BLKÖ:Max, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 17 (1867), ab Seite: 166. (Quelle)
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Max, Joseph (Bildhauer, geb. zu Bürgstein in Böhmen 8. Jänner 1804, gest. zu Prag 18. Juni 1855). Aelterer Bruder des Bildhauers Emanuel Max, dessen Lebensskizze schon S. 160 mitgetheilt worden. Von den vielen Kindern, welche Joseph’s Vater besaß, fiel auf ihn die Wahl, daß er die Kunst des Vaters erlernen sollte, so [167] wenig auch die damaligen Verhältnisse auf einen goldenen Boden der Kunst schließen ließen. Thatsächlich verrieth Joseph auch in früher Jugend ein nicht gewöhnliches Talent zur plastischen Kunst, obwohl er sich im Anbeginne fast mehr zur Malerkunst hinzuneigen schien. Im Atelier seines Vaters, in Bürgstein, und unter dessen umsichtiger Leitung bildete sich Joseph zuerst aus und machte sich überraschend bald die ersten dem Bildhauer unumgänglich nöthigen technischen Fertigkeiten eigen. Mit dem schönen Talente verband der Junge Geduld, unermüdeten Eifer, sich auszubilden, und als er so weit vorbereitet erschien, um einen höheren Lehrcurs zu nehmen, schickte ihn der Vater nach Prag, wo er die Akademie patriotischer Kunstfreunde besuchte, und sich unter des damaligen Directors Bergler [Bd. I, S. 309] Leitung immer mehr und mehr in seiner Kunst ausbildete und vervollkommnete. Dabei ließ er die intellectuelle Ausbildung nicht unbeachtet, läuterte seinen Geist durch fleißiges Lesen wissenschaftlicher Bücher, namentlich aus dem Gebiete der Geschichte und Biographik, die ihn vor allen anderen anzogen. Schon richteten einige kleinere Arbeiten die Aufmerksamkeit auf den jungen vielversprechenden Künstler und die Bestellungen mehrten sich. Im Jahre 1840 vollendete er das Grabdenkmal des der Kunst (1840) zu früh entrissenen Akademie-Directors Kadlik [Bd. X, S. 346], im folgenden Jahre das Przemysl-Monument, welches zu Staditz, dem Stammorte der Przemysliden, auf jenem Felde aufgestellt ist, auf welchem der Sage nach Przemysl im Augenblicke der herzoglichen Berufung selbst den Pflug lenkte. Im folgenden Jahre unternahm Joseph seine Reise nach Rom, wo sein jüngerer Bruder Emanuel, seines zehnjährigen Aufenthaltes in der Siebenhügelstadt wegen „der Römermax“ genannt, als Stipendiat der Klar’schen Stiftung bereits seit dem Jahre 1839 weilte. In Rom und Florenz machte Joseph eindringliche Studien, jedoch währte sein Aufenthalt im Lande der Kunst verhältnißmäßig nur kurze Zeit, er kehrte dann in sein Vaterland zurück, wo er in der Zeit von 15 Jahren bis zu seinem Tode eine Reihe von hervorragenden Arbeiten vollendete. Von diesen sind besonders bemerkenswerth: „Die Karlsstatue“, sein Erstlingswerk, befindet sich im Neureutter’schen Hause; – „Die Familiengruft der Grafen Kinsky“, in Zlonitz; – „Die Portale der neuen Kirche zu Marienbad“, mit neun großen Statuen in Lebensgröße, alle von Maxen’s Hand, geschmückt; – „Die Statuetten böhmischer Regenten“, für das Altstädter Rathhaus; – „Das Franzens-Monument“ am Quai, ein Denkmal aus 25 lebensgroßen Figuren bestehend; – „Die Statuen des H. Norbert, Wenzel und H. Sigmund“ auf der Steinbrücke in Prag; – „Die Statue des H. Joseph“, – jene „Johannes des Täufers“, ebenda; – die „Modelle zu Statuen der H. Anna“ und einer „Mater dolorosa mit zwei Engeln“, zu eben demselben Zwecke; – „Die Tobiasgruppe“, auf dem Giebel des Blindeninstitutes auf der Prager Kleinseite; – „Der böhmische Löwe“, auf der Bastei, zur Erinnerung an die in den Feldzügen der Jahre 1848 und 1849 in Italien und Ungarn gefallenen böhmischen Krieger; – „Die Standbilder der Treue, Tapferkeit, Aufopferung, Wachsamkeit und des Gehorsams“, für das in Temesvár aufgestellte Monument; – „Die Bohemia“, allegorische Statue; – „Die acht Krieger der kaiserlichen Armee“ als Schildhalter des [168] Radetzky-Standbildes, den Erzguß seiner Modelle erlebte der Künstler nicht mehr; – „Das Grabmal des H. Veit“, im Prager Dome; – „Das Grabmal“ in der Kirche zu Bubentsch; – „Der segnende Heiland“, für das Krach’sche Grabdenkmal auf dem dritten Friedhofe; – ein „Sarkophag mit dem Jesukinde“, zu St. Andrä in Spanien, und mehrere andere Grabesmonumente auf den verschiedenen Friedhöfen Prags. In seinem Nachlasse, von welchem die Modelle die Witwe behielt, während die fertigen Arbeiten in das Atelier seines jüngeren Bruders Emanuel gebracht wurden, befanden sich folgende Statuen, Thon- und Gypsmodelle größerer und kleinerer Gattung: von ersteren zwei „Grabdenkmale“, mit lebensgroßen Figuren, eines für Haida, das andere für Steinschönau; – „Kaiser Karl IV., als Beschützer des Weinbaues“; – „Christus auf dem Throne“; – „Eine stehende Christusstatue“; – „Der Prager Student, 1648“, als Denkmal der Tapferkeit, mit der die Studenten im Jahre 1648 die Altstadt und Neustadt wider die Schweden vertheidigten; – „Die H. Ludmilla“; – „Glaube, Hoffnung und Liebe“, Figurengruppe; – von letzteren: „Boriwoj und Ludmilla“; – „Der H. Wenzel zu Pferde“; – „Kaiser Karl IV. auf der Jagd“; – „Kaiser Karl IV. auf dem Throne sitzend“; – „Przemysl Ottokar“; – „Waldstein, Herzog von Friedland“; – „Zawisch von Rosenberg“; – „Rüdiger von Starhemberg“; – „Erzbischof Kollonitsch“; – „Niklas Graf Salm“; – „Erzherzog Karl“; – „Erzherzog Stephan“; – „Marschall Radetzky“, einmal in stehender Stellung, das anderemal zu Pferde; – „General Hentzi“; – „Marschall Fürst Schwarzenberg“; – dann mehrere große und kleine Büsten. Es ist, wie vorstehende Uebersicht seiner bedeutenderen Werke erkennen läßt, eine reiche künstlerische Thätigkeit, welche der in voller Manneskraft, im Alter von 51 Jahren, dahingeschiedene Künstler entwickelt hat. Als Mensch im hohen Grade achtungswerth, war er auch ein liebevoller Lehrer, leider starben von seinen Schülern, die seinem Namen Ehre zu machen versprachen, zwei in jungen Jahren, Joseph Parys im Jahre 1849 und Julius Melzer zu Rom im Jahre 1853. Aus seiner Ehe mit Anna gebornen Schuman aus Prag stammen sieben Kinder, von denen drei in der Kindheit gestorben. ein Sohn aber, Gabriel [s. d. S. 165], auf einem anderen Gebiete der Kunst, nämlich als Maler, Ungewöhnliches zu leisten verspricht.

Grün, J. (Müller), Joseph Max. Eine kleine Schilderung seines Lebens; verfaßt und den Angehörigen, den Freunden und Kunstverwandten des verewigten Meisters gewidmet (Prag 1855, Johann Spurny, 4°.). – Prager Zeitung 1855, Nr. 146: „Joseph Max“, von A. W. Ambros. – Mercy’s Anzeiger (Prager Blatt, kl. Fol.) 1855, Nr. 265. – Carinthia (Klagenfurter Unterhaltungsblatt, 4°.) Jahrgang 1856, Nr. 4. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, Fleischmann, 8°.) Bd. VIII, S. 483. – Frankl (L. A. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) III. Jahrgang (1844), S. 798. –