BLKÖ:Vécsey von Hajnácskeő, Siegbert Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 50 (1884), ab Seite: 51. (Quelle)
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Vécsey von Hajnácskeő, Siegbert Freiherr (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Neustadtl an der Waag in Ungarn am 22. Juli 1739, gest. zu Pesth am 30. Juli 1802). Ein Sohn Franz von Vécsey’s aus dessen Ehe mit Elisabeth Freiin von Ghillany de Bernitz, trat er, fünfzehn Jahre alt, als Fähnrich bei dem Dragoner-Regimente Zweybrücken-Birkenfeld in die kaiserliche Armee. Er kämpfte zunächst im siebenjährigen Kriege (1756 bis 1763), in welchem er schon im März 1758, erst neunzehn Jahre alt, zum Hauptmann vorrückte. 1769 zum Oberstlieutenant bei Hadik-Huszaren befördert, wurde er 1773 Oberst und Commandant des Regiments Kaiser-Huszaren Nr. 1 und zehn Jahre später, 1783, Generalmajor. Hatte er schon im siebenjährigen Kriege wiederholt Proben seiner Tapferkeit gegeben, so bewährte er sich im Türkenkriege, 1788, in Führung eines größeren Truppenkörpers durch seinen raschen Ueberblick der Situation und seine Energie im Augenblicke des Handelns. Im Feldzuge 1789 wurde er mit der Beobachtung des Mehadiathales betraut. Nun war dieser Posten ebenso wichtig, als schwierig zu behaupten, und ungeachtet der weitläufigen Beobachtungslinie erhielt Vécsey nur zwei Bataillone des Infanterie-Regiments Stain, ein Bataillon des walachisch-illyrischen Regiments, 300 Jäger und drei Divisionen Huszaren. Er sollte nebstbei die Streifereien des Feindes hindern, sich aber im Falle eines Vormarsches desselben zurückziehen. Ende Mai erreichte er auf völlig ungebahnten, kaum ersteiglichen Gebirgswegen seinen Bestimmungsort. Eine wirksame Besetzung der Beobachtungslinie war mit den ihm zugewiesenen Truppen unmöglich, eine Verstärkung, wie die Verhältnisse lagen, nicht zu erwarten. So sah er sich auf sich selbst angewiesen und traf, um den Mangel an Truppen zu ersetzen, die erforderlichen Anstalten, indem er Gräben ziehen, Verhaue anlegen, Befestigungen und Verschanzungen aller Art aufführen ließ. Indessen hatte sich ein türkisches, etwa 16.000 Mann starkes Corps zwischen Csernecz und Orsova concentrirt und erwartete nur noch eine Verstärkung von mehreren Tausend Spahis, um dann mit allem Nachdrucke gegen Mehadia vorzudringen. Auf wiederholtes Ansuchen um Nachschub erhielt Vécsey zwei Bataillone Infanterie und eine Division Huszaren unter Befehl des Generals Hutten, welcher mit denselben den dringend gewordenen Rückzug des Detachements sichern sollte. Da Vécsey erkannte, wie wichtig es sei, [52] Mehadia um jeden Preis zu behaupten, damit die Hauptarmee ihrer bisher errungenen Vortheile nicht wieder verlustig gehe, so fachte er mit seinem eigenen Feuereifer den Muth seiner Leute an und entflammte sie zum Entschlusse, hartnäckigsten Widerstand zu leisten. So erwartete er denn in seiner concentrirten Stellung den Gegner, entschlossen, bis auf den letzten Mann zu kämpfen. Am 4. August griff der Feind an. Vécsey mit den Seinigen hielt Stand, und sein Geschütz wirkte mörderisch auf die Anstürmenden, deren Befehlshaber nach wiederholt blutig zurückgewiesenen Angriffen den Beschluß faßte, durch die Janitscharen den Kampf zu siegreichem Ende zu führen. Auch diese warf Vécsey mehrmals kräftig zurück. Da aber gewahrte er mit einem Male, daß seine beiden Flügel bedroht waren, denn die Janitscharen hatten schon die angrenzenden Hügel erstiegen, eine die übrigen beherrschende Anhöhe besetzt und vierzehn Fahnen aufgepflanzt. Ueberzeugt, daß eine fernere Vertheidigung nutzlos und nur in einer bravourmäßigen Offensive Rettung möglich sei, schritt er, mit zwei Divisionen Erdődy-Huszaren en fronte, welchen er sechs Kanonen in einer Linie und das Bataillon Stain im geschlossenen Cárré folgen ließ, todesmuthig dem Centrum des Feindes, der dieses Häuflein im nächsten Augenblick zu zermalmen vermeinte, entgegen. Aber bei dem ersten Feldgeschrei der Janitscharen öffnete sich blitzschnell die Huszaren-Division rechts und links und Kanonen und Infanterie, den Raum füllend, schleudern einen Hagel von Kartätschen und Gewehrkugeln auf die überraschten Türken, welche Reihe auf Reihe fallen, so daß der Rest, von panischem Schrecken ergriffen, sein Heil in der Flucht sucht und, durch Wald und Schlucht verfolgt, sein altes Lager bei Csernecz und Orsova kaum zu erreichen vermag. Der Erfolg dieses Kampfes, der vom frühen Morgen bis nahezu gegen Mittag dauerte, war ein glänzender. Hunderte von Türken bedeckten das Schlachtfeld, Waffen, Beute aller Art und mehrere Fahnen geriethen in den Besitz des Siegers, und vereitelt war die Absicht des Gegners, sich Mehadias zu bemächtigen. Zwei Wochen später, am 28. August, schlug Clerfayt an derselben Stelle das durch zahlreiche Verstärkungen zu einer imposanten Höhe angewachsene türkische Heer und warf es für immer aus dieser Landesstrecke. Vécsey wurde für seine glänzende Waffenthat in der neunzehnten Promotion vom 21. December 1789 mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet, bald darauf zum Feldmarschall-Lieutenant befördert und zum Inhaber des 4. Huszaren-Regiments ernannt. Als Divisionär erhielt er seine Bestimmung in Pesth und versah diesen Posten bis zu seiner am 1. Mai 1801 durch siebzehn zum Theile schmerzliche Kopfblessuren bedingten Versetzung in den Ruhestand. Nicht lange war es dem Helden vergönnt, denselben zu genießen, denn etwas über ein Jahr segnete er das Zeitliche.

Hirtenfeld (J.). Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 268 und 1733.