BLKÖ:Unterrichter von Rechtenthal, die Freiherren, Genealogie

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 49 (1884), ab Seite: 97. (Quelle)
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I. Zur Genealogie der Freiherren Unterrichter von Rechtenthal. Die Unterrichter gehören seit Schriftgedächtniß zu den freigesessenen Geschlechtern des Ortes Kaltern in der den Bischöfen zu Trient von Kaiser Conrad dem Salier überlassenen Grafschaft Bozen. Die daselbst als Gastaldi, d. i. Richter, von den Bischöfen aus dem Adel bestellten Familien setzten dem Orte wieder Sub-Gastaldi oder Unterrichter vor, und als im Jahre 1415 Herzog Friedrich von Oesterreich-Tirol das Gericht Kaltern von der Kirche zu Trient als Lehen empfing, blieb der durch mehrere Generationen fast ununterbrochen von den Vorvordern des in Rede stehenden Geschlechtes geführte Amtstitel ihren Nachkommen als Familienname eigen. Valentin Unterrichter, Vertreter des vierten Standes der Tiroler Landschaft, erlangte den Wappenbrief am 14. August 1575 (Diplom Kaiser Maximilians II. ddo. Prag). Den Reichsritterstand und erbländisch-österreichischen Ritterstand mit dem Prädicate von Rechtenthal und Wappenverbesserung erhielt mit Diplom Kaiser Karls VI. ddo. Wien 27. November 1722 Christoph Valentin Unterrichter, oberösterreichischer Regierungsadvocat und Viertelsvertreter an der Etsch. Den erbländisch-österreichischen Freiherrenstand brachte mit Diplom ddo. Wien 4. Mai 1839 Franz Unterrichter, [siehe S. 96), zuletzt Präsident des innerösterreichisch-küstenländischen [98] Appellations- und Criminalobergerichts zu Klagenfurt, in die Familie. Die Immatriculirung derselben für Bayern erfolgte am 13. Juli 1855, jene für Tirol in den Achtziger-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Einzelne Sprossen des Geschlechtes werden hie und da genannt, doch fehlt jeder Nachweis über die Stammesfolge, so daß wir ebenso wenig den Astronomen und Naturforscher Joseph Unterrichter, der auch Mitglied des Ordens der Gesellschaft Jesu war, als Johann Christoph von Unterrichter, welcher 1789 die Stelle eines ständischen Generalreferenten bekleidete, in unserer Stammtafel einreihen können. Karl Freiherr von Hock bemerkt in seiner geschichtlichen Studie „Der österreichische Staatsrath“ (1760–1848) S. 174 über den Letztgenannten, „daß er des Dienstes entlassen und bald darauf in Untersuchung gezogen, seine Stelle aber als Abgesandter des Ritterstandes von dem damaligen Gouverneur der oberösterreichischen Lande Grafen Sauer anderweitig, ohne daß dieser viel nach dem Wahlrechte des immatriculirten Adels fragte, besetzt wurde“. Die Ursache dieses Vorganges gegen Unterrichter anzugeben. hat Herr von Hock unterlassen. Es möchte wohl der nämliche Unterrichter sein, der auf dem offenen Landtage in Tirol 1790 unter anderen Klagen auch die folgende vorbrachte: „es sei schon so weit gekommen, daß ein wirklicher Convertit Gubernialrath geworden und zwei wirklich beschnittene Juden in die Kanzlei seien aufgenommen worden“. Man sieht, in Tirol wurde vor etwa einem Jahrhundert die religiöse Frage nicht weniger rigorose als heute behandelt; und man stellte sich den Neuerungen und Zugeständnissen einer vom Jacobinismus geleiteten Zeit ablehnend, ja geradezu feindlich entgegen. Ueber den heutigen Familienstand gibt die angeschlossene Stammtafel ausführlichen Bescheid. Chef des Hauses ist zur Zeit Freiherr Karl von Unterrichter, dessen Söhne zum Theile in kaiserlich-österreichischen, zum Theile in bayrischen Kriegsdiensten stehen. So war der älteste Sohn Alfred noch 1879 k. k. Lieutenant im Tiroler Landesschützen-Bataillon Pusterthal und seine beiden jüngeren Brüder Lothar und Ernst Oberlieutenants im Graf Festetics de Tolna-Dragoner-Regimente Nr. 2, während ein anderer Bruder Oskar königlich bayrischer Kammerjunker, Premierlieutenant à la suite des 2. königlich bayrischen Uhlanen-Regiments und Adjutant der 3. Cavalleriebrigade ist. Ein jüngerer Bruder des Freiherrn Karl, der Freiherr Otto, Gutsbesitzer auf Rechtenthal in Südtirol, Herr und Landmann in Kärnthen und Tirol, begründete eine zweite freiherrliche Linie dieses Geschlechts [vergl. die Stammtafel]. Ueberdies muß noch eine blos adelige Familie von Unterrichter in Tirol vorhanden sein, denn ein Guido von Unterrichter ist zur Zeit Bezirksrichter zu Ampezzo in Südtirol.

II. Wappen der Freiherren Unterrichter von Rechtenthal. Von Blau und Gold gevierter Schild mit schwarzem Mittelschild, in welchem ein gekrönter, doppelt geschwänzter, rechts springender goldener Löwe zu sehen ist, der in der rechten Pranke einen fünfmal geästeten, dürren goldenen Stock emporhält. 1 und 4 zeigt in Blau einen gekrönten, doppelschwänzigen, einwärts springenden silbernen Löwen mit einem Schwert in der rechten Pranke. 2 und 3 enthält im goldenen Felde einen schwarzen Adler. Auf dem Schilde ruht die Freiherrenkrone, auf welcher sich drei Turnierhelme erheben. Aus der Krone des mittleren wächst der Löwe des Mittelschildes zwischen zwei von Gold und Schwarz quadrirten Rüsseln; die Krone des rechten Helmes zeigt den Löwen des 1. Feldes zwischen einem offenen von Blau und Silber quadrirten Fluge; auf der Krone des linken erhebt sich der schwarze Adler von 2 und 3. Helmdecken. Diese durchgehend rechts blau mit Silber, links schwarz mit Gold unterlegt. Schildhalter. Zwei schwarze goldgewaffnete Adler, jeder hält ein Panier, das rechte ist von Blau und Silber, das linke von Schwarz und Gold quer getheilt. Beide Adler stehen auf einem fliegenden Bande, welches den Wahlspruch: „Thue recht und schau nicht um“, enthält.

[99]
Stammtafel der Freiherren Unterrichter von Rechtenthal.
Joseph †.
Barbara von Gummer.
Franz [S. 96]
geb. 19. December 1775,
† 30. December 1867,
Josephine de Drouin de la Verte
† 10. December 1854.
Emilie
geb. 14. December 1808,
vm. Joseph Ritter v. Niedermayr,
preußischer Oberst.
Amalie
geb. 3. Mai 1812,
vm. Christoph v. Josch.
Karl
geb. 1. Juni 1816
Amalie von Putzer
zu Reibegg auf Korb
geb. 4. Juli 1824.
Otto
geb. 5. Jänner 1818.
1) Marie Gräfin Consolati
geb. 26. October 1840, † 3. Mai 1870.
2) Irma Gräfin Tanzl
geb. 1847, † 29. März 1875.
3) Marie Gräfin Welsperg
geb. 6. September 1852.
Adelheid
geb. 15. April 1820,
vm. Joseph von Dorsner
von Dornimsthal.
Maria
geb. 16. April
1870.
Josepha
geb. 20. Nov.
1872.
Valentin
geb. 1875.
Alfred
geb. 2. Juli
1846.
Johanna
Eugenie
Gräfin
Welsperg
geb. 8. Dec.
1853.
Oskar
geb. 25. Juli
1847.
Hermine
geb. 4. Dec.
1848,
Nonne zu
Sacré-coeur
in Padua.
Lothar
geb. 26. Mai
1851.
Tayda
Prinzessin
Sulkowski
geb. 14. Dec.
1855.

Ludwig
geb. 1878.
Ernst
geb. 22. Oct.
1852.
Theodor
Günther
geb. 7. März
1854.
Felicie
geb. 12. April
1856.
Rudolph
geb. 7. Juli
1857.
Valentine
geb. 12. Juli
1859.
Paul
Deogratias
geb. 1. Febr.
1861.
Conrad
geb. 22. Sept.
1862, †.
Marie
Emilie
geb. 14. Oct.
1868.
Pia
Clara
geb. 27. Febr.
1870.