BLKÖ:Urban Ritter von Schwabenau, Julius

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 49 (1884), ab Seite: 114. (Quelle)
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Urban Ritter von Schwabenau, Julius (čechischer Schriftsteller, geb. zu Brünn 16. Jänner 1808, gest. ebenda 20. März 1834). Franz Urban, Rath bei dem mährisch-schlesischen Appellationsgerichte in Brünn, wurde am 16. August [115] 1808 in den erbländischen Ritterstand mit dem Prädicate von Schwabenau erhoben. Sein Sohn Julius zeigte früh Talent und Neigung zu den Studien und beendete, erst 15 Jahre alt, die Gymnasialclassen. Deutsch erzogen und ohne Gelegenheit, sich mit der čechischen Literatur einigermaßen bekannt zu machen, war er als Gymnasiast ein eifriger Verehrer und Pfleger der deutschen Literatur, namentlich der schöngeistigen, bis ihm eines Tages Pelzel’s Geschichte Böhmens in die Hand kam. Jetzt, da ihm aus diesem Werke Kunde ward über die glänzende Vergangenheit Böhmens und des Nachbarlandes Mähren, erwachte in ihm mit aller Macht die Liebe zur Geschichte und Literatur der Heimat, das Verlangen, die čechische Sprache, sowie Land und Leute genau kennen zu lernen. Während er Philosophie zu Brünn, dann die Rechte zu Olmütz hörte, widmete er alle Muße, welche ihm seine Studien ließen, der vaterländischen Geschichte, durchforschte alle heimischen und auswärtigen Sammlungen, die Bibliotheken und Archive und zeichnete Alles sorgfältig auf, was ihm wichtig erschien oder aber unbekannt war. Wie ernsthaft er die Sache nahm, wie tief er in die ältere Geschichte seiner Heimat eindrang, dies ergibt sich aus seiner Abhandlung über Conrad II. Fürsten von Znaim (Kunrat II. kníže Znojemský), welche er im Alter von 19 Jahren schrieb, und die in der Zeitschrift des böhmischen Museums (1827; 10. Heft) erschien. Diese Arbeit erregte die Aufmerksamkeit mehrerer Wissenschaftsfreunde, vornehmlich aber jene J. Dobrowsky’s, welcher den strebsamen Jüngling während dessen Anwesenheit in Brünn (1828) auf das wohlwollendste aufnahm und ihn zu weiteren Forschungen und Arbeiten auf dem Gebiete der vaterländischen Geschichte aneiferte. Diesem Rathe kam Urban auch fortan nach, mit großem Eifer betrieb er das Studium der slavischen Sprachen, sammelte historische und ethnographische Materialien im nächsten Hinblick auf sein eigenes Vaterland, lag nebenbei naturwissenschaftlichen, geographischen, selbst pädagogischen Studien ob, Alles um dem Vaterlande, wenn es an der Zeit, mit seinen besten Kräften sich nützlich zu erweisen. Im Jahre 1831 ließ er im 6. Hefte der Zeitschrift „Čechoslav“ seine Abhandlung: „Die Jahresfeier zu Jamnitz in Mähren“ (Slavnost výroční v Jemnici na Moravě) und bald darauf, im 7. Hefte eine zweite: „Der Kampf zwischen den Čechen und Mährern“ (Půtka mezi Čechy a Moravany) erscheinen. Durch diese Arbeiten, mit denen der Verfasser neuerliche Beweise seiner Kenntnisse in der Geschichte des Vaterlandes gab, fand sich Graf Chotek, damals Erzbischof von Olmütz, bewogen, ihm die Stelle des Archivars in Kremsier zu verleihen, welche Urban um so freudiger annahm, als sich ihm nun Gelegenheit darbot, ganz seiner Neigung zu geschichtlichen Studien und archivalischen Forschungen zu leben. Um aber seine leidende Gesundheit einigermaßen zu kräftigen, begab er sich im Sommer 1852 nach Marienbad, besuchte jedoch vorher noch Prag, um sich daselbst über den Umfang und die Aufgabe seines neuen Amtes genauer zu unterrichten. Indeß die Wirkung, die er von Marienbad erhofft, blieb aus, kränker als er hingegangen, kehrte er heim und war gar nicht im Stande, den ihm verliehenen Posten anzutreten. Trotz seiner leiblichen Hinfälligkeit gab er aber keinen Augenblick seine Studien auf und beschäftigte sich eben damals mit Forschungen [116] über den Mongoleneinfall in Mähren und mit Erläuterungen, welche sich auf den Gesang Jaroslav in der Königinhofer Handschrift[WS 1] bezogen. Aber auch Anderes, nicht minder Wichtiges, zog er in den Bereich seiner Erwägungen, und Alles betraf zunächst die Wohlfahrt seines eigenen Vaterlandes Mähren, so: daß die Universität von Olmütz nach Brünn übertragen, daß daselbst mit Errichtung von Realschulen begonnen, daß der Fluß Morava schiffbar gemacht, daß in Mähren eine literarisch-politische Zeitschrift ins Leben gerufen, daß aller Orten Lesevereine gebildet, endlich daß das nationale gesellschaftliche Leben durch öffentliche Belustigungen, als Schauspiele, Akademien, Concerte, Vorlesungen u. d. m. geweckt und gefördert würde. Während er sich aber mit solchen Plänen trug und an der Entwickelung derselben im Geiste arbeitete, verfiel sein Körper von Stunde zu Stunde, bis am 20. März 1834 dem 26jährigen die letzte schlug. Auf dem Altbrünner Friedhofe, wo er bestattet liegt, ward ihm ein Grabdenkmal errichtet, dessen kurze Inschrift auf die Liebe des Verblichenen zu seiner Heimat hinweist.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vergleiche dazu Königinhofer Handschrift (Wikipedia).