BLKÖ:Rosenberg, Zawisch von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Rosenberg, Wok von
Band: 27 (1874), ab Seite: 13. (Quelle)
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25. Zawisch von Rosenberg (geb. am 24. August 1290), ein Sohn Budivoy’s von Rosenberg, Herrn auf Budweis und Frauenberg (Hluboka), einer der merkwürdigsten und ehrgeizigsten Magnaten Böhmens im 13. Jahrhunderte. Hajek in seiner böhmischen Chronik nennt ihn einen „gelehrten Mann und guten Sänger“. Mit diesen schätzenswerthen Eigenschaften verband er aber unbändige Leidenschaften und eine Herrschsucht, die zuletzt sein tragisches Ende herbeiführten. Zawisch war ein beliebter Gast an König Otokar’s Hofe und die Königin Kunigunde, eine Enkelin Bela’s von Ungarn; liebte den wohlgestalten, feingebildeten Höfling mehr als ihren Gemal. Als Otokar wegen seines Widerstandes gegen Rudolph von Habsburg von diesem mit Krieg bedroht wurde und sich durch sein unkluges Verhalten gegen Böhmens mächtigen Adel diesen entfremdet hatte, schickte sich auch Zawisch an, gegen Otokar zu ziehen, und als König Otokar Miene machte, den Rebellen eines Besseren zu belehren und seine und seiner Anhänger Besitzungen besetzen und verheeren ließ, flüchtete Zawisch zu Kaiser Rudolph, wo er gastliche Aufnahme und Schutz fand. Das Ende der Fehde Otokar’s mit Rudolph, welche mit der denkwürdigen Marchfelder Schlacht im Jahre 1278 ihren Abschluß fand, ist bekannt. Zawisch kehrte nach Otokar’s Tode nach Böhmen zurück und seiner Liebe zur Königin-Witwe stand nun nichts mehr im Wege. Ehe sie ihm ihre Hand zu ehelichem Bunde reichte, gebar Kunigunde ihrem Geliebten einen Knaben, der in der Taufe den Namen Johann erhielt. Einige Chronisten behaupten, das Kind sei ein eheliches gewesen und erst geboren worden, nachdem Zawisch Kunigunde mit Einwilligung ihres Sohnes Königs Wenzel geheirathet hatte. Duvravius aber in seiner Chronik bestreitet dieß, und auch die Verse der Königsaaler Chronik: „Zawischius mundam sic prostituit Cunegundam, defuncti thorum maculat Regis Boemorum“. Erst nach der Geburt Johann’s heirathete Zawisch die Königin-Witwe. Der König Wenzel wurde versöhnt, Papst Innocenz IV. hatte die Ehe bestätigt und Zawisch erwarb in kurzer Zeit so sehr das Vertrauen des Königs Wenzel, daß er bald die einflußreichste Person an dessen Hofe war und daß sein [14] Uebermuth mit jedem Tage zunahm. In dieser Zeit starb Königin Kunigunde und die Provinz Lundenburg, die ihr als Witwensitz war zugewiesen worden, ging in Zawischen’s Besitz über. Zawisch sah sich nach einer zweiten Gattin aus königlichem Geblüte um und erhielt diese in der Prinzessin Judith, Schwester des Königs Ladislaus von Ungarn. Diese glücklichen Erfolge steigerten nur mehr den hochfahrenden Sinn Rosenberg’s, der, obgleich er eine mächtige Partei im Lande besaß, sich doch einen großen Theil des hohen Adels in Böhmen zum Feinde gemacht hatte. Dadurch aber ließ sich Zawisch nicht anfechten, sondern strebte in seinem Uebermuthe und ungezügelten Ehrgeize den schwachen König Wenzel zu stürzen und sich selbst die Königskrone aufzusetzen. Judith hatte ihrem Gatten einen Sohn geboren und der Tag, an welchem der Taufact in feierlichster Weise – Judith’s Vater, König Ladislaus, Heinrich, der Herzog von Breslau, und viele Große des Reiches waren dazu geladen worden, – war von Zawisch dazu bestimmt, sich durch Mord des Königs Wenzel zu entledigen. Aber Wenzel’s Fernbleiben von dem Feste, da er vor Zawisch war gewarnt worden, vereitelte des hochmüthigen, verrätherischen Magnaten Plan, und noch mehr: der König, ergrimmt über solchen Verrath, ließ seinen bisherigen Günstling, nachdem er von dessen Plänen unbestreitbare Nachrichten erhalten hatte, durch den Herzog Nikolaus von Troppau gefangen nehmen und in den geschichtlich berühmten weißen Thurm in Prag als Staatsverbrecher einsperren. Zwei Jahre saß Zawisch in demselben und aus dieser Zeit stammen mehrere Dichtungen von Zawisch, die das Andenken seines Namens in der čechischen Literaturgeschichte erhalten haben. Aber die Kerkerhaft änderte nicht den hochfahrenden Sinn des auf seine Macht sich stützenden Vasallen. Wiederholte Winke des Königs, seine Unterwerfung auszusprechen, das Versprechen der Entlassung aus der Haft, der Wiedererstattung aller ihm bei der Verhaftung genommenen Besitzungen waren nicht im Stande, seinen Starrsinn zu beugen. Bei einem letzten Versuche, den der König machte, ließ Zawisch dem Könige sagen: „Meldet eurem Könige, daß ich es nicht thun will, und daß ich wohl weiß, die Zeit wird bald kommen, wo mich dieser Fürst – thue er es gern oder nicht – aus diesem Kerker wird entlassen müssen!“ An solcher Insolenz brach sich auch des weichen Wenzel’s Güte und er gab Befehl zur Hinrichtung des Rebellen. Er ließ ihn von Prag nach Frauenberg (Hluboka) führen und dort wurde ihm am 24. März 1292, mit der Guillotine jener Zeit, d. i mit einem scharfen Brette, der Kopf abgestoßen. Zawisch wurde in dem von seinem Bruder Wok im Jahre 1259 gestifteten Cisterzienserkloster Hohenfurth begraben. Gleichen Todes wie Zawisch starb auch sein Bruder Cenek (Vincenz), der gleich ihm gegen den König sich aufgelehnt hatte. Die hier nur in den Hauptzügen erzählten, an bedeutenden historischen Episoden reichen Schicksale Zawisch von Rosenberg’s boten, wie es leicht begreiflich, der Dichtung einen interessanten Stoff, und im Jahre 1861 erschien in Kober’s „Roman-Album“ ein dreibändiger Roman von Elfried von Taura, betitelt: „Zawisch von Rosenberg, genannt von Falkenstein“, und einige Jahre später behandelte J. C. von Wieser diesen Stoff dramatisch in dem Werke: „Zawisch, der Rosenberger, Trauerspiel in 5 Aufzügen“ (Wien 1864, Gerold’s Sohn, gr. 8°.). [Schiffner (Jos.), Gallerie der interessantesten und merkwürdigsten Personen Böhmens u. s. w. (Prag 1802, Joh. Buchler, 8“.) Bd. II, S. 98–113. – (Hormayr’s) Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst (Wien, 4°.) VII. Jahrg. (1816), Nr. 61–64: „Zawisch von Rosenberg u. s. w.“ Biographisch-historische Skizze von Franz Alois Wacek. – Notizenblatt der historisch-statistischen Section der k. k. mähr.-schles. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde. Herausgegeben von d’Elvert (Brünn, 4°.) 1857, Nr. 11, S. 85: „Der Dichter Závišc von Rosenberg“, von Julius Feifalik; 1858, S. 95: „Nachtrag“ von Ebendemselben. – Mittheilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen. X. Jahrg. (1872). S. 145: „Zawisch von Falkenstein“, von Mathias Pangerl.]