortrag vom 6. Mai 1869 in Lomnitz. Abhandlung: Dungwerth der Asche von Hořensko bei Semil (Prag 1870, 8°.). Uhlíř ist Mitglied zahlreicher landwirthschaftlicher Vereine Böhmens, Vorsitzender des Pardubitzer und Vorstandstellvertreter des landwirthschaftlichen Vereines zu Chrudim und Ausschuß des Bienenzuchtvereines daselbst.