BLKÖ:Veselý, Eduard

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 50 (1884), ab Seite: 164. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 139104259, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Veselý, Eduard|50|164|}}

Veselý, Eduard (Bildhauer, geb. aus der Herrschaft Pirkstein im Leitmeritzer Kreise Böhmens am 2. Februar 1817). Der Sproß einer alten, vordem zu Prag seßhaften Bildhauerfamilie, zählte er kaum zwei Jahre, als er seinen Vater Anton, der gleichfalls Bildhauer war, durch den Tod verlor. So kam er denn unter die Obhut seines Großvaters, bei welchem er die ersten Elemente seiner Kunst erlernte. Er stand in seinem zwölften Jahre, als ihm auch der Großvater starb, und so wurde er denn nach Prag zu dem Bildhauer Wenzel Schumann in die Lehre geschickt. Daselbst arbeitete er vornehmlich ornamentale Gegenstände, weil diese den meisten Absatz fanden, während man größere Werke, wie Statuen, Figuren und dergleichen, nur selten begehrte. Um sich also nach dieser letzteren edleren Richtung der Kunst auszubilden, besuchte er die Prager Akademie, welche zu jener Zeit unter der Leitung Kadlik’s [Bd. X, S. 346] stand, und machte an derselben so hervorragende Fortschritte, daß seine Arbeiten in den Jahren 1838 und 1839 mit Medaillen ausgezeichnet wurden. Diese Erfolge eröffneten ihm neue Wege, er fand 1845 Aufnahme im Atelier des Bildhauers Joseph Max [Bd. XVII, S. 166], als dessen Assistent er auch bei den Modellirungen in der Gewerbeschule fungirte. Nachdem er sich so praktisch genügend geschult hatte, unternahm er zu seiner höheren Ausbildung eine Studienreise, auf welcher er München, Nürnberg, Wien und andere Städte besuchte, in deren Kunstschätze er sich vertiefte. Mit reichen Studien nach Prag zurückgekehrt, eröffnete er daselbst ein eigenes Atelier, aus dem bis zur Stunde zahlreiche Werke seines Meißels hervorgingen. Außerdem gibt er seit vielen Jahren schon im katholischen Gesellenvereine Unterricht im Modelliren. Er arbeitet in Sandstein, Alabaster, Elfenbein und anderen Stoffen. Von seinen zahlreichen Arbeiten nennen wir: 1851: ein „Crucifix“, sechs Schuh hoch, für Szent-Miklós im Liptauer Comitate Ungarns, – 1852: vier Statuen aus Terracotta auf den gothischen Mausoleumaltare des h. Lukas in der Prager Teynkirche; – 1858: „Madonna“, sechs Schuh hoch, für die Seminarkirche in Budweis; – 1859: ein „Crucifix“, sechsthalb Schuh hoch mit zwei „betenden Engeln“ in Žatec; – 1860: zwei Statuen: „Der h. Wenzel“ und „Der h. Johannes“, je sechs Schuh hoch, in der Abtei zu Braunau; – 1861: zwei Statuen: „Der h. Peter“ und „Der h. Paul“, je sechs Schuh hoch, in Chvalsin auf Bestellung eines dortigen Vereines; – 1864: zwei Statuen: „Der h. Johannes der Täufer“ und „Der h. Joseph“ in Reichstadt; – sechs Statuen für die Kanzel in der Karlshoferkirche zu Prag; – 1865: neun Statuen für den gothischen Seitenaltar in der Prager Teynkirche; – „Die zwölf Apostel“ für die alte Uhr auf dem Prager Rathhause; – die Statue des „h. Wenzeslaus“ im Prager St. Veit-Dom; – 1868–1871: vier Statuen: „Der h. Wenzeslaus“, „Der h. Maximilian“, „Die h. Barbara“, „Die h. Katharina“, je sechs Schuh hoch, in Odlochovic; [165]1869: „Madonna mit dem Kinde“; – „Madonna immaculata“, fünf Schuh hoch, und vierzehn kleinere Statuen für die bischöfliche Kathedrale in Königgrätz; – drei „Madonnen“ für Radlov, Tarnow und Zažov; – ein „Crucifix“, sechs Schuh hoch, in Heiligenkreuz (Ujezda Chodowa); – 1871: zwölf Statuen für die Dekanatskirche in Polička; – sieben Statuen für den Fürsten Rohan in Sichrov; – sechs Statuen čechischer Landespatrone für Nepomuk im Pilsener Kreise auf Bestellung des Piaristenprovincials D. L. Zink; – 1872: die Statue der „h. Clotilde“, drei Schuh hoch, für das Schloß Friedland; – „Christus als Gärtner“, drei Schuh hohe Statue in Rokycan; – „Christus am Kreuze“, dritthalb Schuh hoch, und „zwei Engel“ auf dem neuen gothischen Hochaltare in Karlstein; – vier Statuen: „Der h. Petrus“, „Der h. Paulus“, „Der h. Wenzel“ und „Der h. Adalbert“, in Přelouč; – zwei Statuen: „Der h. Wenzel“ und „Der h. Adalbert“, in der Kirche zu Ratonič; – 1873: „Christus Salvator“, drei Schuh hohe Statue, und ein „Crucifix“, in der Stadtkirche zu Aussig im Leitmeritzer Kreise; – 1874: „Madonna. Stella Matutina“, für die Heiligengeistcapelle in der bischöflichen Kathedrale zu Königgrätz; von diesem schönen Werke des Künstlers brachte die illustrirte Zeitung „Rodinná kronika“, d. i. Vaterlandschronik, 1864, Nr. 96, eine Abbildung im Holzschnitt; – und zehn kleinere Statuen für die Capelle in Miramare, im Auftrage des Erzherzogs Ludwig von Toscana. Außer diesen bisher angeführten größeren Werken verfertigte der Künstler noch viele Modelle zu Decorationsstücken für das großherzogliche Museum in Weimar; für die großen und kleinen Gascandelaber auf den öffentlichen Plätzen in Prag sämmtliche Modelle, deren Abbildungen im Holzschnitt seinerzeit die Prager illustrirte Zeitung „Světozor“ brachte; verschiedene Restaurationsarbeiten zu Aussig und in der Gruftcapelle zu Zbreslov. Veselý hat sich, wie die Menge und Mannigfaltigkeit seiner Arbeiten zeigt, lediglich aus eigener Kraft emporgearbeitet, und ohne Hilfe der Reclame, welche leider eine Macht geworden, die auch dem Verfehlten ihre Posaunenstöße leiht, sind seine Werke im Vaterlande und außerhalb desselben verbreitet. Der kirchliche Charakter seiner meisten Werke, der übrigens kein Fehler ist, darf nicht ihm zur Last gelegt werden, daran tragen die Auftraggeber Schuld, welche in einer Madonna ein weit würdigeres Object für den Meißel eines Künstlers erblicken, als in einer badenden Diana oder in einer Leda, welche eben mit dem zum Schwan verwandelten Zeus schnäbelt.

Rodinná kronika, d. i. Vaterländische Chronik (Prager illustr. Blatt) 1864-
Porträt. Unterschrift: „Eduard Veselý. Dle fotografie kreslil Josef Mukařovský, d. i. Zeichnung von Mukařovský, nach einem Lichtbild, ohne Angabe des Xylographen.